Wissenschaftliche Begleitung der Kompetenzzentren und -netzwerke

Die wissenschaftliche Begleitung des Handlungsfeldes "Kompetenzzentren und -netzwerke" ist am Deutschen Jugendinsitut e.V. angesiedelt. Im Bundesprogramm "Demokratie leben!" (Förderperiode 2020 bis 2024) werden im Handlungsbereich Bund erstmalig insgesamt 14 Kompetenzzentren bzw. -netzwerke für die Weiterentwicklung der inhaltlichen Expertise in ausgewählten Themenfeldern gefördert. Die Kompetenzzentren und -netzwerke sollen diese Expertise bundesweit zur Verfügung stellen, Wissen bündeln und die Zusammenarbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen stärken. Zudem sollen sie programmbezogene Synergien schaffen und andere Programmakteure, insbesondere die Modellprojekte in den Themenfeldern des Bundesprogramms, mit ihrer Expertise und hinsichtlich des Transfers unterstützen. Dadurch sollen sie an einer Professionalisierung der Arbeit in den jeweiligen Themenfeldern mitwirken. So sollen sie zu den Programmzielen von "Demokratie leben!" beitragen,

  • die demokratische Teilhabe und zivilgesellschaftliche Konfliktregulierung zu stärken,
  • das Verständnis für die Selbstverständlichkeit von Vielfalt und Respekt, die Anerkennung von Diversität und die Arbeit gegen Ideologien der Ungleichwertigkeit zu fördern sowie
  • die zentralen Formen ideologischer Radikalisierung zu bearbeiten.

Aufgabe der wissenschaftlichen Begleitung ist es, einen umfassenden Einblick in sowie fundiertes Wissen über die Umsetzung des Handlungsbereichs bereitzustellen.

Die wissenschaftliche Begleitung unterscheidet drei Ebenen des Handlungsbereichs, die sie anhand entsprechender Fragestellungen betrachtet:

  • die Ebene des Handlungsbereichs Bund,
  • die Ebene der Themenfelder sowie
  • die Ebene der Kompetenzzentren/-netzwerke.

Auf der Ebene des Handlungsbereichs analysiert die wissenschaftliche Begleitung die konzeptionelle Logik bzw. Umsetzung des Handlungsbereichs sowie die Erträge der Förderung und ihre Nachhaltigkeit.

Auf der Ebene der Themenfelder untersucht die wissenschaftliche Begleitung die themenfeldbezogenen Aktivitäten der Kompetenzzentren/-netzwerke. Dies bezieht sich einerseits auf die Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure innerhalb eines Themenfeldes und umfasst auch die Kooperation von nichtstaatlichen Organisationen im Rahmen eines Kompetenznetzwerks. Andererseits sollen die Kompetenzzentren/-netzwerke zur Entwicklung und Professionalisierung der Themenfelder beitragen und hierzu u.a. die Bedarfe von Modellprojekten und weiteren Programmakteuren abfragen und dementsprechende Angebote vorhalten. Die wissenschaftliche Begleitung untersucht in Bezug auf ausgewählte themenbezogene Aktivitäten der geförderten Kompetenzzentren/-netzwerke, inwiefern diese die Themenfelder weiterentwickeln und professionalisieren. Sie analysiert auch, welche Resonanzen diese Aktivitäten in den Regelstrukturen entfalten.

Auf der Ebene der Kompetenzzentren und -netzwerke untersucht die wissenschaftliche Begleitung die konzeptuellen Logiken der Kompetenzzentren/-netzwerke und deren Ausgestaltung durch die geförderten Organisationen. Die wissenschaftliche Begleitung berücksichtigt relevante, gegebenenfalls sich im Programmverlauf auch wandelnde Kontexte und Rahmenbedingungen. In den Blick rücken dabei auch Fragen der Zusammenarbeit der geförderten Organisationen untereinander sowie die Kooperation von Staat und Zivilgesellschaft.

Bezugspunkt der wissenschaftlichen Begleitung sind dabei immer auch die wissenschaftlichen Debatten und Fachdiskurse zum Handlungsbereich und zu seinen Themenfeldern, vor deren Hintergrund die Arbeit der Kompetenzzentren und -netzwerke betrachtet werden. Zudem greift die wissenschaftliche Begleitung auf Erkenntnisse und Konzepte aus der wissenschaftlichen Begleitung der "Förderung der Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger" aus der ersten Förderphase von "Demokratie leben!" (2015-2019) zurück.

