App-Kurzbeschreibung

Mit der iOS App „VidRhythm“ können bereits Kindergartenkinder mit etwas Unterstützung kurze Musikclips erstellen. Die App ist sehr einfach und übersichtlich aufgebaut und kann von den Kindern bereits nach kurzer Einführung selbstständig bedient werden.

Es kann aus über 30 Songs, z.B. einer Variation von JingleBells, einem Geburtstagslied, Beethovens 5. Sinfonie, einem Reaggae-Song und vielen weiteren sowie 16 verschiedenen Styles gewählt werden.

Der gewählte Song wird in einzelne Wortstücke bzw. Geräusche zerlegt, die dann einzeln als 1-Sekunden-Video aufgenommen werden. Die einzige Herausforderung besteht darin, im richtigen Moment seinen Ton bzw. seinen Wortteil von sich zu geben und aufzuzeichnen. Je nach gewähltem Style werden die aufgezeichneten Videosequenzen dann zu einem Musikclip kombiniert. Der Style kann nachträglich immer wieder variiert werden. Der fertige Song kann auf dem iPad gespeichert werden. Wenn auf das Hochladen der entstandenen Stücke bei Youtube oder Facebook verzichtet wird, werden keine persönlichen Daten preisgegeben. Die App greift ansonsten lediglich auf Kamera und Mikrofon zu.

Die App ist kostenpflichtig und problemlos offline nutzbar. Da „VidRhythm“ nicht-kindergesicherte Links ins Internet enthält, wie beispielsweise zur Homepage des Anbieters Harmonix sowie zu Facebook und Youtube, sollte die Anwendung nur unter Anleitung von Erwachsenen oder ohne bestehende Internetverbindung genutzt werden.

Die Optionen innerhalb der App:

  • Song auswählen
  • Style auswählen
  • Songteile recorden (1 Sekunde)
  • Video erstellen
  • fertige Videos sicher und/oder teilen (Fotobibliothek, Facebook, Youtube)

 

Rahmenbedingungen

Gruppengröße: 4 Kinder

Alter: 4 bis 6 Jahre (Vorschulgruppe)

Dauer: 30 Minuten

Material: ein Tablet mit der App VidRhythm (iOS)

Idee: mit dem Tablet Musik machen - ein Musikclip entsteht

Die App wurde im November 2016 in einer Kita in Bremen mit einer Kleingruppe (vier Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren) getestet.

 

Zur Kita

Im Kinder- und Familienzentrum in Bremen werden 130 Kinder im Alter von 1,5 bis 6 Jahren betreut und gefördert. 86% aller Kinder der Einrichtung stammen aus Familien mit Migrationshintergrund. Insgesamt treffen dort 16 verschiedene Nationen aufeinander. Darüber hinaus stammt ein Großteil der zu betreuenden Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern und Großfamilien.

 

Vorbereitung

Für die Aktion steht ein etwa 20qm großer Bewegungsraum zur Verfügung, in dem die Gruppe ungestört arbeiten kann.

Vor Beginn überprüfen:

  • App korrekt installiert? Einen Probedurchlauf machen.
  • Akku geladen?

 

Start: Einführung in die App

Die Erzieherin setzt sich mit einer Kleingruppe zusammen, hält das Tablet hoch und fragt, ob man damit Musik machen könne. Die Kinder verneinen einstimmig. Die Erzieherin fragt nach, was man denn brauche, um Musik zu machen. Die Kinder zählen verschiedene Musikinstrumente auf.
Und mit dem Körper und der Stimme? Darauf kommen die Kinder nicht sofort, also macht die Erzieherin Geräusche vor: schnalzen, pfeifen, klatschen, klopfen … für ganz besondere Erheiterung sorgen „Pupsgeräusche“, die mit dem Mund bzw. den Lippen erzeugt werden können. Nachdem die Kinder unter viel Gelächter auf diese Weise eine Weile musiziert haben, kommt wieder das Tablet ins Spiel. Die Erzieherin startet die App VidRhythm, wählt einen Song und einen Style aus und nimmt nun von den Kindern reihum ein Geräusch bzw. ein Wort auf. Durch klicken auf „Make Video Music“ wird daraus in Sekundenschnelle ein Videoclip kombiniert, der sofort gemeinsam angesehen werden kann. Die Kinder sind begeistert. Sie lachen und bewegen sich zum Rhythmus des entstandenen Lieds. Als das Lied zu Ende ist, wollen sie es nochmal hören und sind begeistert, dass sie noch eines aufnehmen können.

