EVA STRUNZ

Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik im Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut/TU Dortmund

Betreuungsatlas 2013. Kindertagesbetreuung auf Ebene der 563 Jugendamtsbezirke

Bereits zum vierten Mal erscheint der Atlas mit zahlreichen Tabellen und kartographischem Material zur Betreuung von Kindern bis zu sechs Jahren in Kitas und Tagespflege. Auf der Basis amtlicher Daten aus dem Jahr 2013 gibt er detailliert und anschaulich Auskunft über die Inanspruchnahme, den Betreuungsumfang, die Gruppenformen und -größen sowie die Tagespflegepersonen und das eingesetzte pädagogische Personal in den Einrichtungen der einzelnen Jugendamtsbezirke. Ziel ist es, die große Nachfrage seitens Politik und Verwaltung nach regional aufgeschlüsselten Daten zu bedienen und den Planungsverantwortlichen vor Ort ein Instrument der Vergleichbarkeit und eine Grundlage für eine passgenaue Steuerung an die Hand zu geben.

 

Auf der kommunalen Ebene werden wichtige Entscheidungen zur Ausgestaltung der Angebote der Kindertagesbetreuung getroffen. Die örtlichen Entscheidungsträger benötigen dazu Informationen zur Verfügbarkeit und Qualität der Betreuungsangebote in den einzelnen Jugendamtsbezirken, die eine große Varianz aufweisen. Neben den örtlichen Entscheidungsträgern sind auch überörtliche Akteure wie Landesjugendämter, Verbände oder Ministerien auf interkommunal vergleichende Daten angewiesen. Auch Wissenschaft, Medien und Fachöffentlichkeit sind an diesen Informationen interessiert. Der Betreuungsatlas ist ein dafür geeignetes Analyseinstrument, aus dem nachfolgend ausgewählte Erkenntnisse dargestellt werden:

  • Ost-West-Unterschiede bei Inanspruchnahme
  • 9 Typen der Ausbaudynamik
  • Kaum Veränderung bei Gruppengrößen
  • Keine Verschlechterung beim Personalressourceneinsatzschlüssel
  • Mehr Fachkräfte bei konstantem Qualifikationsniveau
  • Zusatzmaterial: Länderprofile
  • Methodische Hinweise

Deutliche Ost-West-Unterschiede bei der Inanspruchnahme: Fast die Hälfte der unter Dreijährigen im Osten nimmt Angebote der Tagesbetreuung in Anspruch; im Westen nur ein Viertel. Im Osten werden drei Viertel der Krippenkinder ganztags betreut, im Westen mit 40 Prozent nicht einmal die Hälfte.

Nach wie vor bestehen deutliche Unterschiede bei der Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuung der unter Dreijährigen zwischen Ost- und Westdeutschland. Während laut amtlicher Kinder- und Jugendhilfestatistik zum 1. März 2013 in Ostdeutschland (mit Berlin) fast die Hälfte der unter dreijährigen Kinder betreut wird, ist es in Westdeutschland nur rund ein Viertel. Hinter diesen ost- und westdeutschen Werten verbergen sich nochmals enorme lokale Unterschiede (vgl. Abb. 1).

Abbildung 1: Inanspruchnahmequote von Tageseinrichtungen und Tagespflege von Kindern unter 3 Jahren in den Jugendamtsbezirken und Ländern (2013; in %, bezogen auf die altersgleiche Bevölkerung)*

*) Lesehilfe: In Nordrhein-Westfalen gab es 2013 einen Jugendamtsbezirk, in dem 10,7% aller unter dreijährigen Kinder in einer Tageseinrichtung oder von einer Tagespflegeperson betreut wurden, sowie einen anderen Bezirk, in dem eine Inanspruchnahmequote von 28,8% erreicht wurde. Dies waren die niedrigste bzw. die höchste Quote in allen nordrhein-westfälischen Bezirken, der mittlere Landesanteil lag bei 19,2%. Die mittlere Quote entspricht jedoch nicht der insgesamt im Land erreichten Quote, da es sich bei der hier abgebildeten Quote um den Medianwert handelt.
Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder: Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe – Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2013; Berechnungen der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik

