Der Wunsch nach einer kleinräumigen Sozialberichterstattung ist groß, denn die Sozialpolitik muss ein genaues Bild von den regionalen Problem- und Ursachenstrukturen haben, damit sie Lösungen vermeidet, die gesamtgesellschaftlich richtig sein mögen, die aber regional wirkungslos sind. Hinzu kommt, dass sich verstärkt die Forderung nach einer systematischen und regionalen Berichterstattung der sozialen Lebensverhältnisse von Bevölkerungsgruppen durchsetzt, wie z.B. der Anstieg der Armuts-, Kinder-, Jugend-, Familien- Alten- oder Bildungsberichte zeigt. Nirgends ist es so wie im Durchschnitt. Genauer hinschauen lohnt sich nicht nur, sondern ist für die Gestaltung einer passgenauen Familien- und Sozialpolitik unerlässlich.

Das DJI hat 1987 begonnen, eine Datenbank aufzubauen, in der im Rahmen einer allgemeinen Sozialberichterstattung kinder-,   jugend- und familienbezogene Bundes-, Länder- und Kreisdaten und auch viele Kommunaldaten aus den unterschiedlichen Quellen der amtlichen Statistik gesammelt werden. Diese Daten liefern die Beschreibung der objektiven Lebensbedingungen und ergänzen die individuellen Daten aus den sozialwissenschaftlichen Erhebungen.

In der Bundesrepublik werden Regionalinformationen von amtlicher Seite durch die Bundes-, Landes  und Kommunalstatistik zur Verfügung gestellt. Mit der Europäischen Union ist die Hierarchie der Statistischen Ämter nach oben erweitert wurden. In Europa sind in den letzten Jahren die bestehenden regionalen Unterschiede wesentlich stärker ins Bewusstsein gerückt. Von den Mitgliedsstaaten erhobene und an eurostat übermittelte Regionaldaten spielen bei diesem Ermittlungs-, Planungs- und Evaluierungsprozess eine wesentliche Rolle.

In der Marktforschung gibt es mehrere Anbieter von kleinräumig aufgearbeiteten Daten (u.a. kleinräumige Kaufkraft, Bonität, Konsumverhalten) z.B. für Postzustellbereiche oder bis auf Straßenabschnittebene.

Auch in der empirischen Sozialforschung gibt es Umfragen, die ebenfalls ein Potential für eine Regionalisierung darstellen, einerseits benötigen diese Umfragen einen beachtlichen Stichprobenumfang, denn nur große Stichproben mit einer breiten regionalen Streuung eignen sich für eine inhaltliche tiefgestaffelte Regionstypisierung. Andererseits muss auch ein Hinweis auf die Region z.B. amtliche Verwaltungskennziffer oder Gemeindename oder eine anderer regionaler Bezug vorhanden sein.

Die amtliche Statistik in der Bundesrepublik Deutschland ist überwiegend Bundesstatistik. Dem föderalistischen Staats- und Verwaltungsaufbau entsprechend, teilen sich Bund und Länder die Erfüllung der statistischen Aufgaben. Während die methodische und technische Vorbereitung der einzelnen Statistiken sowie die Zusammenstellung und Veröffentlichung der Bundesergebnisse beim Statistischen Bundesamt liegen, sind für die Erhebung und Aufbereitung bis zum Landesergebnis die Statistischen Landesämter zuständig.

Das Schwergewicht der Durchführungsarbeiten liegt somit bei den statistischen Ämtern der Länder, dort werden auch die regionalisierten Daten aufbereitet und bereitgestellt Es gibt jedoch auch Bundesstatistiken, bei denen die Erhebung und Aufbereitung der Daten nicht von den statistischen Ämtern der Länder, sondern vom Statistischen Bundesamt selbst durchgeführt werden. Auch andere Bundesbehörden wie z.B. die Deutsche Bundesbank, die Bundesanstalt für Arbeit, oder das Kraftfahrt-Bundesbank liefern amtliche Daten.

