Ausgangssituation

In Forschung und Praxis zur Integration von Migrant/innen hat sich in den letzten Jahren eine Verschiebung der Perspektive vom „Defizitblick“ (mit der überwundenen „Ausländerpädagogik“) zu einer ressourcenorientierten Betrachtungsweise ausgeprägt. Zugewanderte werden darin als Akteure ihrer eigenen Biografie und als Konstrukteure ihrer sozialen Lebensumwelt verstanden und Ernst genommen. Viele Migrant/innen erleben, dass sich die Aufnahmegesellschaft in Deutschland für ihr biografisch-lebensweltlich erworbenes Kompetenz 'Gepäck' nicht interessiert; als Reaktion darauf werten sie – ganz ähnlich wie das Familienfrauen mit ihren familienbezogenen Kompetenzen tun – Ihre eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen ab. Im Dialog mit MigrantInnen kann es für Akteure aus der Integrationsarbeit (z.B. in der Beratung, in Sprachkursen, in offenen Treffpunkten) deshalb eine wichtige Hilfe gegen diese Selbst- und Fremdabwertung Zugewanderter sein, anhand eines Arbeitsinstruments eine Kompetenzbiografie zu erarbeiten, in der die eigene Herkunft als Bildungsgeschichte, der Aufbruch zu Flucht und/oder Migration und die ersten Erfahrungen im Zuwanderungsland Deutschland als Herausforderungen und Lernchancen begriffen und verarbeitet werden. Diese Kompetenzbiografie wird im Projekt „Kompetenzbilanz“ genannt – sie steht methodisch parallel zu den von den internationalen Partnern entwickelten Lernportfolios. In der Debatte um kommunale Integrationskonzepte ist in einem vom Bundesverwaltungsamt, später dem Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge geförderten Projekt ein verwandter Ansatz, „Kompetenzanalyse“ genannt, verwandt worden; er war dort mit der Erprobung sogenannter Integrationsvereinbarungen verknüpft. Das Konzept wurde an 8 Standorten umgesetzt und evaluiert. (vgl. Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung mbH 2002)

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