Zur Beurteilung der Qualität in der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) bedarf es einer bundesweiten Datenbasis, welche Auskunft über die Rahmenbedingungen des Systems gibt und dabei sowohl die regionalen Besonderheiten als auch die verschiedenen Akteure im System der FBBE und deren Perspektiven auf Qualität berücksichtigt.
Ziel des Forschungsvorhabens ERIK ist die Entwicklung eines indikatorengestützten Beobachtungsinstrumentes, das die Situation und Veränderung der Qualität im System der FBBE im bundesweiten Überblick sowie bundeslandspezifisch darstellen kann. Dies umfasst:

  • die Konzipierung, Erhebung und Analyse multiperspektivischer Befragungsdaten
  • die (Weiter-)Entwicklung von Indikatoren und Befragungsinstrumenten zu Rahmenbedingungen der Qualität in der FBBE
  • das Datenmanagement, die Datenaufbereitung und -bereitstellung sowie
  • die Publikation von Auswertungen.

Um die Perspektiven der unterschiedlichen Akteure abzubilden, werden Befragungen von Jugendämtern, Trägern, Leitungskräften und pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen, Tagespflegepersonen sowie Eltern und Kindern durchgeführt. Konzeptionell liegt diesen Vorhaben ein in der empirischen Bildungsforschung verbreitetes Modell pädagogischer Qualität zugrunde, welches Strukturmerkmale, Prozessmerkmale und Orientierungen der beteiligten Akteure unterscheidet. (vgl. z.B. Kluczniok/Roßbach 2014; Viernickel u.a. 2013; Viernickel/Schwarz 2009; Tietze u.a. 2013).
Darüber hinaus wird der Annahme Rechnung getragen, dass Qualitätsvorstellungen und -erwartungen aus Perspektive der Eltern, Kinder, Fachkräfte oder Jugendämter stark voneinander abweichen können und zwischen den Beteiligten verhandelt werden müssen (Moss 2017).

Die Elternbefragung baut auf der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) auf und ergänzt das dortige Instrument um Themenfelder zu Qualität in der FBBE und elterliche Erwartungen zu diesem Thema. KiBS befragt jährlich ca. 33.000 Eltern in ganz Deutschland. Die Stichprobe erlaubt eine sowohl auf Länder- als auch auf Bundesebene repräsentative Berichterstattung von Elternsichten auf das System der FBBE.

Die schon bestehende Stichprobe setzt sich dabei aus drei konzeptionell zu trennenden Bestandteilen zusammen:

(1) Ein Teil der Stichprobe stimmt in den jährlich stattfindenden Befragungen einer Wiederholungskontaktierung zu und kann so im Folgejahr wieder befragt werden (längsschnittlicher Panelbestandteil).
(2) Zur Erweiterung dieser Panelstichprobe werden zusätzlich spätestens alle zwei Jahre weitere Eltern kontaktiert und in die Stichprobe aufgenommen, um über ausreichend große Fallzahlen pro Altersjahrgang und Bundesland berichten zu können (Aufstockungsbestandteil).
(3) Um auch die Sichtweise von Eltern einbeziehen zu können, deren Kinder noch sehr jung sind und die sich erst Gedanken über mögliche (zukünftige) Betreuungsarrangements machen, werden ebenfalls spätestens alle zwei Jahre Eltern von Neugeborenen kontaktiert und um Teilnahme gebeten (Auffrischungsbestandteil). Die Befragung zur Elternsicht auf Qualität ist in allen drei Teilgruppen geplant.

Obwohl Kindern im System der FBBE eine zentrale Rolle zukommt, existieren bislang nur wenige Studien, welche die Wahrnehmung der Qualität der Kindertagesbetreuung aus der Sicht von Kindern in den Blick nehmen (Nentwig-Gesemann u.a. 2017).
Im Projekt ERIK soll die Perspektive der Kinder systematisch untersucht und in die Berichterstattung zur Qualität der FBBE einbezogen werden. Hierzu wird erstmalig im Jahr 2021 eine Kinderbefragung durchgeführt.
Die bundesweit repräsentative Stichprobe wird auf Basis der Stichprobe der DJI-Kinderbetreuungsstudie (KiBS) gezogen. Da die Befragung von Kindern methodische und ethische Herausforderungen mit sich bringt (vgl. z.B. Fargas-Malet u.a. 2010), werden vorab geeignete Instrumente entwickelt und in Pilotstudien getestet. Die Kinder werden hinsichtlich ausgewählter Aspekte von Qualität zu Wort kommen, die aus Kinderperspektive beurteilt werden können. Diese könnten z.B. die soziale Eingebundenheit in der Kindertagesbetreuung, die Konstanz der Sozialstruktur, die Beteiligung an Förderangeboten, den Kontakt zu den pädagogischen Fachkräften oder die Einschätzung von Gesundheits- und Bewegungsangeboten sowie der Verpflegung umfassen.

Ziel der Jugendamtsbefragung ist die Erfassung von Qualitätsindikatoren in den auf Kindertagesbetreuung bezogenen Aufgaben- und Zuständigkeitsbereichen der Jugendämter bzw. der für Kindertagesbetreuung zuständigen Referate in den Kommunalverwaltungen (Stöbe-Blossey 2012).
Die Jugendamtsbefragungen thematisieren v.a. zentrale Angebote und Maßnahmen der Qualitätssicherung und -entwicklung, die örtliche Bedarfsplanung und Bedarfsgerechtigkeit der Angebote sowie die Organisation der Kindertagespflege. Darüber hinaus ist die Sicht der Jugendämter auf die lokale Situation und Herausforderungen der Kindertagesbetreuung von Interesse.
Die Jugendamtsbefragung wird als Vollerhebung in allen Jugendamtsbezirken bundesweit durchgeführt. Anfang 2020 findet die erste und Ende 2021/Anfang 2022 die zweite Erhebungswelle statt.

