Ziel des Jugendberichtes war es, einen erschöpfenden informierenden, aber auch kritischen Überblick zu geben über die Leistungen und Maßnahmen der Jugendhilfe in Sachsen sowie einen Einblick zu vermitteln in die aktuelle Lebenssituation von jungen Menschen im Freistaat Sachsen. In diesem Sinne nahm die Kommission den in § 84 Abs. 1 SGB VIII und in § 16 Sächs. AGKJHG formulierten Auftrag zum Maßstab ihrer Tätigkeit.

Als Gesamtbericht konzipiert nahm der 2. Sächsische Jugendbericht eine umfassende Perspektive ein. Das Konzept der Lebenslage fungierte für die Beschreibung und Analyse der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen im Freistaat Sachsen als theoretisch-inhaltliche Leitlinie. Dieses Konzept ermöglichte einen gleichzeitig differenzierenden wie integrierenden Blick auf die Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen und die diese maßgeblich beeinflussenden sozialen und gesellschaftlichen Faktoren und Rahmenbedingungen. Dementsprechend wurden unterschiedliche Lebenskontexte und die damit verbundenen vielfältigen Anforderungen an die jungen Menschen im Freistaat untersucht. Unter Beachtung und Würdigung der geschlechtsspezifischen Perspektive spielten hier sowohl eher allgemeine Tatbestände wie Kinder, Jugendliche und Familie oder Kinder, Jugendliche und Schule als auch ausgewählte, spezifischere Fragestellungen, die sich mit der Lebenswirklichkeit von jungen Menschen in den Bereichen Einkommen und Wohnen, Bildung, Ausbildung und Beruf, der Freizeitgestaltung, der Beschäftigung mit Medien oder Fragen des Konsumverhaltens befassen, eine wichtige Rolle. Dabei wurden die jungen Menschen vor dem Hintergrund des Wandels der Lebensphasen Kindheit und Jugend in erster Linie als Akteure ihrer Biografie wahrgenommen. Basis dieser Betrachtungen waren neben den theoretischen Konzepten der Lebenslage und des sozialen und gesellschaftlichen Wandels ausführliche sozialstatistische Analysen. Ausgehend von einer ausführlichen Betrachtung der demografischen Entwicklung im Freistaat in den vergangenen 12 Jahren wurde die Lebenslage von Kindern und Jugendlichen anhand ganz unterschiedlicher statistischer Daten aus verschiedenen Blickwinkeln einer genauen Betrachtung unterzogen. Maßgeblich war hierbei für die Sachverständigenkommission neben einer strikten geschlechtsspezifischen Vorgehensweise die Zielstellung, regional differenzierte Aussagen über die Lebenssituation junger Menschen im Freistaat Sachsen und die diese beeinflussenden lokalen Rahmenbedingungen und Besonderheiten zu erarbeiten und der Fachöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Der zweite Teil des Berichtes nimmt die Strukturen und die Ausstattung der Kinder- und Jugendhilfe im Freistaat in den Blick, fragt nach dem fachlichen Entwicklungsstand der sächsischen Kinder- und Jugendhilfe und befasst sich darüber hinaus mit landes- und jugendpolitischen Fragestellungen. Nach einem Aufriss der aktuellen fachlichen Diskussion über die Versäulung der Jugendhilfe und damit verbundener Bestrebungen der Flexibilisierung und Individualisierung ihrer Maßnahmen werden die Leistungen der sächsischen Jugendhilfe schließlich in der Systematik des Kinder- und Jugendhilfegesetzes beschrieben. Diese Beschreibung umfasst neben der kritischen Bestandsaufnahme der derzeitigen Situation in Sachsen die intensive Würdigung der Jugendhilfeentwicklung im Freistaat seit den Ereignissen der Wende und der deutsch-deutschen Vereinigung. Über die statistische Perspektive und die Betrachtung konzeptioneller Entwicklungen in den unterschiedlichen Leistungsbereichen der Jugendhilfe hinaus spielt angesichts der aktuellen Situation in den öffentlichen Haushalten die kritische Auseinandersetzung mit den finanziellen Rahmenbedingungen von Jugendhilfe eine wichtige Rolle. Hier gilt es über die notwendige Sicherung erreichter qualitativer Standards und die Einforderung einer weiteren Verbesserung der Fachlichkeit in einzelnen Jugendhilfebereichen hinaus den Blick zu öffnen für innovative Handlungsansätze, welche das Potenzial einer qualitativen Verbesserung von Jugendhilfe mit der zweifellos gegebenen Notwendigkeit wirtschaftlichen Arbeitens in der Jugendhilfe verbinden können. Die Beschäftigung mit Fragen der Qualitätsentwicklung und der Fachlichkeit in der sächsischen Jugendhilfe markiert jedoch nicht nur unter diesem Aspekt einen wichtigen Punkt bei der Beschreibung der Jugendhilfeleistungen, sondern stellt vielmehr ein wesentliches und wichtiges, auch politisch zu verstehendes Anliegen der Sachverständigenkommission dar. Den Abschluss dieses Teils bildet die Erörterung spezifischer, für die Jugendhilfe bedeutsamer Themen wie Fremdenfeindschaft und Rechtsextremismus, Delinquenz, Gesundheit, Behinderung und Migration von Kindern und Jugendlichen.

Im dritten Teil ist die Auseinandersetzung mit Fragen der Kooperation und Vernetzung der sächsischen Kinder- und Jugendhilfe mit anderen Institutionen, Behörden und Einrichtungen gemäß § 81 SGB VIII vorgesehen. Schließlich hat die Sachverständigenkommission im vierten Teil des Jugendberichtes Perspektiven der sächsischen Kinder- und Jugendhilfe aufzeigen und Empfehlungen für deren Weiterentwicklung wie auch für die zukünftige Gestaltung der Landes- und Jugendpolitik der Sächsischen Staatsregierung formuliert.

Für die Bearbeitung spezifischer Themengebiete und zur Unterstützung der eigenen inhaltlichen Arbeit der Mitglieder hat die Sachverständigenkommission eine Reihe zum Teil sehr umfangreicher Expertisen an ausgewiesene sächsische Jugendhilfefachleute vergeben. Des weiteren wurden Hearings zu den Themen Strukturen der Jugendhilfe, Jugendarbeit und Jugendverbansarbeit in Sachsen, Hilfen zur Erziehung in Sachsen sowie Finanzierbarkeit der Jugendhilfe durchgeführt.

Mitglieder der Sachverständigenkommission waren Herr Professor Dr. Ullrich Gintzel (Vorsitzender der Sachverständigenkommission), Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit Dresden (FH), Frau Professor Dr. phil. Ulrike Gräßel, Hochschule Zittau/ Görlitz (FH), Herr Dieter Krauth, Diakonische Akademie Moritzburg, Frau Silvia Michels, Leiterin des Kreisjugendamtes beim Landratsamt Muldentalkreis, Herr Frank Richter, Vorsitzender des Kinder- und Jugendringes Sachsen e.V., Herr Dr. Martin Rudolph, Technische Universität Dresden, und Herr Professor Dr. Christian von Wolffersdorff, Universität Leipzig.
Zum 31. Juli 2002 wurde Prof. Dr. Hans Gängler, Technische Universität Dresden, als außerordentliches Mitglied der Sachverständigenkommission berufen.

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Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
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