Auf einen Blick

Auch wenn heute von „Digital Natives“ die Rede ist, der Umgang mit Suchdiensten und Suchwerkzeugen im Internet will von Kindern gelernt sein. Hierfür benötigen sie nicht nur Anregung und Unterstützung, es bedarf auch altersgerechter Inhalte, die für sie verständlich und von Interesse sind, aber gleichzeitig auch Schutz vor ungeeigneten Inhalten garantieren. Kindersuchmaschinen bieten dies: Sie sind auf die Bedürfnisse und den Entwicklungsstand von Kindern zugeschnittene und redaktionell betreute Suchräume.

Kindersuchmaschinen liefern zwar weniger – und manchmal auch keine – Treffer auf Suchanfragen, doch sie bieten die Gewähr, dass Kinder nur auf kindgerechte Ergebnisseiten geführt werden. Jugendschutz.net hat mit „kinderorientierten Suchworten“ (Amoklauf, Chat, Cheats, Sex, Körperbau, Kuchen backen, Wasser) Tests auf „Google“ durchgeführt und dabei festgestellt, dass unabhängig von der Sicherheitseinstellung etwa 40 Prozent der gelisteten Ergebnisseiten Inhalte enthielten, die als problematisch für Kinder einzustufen sind. Der Anteil „kindgeeigneter“ Seiten lag nur bei etwa fünf Prozent. Kinder sollten deshalb mit Kindersuchmaschinen arbeiten und auf „Google“ nur mit den Eltern suchen (BMFSFJ 2010, S. 8).

Die im deutschsprachigen Raum am bekanntesten und am häufigsten empfohlenen Spezialsuchmaschinen für Kinder sind:

Von diesen drei Suchmaschinen lagen für die DJI-Studie Informationsverhalten von Kindern im Internet Protokolldateien bzw. Logfiles vor, die insgesamt rund 3 Millionen registrierte Einträge enthielten, darunter 600.000 Suchanfragen, die von den Kindern über das zentrale Eingabefeld zur Suche, den sogenannten Suchschlitz, abgeschickt worden waren. (Detailliertere Informationen zu den Methoden der Studie finden Sie am Ende dieses Textes.)

Die Ergebnisse der Studie im Überblick:

  1. Die meisten Kinder kennen Kindersuchmaschinen, nutzen sie aber nicht
  2. Der Nachwuchs ist über Kindersuchmaschinen besser informiert als die Eltern
  3. Suchthemen werden primär durch die Schule bestimmt
  4. Top-Suchwörter sind „Spiel“, „Hund“, „Sex“; aber bei Ranglisten ist Vorsicht geboten
  5. Kinder fassen sich bei der Recherche kurz
  6. Kinder wählen vorwiegend die oberen Trefferpositionen aus; ein Drittel klickt Ergebnisse gar nicht an
  7. Suchanfragen werden weitgehend mit einigen wenigen großen Websites für Kinder abgedeckt


1. Die meisten Kinder kennen Kindersuchmaschinen, nutzen sie aber nicht

Knapp 60 Prozent der 6- bis 13-Jährigen nutzen das Internet, und fast alle von ihnen verwenden Suchmaschinen (91%). Knapp drei Viertel der Kinder kennen zwar die für sie gedachten Spezialsuchmaschinen, aber verwendet werden sie nur von 43 Prozent der Kinder. Die Mehrheit von ihnen recherchiert mit allgemeinen Suchmaschinen, die für Erwachsene konzipiert sind, vor allem mit „Google“. Genauer: Nur sechs Prozent der Kinder nutzen ausschließlich Kindersuchmaschinen, 37 Prozent sowohl allgemeine als auch solche für Kinder und 53 Prozent wenden sich einzig Suchmaschinen für Erwachsene zu.

Von den Jüngsten werden rund 80 Prozent beim Recherchieren von einem Elternteil unterstützt. Doch von den 8- bis 9-Jährigen, die schon lesen können, suchen bereits 43 Prozent allein im Internet, bei den 10- bis 11-Jährigen beträgt dieser Anteil 57 Prozent und bei den 12- bis 13-Jährigen sind es drei Viertel.