In den westdeutschen Jugendamtsbezirken liegen die Inanspruchnahmequoten zwischen etwa 11% und 45%, in Ostdeutschland zwischen 42% und 63%. Die Quoten fast aller westdeutschen Jugendamtsbezirke befinden sich auf einem niedrigeren Niveau als die aller ostdeutschen Bezirke. Nur die baden-württembergische Universitätsstadt Heidelberg liegt mit ihrer Quote von knapp 45% über den Werten des sächsischen Landkreises Erzgebirgskreis (42%) und von Berlin (44%). Die höchste Differenz zwischen den Jugendamtsbezirken innerhalb eines Landes ist in Bayern zu finden. Hier werden in dem Landkreis Berchtesgadener Land 11% der unter Dreijährigen institutionell betreut, während es in dem Landkreis Coburg 40% sind.

Diese lokalen Unterschiede werden auch bei der Analyse des Betreuungsumfanges von unter dreijährigen Kindern in Kindertageseinrichtungen deutlich: Von allen 486 westdeutschen Jugendamtsbezirken weisen 153 Bezirke eine Ganztagsbetreuungsquote von unter 30% auf (ganztägig heißt: ein wöchentlicher Betreuungsumfang von mehr als 35 Stunden). Bei den westdeutschen Jugendamtsbezirken streuen die Ganztagsbetreuungsquoten sehr breit: von 2% im bayerischen Landkreis Freyung-Grafenau bis zu 94% in der hessischen Stadt Gießen.

Bei den ostdeutschen Jugendamtsbezirken ist die Spannweite der Quoten deutlich kleiner. Hier liegen der niedrigste Anteil der ganztagsbetreuten Kinder in einem Jugendamtsbezirk bei 59% im Salzlandkreis (Sachsen-Anhalt) und der höchste bei 96% in Jena (Thüringen). Demnach bestehen in allen 77 ostdeutschen Bezirken Ganztagsbetreuungsquoten von 30% und mehr. Ähnliche Differenzen zeigen sich auch bei der Analyse des Betreuungsumfanges von drei- bis unter sechsjährigen Kindern.

9 Typen der Ausbaudynamik: Niedersachsen holt am stärksten auf, ein hohes Angebot halten nach wie vor Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern; Thüringen und Rheinland-Pfalz bauen noch weiter aus; geringer Ausbau bei niedrigem Startniveau in NRW und Bayern.

Nicht nur die Inanspruchnahme, sondern auch die Entwicklungsdynamik des Ausbaus der Betreuungsangebote variiert auf lokaler Ebene erheblich. Zur Analyse dieses Indikators wurde der Platzzuwachs pro 100 Kinder im relevanten Zeitraum gewählt.

Der Platzzuwachs (in %) ist definiert als die Differenz zwischen der Anzahl der betreuten unter dreijährigen Kinder im Jahr 2013 und der im Jahr 2007 dividiert durch die Anzahl der unter dreijährigen Kinder in der Bevölkerung im Jahr 2007. Erst dieser Indikator und die Inanspruchnahmequote von 2007 als Ausgangsniveau lassen Rückschlüsse auf die vorgenommenen Anstrengungen der einzelnen Jugendamtsbezirke zu. Diese Werte bilden die Grundlagen zur Erstellung von neun Typen zum Platzausbau, die sich darin unterscheiden, dass sie entweder einen hohen, mittleren oder niedrigen Platzzuwachs und entweder eine hohe, mittlere oder niedrige Inanspruchnahmequote im Jahr 2007 aufweisen (vgl. Tab. 1). Dieses Verfahren wurde bereits in den vorherigen Betreuungsatlanten angewendet (vgl. Hüsken 2011).

Tabelle 1: Typenbildung zum Platzausbau nach Hüsken (2011)

Quelle: Hüsken 2011

Wie die kartographische Darstellung der Verteilung der Jugendamtsbezirke auf die neun Typen des Platzausbaus in Deutschland veranschaulicht, sind es vor allem die Jugendamtsbezirke in Niedersachsen, die am stärksten beim Ausbau der Betreuungsangebote für unter Dreijährige aufgeholt haben (vgl. Abb. 2).

