Kinder psychisch erkrankter Eltern wurden lange Zeit nicht als eigene Zielgruppe wahrgenommen. Sie bedürfen bei der Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen einer besonderen Aufmerksamkeit. Eine mangelnde Unterstützung und Entlastung der betroffenen Kinder und Jugendlichen in Bezug auf ihre Sorgen, Ängste und oft auch Überforderung im Alltag erhöht ihr Risiko deutlich, selbst psychische Störungen zu entwickeln und dauerhaft zu erkranken.

Trotz einer erhöhten Sensibilisierung der Institutionen und einer gestiegenen Anzahl an Projekten zu diesem Themenbereich fehlt es häufig noch an dauerhaften und umfassenden Hilfe-Strukturen.

Um in München nachhaltige Strukturen entwickeln zu können, wurde vom Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München, ein Projekt zur weiteren Entwicklung des Netzwerks finanziert und vom DJI umgesetzt. Da es in der Landeshauptstadt München seit vielen Jahren bereits eine Initiativgruppe zur Entwicklung und Koordination von präventiven und begleitenden Angeboten für Kinder psychisch erkrankter Eltern gibt, wurde im Rahmen des Projekts gemeinsam mit dieser an der nachhaltigen Etablierung von Kooperationsstrukturen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und psychiatrischer Versorgung gearbeitet.

Das Projekt stellte folgende drei Ziele in den Fokus:

  1. Die Entwicklung einer Kooperationsvereinbarung gemeinsam mit den unterschiedlichen Akteuren, um so eine von Personen unabhängige Verstetigung und Absicherung der Zusammenarbeit von Fachkräften aus der Kinder- und Jugendhilfe, der Psychiatrie und dem Gesundheitswesen sowie weiteren potenziellen Partnern, z.B. aus dem Bereich Schule, zu erreichen.
  2. Die Konzipierung und Umsetzung einer Wissensplattform, um so die Angebote und Hilfen in München sichtbar werden zu lassen, das Wissen der Fachkräfte übereinander und über die jeweils anderen Hilfesysteme und deren Handlungsmöglichkeiten zu verbessern und schließlich um den fachlichen Austausch zwischen den einzelnen Akteuren anzuregen.
  3. Empirisch abgesicherte Daten zum Umfang der Zielgruppe und zu bisher bestehenden Versorgungslücken. Es wurden Erhebungen zu Bedarfen und Verbesserungsmöglichkeiten bei sozialpsychiatrischen Diensten durchgeführt. Damit liegen bundesweit zum ersten Mal empirische Daten über die Inanspruchnahme sozialpsychiatrischer Hilfen durch psychisch erkrankte Eltern vor.

Die Aufgaben des Projekts waren im Wesentlichen das Netzwerk für Familien mit psychisch erkrankten Eltern(teile) zielorientiert weiter zu entwickeln sowie die sich verändernde Praxis zu evaluieren.

Die Praxisentwicklung bestand erstens in der Förderung und Unterstützung des Dialogs zwischen den Professionen und Disziplinen mit dem Ziel verbindliche Kooperationsstrukturen aufzubauen und zu begleiten. Dazu waren Arbeitsschwerpunkte zu priorisieren und eine klare Struktur in der Zusammenarbeit zu entwickeln und diese in tragfähigen und verbindlichen Kooperationsvereinbarungen zusammenzuführen. Die Projektleitung richtete hierfür moderierte Arbeits- und Steuerungsgruppen ein. Zweitens ergaben systematische wissenschaftliche Literaturrecherchen und der überregionale Austausch mit anderen Netzwerken neue Impulse für die Weiterentwicklung des Netzwerks. Drittens wurde eine Bedarfsanalyse für den ambulanten sozialpsychiatrischen Bereich durchgeführt und der Projektentwicklungsprozess im Rahmen einer formativen Evaluation begleitet. Viertens wurden Informationen zu Angeboten für die Zielgruppe sowie zu Kooperationsmöglichkeiten für Fachkräfte und Institutionen auf einer Wissensplattform bereitgestellt.

Das Projekt generierte folgende Ergebnisse: Es wurde eine Kooperationsvereinbarung entwickelt, die regelt, wie im Einzelfall Fachkräfte aus den verschiedenen Hilfesystemen, die mit der Familie mit psychisch erkrankten Eltern arbeiten, kooperieren sollen (http://www.kipse.de/informieren/kooperationsvereinbarung/). Die Befragung der sozialpsychiatrischen Dienste hat gezeigt, dass unter ihren KlientInnen der Anteil an Eltern ähnlich hoch ist wie in der Münchner Bevölkerung. Obwohl in vielen Einzelfällen bereits Kooperationen bestehen, wurde in der Befragung deutlich, dass die Zusammenarbeit noch stärker systematisiert und verstetigt werden muss (http://www.kipse.de/informieren/befragungsergebnisse-spdi/). Die im Projektverlauf gewonnenen Erkenntnisse wurden fortlaufend an die Landeshauptstadt München rückgekoppelt und darüber die weiteren Schritte feinjustiert.
Zudem wurden die Ergebnisse anhand von Vorträgen, Fortbildungsveranstaltungen an die Fachbasis vermittelt und in einem Zwischen- sowie einem Abschlussbericht festgehalten.

 

 

 


Kontakt

+49 89 62306-213
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München

Gefördert / finanziert durch

Landeshauptstadt München

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