Abbildung 1: „Google“ versus Kindersuchmaschinen – Suchmaschinennutzung 6- bis 13-Jähriger auf Basis ihrer Suchmaschinenkenntnisse

Quelle: KIM-Studie 2010, mpfs 2011 (eigene Berechnungen)

Unter der Bedingung, dass die jeweilige Suchmaschine den Kindern bekannt ist, liegt bei den 8- bis 9-Jährigen die Nutzungsquote von „Blinde Kuh“, „fragFINN“ und „Helles Köpfchen“ jeweils bei etwa 65 Prozent („Google“ 85%). Bei den 10- bis 11-Jährigen wenden sich kaum mehr als 40 Prozent der „Blinden Kuh“ und „fragFINN“ zu, während das „Helle Köpfchen“ noch knapp die Hälfte der Kinder erreichen kann („Google“ 92%). Bei den 12- bis 13-Jährigen, die zu 95 Prozent „Google“ nutzen, nehmen nur noch 37 Prozent „Blinde Kuh“ und 38 Prozent „fragFINN“ in Anspruch, während das „Helle Köpfchen“ noch von 44 Prozent verwendet wird.

2. Der Nachwuchs ist über Kindersuchmaschinen besser informiert als die Eltern

Kinder sind wesentlich besser als ihre Eltern über das Angebot an Kindersuchmaschinen informiert.  Bemerkenswert ist, dass überhaupt nur ein Drittel der Eltern von 6- bis 13-jährigen Internetnutzern und -nutzerinnen angibt, spezielle Suchmaschinen für Kinder wie „Blinde Kuh“ und „fragFINN“ zu kennen (mpfs 2011). Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Eltern subsumiert virtuelle Orte, an denen ihre Kinder suchend aktiv sind, unter dem Begriff Kindersuchmaschine: 22 Prozent erklärten Internetseiten für Kinder wie z.B. „Toggo“, „KiKa“, „Logo“ und das „Internet-ABC“, 7 Prozent sogar „Wikipedia“ sowie „Google“ und „Yahoo“ zu Spezialsuchmaschinen für Kinder. Möglicherweise können manche Eltern nicht zwischen internen Suchmaschinen, die innerhalb einer Website suchen, und externen Suchmaschinen, die im World Wide Web suchen, unterscheiden. In jedem Fall ist mit Blick auf den Schutz der Kinder im Internet ein erhebliches Informationsdefizit aufseiten der Eltern zu konstatieren.

So sind es auch nicht die Eltern, durch die Kinder von Spezialsuchmaschinen erfahren. In der Internet-Befragung, „Was tust du auf Suchmaschinen im Internet?“, die auf den drei Kindersuchmaschinen durchgeführt wurde, gaben nur 20 Prozent der Befragten an, die Kindersuchmaschine von ihren Eltern empfohlen bekommen zu haben. Für die „Blinde-Kuh“-Kinder waren die Lehrer/innen die relevanteste Informationsquelle (36%), für die „fragFINN“-Kinder die Werbung (53%) und für die Besucher des „Hellen Köpfchens“ ein Hyperlink, auf den sie im Internet gestoßen waren (39%) (vgl. Tabelle 1).

Tabelle 1: „Wer hat dir zum ersten Mal von der Suchmaschine … erzählt?“

Die untergeordnete Bedeutung der Eltern als Informationsquelle wurde bei der zweiten WWW-Befragung „Deine Meinung zur Kindersuchmaschine …!“ im Herbst 2011 bestätigt: Nur 10 Prozent der Erstnutzer/innen der drei Suchmaschinen hatten durch ihre Eltern von diesen erfahren.

3. Suchthemen werden primär durch die Schule bestimmt

Der Großteil der Sucheingaben steht im Kontext von Unterrichtsthemen und Hausaufgaben. Die „informationsorientierten“ Suchanfragen spiegeln deutlich die Themen der Lehrpläne wider und lassen sich einzelnen Schulfächern zuordnen. Ein weiteres Indiz dafür, dass Kindersuchmaschinen relevante Informations- und Wissensquellen für schulische Zwecke sind, ist einerseits die Tatsache, dass sie – im Unterschied zum Fernsehen – häufiger an Werktagen als an Wochenenden genutzt werden. Vor allem aber: Während der Erhebungswoche in der Ferienzeit wurden insgesamt rund 90 Prozent weniger Anfragen an die Suchmaschinen gestellt als in der Erhebungswoche während der Schulzeit.