 

Kreativ-Phase: Eigene Versuche mit der App

Für die 2. Runde hören sich die Kinder zunächst einige der rund 30 Songs an. Sie entscheiden sich für „I like to party“. Der Style „Video Wall“ bleibt unverändert, da hier der Effekt nicht sofort sondern erst nach der Aufnahme der Liedfragmente angesehen werden kann. Nach wenigen Minuten hat jedes Kind seinen Beitrag zum Lied aufgenommen und das Ergebnis wird betrachtet. Der Videoclip löst wieder Begeisterung aus.

 

Abschluss

In einer Abschlussrunde werden die Kinder gefragt, wie ihnen die Aktion gefallen hat. Die Erzieherin fragt, wie der Musikclip entstanden ist. Die Beschreibung des Ablaufs macht den Kindern die Arbeitsschritte bewusst und regt sie dazu an, sich noch einmal mit dem zu befassen, was sie während dieser Aktion gemacht und gelernt haben. Sie haben anschaulich erlebt, wie es durch Software möglich ist, aus wenigen Sekunden Tonaufnahme einen Musikclip von rund einer Minute Länge zu produzieren. Es schließt sich noch ein Gespräch über die Musikvorlieben der Kinder an. Einige stimmen die Lieder an, die sie aus dem Kindergarten kennen. Ein Kind, das bereits ältere Geschwister hat, singt ein kurzes Stück aus einem Lied der Kinder-HipHop-Band „Deine Freunde“ vor.

 

Auswertung

Die Kinder ließen sich sofort von der App begeistern. Da die Bedienung sehr einfach ist, hatten alle Kinder schnell Erfolgserlebnisse und waren motiviert, dran zu bleiben und weiter mitzumachen. Lediglich die Aufnahmefunktion musste etwas geübt werden, da es eine kleine Verzögerung zwischen dem Drücken des Aufnahmeknopfes und dem Aufzeichnen der Aufnahme gibt. Die Kinder drückten auf „Rec“ und machten nahezu gleichzeitig ihr Geräusch, wodurch der erste Teil des Geräusches nicht aufgezeichnet wurde. Nach wenigen Versuchen hatten jedoch alle verstanden, dass sie den Record-Knopf loslassen müssen und erst dann ihr Geräusch vollständig aufgenommen wird. Die Aufnahme stoppt automatisch nach einer Sekunde. Da die Aufnahmen ohne Aufwand beliebig oft wiederholt werden können und sich die Kinder dabei auch sehen konnten, kam es trotz einiger weniger Fehlversuche zu keinerlei Frustrationen, der Spaßfaktor war hoch.

Innerhalb von 30 Minuten konnten so inklusive thematischer Einstimmung und Einführung in die App zwei Musikclips aufgenommen werden, sodass alle Kinder sich selbst in verschiedenen Clips und wechselnden Styles auf dem Display sehen konnten. Die App eignet sich sehr gut, um kreativ und kooperativ ein Gemeinschaftsprodukt zu gestalten. Die Kinder entscheiden sich gemeinsam für einen Song, bestimmen eine Reihenfolge, machen ihre eigenen Aufnahmen, wählen abschließend verschiedene Styles aus und freuen sich zusammen an den abwechslungsreichen und sehr professionell wirkenden Ergebnissen.

Darüber hinaus wird die Auseinandersetzung mit medialen Inszenierungen angeregt und ein erstes Verständnis für die Gestaltungsmöglichkeiten geschaffen, die sich durch moderne Technologien ergeben.


Bericht: Susanne Roboom, i.A. des Deutschen Jugendinstituts e.V.

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