Erfahrungsbericht: "Logische Modelle" in der Delinquenzprävention

Am 10. und 11. Mai 2010 war das Deutsche Jugendinstitut e. V auf dem 15. Deutschen Präventionstag in Berlin vertreten, wo das Projekt „Das Logische Modell als Instrument der Evaluation in der Kriminalitätsprävention im Kindes- und Jugendalter“ im Rahmen eines Projektspots das Instrument des „Logischen Modells“ präsentierte und über seine Einsatzmöglichkeiten diskutierte. Berit Haußmann und Annalena Yngborn lassen vor diesem Hintergrund noch einmal die Präsentation Revue passieren und geben ihre Eindrücke von den Reaktionen der Zuhörer wider.

Am Dienstagvormittag fanden wir uns im „Salon Lilienthal“ des Internationalen Kongresszentrums Berlin (ICC) ein, um das Konzept des Logischen Modells zu präsentieren. Da für Projektspots lediglich 30 Minuten inklusive Diskussion zur Verfügung stehen, beschränkten wir uns in unserer Präsentation auf die grundlegenden Informationen über das Anliegen unseres Projektmoduls sowie die Vorstellung des Logischen Modells und seine Einsatzmöglichkeiten in der Praxis. Im Anschluss an unseren Vortrag bestand jedoch die Möglichkeit, sich am DJI-Stand mit uns weitergehend über das Thema auszutauschen.
Die Anzahl der Zuhörer zeigte, dass das Interesse an Evaluationen sowie geeigneten Ansätzen für die Kriminalprävention weiter besteht.

Thema war zu Beginn, dass sich das Instrument des Logischen Modells unserer Einschätzung nach gut für die Anwendung auf kriminalpräventive Maßnahmen für Kinder und Jugendliche eignet. Diese Programme sind in der Regel wenig formalisiert. Mit dem Logischen Modell und seinen Kategorien kann nämlich sichtbar gemacht werden, im Rahmen welcher Ausgangsbedingungen, auf Basis welcher Aktivitäten und durch welche Produkte bzw. Dienstleistungen das Projekt welche Veränderungen bei der Zielgruppe erreichen will. Das Logische Modell geht also davon aus, dass jedes Programm seiner eigenen Programmtheorie folgt, das heißt: die einzelnen Programmelemente folgen einer logischen Abfolge bzw. stehen gemeinsam in einem logischen Zusammenhang.

Um diese Programmtheorie empirisch basiert zu rekonstruieren, können dafür notwendige Informationen auf verschiedenen Wegen eingeholt werden: so besteht die Möglichkeit, sich auf Theorien aus der sozialwissenschaftlichen Forschung, auf bereits gewonnene empirische Befunde – wie z.B. ein schon bestehendes Konzept – zu konzentrieren oder auch das Wissen von Fachkräften zu Rate zu ziehen. Unsere Ausführungen, dass wir in unserem Projekt den zuletzt genannten Weg gingen, stießen vor allem bei denjenigen ZuhörerInnen im Publikum auf großes Interesse, welche selbst aktiv in der Kriminalitätsprävention tätig sind. Unsere Überlegung, dass die durchführenden Fachkräfte die Experten sind, die am besten Auskunft darüber geben können, wie sie in ihrer alltäglichen kriminalpräventiven Arbeit vorgehen und was sie dadurch erreichen möchten, wurde unserer Ansicht nach von zahlreichen Zuhörern geteilt. Unser Vorgehen, die Logischen Modelle in der engen Zusammenarbeit mit den Fachkräften zu entwickeln wurde deshalb als vielversprechend angesehen.

Im Projekt haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich das Logische Modell sehr gut einsetzen lässt, um die konzeptionellen Grundlagen von Projekten aufzuklären. Vor diesem Hintergrund kann es als Instrument der Projekt- und Praxisentwicklung ebenso eingesetzt werden wie in der vorbereitenden - also der klärenden - Phase einer wirkungsorientierten Evaluation. Durch das „Durchleuchten“ und die bildhafte Darstellung der inneren Strukturen und intendierten Effekte des Projektes, wird nämlich die Eingrenzung des Evaluationsgegenstandes erleichtert. Zudem ist es möglich, nachdem ein Logisches Modell erst mal entwickelt wurde, Evaluationsfragestellungen an verschiedenen Stellen anzusetzen. Man kann sich dabei beispielsweise auf den Bereich der Aktivitäten oder aber auf eine Überprüfung der intendierten Wirkungen beziehen.
Das Instrument wird allerdings dann in seiner Funktion überschätzt, wenn davon ausgegangen wird, dass allein die Entwicklung eines Logischen Modells einen Wirkungsnachweis kriminalpräventiver Programme erbringen kann. Für die Wirkungsprüfung muss jedoch nach wie vor auf entsprechende Evaluationsdesigns sowie die Methoden der qualitativen oder quantitativen Sozialforschung zurückgegriffen werden. Dieser Aspekt wurde auch in der anschließenden Diskussion erörtert.

Wir machten in unserem Vortrag deutlich, dass wir nach all unseren Erfahrungen in der Arbeit mit dem Logischen Modell zu dem Schluss gekommen sind, dass das Logische Modell ein Modell aus der Praxis und für die Praxis sein kann. Von den Fachkräften nämlich, mit denen wir gemeinsam gearbeitet haben, bewerten alle dieses Instrument als hilfreich, um die eigene pädagogische Arbeit zu reflektieren. Durch die bildhafte und vereinfachende Darstellung kann die Zielsetzung und Funktionsweise kriminalpräventiver Aktivitäten nach außen hin viel besser vermittelt werden, was von den Fachkräften als sehr hilfreich bewertet wird. Dieser Aspekt wurde auch von einigen ZuhörerInnen interessiert aufgenommen und so bestand großes Interesse daran, ob es einen Leitfaden gibt, mit dessen Hilfe eine eigenständige Anfertigung Logischer Modelle möglich ist. Da von unserer Seite ein solches Produkt bisher noch nicht angefertigt wurde haben wir auf die Handreichung vom ebenfalls am DJI angesiedelten Projekt eXe („Strategien und Konzepte externer Evaluation in der Kinder- und Jugendhilfe“) hingewiesen, die momentan bearbeitet wird.


Im Anschluss an die Präsentation hatten Interessierte am Ausstellerstand des DJI die Möglichkeit, sich näher über „Beispiele aus der Praxis“ zu informieren. Hier wurden die mit den PraktikerInnen zusammen entwickelten, differenzierten Modelle dargestellt und über den Entstehungsprozess berichtet. Außerdem konnten Fragen geklärt werden, die im Rahmen des Projektspots offen gebliebenen waren. In diesem Rahmen wurde deutlich, dass in Bezug auf die Verwendung des Logischen Modells insbesondere dahingehend ein Interesse besteht, Projekte auf ihren Gehalt hin zu überprüfen – sei es auf der Seite der Praktiker im Sinne einer Qualitätssicherung vor einer Antragsstellung oder auf der Seite der Auftraggeber, um sich ein genaueres Bild von einer Maßnahme und den zu erwartenden Resultaten zu machen.

Die Anzahl unserer ZuhörerInnen und die Diskussionen am Stand zeigten, dass das Interesse an Evaluationen sowie geeigneten Ansätzen für die Kriminalprävention noch immer nicht abreißt.

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