Hintergrund

 

In allen Fällen von Fremdadoption kann die Adoption als Intervention verstanden werden, die zu positiver Entwicklung eines Kindes nach häufig negativen Vorerfahrungen beitragen kann (van Ijzendoorn und Juffer 2006). Forschungsbefunde bestätigen eindrücklich die Chancen, die Adoptionen Kindern für ihre Entwicklung bieten können (z.B. Selwyn und Quinton 2004; van Ijzendoorn und Juffer 2006). Dennoch zeigen internationale Studien auch, dass Adoptivkinder häufiger als gleichaltrige Kinder Entwicklungsrückstände aufweisen, psychisch belastet sind und mehr Bindungsprobleme sowie Lernschwierigkeiten haben als nicht-adoptierte Kinder (z.B. Juffer und van Ijzendoorn 2012; Palacios und Brodzinsky 2010; van den Dries et al. 2009).

 

In einer vom Bundesministerium der Familien, Senioren, Familie und Jugend (BMFSFJ) geförderten Studie wurden in den Jahren 2016 bis 2017 erstmals in Deutschland eine größere Gruppe von Adoptivfamilien (N=257) zu ihren Erfahrungen und ihrer Lebenssituation befragt. Im Fokus standen dabei unter anderem die Entwicklung und Belastungen der Kinder, die Belastungen der Eltern sowie die damit im Zusammenhang stehenden Unterstützungsbedarfe der Familien. Die zentralen Befunde dieser ersten Erhebung zeigen, dass etwa 25% der Kinder, die im Inland adoptiert wurden, sowie 38% der Kinder, die aus dem Ausland adoptiert wurden, Belastungen in Form von klinisch relevanten Verhaltensproblemen, auffälligem Bindungsverhalten und/oder Entwicklungsverzögerungen aufwiesen. Risikofaktoren für ein erhöhtes Auftreten von klinisch relevanten Belastungen der Kinder waren vor allem negative Vorerfahrungen wie Misshandlung und Vernachlässigung sowie eine längere Fremdunterbringung vor der Adoption. Je mehr belastende Vorerfahrungen die Adoptivkinder erlebt hatten und je länger sie vor der Adoption in einem Heim lebten, desto mehr Probleme in der Entwicklung und Verhalten hatten die Adoptivkinder nach der Adoption. Diese Belastung der Kinder war auch mit einer erhöhten Belastung der Adoptiveltern assoziiert. So waren Eltern mit belasteten Adoptivkindern selber belasteter, berichteten mehr psychosomatische Symptome, erlebten sich als weniger selbstwirksam im Umgang mit schwierigem Verhalten der Kinder und berichteten zudem häufiger von ungünstigem Elternverhalten.

 

Ziele und Methoden der Studie.

 

Aufbauend auf der ersten Befragung ist nun geplant, die Familie ca. fünf Jahre nach Aufnahme des Kindes mittels eines Fragebogens erneut zu ihrer Lebenssituation, insbesondere zu den von ihnen wahrgenommenen Belastungen und Unterstützungsbedarfen zu befragen. Ziel der längsschnittlichen Erhebung ist dabei zu untersuchen, welche Faktoren die Entwicklungsverläufe und Belastungen der Kinder sowie die Belastungen der Eltern vorhersagen. Gleichzeitig bietet die Folgeerhebung die Möglichkeit, erst später auftretende Probleme, wie dies bei Adoptivkindern der Fall sein kann, zu beschreiben und zu analysieren.

 

Forschungsfragen

Im Projekt sollen folgende Forschungsfragen beantwortet werden:

  • Welche Veränderungen zeigen sich im Wohlbefinden und in der psychoszialen Anpassung der Kinder, d.h. wie entwickeln sich die Kinder im Hinblick auf:

    • ihre psychische Belastung
    • ihr Bindungsverhalten
    • ihre Lebensqualität in den Bereichen Selbstwert, Familie, Freunde und Funktionsfähigkeit im Alltag

  • Welche Veränderungen zeigen sich im Hinblick auf das psychische Wohlbefinden und die Belastung der Adoptiveltern?
  • Welche Zusammenhänge zeigen sich zwischen der kindlichen und der elterlichen Belastung?
  • Inwieweit beeinflussen soziale und individuelle Faktoren das Wohlbefinden und die psychosoziale Anpassung der Kinder sowie das Wohlbefinden und die Belastung der Adoptiveltern?

 

 

Juffer, F.; van Ijzendoorn, M. H. (2005): Behavior Problems and Mental Health Referrals of International Adoptees: A Meta-analysis. In: JAMA: Journal of the American Medical Association 293 (20), S. 2501–2515. DOI: 10.1001/jama.293.20.2501.

Juffer, F.; van Ijzendoorn, M. H. (2012): Review of meta-analytical studies on the physical, emotional, and cognitive outcomes of intercountry adoptees. In: K. Rotabi und J. L. Gibbons (Hg.): Intercountry adoption: Policies, practices, and outcomes. Burlington, VT, US: Ashgate Publishing Co (Contemporary social work studies), S. 175–186.

Palacios, J.; Brodzinsky, D. (2010): Adoption Research: Trends, Topics, Outcomes. In: International Journal of Behavioral Development 34 (3), S. 270–284.

Selwyn, J.; Quinton, D. (2004): Stability, Permanence, Outcomes and Support: Foster Care and Adoption Compared. In: Adoption & Fostering 28 (4), S. 6–15. DOI: 10.1177/030857590402800403.

van den Dries, L.; Juffer, F.; van Ijzendoorn, M. H.; Bakermans-Kranenburg, M. J. (2009): Fostering security? A meta-analysis of attachment in adopted children. In: Children and Youth Services Review 31 (3), S. 410–421.

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