Das Forschungsvorhaben ist eine Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Landshut (Prof. Barbara Thiessen) im Rahmen des Bayerischen Forschungsverbunds ForGenderCare. Es zielt auf die Untersuchung der Care-Praxen von Vätern in Familien.

Ausgangspunkt ist der bemerkenswert hohe Anteil von Vätern in Bayern, die Partnermonate im Rahmen des Elterngeldes beanspruchen. 2014 liegt der Anteil der Väter, die Elterngeld beziehen, bundesweit bei 29,3%, in Bayern aber bei 38,1% (Statistisches Bundesamt 2014). Die Gründe, Motivationen und nachhaltigen Effekte der Nutzung der Partnermonate sind bislang weitgehend unklar. Ebenso kaum untersucht sind die diesbezüglichen Aushandlungen im Paarkontext. Es kann vermutet werden, dass Umfang und Art der Beteiligung an der Sorgearbeit für gemeinsame Kinder Bestandteil alltäglicher Aushandlungsprozesse sind, bei denen auch bestehende Geschlechterkonzepte sowie Leitbilder von Vaterschaft und Mutterschaft mitverhandelt und ggf. verändert werden (Evertsson 2014, Fthenakis/Minsel 2002). Diese können regionalen sowie milieubedingten Differenzierungen unterliegen (Wippermann u.a. 2009), die im Forschungsprojekt systematisch berücksichtigt werden.

Untersucht werden soll, wie sich Väter in Bayern während, aber auch, nach Ablauf der Elternzeit an der Care-Arbeit für Kinder beteiligen und welche partnerschaftlichen Aushandlungsprozesse hierbei eine Rolle spielen. Erwartet werden Erkenntnisse über Bedingungen und Veränderungspotenziale genderbezogener Arbeitsteilungsmuster in Familien. Daraus lassen sich konkrete Bedarfe im Hinblick auf familienpolitische Weiterentwicklungen sowie Anforderungen an eine gesteigerte Familienfreundlichkeit von Arbeitsplätzen formulieren.

 

Die Untersuchung nutzt ein Mixed-Methods-Design und umfasst ein quantitatives und ein qualitatives Modul. Beim quantitativen Modul, das vom DJI durchgeführt wird, ist im ersten Schritt eine regional differenzierte Auswertung der bayerischen Elterngeldstatistik vor dem Hintergrund der Bundesstatistik geplant. Im zweiten Schritt ist eine standardisierte Befragung von Vätern mit unter dreijährigen Kindern in Bayern vorgesehen. Von Interesse sind Fragen nach den care-relevanten Selbstkonzepten der Väter, den Motiven für oder gegen eine Elterngeldnutzung, der Paarqualität, partnerschaftlichen Aushandlungsprozessen, der väterlichen Beteiligung an der Sorgearbeit sowie Auswirkungen auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Parallel dazu wird das qualitative Modul an der HAW durchgeführt. Geplant ist eine qualitative Befragung von Vätern in Elternzeit im städtischen und ländlichen Raum sowie deren Partnerinnen in unterschiedlichen Milieus. Erstmals in Deutschland wird diese Befragung als Längsschnittstudie mit zwei Befragungszeitpunkten (während der Elternzeit und danach) durchgeführt, um nachhaltige Effekte ermitteln zu können.

Evertsson, Marie (2014): Gender Ideology and the Sharing of Housework and Child Care in Sweden. In: Journal of Family Issues, 35. Jg., H. 7, S. 927–949

Fthenakis, Wassilos. E./Minsel, Beate (2002): Die Rolle des Vaters in der Familie. Stuttgart/Berlin/Köln

Statistisches Bundesamt (2014): Statistik zum Elterngeld. Beendete Leistungsbezüge für im Jahr 2012 geborne Kinder. Januar 2012 bis März 2014. Wiesbaden

Wippermann, Carsten/Calmbach, Marc/Wippermann, Katja (2009): Männer: Rolle vorwärts, Rolle rückwärts? Identitäten und Verhalten von traditionellen, modernen und postmodernen Männern. Opladen

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