Blick von Außen

von Dr. Catarina Katzer, Köln

Gefahr aus dem Netz - Sexuelle Viktimisierung in Internet-Chatrooms

Das Thema „Sexualität“ besitzt gerade im Jugendalter eine besondere Anziehungskraft. Die ersten sexuellen Erfahrungen und das Kennenlernen der eigenen Sexualität im Umgang mit anderen spielen eine wichtige Rolle in den zwischenmenschlichen Beziehungen der Jugendlichen. Allerdings kann sich dieser positive Aspekt von Sexualität im Fall sexueller Kontakte durch die Anwendung von Zwang und Gewalt in das Gegenteil umkehren und erhebliche physische oder psychische negative Auswirkungen bei den Opfern hervorrufen (Krahé & Scheinberger-Olwig 2002).

Eine neue Problematik bezüglich ungewollter sexueller Erlebnisse ist dadurch entstanden, dass sich die Ausübung sexueller Übergriffe und Belästigungen in ein virtuelles Medium verlagert hat, das sich durch einen besonders hohen Anonymitätsgrad auszeichnet – das Internet. Insbesondere die von Kindern und Jugendlichen häufig genutzten Internet-Chatrooms stellen durch die Möglichkeit der direkten und synchronen Interaktion bei vollkommener physischer Anonymität einen geeigneten neuen Tatort für sexuelle Viktimisierungen dar (Finkelhor, Mitchell & Wolak 2000; Katzer & Fetchenhauer 2007; Wolak, Mitchell & Finkelhor 2006). Da man ohne Zeitverzögerung mit anderen Personen „chatten“ (reden) kann, ohne zu wissen, wer tatsächlich hinter diesen Chatpartnern steckt, können hier durchaus Gefahren für das sehr junge Publikum lauern.

Die erste detaillierte Studie im deutschsprachigen Raum zu dem Thema „Sexuelle Viktimisierung in Internet-Chatrooms“ wurde im Jahr 2005 am sozialpsychologischen Institut der Universität Köln durchgeführt (Katzer 2007; Katzer & Fetchenhauer 2007; Katzer, Fetchenhauer & Belschak, eingereicht). Sie zeigt, dass der Austausch pornografischen Materials (Pornofilme, Selbstbefriedigungs- oder Vergewaltigungsszenen, Fotos von einem erigierten Penis etc.) sowie sexuelle Übergriffe auf Minderjährige (ChatterInnen sollen sich vor einer Webcam ausziehen, ihre Genitalien berühren etc.) im virtuellen Raum der Internet-Chatrooms keine Ausnahme sind.

Allerdings sprechen nur wenige Opfer mit Eltern oder Lehrern über solche sexuellen Viktimisierungen: Zum einen aus Angst, da die Täter den Opfern häufig damit drohen, sie zu finden und zu bestrafen, wenn sie jemandem davon erzählen. Zum anderen aus Schamgefühl oder weil befürchtet wird, die Eltern könnten die Internetnutzung einschränken oder ganz verbieten. Häufig nutzen die Opfer selbst den Schutz der Anonymität in den Internet-Chatrooms, um über ihre Erlebnisse zu reden (Katzer & Fetchenhauer 2007).

Welche Formen sexueller Viktimisierungen treten in Internet-Chatrooms auf? Wer sind die Opfer?

Trotz der Virtualität des Mediums Internet-Chatroom spielen gerade auch physische Formen sexueller Übergriffe, die über den Einsatz von Webcams möglich sind, eine bedeutende Rolle (z.B. Aufforderung zur Selbstbefriedigung, sich zu berühren oder zuzusehen, wie sich der Chatpartner anfasst und selbst befriedigt etc.) (Katzer & Fetchenhauer 2007). Bedenkt man, dass auch Vergewaltigungen, die vor der Webcam stattfinden, direkt in den Chatroom übertragen werden können, wird der Internet-Chatroom auch zu einem Medium für physische sexuelle Viktimisierungen bzw. für deren Verbreitung. Die Grenzen zwischen virtueller und physischer Viktimisierung verschwimmen immer mehr. Man könnte hier sogar von einer Art sexuellem Voyeurismus im virtuellen Raum sprechen.

