Bundesjugendkuratorium

Fachforum „Kinder- und Jugendhilfe goes digital? Potenziale und Risiken“ auf dem 16. DJHT in Düsseldorf

v.l.n.r.: Christiane Bollig, Florian Reinert, Prof. Dr. Nadia Kutscher, Mike Corsa; Foto: Sonja Preissing

10. April 2017 -

Aktuelle Herausforderungen und Chancen rund um die Digitalisierung des Alltags junger Menschen und der Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe wurden am 28. März 2017 im Rahmen einer Veranstaltung des Bundesjugendkuratoriums auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT) 2017 diskutiert. Zum einen appellierten die Teilnehmer/innen an Politik und Träger, in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen für eine entsprechende Grundausstattung mit digitalen Medien zu sorgen. Ferner müsse in der Fachpraxis eine stärkere Reflexion zu Dilemmata und Ambivalenzen stattfinden. Und gleichzeitig seien die Vermittlung von (Fach-)Wissen sowie die Verfügbarkeit von medienbezogener Expertise in den verschiedenen Feldern der Kinder- und Jugendhilfe notwendig, um eine differenzierte und effiziente Auseinandersetzung mit diesem Thema anzustoßen.

Der Vorsitzende des Bundesjugendkuratoriums, Mike Corsa, stellte zu Beginn der Diskussion die BJK-Stellungnahme „Digitale Medien – Ambivalente Entwicklungen und neue Herausforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe“ (Juni 2016) vor. Darin benennt das BJK die Herausforderungen und Handlungsbedarfe für Politik, Träger und Fachkräfte: Neben Potenzialen und erweiterten Optionen der Teilhabe an der digitalen Gesellschaft wird darin auf die mangelnde Datensicherheit im Zuge von Big Data und die Reproduktion digitaler Ungleichheit aufmerksam gemacht.

Einführend in das Fachforum skizzierte BJK-Mitglied Prof. Dr. Nadia Kutscher in ihrem Vortrag die ambivalenten Entwicklungen und neuen Herausforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe. Kutscher machte auf die Reproduktion sozialer Ungleichheit aufmerksam und forderte, dass gefragt werden müsse, wie anschlussfähig die Mediennutzung im Alltag von Kindern und Jugendlichen an Bildungsformate sei. Sie betonte, dass digitale Medien nicht immer und nicht automatisch Teilhabe ermöglichen, da sich im Medienhandeln ungleiche Fähigkeiten und Ressourcenlagen auswirken. Darüber hinaus würden Entwicklungen wie Big Data und die zunehmende Vermischung privater und beruflicher Nutzung besondere Herausforderungen für Fachkräfte und Träger darstellen.

Christiane Bollig (LAG Streetwork/Mobile Jugendarbeit Baden-Württemberg e. V.) erläuterte am Beispiel der mobilen Jugendarbeit die Chancen der virtuell-aufsuchenden Jugendarbeit. Darüber können ihrer Auffassung nach alle Jugendlichen in ihren (virtuellen) Orten des Aufwachsens erreicht werden, worin Bollig einen Beitrag zum Abbau sozialer Ungleichheit sieht, aber auch ausdrücklich auf Spannungsfelder hinwies. Abschließend forderte sie, die Digitalisierung stärker als als Querschnittsthema in der Kinder- und Jugendhilfe und im Bildungssystem zu etablieren.

Florian Reinert (Landesjugendamt Rheinland-Pfalz) verwies hieran anschließend auf Lücken im Jugendschutz und auf fehlende Regelungen in Zusammenhang mit der Digitalisierung. Er forderte unter anderem, Big Data zum Thema des Jugendschutzes zu machen und machte auf den Widerspruch zwischen der Befähigung zum Medienhandeln und den strukturellen Herausforderungen, die politisch gelöst werden müssten, aufmerksam. Außerdem müssten die Verwaltung und ihre Mitarbeiter/innen auf die aktuellen digitalen Herausforderungen besser vorbereitet werden.

Weitere Informationen:

www.dji.de/bjk oder www.bundesjugendkuratorium.de