Die Erfassung von Rahmen- und Entwicklungsbedingungen von Qualität in Kindertageseinrichtungen sowie darauf bezogener Herausforderungen wird das Ziel der Trägerbefragung darstellen (Mader/Menz 2019).
Die Träger werden dabei vor allem zu Themen der Professionalisierung und Fachkräftesicherung sowie der Qualitätssteuerung befragt.
Die erste Befragungswelle ist 2020 vorgesehen, die zweite findet Ende 2021/Anfang 2022 statt. Die bundesweit repräsentative Stichprobe soll die Vielfalt der Trägerlandschaft als auch die Größe des jeweiligen Bundeslandes berücksichtigen.

Die Befragungen in Kindertageseinrichtungen umfassen zwei verschiedene, jedoch verzahnte Survey-Erhebungen bei Leitungskräften von Kindertageeinrichtungen und pädagogischen Fachkräften.
Ziel der Erhebungen ist, die Sicht der Fachkräfte und Leitungen auf die Rahmenbedingungen ihrer pädagogischen Arbeit und Entwicklungsbedingungen von Qualität zu erheben (Viernickel u.a. 2013; Schreyer u.a. 2014). Die Themen beziehen sich dabei u.a. auf Fragen zur Qualifizierung und Weiterbildung, Personal- und Ressourcenausstattung der Einrichtung.

Die Befragung von Tagespflegepersonen wird weitgehend parallel zur Befragung der pädagogischen Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen angelegt, zugleich muss sie die Spezifika der Kindertagespflege abbilden (Lipowski/Wirner 2019).
Ziel ist auch hier, die Rahmenbedingungen der pädagogischen Arbeit der Tagespflegepersonen und Entwicklungsbedingungen von Qualität zu erfassen. Die Themen beziehen sich dabei u.a. auf Fragen zur Qualifizierung und Weiterbildung sowie zu den Arbeitsbedingungen der Tagespflegepersonen.


Fargas-Malet, Montserrat/McSherry, Dominic/Larkin, Emma/Robinson, Clive (2010): Research with children: Methodological issues and innovative techniques. In: Journal of Early Childhood Research, 8. Jg., H. 2, S. 175–192

Kluczniok, Katharina/Roßbach, Hans-Günther (2014): Conceptions of educational quality for kindergartens. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 17. Jg., H. 6, S. 145–158

Lipowski, Hilke/Wirner, Lisa (2019): Kindertagespflege im Wandel. In: DJI-Impulse. Frühe Bildung. Bilanz und Perspektiven für Deutschland. Nr. 121, H. 1, S. 25-29 [online unter: https://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bulletin/d_bull_d/bull121_d/DJI_1_19_Web.pdf]

Mader, Marius/Menz, Margarete (2019): Steuerung im Elementarbereich – Qualitätssicherung und -entwicklung aus Sicht von Trägern. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung, Jg. 14, H. 2, S. 213-226

Moss, Peter (2017): Power and resistance in early childhood education: From dominant discours to democratic experimentalism. In: Journal of Pedagogy, 8. Jg., H. 1, S. 11–32

Nentwig-Gesemann, Iris/Walther, Bastian/Thedinga, Minste (2017): Kita-Qualität aus Kindersicht. Eine Studie des DESI-Instituts im Auftrag der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Deutsche Kinder- und Jugendstiftung & Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration (Hrsg.). Berlin

Schreyer, Inge/Krause, Martin/Brandl, Marion/Nicko, Oliver (2014): AQUA - Arbeitsplatz und Qualität in Kitas. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik

Stöbe-Blossey, Sybille (2012): Governance und Qualität in der Elementarbildung. In: Ratermann, Monique/Stöbe-Blossey, Sybille (2012): Governance von Schul- und Elementarbildung – Vergleichende Betrachtungen und Ansätze der Vernetzung. Springer VS

Tietze, Wolfgang/Becker-Stoll, Fabienne/Bensel, Joachim/Eckhardt, Andrea/Haug-Schnabel, Gabriele/Kalicki, Bernhard/Keller, Heide/Leyendecker, Birgit (Hrsg.) (2013): NUBBEK. Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit. Berlin

Viernickel, Susanne/Nentwig-Gesemann, Iris/Nicolai, Katharina/Schwarz, Stefanie/Zenker, Luise (2013): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung. Bildungsaufgaben, Zeitkontingente und strukturelle Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen. Berlin

Viernickel, Susanne/Fuchs-Rechlin, Kirsten/Strehmel, Petra/Preissing, Christa/Bensel, Joachim/Haug-Schnabel, Gabriele (2016): Qualität für alle. Wissenschaftliche begründete Standards für die Kindertagesbetreuung. Verlag Herder

Viernickel, Susanne/Schwarz, Stefanie (2009): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung. Wissenschaftliche Parameter zur Bestimmung der pädagogischen Fachkraft-Kind-Relation. Expertise. Berlin

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