Das Kompetenzteam Jugend nimmt die Altersbereiche der Jugend (von ca. 12 bis 20 Jahren) und des jungen Erwachsenenalters (von 20 bis ca. 30 Jahren) in den Blick. Das Jugend- und junge Erwachsenenalter ist durch eine hohe Dynamik gekennzeichnet und lässt sich vor allem durch die Bewältigung spezifischer Entwicklungsaufgaben und Statuspassagen wie der Abnabelung von den Eltern, dem Auszug aus dem elterlichen Haushalt, des Aufbaus von Gleichaltrigen- und Partnerschaftsbeziehungen, des Erwerbs schulischer und beruflicher Qualifikationen und den Übergang in das Erwerbsleben sowie der Familiengründung beschreiben.

Im Kontext von AID:A stehen neben der Sozialberichterstattung über die Lebenslagen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen derzeit folgende Themen im Zentrum der Auswertungen:

 

Schwerpunkt der Analysen sind Schritte, die den Übergang von der Kindheit in die Jugend und von der Jugend ins Erwachsenenalter markieren (Konietzka 2010). Neben Zeitpunkt und zeitlicher Verknüpfung verschiedener Verselbstständigungsschritte soll zukünftig auch verstärkt die subjektive Perspektive (z.B. Selbstverständnis als Kind/Jugendliche_r/Erwachsene_r, subjektiv empfundener Zeitdruck) in den Blick genommen werden. Wo es sich anbietet, ist geplant, neben der Perspektive der Jugendlichen selbst auch die Sichtweise der Eltern auf ihre Kinder dazu ins Verhältnis zu setzen.

Die replikative Erfassung von politischem Interesse und politischer Partizipation ermöglicht die Fortsetzung der Trendanalysen in diesen Bereichen und erlaubt Antworten auf folgende immer wieder an die Jugendforschung gestellte Fragen (Gürlevik u.a. 2016): Lässt sich eine weitere Politisierung junger Menschen beobachten? Zeigt sich weiterhin eine relativ stabile Beteiligung junger Leute in den verschiedenen Vereinen, Verbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen?

Neben Trendanalysen sowie der empirischen Prüfung etablierter Erklärungsmodelle politischer Partizipation erlaubt die in AID:A 2019 neu aufgenommene Fragebatterie zu Haltungen im Spektrum von Machtorientierung/Feindseligkeit sowie Ängstlichkeit/Konventionalität neue Analysemöglichkeiten im Hinblick auf die Bedeutung solcher vorpolitischen Orientierungen für die Beteiligung in den Mitbestimmungsstrukturen in Schule, Ausbildungsinstitutionen oder Betrieb sowie in Vereinen und Politik. Im Rahmen des AID:A-Panels III werden zudem die Engagementkarrieren junger Menschen aus einer Lebensverlaufsperspektive heraus untersucht.

Einen besonders relevanten Aspekt von Lebenswelten Jugendlicher und junger Erwachsener nehmen Sozialbeziehungen zu Gleichaltrigen ein. Speziell Freunde üben als Bezugs- und Orientierungspunkt einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung und Sozialisation junger Menschen aus (Harring u.a. 2010). In AID:A 2019 gilt es diesen Lebensbereich systematischer und umfassender als in den vorherigen Wellen abzubilden. Neben der Zusammensetzung des Freundeskreises nach verschiedenen Merkmalen wie Ethnie, Geschlecht etc. werden darüber hinaus Orte und Praxen von Freundschaftsbeziehungen betrachtet. Dies mündet in interessante Fragenstellungen wie: „Welche Bedeutung weisen institutionelle und regionale Rahmenbedingungen (z.B. Ganztags- versus Halbtagsschule) für die Homogenität in Freundeskreisen auf?“ oder „Sind Freundschaften noch auf physischen Kontakt angewiesen (Offline vs. Online Freundschaften)?“. Im Rahmen eines zusätzlichen Auswertungsprojekts, das in der Fachgruppe J1 angesiedelt ist, werden des Weiteren inter- und intra-ethnische Freundschaften von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bearbeitet.

