Ergebnisse

Die Untersuchungsergebnisse verstärken die Annahme, dass Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren eine besonders geeignete Zielgruppe für den Beginn von interkulturellen Lernerfahrungen darstellen und internationale Kinderbegegnungen einen wichtigen Beitrag für den Erwerb interkultureller Kompetenz und gegen die Entwicklung fremdenfeindlicher Einstellungen und Haltungen leisten.

Einige Ergebnisse aus der Studie

  • Im Vergleich zu den etablierten und zahlreichen Angeboten der internationalen Jugendbegegnung sind internationale Kinderbegegnungen für 8- bis 12-Jährige seltener verbreitet, aber häufiger anzutreffen, als zunächst erwartet. Ein Teil der Projektträger führt solche Kinderbegegnungen erst seit einigen Jahren durch, während andere bereits seit Jahrzehnten in diesem Feld aktiv sind.
  • Die zeitliche Dauer der Kinderbegegnungen ist je nach dem zugrunde liegenden Konzept vielfältig gestaltet. Internationale Kinderbegegnungen finden als mehrwöchige „Kompakt“-Veranstaltungen - von bis zu vier Wochen - statt, aber auch als drei- bis fünftägige oder aber eintägige Begegnungen. Auch über mehrere Monate sich erstreckende Kombinationen von wiederholten Eintagesbegegnungen mit sich anschließender Mehrtagesbegegnung werden praktiziert.
  • Internationalität wird in den Kinderbegegnungen auf unterschiedliche Weise erreicht. Es finden binationale Projekte – z.B. deutsch-polnische – oder trinationale Maßnahmen, aber auch multinationale Begegnungen statt. Deren Reichweite umfasst sowohl europäische Länder als auch weltweite Herkunftsländer der teilnehmenden Kinder.
  • Interkulturelles Lernen ist allen Projekten gemeinsam. Dennoch unterscheiden sie sich danach, ob interkulturelles Lernen ein programmatisches und vorrangiges Ziel der Kinderbegegnung ist oder aber einen eher impliziten Stellenwert einnimmt.
  • Aus der Sicht der Projektdurchführenden leisten internationale Kinderbegegnungen einen wichtigen Beitrag zur Kultursensibilität, zur Völkerverständigung, zum toleranten Umgang miteinander und zur Prävention von Fremdenfeindlichkeit. Insbesondere 8- bis 12-jährigen Kindern werden altersspezifische Eigenschaften und Kompetenzen - wie z.B. eine meist unvoreingenommene Haltung gegenüber Kindern aus anderen Ländern sowie Wissbegierde und Interesse an Gleichaltrigen aus anderen Kulturkreisen attestiert -, die nicht nur zum Erfolg internationaler Kinderprojekte beitragen, sondern durch diese gefestigt, gefördert und weiterentwickelt werden.
  • Einer Verstetigung und Verbreitung von internationalen Kinderbegegnungsprojekten stehen derzeit fehlende oder schwierige Zugänge zu finanziellen Mitteln entgegen.

Die Ergebnisse der Untersuchung geben erste Hinweise zu einem bisher kaum erforschten Praxisfeld. Um fundierte Aussagen zum Einfluss und zur Nachhaltigkeit internationaler Kinderbegegnungen auf die Entwicklung interkultureller Kompetenz zu gewinnen, bedarf es jedoch einer vertiefenden Untersuchung, die die teilnehmenden Kinder selbst in den Mittelpunkt stellt. Dies kann und sollte im Rahmen einer komplex angelegten empirischen Hauptstudie geschehen, die durch die Kombination geeigneter quantitativer und qualitativer Methoden die Aneignung und Lerneffekte von interkultureller Kompetenz erhebt. Das Deutsche Jugendinstitut arbeitet derzeit an der Konzipierung dieser vertiefenden Untersuchung.


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