Abbildung 2: Typen des Platzausbaus in Deutschland (Zeitraum 2007 bis 2013)*

*) In den weiß dargestellten Jugendamtsbezirken können aus Gründen des Datenschutzes oder infolge von Gebietsreformen keine Werte ausgewiesen werden. Kinder in Tagespflege, die zusätzlich noch eine Kindertageseinrichtung besuchen, werden doppelt gezählt.
**) Durchschnittliche Quote im Jahr 2007 und/oder durchschnittlicher Platzzuwachs von 2007 bis 2013

Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Statistik der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2007 und 2013; Berechnungen der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik

In Niedersachsen gehören viele Bezirke dem Typ 3 an, der ein niedriges Ausgangsniveau und einen starken Ausbau aufweist. Bezirke, die von 2007 zu 2013 ihr hohes Ausgangsniveau halten konnten, also dem Typ 7 angehören, sind insbesondere in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zu finden. In der Mehrheit der thüringischen Bezirke konnte vor dem Hintergrund einer bereits damals bestehenden hohen Nutzung der Betreuungsangebote noch weiter ausgebaut werden (Typ 1); dies trifft auf mehrere Bezirke aus Rheinland-Pfalz ebenfalls zu. Die Bezirke, die dem Typ 9 angehören, also sowohl 2007 als auch 2013 eine geringe Inanspruchnahme aufweisen, befinden sich ausschließlich in den westdeutschen Ländern, insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Diese Verteilung zeigte sich auch schon in den beiden vorherigen Zeiträumen (vgl. Hüsken 2011).

Keine Qualitätseinbußen bei der Größe der U3-Gruppen: insgesamt kaum Veränderung bei der Anzahl der Kinder pro Gruppe, eher Reduzierung statt Zunahme feststellbar.

Neben den dargestellten Indikatoren, die eher die Betreuungsquantität in den Jugendamtsbezirken betreffen, kann anhand weiterer Indikatoren auch die Betreuungsqualität zwischen den Jugendamtsbezirken verglichen werden. Dazu gehören beispielsweise die Anzahl der Kinder pro Gruppe und der Personalressourceneinsatzschlüssel.

Im Rahmen der Debatte um den Ausbau der Plätze für unter dreijährige Kinder wurde häufig die Vermutung geäußert, dass die Schaffung neuer bis zum Inkrafttreten des Rechtsanspruchs benötigter Plätze nur dadurch erreicht werden könne, dass beispielsweise die Gruppengröße ausgeweitet und weniger Personal für mehr Kinder zuständig sein würde. Auf diese Weise werde die Qualität gesenkt.

Anhand eines Vergleichs der amtlichen Daten verschiedener Jahre konnte dies auf Bundesebene sowie für die Mehrheit der Jugendamtsbezirke im Rahmen des aktuellen Betreuungsatlas‘ nicht bestätigt werden. Dies soll beispielhaft zunächst anhand der mittleren Anzahl an Kindern pro Gruppe für unter Dreijährige dargestellt werden (vgl. Abb. 3).

Abbildung 3: Veränderungen der mittleren Anzahl an Kindern in Gruppen für unter 3-Jährige in Kindertageseinrichtungen von 2010 bis 2013 nach Jugendamtsbezirken (absolut)*

*) In den weiß dargestellten Jugendamtsbezirken können aus Gründen des Datenschutzes oder infolge von Gebietsreformen keine Werte ausgewiesen werden.
Lesehilfe: In den blau gefärbten Jugendamtsbezirken ist die durchschnittliche Anzahl der Kinder in Gruppen für unter Dreijährige in Kindertageseinrichtungen von 2010 bis 2013 um den jeweiligen Wert reduziert worden, die Gruppengröße wurde also kleiner. In den gelb gefärbten Bezirken ist die mittlere Anzahl der Kinder pro U3-Gruppe in dem Zeitraum gleich geblieben. In den orange und grün gefärbten Jugendamtsbezirken ist die mittlere Anzahl der Kinder pro U3-Gruppe um den jeweiligen Wert erweitert worden, die Gruppengröße wurde also ausgeweitet.  

Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Statistik der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2010 und 2013; Berechnungen der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik

Zum 1. März 2013 variiert die mittlere Anzahl der Kinder pro U3-Gruppe bei den westdeutschen Jugendamtsbezirken zwischen 6 Kindern in der Stadt Meerbusch (Nordrhein-Westfalen) und 16 Kindern im Landkreis Dingolfing-Landau (Bayern), bei den ostdeutschen Bezirken mit einer etwas größeren Spannweite zwischen 6 Kindern im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sowie in der Stadt Schwerin (beides Mecklenburg-Vorpommern) und 18 Kindern in der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt).

Unter den westdeutschen Jugendamtsbezirken liegt die größte Gruppenerweiterung von 2010 zu 2013 in einem nordrhein-westfälischen Bezirk, in dem im Durchschnitt die Gruppengröße um 9 Kinder pro Gruppe erweitert wurde. In der Stadt Oelde (ebenfalls Nordrhein-Westfalen) hingegen wurde die größte Gruppenreduzierung durchgeführt, hier wurde die durchschnittliche Anzahl der Kinder in einer U3-Gruppe um 8 Kinder reduziert. In den ostdeutschen Jugendamtsbezirken hingegen kann die größte Gruppenerweiterung mit 2,5 Kindern und die größte Reduzierung mit 2 Kindern pro Gruppe im Mittel beziffert werden. Diese Reduzierung der Gruppengröße erfolgte sowohl in den Landkreisen Teltow-Fläming und Uckermark (beide Brandenburg) als auch im Landkreis Börde (Sachsen-Anhalt).

In 37% aller westdeutschen Jugendamtsbezirke, die in die Analyse einbezogen werden konnten, reduzierte sich die mittlere Anzahl der Kinder pro U3-Gruppe von 2010 zu 2013, in 21% der Fälle stieg sie und in 42% der Fälle blieb sie konstant. In Ostdeutschland hingegen wurde in 27% der Jugendamtsbezirke die mittlere Anzahl der Kinder pro Gruppe reduziert, in 29% der Fälle erweitert und in 44% der Fälle auf dem Niveau von 2010 gehalten. In den ostdeutschen Jugendamtsbezirken fand demnach häufiger als in den westdeutschen Jugendamtsbezirken eine Erweiterung der mittleren Gruppengröße statt, jedoch ist in der Mehrzahl aller west- und ostdeutschen Jugendamtsbezirke eine Stagnation bzw. Reduzierung der Gruppengröße, und somit keine Qualitätseinbuße, zu verzeichnen.

Keine Verschlechterung des Personalressourceneinsatzschlüssels insgesamt erkennbar: Auf eine Vollzeitstelle entfallen im Westen 3,6 ganztags betreute Kinder und im Osten (ohne Berlin) 6 ganztags betreute Kinder.

Auch gemessen an der Entwicklung des Personalressourceneinsatzschlüssels ist in den Tageseinrichtungen größtenteils keine Verschlechterung der Betreuungsqualität zu verzeichnen. Der Personalressourceneinsatzschlüssel ist eine Kennziffer, die anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik berechnet wird und angibt, in welchem Verhältnis die vertraglich vereinbarten Betreuungsstunden der Kinder zum vertraglich vereinbarten Beschäftigungsumfang des pädagogisch tätigen Personals (inklusive des Personals mit Leitungsaufgaben) stehen. Dieser Indikator wird für verschiedene Gruppentypen ausgewertet, nachfolgend aber nur für die Gruppe mit unter dreijährigen Kindern dargestellt (vgl. Abb. 4).