Wie häufig Kinder und Jugendliche in Internet-Chatrooms sexuell viktimisiert werden, zeigen die folgenden Zahlen (s. auch Tabelle 1): Von allen befragten Chatterinnen (10 bis 19 Jahre) berichtete fast jede Zweite, bereits von einem anderen Chatteilnehmer gegen ihren Willen nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein; bei den Jungen trifft dies auf jeden vierten Chatter zu. Auch gaben 34,1% der Chatterinnen an, ungewollt nach eigenen sexuellen Erfahrungen gefragt worden zu sein; bei den Jungen sind dies nur 16%. Und jede 10. der befragten Chatterinnen wurde bereits ungewollt von einem anderen Chatteilnehmer aufgefordert, sexuelle Handlungen an sich selbst vor der Webcam auszuführen; bei den Jungen dagegen trifft dies lediglich auf jeden 20. Chatteilnehmer zu. Pornografisches Material in Form von Fotos oder Filmen erhielten Jungen etwas häufiger als Mädchen (Pornos: Mädchen= 3%, Jungen= 7%; Nacktfotos: Mädchen= 9,1%, Jungen=13%).

Tabelle1: Prävalenzraten sexueller Viktimisierungen von Mädchen in Internet-Chatrooms

 

Hat jemand schon einmal gegen Deinen Willen

Noch nie

Ja, aber nicht im letzten Monat

1mal im letzten Monat

2 bis 10mal im letzten Monat

Mehr als 10mal im letzten Monat

 

Mit Dir über Sex reden wollen?

51.9 %

11.6 %

11.3 %

22.3 %

2.9 %

Dich nach dem Aussehen Deines Körpers gefragt?

67.5 %

9.0 %

6.9 %

14.6 %

2.0 %

Dich nach Deinen sexuellen Erfahrungen gefragt?

65.9 %

10.6 %

9.2 %

12.3 %

2.0 %

Dir von seinen sexuellen Erfahrungen erzählt?

73.2 %

7.0 %

8.8 %

9.5 %

1.5 %

Dir Fotos mit nackten Personen geschickt?

89.9 %

2.9 %

3.3 %

3.7 %

0.2 %

Dir Pornofilme geschickt?

97.2 %

0.6 %

0.9 %

1.3 %

0.0 %

Dich zu sexuellen Handlungen vor der Webcam aufgefordert?

89.4 %

2.4 %

2.4 %

5.5 %

0.4 %

 

Insgesamt wird aber deutlich, dass Mädchen sowohl im physischen Umfeld, als auch in den virtuellen Internet-Chatrooms häufiger sexuelle Viktimisierungen erleben als Jungen (Katzer & Fetchenhauer 2007). Dabei zeigte sich, dass das Alter der Chatterinnen keinen Risikofaktor darstellt. Die Wahrscheinlichkeit, sexuelle Viktimisierungen zu erfahren, ist für 10-Jährige genauso hoch wie für 18-Jährige. Allerdings zeigten sich jüngere Mädchen von sexuellen Viktimisierungen in der akuten Situation sowie dauerhaft stärker belastet. Da ein positiver Zusammenhang zwischen der Langzeitbelastung und psychosomatischen Beschwerden festgestellt wurde, sollten mögliche „Spätfolgen“ – gerade bei jüngeren Chatterinnen – nicht aus dem Blickfeld der Prävention geraten. 

Allerdings muss die Thematik der sexuellen Viktimisierung in Internet-Chatrooms sehr differenziert betrachtet werden. So kann man nicht von DEN sexuell viktimisierten Mädchen als einer homogenen Gruppe sprechen, sondern muss sie in mehrere Opfergruppen unterteilen.

