Ziel des Forschungs- und Entwicklungsprojektes LuPE ist die Erarbeitung, Erprobung und Evaluation eines Qualifizierungskonzepts sowie entsprechender Unterrichtsmaterialien für angehende Erzieherinnen und Erzieher an der Fachschule, um eine alltagsintegrierte MINT-Bildung in Kindertageseinrichtungen vorzubereiten.

Die Qualifizierung der angehenden Erzieherinnen und Erzieher für eine alltagsintegrierte Bildung im MINT-Bereich erfolgt gemäß dem neuen, länderübergreifenden Lehrplan für Fachschulen im Lernfeld 4 „Sozialpädagogische Bildungsarbeit in den Bildungsbereichen professionell gestalten“. Das kompetenzorientierte Konzept von LuPE legt dabei einen Schwerpunkt auf die Verzahnung von Theorie und Praxis an den beiden Lernorten Fachschule (bzw. Fachakademie) und Kindertageseinrichtung.


Aktuelles

LuPE-Handreichung erschienen

Im Oktober 2018 ist die Publikation "Frühe alltagsintegrierte naturwissenschaftliche Bildung - Handreichung für Lehrende" erschienen, die die Ergebnisse der ersten Phase des Projekts LuPE zusammenfasst.

Sie enthält das LuPE-Unterrichtskonzept mit entsprechenden Unterrichtsmaterialien für Fachschulen der Sozialpädagogik. Die Materialien wurden gemeinsam mit Fachschullehrkräften entwickelt und dienen der Ausbildung von Kompetenzen für eine frühe alltagsintegrierte Bildung im Bereich Naturwissenschaften.

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Die Lebenswelt der Kinder als Ansatzpunkt

Kinder erkunden eigenaktiv mit all ihren Sinnen die Welt. Sie entwickeln aus ihrer Lebenswelt, aus alltäglichen Sinnbezügen heraus Interessen und Fragen und setzen sich dabei mit sich, ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt auseinander. Hierbei wird deutlich, dass bereits junge Kinder Neugier, Begeisterung und ein großes Interesse an naturwissenschaftlichen, mathematischen und technischen Phänomenen zeigen (Gasteiger 2019; Steffensky 2018). Das LuPE-Konzept setzt dabei auf eine alltagsintegrierte Bildungsbegleitung und misst der Interaktion zwischen Fachkraft und Kind eine große Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund stehen im Projekt Interaktionsformate wie das Sustained Shared Thinking (SST; Hopf 2012) besonders im Mittelpunkt.

Die Lehr- und Praxismaterialien werden theoriebasiert und in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis entwickelt.

Ziel des Qualifizierungskonzeptes für die Ausbildung von pädagogischen Fachkräften ist der Erwerb einer Analyse- und Reflexionskompetenz für pädagogisches Handeln sowie die Entwicklung einer professionellen und reflexiv-forschenden Haltung, die durch die intensive Auseinandersetzung mit konkreten Situationen des pädagogischen Alltags im MINT-Bereich erworben werden sollen (Fröhlich-Gildhoff et al. 2014).

Die Erprobung der Materialien erfolgt in enger Zusammenarbeit mit ausgewählten Fachschulen in verschiedenen Bundesländern und über ein ganzes Schuljahr hinweg. Diese Erprobungsphase von LuPE-I wurde prozessbegleitend evaluiert. Dabei wurde vor allem nach Unterrichtsänderungsprozessen durch LuPE, nach Bedingungen einer erfolgreichen fachübergreifenden Kooperation zwischen Fachschullehrkräften sowie nach der Ausbildung einer Analysekompetenz bei den Fachschülerinnen und Fachschülern gefragt.

Eine exemplarische Analyse der Schul- und Unterrichtsstruktur sowie der Lehr- und Bildungspläne der Länder soll die Grundlage für weitere Disseminationsvorhaben legen.

In einer ersten Phase wurde ein Qualifizierungskonzept für den Bereich der frühen naturwissenschaftlichen Bildung entwickelt, implementiert und evaluiert.

Publikation

In Kooperation mit Lehrkräften aus Fachschulen, Berufskollegs und Fachakademien ist dabei Unterrichtsmaterial nach dem LuPE-Konzept für eine alltagsintegrierte naturwissenschaftliche Bildung entstanden. Dieses wurde im Oktober 2018 als Handreichung veröffentlicht und enthält neben grundlegenden Texten verschiedene Arbeitsmaterialien sowie einen digitalen Datenträger .