Abbildung 4: Personalressourceneinsatzschlüssel in Gruppen mit Kindern unter 3 Jahren in den Tageseinrichtungen in den Jugendamtsbezirken (2013; Angabe der Ganztagsbetreuungsäquivalente bezogen auf ein Vollzeitäquivalent als Median; inklusive Beschäftigungsumfang des Leitungspersonals)*

*) Für die weiß dargestellten Jugendamtsbezirke können aus Gründen des Datenschutzes keine Werte angegeben werden bzw. in Berlin wird die Gruppenzugehörigkeit nicht erfasst.
Lesehilfe: In den dunkelblau gefärbten Jugendamtsbezirken ist in Gruppen für unter Dreijährige im Mittel eine vollzeitbeschäftigte Person für 3,13 und weniger ganztags betreute Kinder zuständig. In den dunkelgrün gefärbten Jugendamtsbezirken ist eine vollzeitbeschäftigte Person für mehr als 5,9 ganztags betreute Kinder in einer U3-Gruppe zuständig. In diesen Bezirken ist der Personalressourceneinsatzschlüssel somit ungünstiger als in den dunkelblau gefärbten Bezirken.

Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Statistik der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2007 und 2013; Berechnungen der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik

Bundesweit ist im Durchschnitt derzeit eine vollzeitbeschäftigte pädagogische Fachkraft für 4,3 ganztags betreute Kinder in einer Gruppe mit unter Dreijährigen zuständig. In Westdeutschland ergibt sich eine bessere Personalausstattung (1:3,6) als in Ostdeutschland (1:6,0).

Hinter diesen Werten verbergen sich erneut enorme lokale Unterschiede zwischen den Jugendamtsbezirken: In den westdeutschen Jugendamtsbezirken variieren die Werte der Personalressourceneinsatzschlüssel (inklusive Leitungsanteil) in Gruppen mit Kindern im Alter von unter drei Jahren von 1:2,3 bis zu 1:9,3. In der Stadt Minden (Nordrhein-Westfalen) gibt es den günstigsten Personalressourceneinsatzschlüssel. Insbesondere die baden-württembergischen Jugendamtsbezirke fallen durch ihre durchweg günstigen Personalausstattungen im Vergleich zu den anderen Jugendamtsbezirken auf. In den ostdeutschen Jugendamtsbezirken streuen die Personalressourceneinsatzschlüssel in den U3-Gruppen von 1:4,2 bis zu 1:7,2 und somit weniger stark als in den westdeutschen Bezirken. Der günstigste Personalressourceneinsatzschlüssel liegt in der Stadt Erfurt (Thüringen) vor.

Ein Vergleich der Daten von 2012 und 2013 auf Ebene der Jugendamtsbezirke zeigt größtenteils eine Verbesserung bzw. eine Stagnation der Personalressourcenausstattung: In 30% der ausgewerteten westdeutschen Jugendamtsbezirke konnte eine Verbesserung der Personalressourcenausstattung (mehr als +0,2 Ganztagsäquivalente) festgestellt werden, in über der Hälfte gab es eine Stagnation (+- 0,2 Ganztagsäquivalente) und in 16% der Bezirke eine Verschlechterung der Personalverhältnisse (weniger als -0,2 Ganztagsäquivalente).

In 16% der ostdeutschen Bezirke war eine Verbesserung der personellen Ausstattung festzustellen, eine Stagnation bei 71% und eine Verschlechterung bei 13% der Bezirke. Zwischen den westdeutschen Jugendamtsbezirken variieren die Veränderungen der Personalressourcen von -2,1 bis zu +1,7 Ganztagsäquivalenten und bei den ostdeutschen Bezirken von -0,9 bis zu +0,9 Ganztagsäquivalenten.

In den westdeutschen Bezirken kam es somit zwar insgesamt häufiger zu Verbesserungen der Personalressourceneinsatzschlüssel von 2012 zu 2013 als in den ostdeutschen Bezirken, in den westdeutschen Bezirken gab es jedoch eine größere Spannweite der Verbesserungen bzw. Verschlechterungen der Personalressourcenausstattungen. Die Verschlechterungen befinden sich jedoch größtenteils auf einem geringfügigen Niveau, so dass auch in diesen Bezirken nicht von einer eindeutigen Qualitätseinbuße gesprochen werden kann.

