Das Projekt HESTIA, das im europäischen NORFACE-Programm „Welfare State Futures" angesiedelt ist, zielt darauf ab, mittels eines Vergleichs zwischen drei unterschiedlichen Wohlfahrtsstaaten (England, Deutschland und den Niederlanden) die verschiedenen Typen und Auswirkungen von Veränderungen der lokalen Kinderschutzsysteme zu untersuchen. Das Projekt beinhaltet zum einen eine vergleichende Analyse der Kinderschutzpolitiken und empirische Untersuchungen der Kinderschutzpraxen. Erkenntnisse aus der Policy-Analyse untermauern die empirischen Module, im Rahmen derer die (i) die Reaktionsweisen der Wohlfahrtsstaaten auf Gefährdungsmitteilungen und (ii) die Sichtweisen der Eltern auf entsprechende Maßnahmen verglichen werden.

Im Detail werden folgende Sachverhalte komparativ in allen drei Ländern analysiert:

  • die Art und Weise wie Maßnahmen des Kinderschutzes ausgehandelt, legitimiert und (von Professionellen und Eltern) wahrgenommen werden;
  • deren Auswirkungen auf Kinder (z.B. Schutz/ erneuter Missbrauch, Inobhutnahme);
  •  Möglichkeit eines Vergleichs lokaler Kinderschutzpraxen in verschiedenen Ländern im Hinblick auf tatsächliche Eingriffsschwellen und Muster der Legitimation staatlicher Eingriffe;
  •  das Verhältnis von lokaler Kinderschutzrhetorik und Kinderschutzpraxis.

Die zu erwartenden Befunde sind für die Diskussion um die Zukunft des Wohlfahrtsstaates von Bedeutung. Die gewonnenen Daten werden dazu genutzt, die Kinderschutzsysteme der teilnehmenden Länder im Hinblick auf ihre Ziele und deren Verhältnis zu tatsächlicher Fallpraxis und Perspektiven von Eltern zu beschreiben. Insbesondere geht es dabei um die Frage, welche Stellung Staaten beim Ausbalancieren der Rechte von Kindern und Eltern einnehmen und wie sie versuchen, eine möglichst weitgehende Konkordanz der Grundrechte Betroffener aktiv herzustellen.

Durch diese komparative Analyse wird HESTIA neue Einblicke in die Kinderschutzgesetze sowie deren -praxis geben und auf diese Weise einen bedeutenden Beitrag zur zukünftigen Entwicklung des Kinder- und Jugendhilfesystem in Europa leisten.

 

Das Projekt wird in Kooperation von Fachgruppe F3 - Familienhilfe und Kinderschutz (Abt. Familie) und Fachgruppe J2 - Strukturen der KInder - und Jugendhilfe und mit den Universitäten Groningen (Herr Prof. Grietens) und York (Frau Prof. Biehal) durchgeführt (http://www.projecthestia.com//).

Kontakt

+49 89 62306-221
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

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