Dissemination

Das LuPE-Konzept wird bis Ende des Schuljahres 2018/19 im Unterricht aller interessierten Fachschulen für Sozialpädagogik bzw. Fachakademien der bisher beteiligten Länder (Bayern, Thüringen, Nordrhein-Westfalen) und in weiteren Bundesländern eingesetzt. Auf Grundlage der 2018 erschienenen Handreichung werden die beteiligten Fachschulen zu Konsultationsstandorten ausgebaut und die beteiligten Fachschulehrkräfte sowie Fachmitarbeiterinnen und Fachmitarbeiter zu Multiplikatorinnen und Multiplikatoren weitergebildet.

Ziele dieses Anschlussprojektes sind die Fertigstellung der LuPE-Publikation, die Dissemination des LuPE-Konzeptes zur alltagsintegrierten naturwissenschaftlichen Bildung, die Fortsetzung der Evaluation und die Erweiterung des Unterrichtskonzeptes um die frühe mathematische Bildung. Gleichzeitig soll die Nutzung digitaler Werkzeuge in der Ausbildung insbesondere mit Blick auf Videografie ausgebaut und weiterentwickelt werden.

Förderung mathematischer Bildung und Medienkompetenz

Um den mathematischen Bezug von Fragen und Themen der Kinder im pädagogischen Alltag systematisch zu erkennen und aufzugreifen, müssen pädagogische Fachkräfte sensibel sein für mathematische Fragestellungen und über entsprechende professionelle Handlungskompetenzen verfügen (Gasteiger u.a. 2016). So kann eine Begleitung und Förderung des Kindes im mathematischen Bereich ermöglicht werden. Es rückt daher die Frage nach der didaktischen Gestaltung einer alltagsintegrierten und an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder orientierten frühen mathematischen Bildung in den Fokus (Gasteiger 2010). LuPE setzt dabei bereits in der Ausbildung angehender pädagogischer Fachkräfte an.

Nachdem in LuPE-I das Thema Videografie mit den Teilaspekten Technik, Software und Datenschutz bereits erprobt und geübt wurde, wird der Umgang mit diesem Medium hier weitergeführt und erweitert. Durch das Arbeiten mit Videografie wird den angehenden pädagogischen Fachkräften der reflektierte Einsatz digitaler Werkzeuge im Arbeitsfeld des Kindergartens ermöglicht.

Benz, Christiane/Peter-Koop, Andrea/Grüßing, Meike (2015): Frühe mathematische Bildung. Mathematiklernen der Drei- bis Achtjährigen. Berlin

Fröhlich-Gildhoff, Klaus/Nentwig-Gesemann, Iris/Pietsch, Stefanie/Köhler, Luisa/Koch, Maraike (2014): Kompetenzentwicklung und Kompetenzerfassung in der Frühpädagogik: Konzepte und Methoden. Materialien zur Frühpädagogik. Bd. 13. Freiburg

Gasteiger, Hedwig (2010): Elementare mathematische Bildung im Alltag der Kindertagesstätte. Grundlegung und Evaluation eines kompetenzorientierten Förderansatzes. Münster

Gasteiger, Hedwig/Benz, Christiane (2016): Mathematikdidaktische Kompetenz von Fachkräften im Elementarbereich – ein theoriebasiertes Kompetenzmodell. In: Journal für Mathematik- Didaktik, 37. Jgl, H. 2, S. 263-287

Hopf, Michaela (2012): Sustained Shared Thinking im frühen naturwissenschaftlich-technischen Lernen. Münster

Kucharz, Diemut/Mackowiak, Katja/Ziroli, Sergio/Kauertz, Alexander/Rathgeb-Schnierer, Elisabeth/Dieck, Margarete (Hrsg.): Professionelles Handeln im Elementarbereich (PRIMEL). Eine deutsch-schweizerische Videostudie. Münster

Steffensky, Mirjam (2017): Naturwissenschaftliche Bildung in Kindertageseinrichtungen. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, WiFF Expertisen, Band 48. München


Im Fokus der Fachtagung stand das LuPE-Unterrichtskonzept und seine konkrete Umsetzung in den LuPE-Schulen in Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

MINT-Bildung ist ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnt, insbesondere durch die Erkenntnis, dass Kinder sich bereits im frühen Alter beispielsweise für naturwissenschaftsbezogene Inhalte und Phänomene in ihrer Lebenswelt interessieren. Die feste Verankerung dieses Themenkomplexes in den frühpädagogischen Curricula der Länder hat dazu beigetragen, dass auch in der Ausbilung frühpädagogischer Fachkräfte dem MINT-Bereich mehr Beachtung geschenkt wird. Jedoch ist das Anregen und Begleiten von Bildungsprozessen im MINT-Bereich häufigt eine besondere Herausforderung für angehende pädagogische Fachkräfte.

