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Die Glen Mills Schools, Pennsylvania, USA. Ein Modell zwischen Schule, Kinder- und Jugendhilfe und Justiz?


Lüders, Christian/Colla, H.E/Fegert, J.M./Weitekamp, E.G./Walter, Winkler/Weis, K./Schüler-Springorum, H./u.a.
In: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.) (2002):
Die Glen Mills Schools, Pennsylvania, USA. Ein Modell zwischen Schule, Kinder- und Jugendhilfe und Justiz? Eine Expertise.
München Deutsches Jugendinstitut
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Die Glen Mills Schools, Pennsylvania, USA ist eine Privatschule für männliche, delinquente Jugendliche, die vor allem Gruppendelikte begangen haben. Dieser Schule und den in ihr angewandten Konzepten wurden in den vergangenen Jahren in der Bundesrepublik von der Fachöffentlichkeit, aber auch von den öffentlichen Medien viel Beachtung geschenkt und sie wurden kontrovers diskutiert. Die Privatschule zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass sie an der Schnittstelle zwischen Kinder- und Jugendhilfe, Schulsystem und Justiz angesiedelt ist. Genau an dieser Stelle entstehen in der Bundesrepublik Deutschland jedoch immer wieder Probleme. Unabhängig von allen Interessen hinsichtlich einer Übertragbarkeit des Konzeptes nach Deutschland provoziert das Konzept der Glen Mills Schools deshalb die Frage nach den Voraussetzungen dieses Konzeptes bzw. der Praxis, den damit gemachten Erfahrungen und den daraus zu ziehenden Konsequenzen für die bundesdeutsche Fachpraxis.
Die vorliegende Expertise basiert auf Erfahrungen, die im Verlauf eines Projektes zu den Glen Mills Schools am Deutschen Jugendinstitut e. V. in München gesammelt wurden. Es sollten aus einer fachlichen Perspektive die Chancen und Grenzen des Ansatzes der Glen Mills Schools ausgelotet werden. Im Mittelpunkt der Erstellung der Expertise steht die Bearbeitung spezieller, inhaltlich sinnvoller Fragestellungen am Beispiel der Glen Mills Schools, wobei immer auch die Voraussetzungen und die Relevanz für die Bundesrepublik im Blick behalten werden.
Dabei stehen vor allem die besondere Rolle des Sports und der peer-culture, das System von Schule, Bildung und Ausbildung, die Einbettung der Schule in die Umwelt, die Kultur der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Körperlichkeit und Sexualität im Mittelpunkt der Betrachtung. Ein weiterer Focus der Expertise liegt auf gruppenpädagogischen Ansätzen, die eine zentrale Rolle in der Konzeption der Glen Mills Schools spielen. Neben einer Untersuchung der Glen Mills Schools aus entwicklungspsychologischer Perspektive werden auch die Angaben zur Rückfallquote der ehemaligen Glen Mills Schüler untersucht.
Ziel des Projektes war es, eine vermittelnde Funktion einzunehmen, wobei eine Anregung und Unterstützung des fachlichen, fachpolitischen und öffentlichen Diskurses stattfinden sollte. Es wurde im Projektverlauf auch ein Hearing durchgeführt, zu dem zum einen VertreterInnen der bundesdeutschen Justiz eingeladen wurden, die sich bereits mit den Glen Mills Schools auseinander gesetzt haben, zum anderen Personen, die an der Entsendung Jugendlicher nach Glen Mills mitwirken bzw. die sich mit den zurückkehrenden deutschen Jugendlichen auseinander setzen. Die Statements dieser ExpertInnen sind ebenfalls in der Expertise abgedruckt.