Ausgangssituation


Bisher haben es die bestehenden Strukturen der Familienbildung nicht ausreichend vermocht, mit ihren Angeboten Familien in der ganzen Bandbreite unterschiedlicher Lebenslagen zu erreichen. In der Praxis sind es vor allem Eltern mit formal niedrigen Bildungsabschlüssen, Familien in prekären Lebenslagen und in Armut, an denen die Arbeit der Familienbildung vorbeigeht. Und als ebenso verfestigt hat sich das Muster erwiesen, nach dem Familien mit Migrationshintergrund für die Familienbildung, und zwar vor allem in Familienbildungsstätten, eine Randerscheinung geblieben sind.

Familienpolitik, deren Stellenwert aufgrund der Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt, um die Generationengerechtigkeit und die demografische Nachhaltigkeit auf der politischen Agenda sprunghaft nach oben geschnellt ist, nimmt auf einem wichtigen Feld (Stärkung der Erziehungsverantwortung von Familien) eine Kerngruppe des relativ schrumpfenden Familiensektors in dieser Gesellschaft nicht oder jedenfalls nicht ausreichend in den Blick. Während sich die Gesellschaft zunehmend in einen Familien- und einen Nicht-Familiensektor zu polarisieren beginnt, macht der Anteil an Migranten-Familien am Familiensektor in den großen Städten inzwischen von einem Viertel bis zu 40%, in vielen großen Stadtquartieren noch deutlich mehr aus. Überspitzt gesprochen, besteht ein wichtiger und weiter wachsender Kern “der deutschen Familie” aus Migranten – was sich noch einmal dadurch akzentuiert, dass ein wachsender Anteil von Kindern aus binationalen Elternbeziehungen hervorgeht.

Folgt man der Argumentation des 6. Familienberichts, ist historisch jetzt eine Situation gegeben, in der Familien als “Integrationsmotor” wichtiger denn je werden können – und müssen. Migration speist sich statt zuerst aus der Arbeitsmigration immer stärker aus Familienzusammenführung, Heiratsmigration und Wachstum durch Geburten. Der entscheidende Unterschied zur Arbeitsmigration ist darin zu sehen, dass der Zuzug über einen anderen Aufnahme- und Eingliederungsmechanismus erfolgt. Es ist dies nicht mehr die strukturelle Eingliederung in das Beschäftigungssystem der Aufnahmegesellschaft mit allen damit verbundenen individuellen Qualifizierungsprozessen und Gelegenheiten der Kontaktaufnahme zu Mitgliedern dieser Gesellschaft.

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