Ein Ziel des Forschungs- und Entwicklungsprojektes "LuPE - Lehr- und Praxismaterial für die Erzieherinnenausbildung" ist die Entwicklung eines Unterrichtskonzeptes für die frühe alltagsintegrierte MINT-Bildung an der Fachschule für Sozialpädagogik. Das Konzept baut auf dem länderübergreifenden Lehrplan für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern auf und setzt auf eine stärkere Verzahnung von Theorie und Praxis. In enger Zusammenarbeit mit Fachschullehrkräften aus den am Projekt beteiligten Bundesländern werden Unterrichtsmaterialien im Sinne dieses Konzepts erarbeitet, erprobt und im Rahmen einer Publikation allen interessierten Lehrenden in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte zur Verfügung gestellt.

Etwa 180 Fachleute aus Wissenschaft und Fachpraxis aus ganz Deutschland trafen sich am 21. und 22. November 2018 im Leonardo-Hotel in Weimar. Das Tagungsprogramm bot vielfältige Anlässe zur Begegnung und zum Austausch. Begrüßt wurden die Tagungsteilnehmer*innen von Thomas Schmitt (Deutsche Telekom Stiftung), Prof. Dr. Bernhard Kalicki (DJI), Dr. Margarita Stolarova (DJI) und dem Projektteam, welche gleichzeitig in die Thematik der Tagung einführten. Im Rahmen von neun Workshops hatten die Teilnehmer*innen die Gelegenheit, mögliche Umsetzungen des LuPE-Unterrichtskonzepts kennenzulernen. Diese wurden von LuPE-Lehrkräften aus Nordrhein-Westfalen und Thüringen vorgestellt und boten Einblicke in verschiedene Aspekte der Gestaltung des Unterrichts nach dem LuPE-Konzept.

In anschließenden Kurzvorträgen zu LuPE-Kernthemen sprachen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verschiedenen Aspekten, wie die Anforderungen einer alltagsintegrierten Bildungsbegleitung (Dr. Katja Flämig, DJI), die Gestaltung und praktische Umsetzung von Bildungsprozessen im MINT-Bereich (Prof. Dr. Annette Schmitt, Hochschule Magdeburg-Stendal) und authentische Kontexte für die MINT-Bildung (Prof. Dr. Hanno van Keulen, Windesheim Flevoland University of Applied Sciences).

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich die Vortragenden gemeinsam mit Knut Effler vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport über aktuelle Fragen zu "MINT in der Erzieherinnenausbildung" aus. Alle Diskutierenden auf dem Podium waren sich dabei einig, dass die Bedeutung des Bildungsbereichts MINT in der Frühpädagogik nicht zu unterschätzen ist. Gerade vor dem Hintergrund einer zunehmenden Digitalisierung, den Veränderungen der Lebens- und Arbeitswelt sowie der Diskussion um Bildungs- und Chancengerechtigkeit wird diese Bedeutung spürbar. Jedoch wurde auch kritisch betrachtet, dass sich Veränderungen auf mehreren Ebenen vollziehen müssen und dass hierfür eine enge Kooperation von Wissenschaft, Praxis und Bildungsadministration notwendig ist. Eine bundeslandübergreifende Zusammenarbeit, wie sie für das Projekt LuPE entwickelt wurde und weiterentwickelt wird, schien den Anwesenden ein geeigneter Rahmen dafür.

KurzvorträgeAlltagsintegrierte BildungsbegleitungDr. Katja Flämig, Deutsches Jugendinstitut

Elementardidaktische Methoden im Bereich MINT
Prof. Dr. Annette Schmitt, Hochschule Magdeburg-Stendal

MINT und Lebenswelten der Kinder
Prof. Dr. Hanno van Keulen, Windesheim Flevoland University of Applied Sciences


Aus den Workshops

Videografie und Videoanalyse zur Reflexion von Bildungssituationen im Bereich der naturwissenschaftlich-technischen Bildung
Jens Daniel, Marie-Elise-Kayser-Schule, Erfurt

LuPE-Werkstatt. Raumgestaltung und praktische Unterrichtsmöglichkeiten in der Fachschule für Sozialpädagogik
Timo Müller und Irene Tilly, Berufskolleg Simmerath/Stolberg

 

 

Weitere Informationen können Sie auch der Homepage der Deutschen Telekom Stiftung entnehmen:
https://www.telekom-stiftung.de/de/lupe.

Contact

+49 89 62306-294
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 Munich

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