Der Wunsch nach aktiver Vaterschaft hat insbesondere bei Männern in Westdeutschland an Bedeutung gewonnen, dies zeigt nicht nur der stetig wachsende Anteil der Väter in Elternzeit. Gleichwohl haben wissenschaftliche Studien nachgewiesen, dass Väter ihre Ernährerfunktion nicht aufgeben möchten oder können. Die kurze Dauer kindbedingter  Ausstiege aus der Erwerbsarbeit und die Tatsache, dass sich an der geschlechtsspezifischen Aufgabenteilung zwischen Familien- und Erwerbsarbeit bis heute wenig verändert hat, wirft die Frage nach den Gründen für die große Kluft zwischen dem gewünschten und tatsächlichen Umfang des väterlichen Engagements in der Familie auf.

Das Projekt hatte vor diesem Hintergrund das Ziel, Erkenntnisse zur Rolle von Vätern in der Ausgestaltung der familialen Lebensführung sowie zu Unterstützungsbedarfen partnerschaftlicher Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu generieren und damit strukturelle Veränderungspotenziale für Politik und Wirtschaft aufzuzeigen. Die Befunde hierzu wurden in einem Datenreport zusammengestellt. (Der Report ist verfügbar unter: Väter 2015)

Im Einzelnen wurden vier Themenbereiche untersucht, die eng miteinander verzahnt sind:

Die Vaterrolle unterliegt seit einigen Jahrzehnten einem starken Wandel, trotzdem sind die „neuen“ oder „engagierten“ Väter nicht einheitlich definiert. Im Wesentlichen erscheinen sie als Gegenbild zu den „alten“ traditionellen Vätern, die sich überwiegend um das Familieneinkommen kümmern, während die Mütter sich auf Familienaufgaben konzentrieren. Zentrale Fragestellungen des Projektes lauteten deshalb: Welche Eigenschaften zeichnen einen aktiven Vater aus? Welche Aufgaben übernehmen Väter in der Familie und von welchen Faktoren hängt aktive Vaterschaft ab?

Obwohl sich Väter bessere Vereinbarkeitsmöglichkeiten von Familie und Beruf wünschen, hat sich in der Realität an der Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern nur oberflächlich etwas verändert. Väter reduzieren nach der Geburt eines Kindes nur selten ihre Erwerbsarbeit. Ihr Engagement konzentriert sich im Wesentlichen auf die Zeit nach Feierabend oder auf die Wochenenden. Das Projekt untersuchte deshalb: Wie gelingt Vätern der Spagat zwischen Familie und Beruf? In welcher Erwerbskonstellation leben die Väter und wie kam diese Konstellation zwischen den Partnern zustande? Wie viele Stunden würden Väter gerne arbeiten?

Die Ausgestaltung von Vaterschaft hängt eng mit Eigenschaften der Paarbeziehung zusammen. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, wie sich die Partner die Aufgaben in Familie aufteilen und wer von beiden den Familienalltag organisiert. Aber auch Fragen nach der Partnerschaftsqualität und der Zusammenarbeit in der Erziehung standen im Fokus der Untersuchung.

Das neue Vaterbild ist durch mehr Engagement für das Kind, Emotionalität, Fürsorglichkeit und möglichst viel gemeinsamer Freizeit mit dem Kind gekennzeichnet. Gleichzeitig konnten zahlreiche Studien förderliche Aspekte des väterlichen Engagements für ihre Kinder aufzeigen: emotional, kognitiv und verhaltensbezogen. Bedeutende Fragestellungen waren in diesem Themenbereich: Wie gestaltet sich die Vater-Kind-Beziehung? Welche Unterschiede gibt es zwischen aktiven und weniger aktiven Vätern in der Qualität der Vater-Kind-Beziehung? Und, von welchen Aspekten aktiver Vaterschaft profitieren Kinder am meisten?

Um die skizzierten Fragestellungen zu beantworten, wurden Daten der zweiten Welle des DJI-Suveys „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“ (AID:A, 2013/2014) sekundäranalytisch ausgewertet. Ziel des AID:A-Surveys war es, die aktuelle Situation und die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien in Deutschland repräsentativ zu erheben. Die zweite Welle des AID:A-Surveys wurde im Multi-Actor-Design angelegt, das heißt es standen neben den Informationen der Auskunftsperson (Mutter) auch Angaben von dem im Haushalt lebenden Vater des Zielkindes zur Verfügung. In AID:A II wurden Väter zum familiären Zusammenleben mit Hilfe eines telefonischen bzw. webbasierten Add-ons befragt. Identische Fragen wurden auch  den Müttern gestellt. Zusätzlich gaben die Mütter Auskunft über die sozio-ökonomische Situation der Familie und Einschätzungen zum 0- bis 8-jährigen Zielkind. Ein besonderer Schwerpunkt in der zweiten Welle des AID:A-Surveys lag in der Untersuchung des Familienalltags (Organisation, Routinen, Arbeitsteilung im Haushalt, Kinderbetreuung und Arbeitswelt), der Beziehungsqualitäten innerhalb einer Familie (Eltern-Kind-Beziehung, Paarbeziehung) sowie dem Wohlbefinden der einzelnen Akteure (Mutter-Vater-Kind). Für die Auswertung der vorgestellten Fragestellungen in den vier Themenbereichen wurden deskriptive und multivariate statistische Verfahren angewandt.

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