Zum einen konnten bei rund 30% der viktimisierten Chatterinnen, die überwiegend leichte Formen sexueller Viktimisierungen erlebten (z.B. nach sexuellen Dingen oder nach eigenen sexuellen Erfahrungen gefragt werden), eine starke akute Belastung wie z.B. Angst, Frustration oder Niedergeschlagenheit sowie eine emotionale Langzeitbelastung (nicht Vergessen-Können) festgestellt werden. Diese Chatterinnen erwiesen sich sowohl während ihrer Chatbesuche, als auch in ihrem realen physischen Umfeld als eher „brave“ Mädchen (zeigten selten delinquentes Verhalten oder Substanzenmissbrauch). Außerdem gehörten sie mit einem Durchschnittsalter von 13,5 bis 14 Jahren zu den jüngsten viktimisierten Chatterinnen. Von der Präventions- und Interventionsarbeit sollte diese Risikogruppe zukünftig verstärkt berücksichtigt werden.

Zum anderen zeigte sich, dass rund 63% der viktimisierten Chatterinnen die erlebten Viktimisierungen nicht als emotionale Belastung empfanden. Vielmehr scheinen sexuelle Viktimisierungen zu ihrem Chatalltag dazu zu gehören. Mit einem Durchschnittsalter von 14,6 bis 15,0 Jahren war anzunehmen, dass diese Mädchen bereits über eine stärkere Chaterfahrung und eine gewisse Vertrautheit mit der Thematik „Sexualität“ (z.B. erste sexuelle Erfahrungen wie Küssen, Petting etc.) verfügten. Auch konnte bei einem Teil dieser Mädchen delinquentes Verhalten sowie Substanzenmissbrauch festgestellt werden. Möglicherweise stellten deshalb sexuelle Anmachen oder Übergriffe während des Chattens für diese Mädchen keine außergewöhnliche Überraschung dar.

Des weiteren gab es eine besonders auffällige Gruppe sehr junger Mädchen (Durchschnittsalter 13,2 Jahre), die 7% aller viktimisierten Chatterinnen umfasste. Diese Mädchen wurden insgesamt häufiger als alle anderen Chatterinnen sexuell viktimisiert und erlebten vor allem die meisten schweren sexuellen Viktimisierungen (z.B. Pornos und Nacktfotos erhalten und Aufforderung zu sexuellen Handlungen vor einer Webcam). Im Unterschied zu den anderen sexuell viktimisierten Chatterinnen wurden diese nicht „rein zufällig“ Opfer sexueller Übergriffe. So wiesen diese von uns als „Abenteurerinnen“ bezeichneten Chatterinnen das mit Abstand stärkste Interesse an der „erotischen Erwachsenenwelt“ auf (besuchten häufiger als alle anderen viktimisierten Chatterinnen Pornochatrooms, aber auch Prügel- oder rechtsradikale Chatrooms) und zeigten den meisten Spaß an sexuellen Themen und Gesprächen während ihrer Chatbesuche. Ein risikobehaftetes, sexuell neugieriges und aufgeschlossenes Chatverhalten, die Suche nach dem erotischen „sexuellen Kick“ erhöht somit die Wahrscheinlichkeit leichter und schwerer sexueller Viktimisierungen im Gegensatz zu „bravem“, sexuell unauffälligem Chatverhalten.

Dabei zeigte sich, dass sich gerade diese schwer sexuell viktimisierten Chatterinnen (Abenteurerinnen) kaum belastet fühlten. Wer also ganz bewusst mit der Gefahr flirtet – ist nicht unbedingt überrascht über das, was passiert! Des weiteren waren diese „Abenteurerinnen“ mit durchschnittlich 13,2 Jahren die jüngsten Chatterinnen, die sexuell viktimisiert wurden. Vieles sprach also dafür, dass es sich bei dieser Gruppe von Chatterinnen um besonders „frühreife“ Mädchen handelte.

Vor diesem Hintergrund ist der Internet-Chatroom auch als Medium für die „sexuelle Selbsterfahrung“ pubertierender Mädchen zu betrachten. Internet-Chatrooms stellen aufgrund des hohen Anonymitätsgrades – verglichen mit dem realen physischen Umfeld – ideale Orte für die Suche nach erotischer Spannung oder das Ausprobieren verbotener Dinge dar (z.B. Erwachsenenchatrooms besuchen etc.). Kein anderes Kommunikationsmedium bietet pubertierenden Teenies auf vergleichbare Weise die Möglichkeit, neue Erfahrungen bezüglich der eigenen sexuellen Identitätsbildung machen zu können.

