Publikationen

Migration, Ethnie und Geschlecht

Bednarz-Braun, Iris/Heß-Meining, Ulrike (2004):
Migration, Ethnie und Geschlecht. Theorieansätze, Forschungsstand, Forschungsperspektiven.
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Cover
Wider den ethnozentrischen und geschlechterneutralen Blick
Die Entwicklung moderner Industriegesellschaften zu multi-ethnischen Gesellschaften ist eine Herausforderung für Politik und Wissenschaft. Nach der Grundrechte-Charta dürfen Menschen nicht wegen ihrer Rasse, ihrer Hautfarbe, ihrer ethnischen Herkunft und ihres Geschlechts diskriminiert werden.
Doch wie ist es um die politische Praxis bestellt? Was haben die Sozialwissenschaften beizutragen?
Noch fehlt eine sozialwissenschaftliche Analyse des Zusammenhangs zwischen Ethnie, Geschlecht und gesellschaftlichen Teilhabechancen. Wie sieht die geschlechterspezifische Seite von Migration aus?
Amerikanische und angelsächsische Untersuchungen belegen, dass die Perspektive weißer MittelstandssoziogInnen die strukturelle Ungleichheit insbesondere schwarzer und farbiger Frauen nicht ausreichend erfasst.
Inwieweit trifft es zu, dass die Kategorien Geschlecht und Ethnie auch in Deutschland nicht hinreichend berücksichtigt werden?

Können deutsche SozialwissenschaftlerInnen die gesellschaftliche Situation von MigrantInnen unterschiedlicher Herkunft überhaupt angemessen untersuchen?
Die Autorinnen sehen eine Lösung des Dilemmas: Männliche und weibliche Zugewanderte sollten nicht mehr isoliert betrachtet werden. Stattdessen sei - wie in der Geschlechterforschung - nach Verhältnissen und Beziehungen zu fragen.
Welche Chancen haben also Frauen und Männer in interethnischen Beziehungen?
Welche Möglichkeiten der Teilhabe- und Gestaltung haben sie in den Lebensbereichen Familie, Bildung, Ausbildung, Arbeit und Freizeit im multi-ethnischen Vergleich?
Wie werden Frauen unterschiedlicher kultureller Herkunft von Einheimischen wahrgenommen? Wie manifestieren sich Ungleichheit und Diskriminierung - und worin liegen sie begründet?


Das Ziel der vorliegenden Publikation ist es, die geschlechterspezifische Seite von Migration und interethnischen Beziehungen innerhalb einer multi-ethnisch gestalteten Gesellschaft deutlich zu machen. Das Buch ist für PraktikerInnen, PolitikerInnen und WissenschaftlerInnen aufschlussreich, die sich mit geschlechterbezogenen Fragestellungen des Zusammenlebens und der gesellschaftlichen Teilhabechancen von in der Bundesrepublik lebenden zugewanderten und einheimischen Bevölkerungsgruppen befassen. In seinem ersten Teil werden theoretische Debatten und analytische Konzepte zum Zusammenhang von Migration, Ethnie und Geschlecht – auch aus dem angelsächsischen Raum – nachgezeichet. Der zweite Teil enthält Informationen über den empirischen Forschungsstand in Deutschland und konzentriert sich auf ausgewählte Lebensbereiche: Familie, Bildung, Ausbildung und Freizeit. Es werden Forschungslücken benannt und weiterführende Forschungsfragen aufgeworfen. Die vorhandene Datenlage verweist darauf, dass sich Lebensgestaltungs- und Entfaltungsmöglichkeiten nach Ethnie- und Geschlechtszugehörigkeit ausdifferenzieren. Eine Analyse dieser Unterschiede führt zu der Frage, auf welche sozialen Rahmenbedingungen und Konstruktionen sich bestehende Ungleichheitslagen, aber auch Wandlungsprozesse zurückführen lassen.


Zielgruppen SozialwissenschaftlerInnen, Gleichstellungs- und Ausländerbeauftragte in Behörden, Betrieben und Beratungsstellen, PolitikerInnen


Autorinnen PD Dr. Iris Bednarz-Braun ist, Dr. Ulrike Heß-Meining war bis zum Abschluss der Untersuchung wissenschaftliche Referentin in der Abteilung Geschlechterforschung und Frauenpolitik am Deutschen Jugendinstitut in München.
Forschungsprojekt: Auszubildende und junge ArbeitnehmerInnen werden aktiv!