Anzahl und Qualifikation der Fachkräfte: zum Teil Anstieg um 138 Prozent, insgesamt keine De-Qualifizierung feststellbar – mit einigen lokalen Ausnahmen

Weitere relevante Themen im Rahmen der Debatte über den Wandel der Kindertagesbetreuung sind die Qualifikation und der Bedarf an pädagogischen Fachkräften. Zwischen 2007 und 2013 ist die bundesweite Anzahl der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen von 363.115 auf 491.789, also um ca. 35% gestiegen.

Auf Ebene der Jugendamtsbezirke – hierbei konnten jedoch nicht alle Jugendamtsbezirke aufgrund von Gebietsreformen oder zu geringen Fallzahlen berücksichtigt werden – war es von 2007 bis 2013 in nur sieben von 477 westdeutschen Jugendamtsbezirken zu keinem Anstieg der Anzahl der Fachkräfte gekommen, sechs davon befinden sich in Nordrhein-Westfalen. In den übrigen 470 westdeutschen Bezirken wurden prozentuale Steigerungen von 2% in Delmenhorst (Niedersachsen) bis zu 138% in Monheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) erreicht. Weitere Bezirke mit einem prozentualen Anstieg von über 100% gibt es nicht. In den ostdeutschen Bezirken ist die Spannweite der Anstiege geringer, sie reicht von 4% im Landkreis Stendal (Sachsen-Anhalt) bis zu 56% in der Stadt Jena (Thüringen). Auffällig ist, dass sich viele der Bezirke, in denen die Anzahl der pädagogisch Tätigen in den Kindertageseinrichtungen von 2007 zu 2013 prozentual stark gestiegen ist, in Bayern sowie Baden-Württemberg und im Norden von Niedersachsen befinden.

Hinsichtlich der Qualifikation des Personals in Kindertageseinrichtungen konnte anhand der amtlichen Daten bis 2013 bundesweit keine De-Qualifizierung des Personals festgestellt werden (vgl. BMFSFJ 2013, S. 23f.; Schilling 2013, S. 9f.). Diese Entwicklung bestätigt sich auf der Ebene der Jugendamtsbezirke größtenteils auch für 2013, jedoch mit einigen lokalen Ausnahmen.

Für die Analyse wurden die Abschlüsse der Fachkräfte eingeteilt in „mindestens Fachschulabschluss“ und „kein Fachschulabschluss“. Von 2007 bis 2013 gab es sowohl Bezirke, in denen das Qualifikationsniveau des Personals in Kindertageseinrichtungen gesteigert werden konnte, aber auch Bezirke, in denen das Niveau gesunken ist (vgl. Abb. 5). In Westdeutschland ist der größte Anstieg des Anteils der Fachkräfte mit mindestens Fachschulabschluss in der nordrhein-westfälischen Stadt Altena zu verzeichnen (+17 Prozentpunkte). Dies traf bei den ostdeutschen Jugendamtsbezirken auf den Landkreis Rostock zu (+4 Prozentpunkte). Eine Verbesserung der Qualifikation von 2007 zu 2013 ist insgesamt häufiger in den westdeutschen als in den ostdeutschen Jugendamtsbezirken anzutreffen.

Abbildung 5: Veränderung des Qualifikationsniveaus von Fachkräften in Kindertageseinrichtungen in den Jugendamtsbezirken von 2007 bis 2013 (in Prozentpunkten)*

*) Lesehilfe: Negative Werte deuten darauf hin, dass der Anteil der Fachkräfte mit mindestens Fachschulabschluss in einem Jugendamtsbezirk von 2007 bis 2013 um den jeweiligen Wert gesunken ist bzw. der Anteil der Fachkräfte mit keinem Fachschulabschluss um den jeweiligen Wert gestiegen ist. In diesem Fall wäre eine De-Qualifizierung der Fachkräfte zu verzeichnen.