Das Forschungsdesign der wissenschaftlichen Begleitung orientiert sich am Ansatz der programmtheoriebasierten Evaluation (vgl. Haubrich 2009) [1]. Hierbei werden die (angenommenen) Zusammenhänge von Kontextbedingungen, verfügbaren materiellen und immateriellen Ressourcen, Maßnahmen sowie Resultaten des Handlungsbereichs (d.h. die Programmtheorie) zum Ausgangspunkt der wissenschaftlichen Begleitung.

Ausgehend von der Konzeption des Handlungsbereichs als lernender und sich erst in der Umsetzung konkretisierender Gegenstand erscheint eine gewisse Offenheit hinsichtlich des Evaluationsdesigns nötig, um eine hohe Passfähigkeit mit Blick auf und eine bestmögliche Adaption an den Gegenstand zu ermöglichen. Für die wissenschaftliche Begleitung bedeutet dies, die Umsetzung des Handlungsbereichs aktiv zu beobachten und aus dem Umsetzungsprozess heraus Forschungsfragen und Erhebungsschwerpunkte anzupassen, um gegenstandsangemessen vorgehen zu können.

In Verbindung mit einer formativen Ausrichtung der wissenschaftlichen Begleitung soll im Sinne einer nutzenorientierten Evaluation das Lernen der Stakeholder und die Weiterentwicklung des Handlungsbereichs entlang von Erkenntnissen der wissenschaftlichen Begleitung unterstützt werden. Die Einbindung der beteiligten Akteurinnen und Akteure in die Umsetzung der wissenschaftlichen Begleitung im Sinne einer partizipativen Evaluation kann dabei die Entwicklung eines geteilten Verständnisses des Handlungsbereichs befördern und trägt zu einer erhöhten Validität und Legitimation der Erkenntnisse der wissenschaftlichen Begleitung aufseiten der beteiligten Akteure bei.

Die wissenschaftliche Begleitung orientiert sich hinsichtlich ihrer Forschungsfragen am Implementationszyklus der neuen Förderphase des Bundesprogramms, das heißt, je nach Implementationsphase rücken unterschiedliche Fragen in den Blick. Während zu Beginn der Umsetzung im Handlungsbereich Fragen zur Zielexplikation, aber auch z.B. zu den Eigenschaften der Zielgruppe und zur Netzwerkentwicklung im Fokus stehen, rücken zu späteren Zeitpunkten Aspekte von Netzwerkqualität, Beiträge zur Themenfeldentwicklung oder die Resonanzen von Aktivitäten bzw. über konkrete Maßnahmen erzielte Synergiepotenziale in den Blick.

Die wissenschaftliche Begleitung arbeitet mit einem multiperspektivischen mixed methods-Ansatz auf der Basis von eigenen Erhebungen und Sekundärauswertungen u.a. von prozessproduzierten Daten.

Es werden sowohl qualitative als auch quantitative Methoden eingesetzt, z.B.:

  • Dokumentenanalysen
  • Experteninterviews
  • Fokusgruppen
  • Teilnehmende Beoachtungen
  • Standardisierte Befragungen
  • Soziale Netzwerkanalysen.

Die gewonnenen Daten werden trianguliert und die Perspektiven der geförderten Kompetenzzentren/-netzwerke, des Programmgebers, der Adressatinnen sowie Adressaten von Angeboten (z.B. Leistungsnutzende) und gegebenenfalls von weiteren Programmakteuren miteinander verschränkt.

[1] Haubrich, Karin (2009): Sozialpolitische Innovation ermöglichen. Die Entwicklung der rekonstruktiven Programmtheorie. Evaluation am Beispiel der Modellförderung in der Kinder- und Jugendhilfe. Münster, Waxmann

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung werden in jährlichen Schwerpunktberichten veröffentlicht und sollen in Fachartikeln einer interessierten (Fach-)Öffentlichkeit zur Verfügung und zur Diskussion gestellt werden.

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    Deutsches Jugendinstitut Außenstelle Halle
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