Seit einigen Jahrzehnten verändern sich die etablierten Trajekte des Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungssystems. Diesen Prozessen wird auch im Rahmen von AID:A 2019 durch längs­schnittlich angelegte Untersuchungen zur Bildungsbeteiligung  und zu den Bildungs- und Erwerbsverläufen Jugendlicher und junger Erwachsener nachgegangen. Im Unterschied zu AID:A I und AID:A II werden dabei zum einen die Beteiligung an non-formaler Bildung in den Blick genommen; zum anderen wird in den Analysen der Fokus auf multiple soziale Ungleichheitslagen gelegt (Bourdieu 1986; Klinger/Knapp 2007). Relevante Fragen sind u.a.: Lohnt sich mehr Bildung bzw. lohnen sich verlängerte Bildungszeiten? Welchen Einfluss haben unterschiedliche Schullaufbahnen (u.a. Auf- und Abstiege) auf die Übergänge in die Ausbildung und Beschäftigung? Ist prekäre Beschäftigung ein Übergangsphänomen oder dauerhaftes Erwerbsschicksal junger Erwachsener? (in Kooperation mit dem Kompetenzteam „Sozialberichterstattung“).

Mobbingerfahrungen von Jugendlichen, entweder als Opfer oder als Täter/innen, können riskante und belastende Ereignisse im Aufwachsen darstellen. Die enge Verknüpfung von Opfer- und Tätererfahrungen, die im Jugendalter eine große Rolle spielt, wird unter Berücksichtigung von Risikokonstellationen und Schutzfaktoren analysiert. In AID:A 2019 werden negative Erfahrungen Jugendlicher mit Gleichaltrigen sowohl hinsichtlich verschiedener Formen als auch Kontexte, in denen sie diese Erfahrungen gemacht haben, ausdifferenziert erfasst. Dies erlaubt eine genauere Beschreibung solcher belastender Erfahrungen als in AID:A I und II.

Bourdieu, Pierre (1986): The Forms of Capital. In: John George Richardson (Hrsg.): Handbook of theory and research for the sociology of education. New York. S. 241–258

Gürlevik, Aydin/Hurrelmann, Klaus/Palentin, Christian (Hrsg.) (2016): Jugend und Politik. Politische Bildung und Beteiligung von Jugendlichen. Wiesbaden

Harring, Marius/Böhm-Kasper, Oliver/Rohlfs, Carsten/Palentien, Christian (Hrsg.) (2010): Freundschaften, Cliquen und Jugendkulturen. Peers als Bildungs- und Sozialisationsinstanz. Wiesbaden

Klinger, Cornelia/Knapp, Gudrun-Axeli (2007): Achsen der Ungleichheit – Achsen der Differenz. Verhältnisbestimmungen von Klasse, Geschlecht, „Rasse“/ Ethnizität. In: Klinger, Cornelia/Knapp, Gudrun-Axeli/Sauer, Birgit (Hrsg.): Achsen der Ungleichheit. Frankfurt am Main, S. 19–41

Konietzka, Dirk (2010): Zeiten des Übergangs. Sozialer Wandel des Übergangs in das Erwachsenenalter. Wiesbaden


Walper, Sabine/Bien, Walter/Rauschenbach, Thomas (Hrsg.): Aufwachsen in Deutschland heute. Erste Befunde aus dem DJI-Survey AID:A 2015. München: Deutsches Jugendinstitut e.V.

Download

Gille, Martina, 2018: Jugend und Politik – ein schwieriges Verhältnis. In: DJI Impulse 1/2018, S. 16-19

Download

Contact

+49 89 62306-127
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 Munich

Sponsored by

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Additional Information

Diese Seite verwendet Cookies um die Funktionalität sicherzustellen, Zugriffe zu analysieren und die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern.
Durch die weitere Verwendung stimmen Sie der Verarbeitung von Cookies zu. Weitere Informationen und Hinweise zum Widerspruch finden Sie in der Datenschutzerklärung.