Quelle: Forschungsdatenzentrum der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Statistik der Kinder- und Jugendhilfe, Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege, 2007 und 2013; Berechnungen der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik

Zusätzliches Material: Kommunale Länderprofile zur schnellen Orientierung

Als zusätzlicher Service des diesjährigen Atlas‘ wurden Profile für alle 13 Flächenländer erstellt. Dieses Material ist als Ergänzung zum Betreuungsatlas 2013 zu verstehen, der aus drei frei zugänglichen Online-Modulen besteht (Tabellen, Landkarten und einem Bericht).

Die kommunalen Länderprofile enthalten zehn ausgewählte Indikatoren pro Land auf Ebene der Jugendamtsbezirke anhand der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik aus dem Jahr 2013. Pro Land werden für jeden Indikator die Jugendamtsbezirke mit den fünf höchsten und den fünf niedrigsten Werten ausgewiesen, sei es in Form von Tabellen oder Abbildungen. Die Werte der Jugendamtsbezirke, die zwischen diesen fünf höchsten und fünf niedrigsten Werten liegen, werden nicht aufgeführt, sie können aber in den online frei zugänglichen Tabellen eingesehen werden.

Die Länderprofile können einen schnellen Überblick darüber liefern, in welchen Jugendamtsbezirken pro Land hohe oder niedrige Werte eines Indikators erreicht werden und auf welchem Niveau die Werte länderspezifisch variieren.

Methodische Hinweise

Der Betreuungsatlas 2013 enthält zahlreiche Indikatoren, die auf Basis der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik für die 563 Jugendamtsbezirke in Deutschland lokal vergleichend ausgewertet wurden. Der Betreuungsatlas wurde bisher für die Jahre 2008 und 2010 (vgl. z.B. Hüsken 2011) sowie für das Jahr 2011 (vgl. Strunz 2013) vorgelegt und führt die Reihe „Zahlenspiegel“ fort (vgl. zuletzt DJI 2008).

Der Betreuungsatlas besteht aus drei frei zugänglichen Online-Modulen: erstens Daten auf Jugendamtsbezirksebene in Form von zahlreichen Tabellen, zweitens die Visualisierung lokaler Differenzen anhand von Landkarten und drittens die Verschriftlichung der wesentlichen Ergebnisse in Form eines Berichts.

Im aktuellen Bericht werden die deskriptiven Ergebnisse durch multivariate Analysen zum Zusammenhang zwischen lokalen Merkmalen und der Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuung ergänzt. Somit sollen mithilfe des Betreuungsatlas auch wichtige Einflussfaktoren und Erklärungsansätze für die vorhandene Varianz zwischen den einzelnen Jugendamtsbezirken gefunden werden.


Links

Betreuungsatlas 2013

Länderprofile im Überblick

Projekt „Kita vor Ort“

Forschungsverbund DJI–TU Dortmund

Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik


Literatur

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2013): Vierter Zwischenbericht zur Evaluation des Kinderförderungsgesetzes. Bericht der Bundesregierung 2013 nach § 24a Abs. 5 SGB VIII über den Stand des Ausbaus für ein bedarfsgerechtes Angebot an Kindertagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren für das Berichtsjahr 2012. Berlin

Deutsches Jugendinstitut/Universität Dortmund (Hrsg.) (2008): Zahlenspiegel 2007 – Kindertagesbetreuung im Spiegel der Statistik. München Download

Hüsken, Karin (2011): Kita vor Ort. Betreuungsatlas auf Eben der Jugendamtsbezirke 2010. München Download

Schilling, Matthias (2013): Erheblicher Personalzuwachs – Nicht nur für U3, in: KomDat Jugendhilfe – Kommentierte Daten der Jugendhilfe, 2013, Heft Nr. 2, 16. Jg., S. 6–10

Strunz, Eva (2013): Kita vor Ort. Betreuungsatlas auf Ebene der Jugendamtsbezirke 2011. Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik. Dortmund Download

 

Autorin
Eva Strunz, DJIEva Strunz (Jg. 1985), Soziologin (M.A.), ist seit 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik im Forschungsverbund DJI/TU Dortmund. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung sowie die lokalen Unterschiede in der Kindertagesbetreuung.

Kontakt
estrunz@fk12.tu-dortmund.de

 

 

DJI Online / Stand: 1. Juni 2014