Diesbezüglich könnte der Internet-Chatroom auch für diejenigen Mädchen eine ideale Möglichkeit sein, sich über die eigene Sexualität auszutauschen, für die Sexualität im häuslichen, familiären Umfeld ein Tabuthema darstellt.

Allerdings sollte der „Internet-Chatroom als Medium sexueller Selbsterfahrung“ kritisch betrachtet werden. Die Möglichkeit, dass der erste Kontakt mit der Thematik Sexualität sowie die ersten sexuellen Erfahrungen über das Internet stattfinden, kann negative Auswirkungen auf die Vermittlung sexueller Werte und Normen bei den Kindern und Jugendlichen haben. Insbesondere die Verbindung von Sexualität und Erotik mit gesellschaftlich gesehen abnormen Formen (z.B. Erhalt von Vergewaltigungsszenen per Videoclip über Internet-Chatrooms) führt möglicherweise zu einer „Entwertung“ oder gar „Verwechslung“ der Begriffe Liebe und Sexualität. Dabei könnte es auch zu einer „Normalisierung sexualisierter Gewalt“ in realen zwischenmenschlichen Beziehungen kommen. Die Gefahr, dass Sexualität in die Nähe von Pornografie und Gewalt gerückt wird und die pubertierenden Jugendlichen sich verstärkt ein „sexualisiertes Wertesystem“ aneignen (gemäß dem Motto: Je früher man den ersten Sexualkontakt hat, umso „cooler“ und angesehener ist man bei den Peers; s. auch Phänomen des Gäng-Bäng), ist bedenklich und sollte in der Präventions- und Interventionsarbeit besondere Beachtung finden.

Reaktionen der Opfer auf erlebte sexuelle Viktimisierungen

Die vorliegende Studie konnte zeigen, dass nur 9% der viktimisierten Mädchen mit ihren Eltern oder anderen Erwachsenen über die unangenehmen sexuellen Erlebnisse in Internet-Chatrooms reden. Scham, Angst vor Unverständnis, aber auch vor einem generellen Internetverbot sind mögliche Hintergründe. Rund 20% aller viktimisierten Chatterinnen sprechen mit anderen Chatteilnehmern über die sexuellen Übergriffe und ebenfalls 20% melden die sexuellen Viktimisierungen den Chatbetreibern. Allerdings besteht auch hier noch weiterer Handlungsbedarf.

Des Weiteren gab ein Drittel der viktimisierten Chatterinnen an, nach der Viktimisierung so zu tun, als wenn alles in Ordnung wäre. Rund 1/4 der Opfer zieht sich direkt nach den unangenehmen Übergriffen aus dem Chatroom zurück und 15% versuchen sich außerhalb des Chatrooms abzureagieren. Ein Teil der Opfer versucht also verstärkt, die sexuellen Übergriffe zu verdrängen und diese eher emotionsorientiert zu verarbeiten. Gerade hier könnten negative emotionale Folgen oder psychosomatische Probleme auftreten (z.B. Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, häufig Krank sein oder Magen-, Kopfschmerzen haben).

Was können Eltern, Lehrer und Freunde tun? 

Die Bereiche „Aufklärung“ und „Schulung der Medienkompetenz“ der Jugendlichen, aber auch der Eltern und Lehrer spielen eine besondere Rolle. Zu denken ist an Informationsabende und Weiterbildungskurse, Internetkonferenzen und Diskussionsforen. Auch könnte der Chatroom selbst als Lehrmedium im Schulunterricht eingesetzt werden.