Bei Landesstatistiken, die von mehreren oder allen Ländern durchgeführt werden, z.B. verschiedene Statistiken des Bildungswesens sowie Statistiken des Gesundheitswesens und der Rechtspflege wirkt das Statistische Bundesamt meist koordinierend, weil sowohl Bund als auch die Länder an bundesweit vergleichbaren Ergebnissen interessiert sind.

Ein Vorteil der amtlichen Statistik gegenüber anderen Verfahren der Datenerhebung in der empirischen Sozialforschung ist, dass sie Daten zur gesamten Bevölkerung (z.B. aus den Volkszählungen), sowie repräsentative Erhebungen (z.B. Mikrozensus) zur Verfügung stellt. Damit verfügt sie über eine deutlich größere Stichprobe als die empirische Sozialforschung, die aus Kostengründen derartig große Datenerhebungen nicht realisieren könnte.

Dieses Potential ermöglicht tiefer strukturierte Analysen, sowohl regional als auch auf spezifische Gruppen bzw. Fragestellungen bezogen. In der Regel wird bei amtlichen Erhebungen ein räumlicher Bezug der erhobenen Merkmale hergestellt.

Es gibt jedoch auch Erhebungen die keine regional tief gegliederte Daten zulassen oder nur sehr eingeschränkt Das Regionalisierungspotenzial von Teilerhebungen wird bestimmt durch den Umfang der Grundgesamtheit, den Stichprobenumfang, das Erhebungsdesign, die Schätzmethodik und den Stichprobenfehler.

Mit zunehmender fachlicher Gliederungstiefe nimmt das Regionalisierungspotenzial der Daten ab, d.h. die Stichprobenfehler bzw. Geheimhaltungsprobleme nehmen zu.

Mittlerweile ist die Datenbank eine umfangreiche Sammelstelle von kinder-, jugend- und familienbezogenen Zeitreihen sowie regional tief gegliederten Daten geworden. Die Datenbank enthält Daten aus folgenden Sachgebieten:

  • Arbeitslosigkeit
  • Bevölkerungsentwicklung
  • Bevölkerungsstand
  • Bildungswesen
  • Eheschließungen/Ehescheidungen
  • Einkommensdisparitäten
  • Elterngeld
  • Erwerbstätige und Beschäftigte
  • Einkommen/Steuern
  • Gesundheitswesen
  • Jugendhilfe
  • Kindertagespflege und Tagesbetreuung
  • Kreisinformationen/Daten zur Struktur eines Kreises
  • Kriminalität
  • Pflegeleistungen
  • Schwerbehinderte
  • Sozialhilfe/Grundsicherung
  • Verkehr
  • Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder
  • Wahlen
  • Wohungswesen

Heute ist die Regionaldatenbank im  internen Forschungsdatenzentrum am DJI integriert, wobei bisherige Regionaldaten aktualisiert und neue Indikatoren mit aufgenommen werden. So sind neue Schwerpunkt in dem Sachgebiet Jugendhilfe

die Kreisdaten zu den 10 einzelnen Hilfen/Beratungen nach §29 SGB VIII und die Regionaldaten zu den familienorientierten Hilfen/Beratungen. Auch die Ablage von MZ-Daten auf Anpassungsschichtenebene (132 Anpassungsschichten mit 48 Tabellen zu Erwerbstätigkeit, Bevölkerung, Familie bzw. Lebensgemeinschaften, Frauen, Haushalten, Kinder, Männern) wurde ein weiterer Schwerpunk.

Neben dem Sammeln, Harmonisieren und Ablegen von Regionaldaten gehört die rechnerische und visuelle Aufbereitung zu den Hauptaufgaben der Regionaldatenbank. Die Daten können ohne Schwierigkeiten mit Statistik-, Grafik- oder Tabellenkalkulationsprogrammen weiterverarbeitet werden (siehe Atlas I und Atlas II).

Weitere Beispiele:

 

Die Wirtschaftsleistung der Kreise im Vergleich

Wie reich sind die Kreise Deutschlands?

Städte locken Kriminelle an

Bevölkerungsveränderung auf Kreisebene im Jahr 2005

Demographischer Wandel ist überall

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Familienatlas I und II

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+49 89 62306-275
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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