Abbildung 2: Suchanfragen nach Rechercheschwerpunkten in der Schul- und Ferienzeit (10-Prozent-Stichprobe)

Quelle: DJI-Projekt Informationsverhalten (2012): Logfile-Analysen

Die Gegenüberstellung der kategorisierten Suchanfragen während der Schul- und Ferienzeit (vgl. Abbildung 2) zeigt deutlich, dass Suchanfragen im Bereich der Biologie, vor allem zu Tieren, für Kinder immer von Bedeutung sind. Das Recherchieren in den Bereichen „Medien“, „Spiele“, „Sport/Bewegung“, „Alltagskultur/Freizeit“ und „Basteln/Malen/Werken“ nimmt in den Ferien erheblich zu. Die Kategorie „Gesundheit/Ernährung/Medizin“ ist in der Schul- und Ferienzeit nahezu gleichermaßen stark vertreten: Allerdings geht es in der Ferienzeit sehr viel häufiger darum, Back- und Kochrezepte zu finden, während in der Schulzeit nach Genussmitteln und Drogen sowie gesunder Ernährung recherchiert wird.

Die Annahme, dass Kinder nach ihren „Stars“ und „Sternchen“ recherchieren, gilt im Übrigen für die Kindersuchmaschinen ebenso wenig wie die Annahme, dass vorzugsweise nach Bildern gesucht wird. Nur in 9 Prozent der Suchanfragen (n=5.762) werden zum Suchbegriff Formate angegeben, z.B. Spiel (n=2.963), Bild oder Foto (n=610), Text (n=413), Vorlagen (n=398). In rund 6 Prozent der Anfragen wurde nach Personen (n=3.648) gesucht. Am häufigsten im Bereich „Musik“, allerdings lauten die Suchbegriffe sehr viel häufiger „Mozart“ (n=144) und „Wolfgang Amadeus Mozart“ (n=74) als „Selena Gomez“ (n=47) oder „Michael Jackson“ (n=31). Die Liste der Protagonisten (0,6%) aus „Medien“, „Märchen“ oder „Literatur“ wird von „Harry Potter“ angeführt, während bei der Titelsuche (1%) beispielsweise im Bereich der „Literatur“ das Buch „Krabat“ von Ottfried Preußler vor „Die drei ???“ rangiert.

4. Top-Suchwörter sind „Spiel“, „Hund“, „Sex“; aber bei Ranglisten ist Vorsicht geboten

Zu den Standards einer Logfileanalyse gehört die Auszählung der Top-Suchanfragen: Welche Suchwörter werden am häufigsten verwendet? Die Beantwortung dieser Frage geschieht meist maschinell, wobei allerdings die Grenzen des “Data-Mining“ bei Kindersuchmaschinen-Logfiles schnell erreicht sind. Erstens verhindern die Rechtschreibfehler der Kinder die automatische Analyse der Suchanfragen, und zweitens führt die Originalität und Vielfältigkeit der Rechtschreibfehler (siehe Kasten) dazu, dass auch elektronische Korrekturprogramme versagen.

Sucheingaben - Beispiele, inkl. Rechtschreib- und Tippfehler

Einwortsuche: Anzihspiele, hamstertext, Karnewall, Kaneval, Kanefal, kanewal, Präwention, Geschwindickkwit, selfester, Luballongs, wisoleuchtetderMond, lungekrieslauf, Autospiele

Zweiwortsuche: astret längeren, astrid lindkren; bedeutung biebel, bundesland nordrheinwestfalen, jugentkriminalität gewalt, satze mitsuchtig , pupertät 4b, Auto Spiele

Dreiwortsuche: wie ensteht Regen, Bedeutender Griesche (Platon), spile zum spilem, das sonnen sistem, traumberuf als artzt, selt samme Tiere

Vier und mehr Worte: wie eine glülampe vunktzoniert, wie ein bär den winter über lebt, wie worde die weld erwafen, Zwei Fölker kämpfen gegeneinander, Die Sendun fon dem Elefanten, Edwas über die Dinosauria, wrum faliren hönde fell