Dabei ist den Jugendlichen deutlich zu machen, dass sexuelle Übergriffe in Internet-Chatrooms nicht als normal hinzunehmen sind, sondern gemeldet werden sollten. Da es in manchen Fällen nicht bei den virtuellen Kontakten bleibt, sondern auch reale Treffen mit sexuellen Hintergründen angebahnt werden, sollten im schulischen und familiären Umfeld mögliche Gefahren thematisiert werden.

Im Bereich der Präventions- und Interventionsarbeit kann die direkte Einbindung der SchülerInnen die eigene Sensibilität und das Bewusstsein für diese Problematik erhöhen (z.B. „Cyberpolizei“ in Schulen, die von den Schülern selbst ausgeübt wird). Auch ist darauf zu achten, dass die Internetnutzung in einem Raum stattfindet, den alle Familienmitglieder benutzen: So zeigte die vorliegende Untersuchung, dass 64,1% der sexuell viktimisierten Mädchen das Internet von ihrem eigenen PC, der in ihrem Kinderzimmer steht, aufsuchen; bei nur 16,2% steht der PC im Wohnzimmer und bei 9,9% im Arbeitszimmer der Eltern (Katzer & Fetchenhauer 2007). Ferner sollten auffällige Veränderungen im Verhalten der Jugendlichen beachtet werden. Auch sind neue Schutzprogramme zu entwickeln, die verhindern, dass Minderjährige im Internet auf Inhalte treffen, die nur für Erwachsene geeignet sind. Im Bereich der „Opferhilfe“ zeigen sich erste positive Erfahrungen mit einer „Onlineberatung“ im Internet (z.B. Beratungs-Chatrooms), die von den Opfern kontaktiert werden kann, ohne dass diese ihre Identität unbedingt preisgeben müssen (Kerger 2007).

Des weiteren ist auch die strafrechtliche Seite sexueller Viktimisierungen Minderjähriger in Chatrooms zu berücksichtigen. So erhalten minderjährige ChatterInnen z.B. auch Fotos von Geschlechtsteilen oder Videoclips, die Vergewaltigungsszenen zeigen. In solchen Fällen handelt es sich eindeutig um Straftaten nach §131 StGB „Gewalthandlungen“ und §184 StGB „ Verbreitung pornografischer Schriften“. Außerdem bietet der Internet-Chatroom die Möglichkeit für die pornografische Ausbeutung von Minderjährigen. Privatfotos der ChatterInnen, die sie z.B. am Strand im Bikini zeigen und arglos an andere Chatter geschickt werden, können hinsichtlich pornografischer Details verändert und anschließend über das Internet an Konsumenten gegen Bezahlung weiterveräußert werden. Die ChatterInnen werden auf diese Weise unbemerkt zu Opfern eines Missbrauchs ihrer Privatsphäre und somit einer Straftat nach §201a Abs. 1-3 StGB. Vor dem Hintergrund, dass die Täter auf Grund der Anonymität kaum zu identifizieren sind, ist der Internet-Chatroom auch aus der Perspektive eines straffreien Raumes für Pädophile zu betrachten (Kerger 2007). Allerdings ist zu beachten, dass die Täter sexueller Übergriffe nicht nur im erwachsenen, pädophilen Umfeld zu suchen sind, sondern auch unter den Jugendlichen selbst. Politik, Justiz und Gesellschaft sind somit gefordert, neue Lösungsansätze für eine Bekämpfung dieses bedrohlichen Ausmaßes an Gefahren für Minderjährige zu entwickeln.

Dieser Einblick in das Phänomen „Sexuelle Viktimisierung in der Internetwelt“ macht deutlich, dass es sich um einen äußerst komplexen Problembereich handelt, der von zukünftigen Forschungen sowie der Präventions- und Interventionsarbeit verstärkt beachtet werden sollte.


Literatur

Finkelhor, D., Mitchell, K. & Wolak, J. (2000): Online victimization: A report on nation´ s youth. National Center of Missing & Exploited Children.

Katzer, C. (2007): Tatort Chatroom: Aggression, Psychoterror und sexuelle Belästigung im Internet. In: Innocence in Danger, Deutsche Sektion e.V. und Bundesverein zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen e.V. (Hrsg.): Mit einem Klick zum nächsten Kick. Aggression und sexuelle Gewalt im Cyberspace. Köln: mebes & noack, S. 11-27.

