Seit Anfang Mai dieses Jahres wird die Kindertagesbetreuung während der Corona-Pandemie stufenweise wieder ausgeweitet. Dieser Öffnungsprozess erfordert es, das Infektionsgeschehen zu überwachen und bestehende Risiken sorgfältig abzuwägen. Bisher gibt es jedoch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, welche Rolle die Kinder im Allgemeinen und Kindertagesbetreuung im Besonderen im aktuellen Pandemiegeschehen spielen. Der Beschluss der Jugend- und Familienministerkonferenz vom 28. April 2020 sieht daher vor, dass das Bundesministerium für Familie, Senioren, Jugend und Frauen und das Bundesministerium für Gesundheit eine sozialwissenschaftliche und medizinische Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und des Robert-Koch-Instituts (RKI) finanzieren.

„Die umfangreiche Untersuchung von Infektionsketten unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen zur Begleitung der stufenweisen Öffnung von Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege in der Betreuung kann wichtiges Steuerungswissen liefern,“ erklärt Dr. Susanne Kuger, Leiterin der Abteilung „Zentrum für Dauerbeobachtung und Methoden“ des DJI und ergänzt: „Im Längsschnitt analysieren wir in dem Forschungsprojekt mittel- und langfristig den Zusammenhang von Maßnahmen mit der Erkrankungssituation von Kindern und deren Rolle bei der Ausbreitung.“ Die aufwendige Erhebung von DJI und RKI „Untersuchungen zu den organisatorischen, hygienischen und pädagogischen Herausforderungen bei der schrittweisen Öffnung der Kindertagesbetreuung sowie den akuten Atemwegserkrankungen während der Durchführung von Maßnahmen zur Eindämmung des SARS-CoV-2“, kurz „Corona-Kita-Studie“ wurde nun mit einer Laufzeit bis Dezember 2021 gestartet.

Monitoring der schrittweisen Öffnung

Ziel der Studie ist es, zu klären, wie stark das bisherige und weitere Öffnungsgeschehen in der Notbetreuung oder im eingeschränkten Regelbetrieb zu gehäuften Infektionen von Kindern und Erwachsenen führt. Hierbei stehen fünf Fragen im Mittelpunkt: Unter welchen Bedingungen wird die schrittweise Öffnung aktuell angeboten? Welche Herausforderungen sind für die Einrichtungen, das Personal, die Kinder sowie die Eltern mit und ohne Betreuung von besonderer Bedeutung? Unter welchen Voraussetzungen gelingt eine schrittweise, kontrollierte Öffnung? Wie hoch sind die damit einhergehenden Erkrankungsrisiken für alle Beteiligten? Welche Rolle spielt die Gestaltung der Kindertagesbetreuung für die weitere Verbreitung von SARS-CoV-2, und welche Rolle haben Kinder in diesem Zusammenhang?

Die vier Module des Forschungsprojekts

In einem ersten Vorhaben ist eine bundesweite Befragung des Leitungspersonals von 3.000 Kitas geplant. Dazu sollen in 600 Einrichtungen zusätzlich auch Personal und Eltern befragt werden. Das zweite Modul beinhaltet den Aufbau eines freiwilligen, bundesweiten Kita-Registers für Deutschland, um besser die schrittweise Öffnung der Kindertageseinrichtungen regional nachvollziehen zu können. Das Webportal soll künftig wöchentlich den aktuellen Stand der Kapazitäten dokumentieren. Darüber hinaus sollen auch ein mögliches regionales Infektionsgeschehen zeitnah beobachtet werden. In dem dritten Forschungsmodul wird die Erkrankungshäufigkeit von Kindern mit und ohne Teilnahme an der Betreuung und die Übertragung innerhalb von Familien sowie auf pädagogische Fachkräfte untersucht. Die Klärung der Grundlagenfrage, unter welchen Bedingungen Kinder mögliche Überträger bei der Verbreitung von Covid-19 sind, ist Inhalt des vierten Moduls. Hier erfolgen anlassbezogene Testungen aller Kinder, der pädagogischen Fachkräfte, Geschwister sowie der Eltern in Kitas bei aufgetretener Infektion. Insgesamt sollen dazu jeweils bis zu 1.000 Personen an bis zu drei Messpunkten untersucht werden.

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