Ausgangssituation

Über den im TAG festgeschriebenen Ausbau hinaus sollen bis 2013 zusätzlich 740.000 Betreuungsplätze für Kinder dieser Altersgruppe zur Verfügung stehen, 30% davon in Kindertagespflege. Wie der Bericht der Bundesregierung an den Bundestag zum Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren zeigt, spielt die Kindertagespflege bei den Ausbauplänen der Angebote in den Jugendämtern eine wichtige Rolle. Jedoch ist dieser Prozess noch in der Startphase und die Zahl der Betreuungsplätze steigt nur sehr langsam an (DJI 2006 und 2007, Statistisches Bundesamt 2006).

Der Vergleich von Ist und Soll auf der Zahlenebene verdeutlicht die Größe der zu bewältigenden Aufgabe. Derzeit werden 4,1% der Kinder unter drei Jahren in formeller und informeller Kindertagespflege betreut, was schätzungsweise einer absoluten Zahl von ca. 73.000 Kindern entspricht. Um die Betreuungsleistung Kindertagespflege zu erbringen, standen im Jahr 2006 ca. 16.500 öffentlich geförderte Tagespflegepersonen zur Verfügung. Geht man hier von einem Betreuungsschlüssel von zwei Kindern pro Tagespflegeperson aus, so sind weitere rund 20.000 Personen »informell« tätig. Diese sind zukünftig in den öffentlich geförderten Bereich zu überführen.

Um das angestrebte Ziel zu erreichen, werden zusätzlich 144.900 Tagspflegeverhältnisse benötigt. Auch wenn die rund 40.000 informellen Tagespflegeverhältnisse in den öffentlichen Bereich überführt werden können, so müssen dennoch 104.900 Betreuungsplätze neu geschaffen werden, was fast einer Verdreifachung der aktuellen Platzzahl im öffentlichen Bereich entsprechen würde. Geht man von einer zunehmenden Professionalisierung der Tagespflege und damit auch von einem erhöhten Betreuungsschlüssel von 2,5 Kindern pro Tagespflegeperson aus, dann müssen dafür bis 2013 knapp 50.000 weitere Personen gewonnen werden, sofern es gelingt, die 20.000 informellen Tagespflegepersonen in die öffentliche Verantwortung der Kinder- und Jugendhilfe zu integrieren.

Der Ausbau erfordert, aber nicht nur gewaltige quantitative sondern auch qualitativ erhebliche Entwicklungsfortschritte. Aufgrund der historischen Entwicklung der Kindertagespflege im Schatten der institutionellen Kindertagesbetreuung, sind weitere Fortschritte hin zu einer hinreichenden und überprüfbaren Betreuungsqualität zu erzielen. Dies gelingt nur, wenn attraktive Rahmenbedingungen für das Tätigkeitsfeld Kindertagespflege geschaffen werden, die auch berufliche Perspektiven eröffnen und das System Tagespflege insgesamt auf andere Beine stellen. Die bessere Qualifizierung von Kindertagespflegepersonen wird dabei eine entscheidende Rolle spielen. Zum einen wird es darum gehen, den fachlich akzeptierten Mindeststandard des 160 Std. DJI-Curriculums flächendeckend umzusetzen sowie erforderliche Nach- und Weiterqualifizierungsangebote zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen. Zum anderen wird es zukünftig auch eine Herausforderung sein, Kindertagespflege in die berufliche Ausbildung pädagogischer Fachkräfte zu integrieren.

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