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Zur Rolle von Vätern und Müttern bei familiärer Gewalt

Liel, Christoph/Walper, Sabine
Zur Rolle von Vätern und Müttern bei familiärer Gewalt. Ergebnisse der KiD 0-3 Vertiefungsstudie des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen.
Deutsche Gesellschaft für Psychologie Frankfurt am Main "51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie." 17.09.2018
Der Forschungsstand zu dysfunktionalem Elternverhalten (z.B. Misshandlung, Vernachlässigung, eskalierende Konflikte oder Partnergewalt) liefert Hinweise auf Risikofaktoren auf Kind-, Eltern-, Interaktions- und Familienebene (z.B. Stith et al., 2009). Bevölkerungsstudien beziehen sehr selten beide Elternteile ein, weshalb weniger über väterliche als über mütterliche Risikofaktoren bekannt ist. Im Rahmen der KiD 0-3 Prävalenz- und Versorgungsstudien des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen wurde eine Vertiefungsstudie in Zusammenarbeit mit drei universitären Kooperationspartnern durchgeführt (Zimmermann et al., 2016). In 197 Familien mit einem 11 bzw. 18 Monate alten Kind wurden sowohl Mütter als auch Väter befragt (n=197/191). Die Familien wurden basierend auf einem vorgelagerten Risikoscreening in eine gering-, mittel- und hochbelastete Gruppe stratifiziert und im Abstand von sieben Monaten längsschnittlich untersucht. Im Selbstbericht wurden elterliche Psychopathologien, Stress, Unzufriedenheit mit der Partnerschaft bzw. Rollenverteilung, empfundene erzieherische Selbstwirksamkeit, Defizite im Erkennen kindlicher Emotionen, Ärger, Rigidität und Gewalterfahrungen in der Kindheit erfasst. Dysfunktionales Elternverhalten wurde mit sechs Fragen nach Verletzungen bzw. Vernachlässigungen des Kindes oder Partnergewalt seit der Geburt erfragt. Bei 19,8% der Familien wurde nach sieben Monaten dysfunktionales Elternverhalten berichtet. Die Studie zeigt genderspezifische Prädiktoren und ein logistisches Regressionsmodell, das Ängste bei Müttern und Defizite im Erkennen negativer Emotionen des Kindes bei Vätern als vorhersagekräftig bestätigt. Prädiktions-Konfigurations-Frequenz-Analysen weisen einzig die Konstellation Vater wenig sensitiv für negative Emotionen und Kind mit sozio-emotionalen Problemen als vorhersagekräftig für familiäre Gewalt nach. Die väterliche Ausschöpfungsquote und die hohe Praxisrelevanz der Befunde sprechen dafür, beide Elternteile generell in die Untersuchung von dysfunktionalem Elternverhalten einzubeziehen.

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