Selbst Google ist nicht in der Lage, bei Sätzen wie „wrum faliren hönde fell“ einen halbwegs akzeptablen Deutungsvorschlag anzubieten, während die meisten Menschen die gemeinte Frage, – „Warum verlieren Hunde Fell?“ – herauslesen können. Die 600.000 Suchanfragen der DJI-Studie mussten deshalb einer manuellen Rechtschreibkorrektur unterzogen werden – mit entscheidenden Konsequenzen für die Rangfolge der häufigsten Suchwörter, wie Tabelle 2 zeigt.

Tabelle 2: Wirkungen von Rechtschreibkorrekturen und Lemmatisierung auf die Suchwort-Rangfolge (Schulzeit)


Quelle: DJI-Projekt Informationsverhalten (2012): Logfile-Analysen

Bei den Kindersuchmaschinen „Blinde Kuh“, „fragFINN“ und „Helles Köpfchen“ wurden zusammengenommen etwas mehr als 560.000 Suchanfragen in das Suchfeld der jeweiligen Suchmaschinen eingetippt. Dabei wurden rund 238.000 unterschiedliche Formulierungen eingegeben. Die Chance, dass sich im vorliegenden Logfile eine einzige der Suchanfragen wiederholt, liegt demzufolge bei einem Wert von 2,35. Die große Spannbreite der Suchworteingaben ist keine Besonderheit bei den Kindersuchmaschinen, denn generell zeichnen sich Logfiles dadurch aus, dass nur relativ wenige Sucheingaben wiederholt werden oder sehr häufig auftreten (vgl. Mandl u.a. 2011).

Das Wort „Spiele“, das bei der Auswertung der Originaleingaben den 1. Rangplatz der TOP- Suchwörter-Liste erreicht, vereint mit 5.924 Nennungen gerade einmal 1,1 Prozent der Suchanfragen auf sich und das Wort „Sex“ auf dem 2. Rangplatz mit 2.049 Nennungen nur 0,4 Prozent. Nach der Rechtschreibkorrektur kommen zum Suchwort „Spiele“ zwar weitere 1.533 Nennungen hinzu, doch der prozentuale Anteil an den Sucheingaben erhöht sich dadurch nur um 0,2 Prozent. Die weiteren 407 Nennungen des Suchbegriffs „Sex“ haben selbst im Bereich der Nachkommastellen kaum Wirkung. Insgesamt aber reduzieren sich die rund 240.000 verschiedenen Suchwörter um 35 Prozent, das heißt nach der Rechtschreibkorrektur liegen „nur noch“ 154.216 verschiedene Sucheingaben vor.

Am deutlichsten kann der Korrektureffekt an den Suchbegriffen „hund“ und „hunde“ gezeigt werden: „hunde“ nimmt bei den Originaleingaben Rangplatz 6 und „hund“ Rangplatz 20 ein. Durch die Vereinheitlichung der Schreibweise „Hund“ und „Hunde“ werden z.B. die groß und klein geschriebenen Begriffe zusammengefasst. Der Suchbegriff „Hunde“ fällt, weil mit den anderen Suchbegriffen ebenso verfahren wird, zunächst auf Rangplatz 9 ab, der Suchbegriff „Hund“ klettert um zwei Rangplätze (18) nach oben. Die Lemmatisierung von Suchwörtern, das heißt, deren Rückführung auf die Grundform, minimiert wiederum die Variation inhaltlich gleicher Suchwörter. Im vorliegenden Fall ist die Grundform der Nomen Singular. Der „Hund“ erreicht nun mit einem Anteil von 0,5 Prozent der Suchanfragen Rangplatz 2. Verglichen mit dem Effekt, den die  Rechtschreibkorrektur hat, vermindert die Lemmatisierung den Suchwortumfang nur um knapp 6 Prozent; dessen ungeachtet nimmt sie entscheidenden Einfluss auf die Liste der häufigsten Suchwörter. Dies zeigt, wie kritisch TOP-Listen zu beurteilen sind, zumal meist unklar ist, wie sie ausgezählt wurden.

