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Partnerschaftsgewalt und Kindeswohl


Kindler, Heinz
In: Kindeswohlgefährdung und Allgemeiner Sozialer Dienst (ASD) (Hrsg.) (2002):
Partnerschaftsgewalt und Kindeswohl. Eine meta-analytisch orientierte Zusammenschau und Diskussion der Effekte von Partnerschaftsgewalt auf die Entwicklung von Kindern: Folgerungen für die Praxis.
München Deutsches Jugendinstitut
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Im ersten Teil des Arbeitspapiers (Kap. 2) wird der Forschungsstand zu den Auswirkungen eines Miterlebens wiederholter und/oder massiver Partnerschaftsgewalt auf den Entwicklungsverlauf von Kindern in einer teils narrativen, teils meta-analytisch orientierten Übersicht dargestellt. Die in der Literatur berichteten negativen Effekte auf verschiedene kindliche Entwicklungsbereiche erweisen sich überwiegend als moderat bis stark und entsprechen damit den bekannten Effekten anderer familiärer Problemkonstellationen (z.B. Suchterkrankung eines Elternteils oder beider Eltern), in denen Maßnahmen der Jugendhilfe oder des Familiengerichtes regelhaft als gerechtfertigt angesehen werden. Im zweiten Teil des Arbeitspapiers (Kap. 3) wird anhand vorliegender empirischer Befunde erörtert, welche – kausalen oder nicht kausalen - Prozesse für das Zustandekommen der berichteten negativen Effekte eines Miterlebens von Partnerschaftsgewalt auf die Entwicklung von Kindern verantwortlich sein könnten. Im Bereich nicht-kausaler Vermittlungswege finden sich hierbei deutliche Hinweise auf eine häufige Koinzidenz von Partnerschaftsgewalt und körperlichen Kindesmisshandlungen, sowie schwache Hinweise auf einen Vermittlungszusammenhang über geteilte genetische Merkmale. Im Bereich kausaler Vermittlungswege sprechen die vorliegenden Befunde am deutlichsten für einen direkten negativen Effekt miterlebter Partnerschaftsgewalt auf innerpsychische Prozesse bei den betroffenen Kindern, wobei anhaltende Gefühle der Bedrohung und Überforderung, sowie eine verringerte emotionale Sicherheit als vermittelnde Prozesse beschrieben werden. Kaum Belege finden sich dagegen für eine in der Regel gewaltbedingt eingeschränkte Erziehungsfähigkeit der betroffenen Mütter. Für die Praxis der Kinder- und Jugendhilfe belegen die vorliegenden Befunde zunächst einmal eine Indikatoren- oder Warnfunktion vorhandener Partnerschaftsgewalt im Hinblick auf andere familiär vorhandene Gefahren für das Kindeswohl (z.B. Kindesmisshandlung). Darüberhinaus kann ein Miterleben von Partnerschaftsgewalt aber auch für sich genommen eine Gefahr für das Kindeswohl darstellen. In der internationalen Diskussion ist daher der Konsens gewachsen, dass Partnerschaftsgewalt einen Umstand darstellt, der von Einrichtungen der Jugendhilfe aktiv aufgegriffen werden muß. Praktische Folgerungen eines solchen Aufgreifens im Hinblick auf Sorge- und Umgangsregelungen, die Unterstützung von Müttern bzw. Eltern bei einer Beendigung von Partnerschaftsgewalt, die Prüfung einer eventuell vorliegenden Kindeswohlgefährdung und die Unterstützung der betroffenen Kinder werden in dritten Teil des Arbeitspapiers erörtert (Kap. 4).


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