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Wie Jugendliche auf miterlebte Situationen sexueller Gewalt reagieren.

Hofherr, Stefan/Kindler, Heinz (2018):
Wie Jugendliche auf miterlebte Situationen sexueller Gewalt reagieren. Bystander-Verhalten als möglicher Ansatzpunkt für Prävention.
In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation
Jahrg.: 38, H. 2, S. 171-190

Im Forschungsprojekt wurden im Schuljahr 2015/2016 4.334 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe sowie deren Schulleitungen aus 128 Schulen in vier Bundesländern befragt. 86 % der Jugendlichen haben in den vergangen drei Jahren von sexuellen Gewalterfahrungen von Mitschülerinnen und Mitschülern erfahren. Die meisten Jugendlichen haben angegeben, anderen Jugendlichen geholfen zu haben, die meist verbalen Belästigungen und deutlich seltener sexuellen Übergriffen mit Körperkontakt ausgesetzt waren: Am häufigsten wurde Außenstehenden von den Situationen berichtet. Ebenfalls häufige Reaktionen waren die Konfrontation mit dem Täter bzw. der Täterin sowie das Sprechen mit der betroffenen Person. Allerdings hat eine substanzielle Minderheit der Jugendlichen – insbesondere Jungen – auch berichtet, keine Hilfe geleistet zu haben. Logistische Regressionsmodelle zeigen, dass Jugendliche vor allem dann Hilfe geleistet haben, wenn die Übergriffe durch andere Jugendliche begangen wurden, die Jugendlichen selbst von sexueller Gewalt betroffen waren und in der Schule umfassender über das Thema sexuelle Gewalt informiert wurden. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Beschäftigung mit dem Thema sexuelle Gewalt in der Schule das Bystander-Verhalten von Jugendlichen verbessern, und dadurch einen Beitrag zur Prävention sexueller Gewalt leisten könnte. In this research project, 4334 9th grade students and their principals in 128 schools were surveyed during the 2015/2016 school year. 86 % of adolescents reported having witnessed situations of sexual violence against peers. The majority of adolescents intervened in these situations: the most common intervention was telling other people about the situation. Other common reactions included confronting the perpetrator and the talking to the victim. However, many adolescents – especially boys – reported no bystander intervention behaviour at all. Logistic regressions show that adolescents were more likely to intervene if the perpetrator were also adolescent, if the adolescents experienced sexual violence themselves and if they had received more information about the subject of sexual harassment in school. The results indicate that informing students about sexual harassment could improve bystander behaviour of adolescents and contribute to the prevention of sexual violence.

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