Zwischenergebnisse

Im Zuge der aktuellen Debatte um die Integration von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund ist erneut die Forderung nach einer Kindergartenpflicht laut geworden. Das DJI nimmt dies zum Anlass, die derzeitige Inanspruchnahme von Kindertageseinrichtungen sowie relevante Qualitätsmerkmale in einer hoch auflösenden regionalen Perspektive genauer zu untersuchen. Dazu wurde erstmals eine Auswertung der Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik auf Ebene der Jugendamtsbezirke vorgenommen. Dies ermöglicht einen differenzierten Blick auf die Kindertagesbetreuung "vor Ort" – und damit auf jene Ebene, auf der wesentliche Rahmenbedingungen für eine frühe Bildungsbeteiligung gestaltet werden. Das damit verbundene aufwändige Auswertungsverfahren zieht allerdings einige Einschränkungen nach sich. So können aus Datenschutzgründen teilweise nicht für alle Jugendamtsbezirke Daten ausgewiesen werden. Aufgrund der Schwierigkeit, aktuelle Bevölkerungszahlen in dieser regionalen Gliederung zu erhalten, wird zudem in der Frage der Inanspruchnahme auf Daten aus dem Jahr 2008 zurückgegriffen. Alle anderen Darstellungen basieren auf Daten von 2009.
Ausgehend von der Frage einer Kindergartenpflicht stehen die drei- bis unter sechsjährigen Kinder im Fokus der folgenden Analysen. Für Kinder unter drei Jahren über eine Kindergartenpflicht nachzudenken, erübrigt sich schon allein deshalb, weil bislang ausreichende Angebote fehlen.

Inanspruchnahme von Kindertageseinrichtungen bei vier- und fünfjährigen Kindern

Spätestens im Alter von vier Jahren nutzen heute fast alle Kinder den Kindergarten. Hier unterscheiden sich auch die Regionen bundesweit nur geringfügig voneinander. In nahezu allen Jugendamtsbezirken werden bei den vier- und fünfjährigen Kindern Besuchsquoten von mehr als 90 Prozent erreicht, in der überwiegenden Mehrheit der Bezirke sogar Quoten von mehr als 95 Prozent. Eine Kindergartenpflicht hätte daher kaum zusätzliche Effekte für diese Altersgruppe. Lediglich rund 30 von insgesamt 576 Jugendamtsbezirken verzeichnen eine niedrigere Inanspruchnahme. Ihre Verteilung lässt nicht darauf schließen, dass es sich um Regionen mit einem besonders hohen Anteil an Migranten handelt.
Geringfügige Verzerrungen nach unten, umgekehrt aber auch Werte über 100 Prozent können hierbei dadurch entstehen, dass nicht alle Kinder auch in dem Jugendamtsbezirk wohnen, in dem sie die Tageseinrichtung besuchen.

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Inanspruchnahme von Kindertageseinrichtungen bei dreijährigen Kindern

Trotz des seit 1996 gültigen Rechtsanspruchs stellt sich die Inanspruchnahme eines Betreuungsplatzes für dreijährige Kinder regional sehr unterschiedlich dar. Dabei dürfte vor allem der Zeitpunkt des Eintritts in eine Kindertageseinrichtung in Abhängigkeit von den Aufnahmepraktiken der Jugendämter bzw. Einrichtungen variieren. Während in vielen Jugendamtsbezirken für Kinder sofort mit Erreichen des dritten Geburtstags ein Betreuungsplatz bereitgestellt wird, ist es in anderen Jugendamtsbezirken üblich, dass die Neuaufnahme von Kindern an den Beginn eines Kindergartenjahres gebunden ist. Durch den "aufgeschobenen" Eintritt in den Kindergarten sind viele Kinder zum Erhebungszeitpunkt der Statistik bereits vier Jahre alt. So lassen sich vermutlich auch die niedrigen Besuchsquoten in den südlichen Gegenden Bayerns, aber auch in großen Teilen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins erklären. Auch hier handelt es sich eher um strukturschwache Regionen denn um solche, die einen hohen Migrantenanteil aufweisen. Die niedrigen Quoten verweisen damit vor allem auf einen Angebotseffekt und weniger auf ein Desinteresse der Eltern am öffentlichen Bildungsangebot.

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Ganztagsbetreuung in Kindertageseinrichtungen bei drei- bis unter sechsjährigen Kindern

Auch das Fehlen eines geeigneten Ganztagsangebots stellt eine Hürde für die Inanspruchnahme dar. Dies betrifft besonders die westdeutschen Bundesländer, in denen der Anteil der ganztags betreuten Kinder mit wenigen Ausnahmen unter 40 Prozent liegt. Sowohl im Süden als auch im Norden finden sich ausgedehnte Regionen, in denen maximal jedes zehnte Kind ganztags betreut wird. Ganz anders in Ostdeutschland, wenngleich auch hier eine ganztägige Betreuung keineswegs die Norm darstellt. So liegt der Anteil der Kinder, die eine Einrichtung ganztags besuchen, in den Jugendamtsbezirken Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs überwiegend zwischen 40 und 60 Prozent und lediglich in Thüringen durchgängig höher als 80 Prozent.
Generell lässt sich in Westdeutschland jedoch in den Jahren 2007 bis 2009 ein Anstieg des Anteils der ganztags betreuten drei- bis unter sechsjährigen Kinder feststellen. Besonders in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat in zahlreichen Jugendamtsbezirken eine Verschiebung von einer lange Zeit üblichen Vor- und Nachmittagsbetreuung mit Mittagsschließung hin zu einer durchgehenden Ganztagsbetreuung stattgefunden.

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Pädagogisches Personal mit mindestens Fachschulabschluss in Kindertageseinrichtungen

Der Anspruch, die Bildungsprozesse der Kinder zu fördern und familiäre Defizite auszugleichen, lässt sich nur über den Einsatz von fachlich qualifiziertem Personal in den Einrichtungen verwirklichen. Während sich jedoch in den ostdeutschen Bundesländern nahezu überall das pädagogische Personal zu mehr als 90 Prozent aus Erzieherinnen und Erziehern zusammensetzt, verfolgen die westdeutschen