Katzer, C. & Fetchenhauer, D. (2007): Cyberbullying: Aggression und sexuelle Viktimisierung in Chatrooms. In: M. Gollwitzer, J. Pfetsch, V. Schneider, A. Schulz, T. Steffke & C. Ulrich (Hrsg.): Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Band I: Grundlagen zu Aggression und Gewalt in Kindheit und Jugend. Göttingen: Hogrefe, S. 123-138.

Katzer, C., Fetchenhauer, D. & Belschak, F. (eingereicht). Flirten mit der Gefahr – Sexuelle Viktimisierung von Mädchen in Internet-Chatrooms.

Krahé, B. & Scheinberger-Olwig, R. (2002): Sexuelle Aggression. Verbreitung und Risikofaktoren bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Göttingen: Hogrefe.

Kerger, C. (2007). Prävention im Verbund. Integrierter Ansatz für Eltern, Kollegium und SchülerInnen. In: Innocence in Danger, Deutsche Sektion e.V. und Bundesverein zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen e.V. (Hrsg.): Mit einem Klick zum nächsten Kick. Aggression und sexuelle Gewalt im Cyberspace. Köln: mebes & noack, S. 94-100.

Wolak, J., Mitchell, K. & Finkelhor, D. (2006): Online Victimization of Youth Five Years Later. National Center of Missing & Exploited Children. 

Dr. Catarina Katzer absolvierte ein Studium der Volkswirtschaft, Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität Köln. Durch ihre jahrelange Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Köln erwarb sie umfangreiche Kenntnisse in Forschung und Lehre. Ihre Interessensschwerpunkte liegen auf dem Gebiet „Cyberkulturen und virtuelle Internetwelten“. Sie geht der Frage nach, welche Bedeutung die verschiedenen Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten des Internets insbesondere für Kinder und Jugendliche haben und welche Nutzen, aber auch Gefahren von diesen ausgehen können.

Die Autorin hat zu dem Problembereich „Cyberbullying und sexuelle Viktimisierung in der Chatkommunikation bei Kindern und Jugendlichen“ die ersten Studien im deutschsprachigen Raum durchgeführt und publiziert. Zur Erforschung dieses Themengebietes arbeitet sie in einem Netzwerk internationaler WissenschaftlerInnen. Ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen zum Thema „Aggressionsforschung in der Internet-Kommunikation“ konnte sie auf zahlreichen Fachkongressen als Referentin einbringen: z.B. International Online Conferences Universität Landau: „Schoolbullying and Violence- Cyberbullying, Happy Slapping, Dating Violence and Other New Trends”, April - Mai 2006; Phillips-Universität Marburg: “XI. Workshop Aggression”, November 2006; Westfälische Wilhelms-Universität Münster: ”Handy, Internet & Co.: Instrumente sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen?! Strategien der Prävention und Intervention“, März 2007; Friedrich Schiller Universität Jena: “13th European Conference on Developmental Psychology”, 21-25 August 2007.


Kontakt

Forschungsprojekt „Chatgewalt“
Dr. Catarina Katzer
Bismarckstrasse 27-29
50672 Köln

Tel.: 0221.523066
Mobil: 0173.533.6693

nc-katzerca@netcologne.de


Weiterführende Informationen
Hinweise auf die vorliegende Studie, Veröffentlichungen und weiterführende Literatur unter www.chatgewalt.de

Literaturtipps

Innocence in Danger, Deutsche Sektion e.V. und Bundesverein zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen e.V. (Hrsg.) (2007): Mit einem Klick zum nächsten Kick. Aggression und sexuelle Gewalt im Cyberspace. Köln: mebes & noack.






M. Gollwitzer, J. Pfetsch, V. Schneider, A. Schulz, T. Steffke und C. Ulrich (Hrsg.) (2007): Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen. Aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Praxis. Göttingen: Hogrefe.








DJI Online / Stand: 1. August 2007