Hinzu kommt, dass die TOP-Suchwörter zwar Aufschluss darüber geben, mit welchem Wort oder welchen Wörtern während eines bestimmten Zeitraums am häufigsten gesucht wurde, aber nicht darüber, zu welchen Themen auf den Suchmaschinen tatsächlich die meisten Recherchen durchgeführt wurden. Denn jede Schreibweise eines Suchwortes stellt einen eigenständigen Suchbegriff dar, das heißt: auch jedes falsch geschriebene Wort. Mit der Länge der Sucheingabe bzw. der Anzahl der Suchwörter steigt die Anzahl der möglichen Wortkombinationen, wobei wiederum jede Variante eine eigenständige Suchanfrage bildet. Folglich sind auf den oberen Rangplätzen der Top-Suchwort-Listen in der Regel Einwort-Suchbegriffe gelistet, die keineswegs das Suchvolumen zu einem Gegenstand oder Thema abbilden müssen.

Folglich wäre es vorschnell, aus den TOP-Suchwörtern zu schließen, dass auf Kindersuchmaschinen am häufigsten nach „Spielen“, „Hunden“ und „Sex“ gesucht wird, wenn nicht sogar falsch. Hier geben die Mehrwort-Suchbegriffe und Frageformulierungen eher Aufschluss darüber, was nun „eigentlich“ gesucht wird, wie am folgenden Beispiel deutlich wird:

Tabelle 3: Das Suchwort „Hund“ und einige seiner Varianten (Mehrwort-Suchen mit Hund)

Quelle: DJI-Projekt Informationsverhalten (2012): Logfile-Analysen

Der einzelne Suchbegriff „Hund“ erreicht – gegenüber dem „Spiel“ weit abgeschlagen – mit rund 2.650 Nennungen den zweiten Rangplatz unter den Suchfavoriten. Weitere 2.300 Mehrwort-Sucheingaben enthalten das Wort „Hund“. Zusammengesetzte Hauptwörter sind bei der maschinellen Auszählung des Stichworts „Hund“ nicht enthalten: Es wurde zwar 294-mal suchstrategisch korrekt „Hund Rasse“ in den Suchschlitz getippt, aber die im Deutschen übliche Schreibweise „Hunderasse“ ist mit 615 Nennungen entschieden häufiger vertreten. Suchanfragen, in denen Hunderassen benannt werden, ohne dass zugleich das Wort Hund in den Suchschlitz getippt wird wie beispielsweise „Hund Chihuahua“, zählen bei einer maschinellen Auswertung „naturgemäß“ nicht zum Suchwort „Hund“, z.B. Bernhardiner (n=63), Dalmatiner (n=71), Husky (n=308), Jack Russel (n=115) u.a.m. Im Übrigen: Nach „Chihuahua“ wurde insgesamt 202-mal gesucht, und wie man bei einem derart schwierigen Hunde-, aber auch mexikanischem Städtenamen vermuten kann, wurde er in mehr als 50 unterschiedlichen Schreibweisen gesucht. 

5. Kinder fassen sich bei der Recherche kurz

Am häufigsten wird die Recherche auf Kindersuchmaschinen mit einem einzigen Suchbegriff durchgeführt: 60 Prozent der Sucheingaben zur Schulzeit entfallen auf die Einwort-Suche. Etwa ein Fünftel der Sucheingaben besteht aus zwei Wörtern, ein Zehntel enthält drei und ebenso viele mehr als drei Wörter. Während der Ferienzeit ist der Anteil von Einwort-Suchen mit 64 Prozent geringfügig höher als zur Schulzeit.

In etwa zwei Drittel der Suchmaschinenaufenthalte wurde nur eine Suchanfrage gestellt. Ein knappes Fünftel stellte zwei, ein weiteres Fünftel drei oder mehr Anfragen. Dies gilt zur Schulzeit für alle drei Kindersuchmaschinen. Demnach startet der größte Teil der Nutzer/innen eine einzige Recherche und findet entweder damit, was gesucht wird, oder wendet sich, im Fall einer erfolglosen Suche, einer anderen Suchmaschine oder einer ganz anderen Aktivität zu.

Ergab eine Mehrwort-Suche auf einer der drei Kindersuchmaschinen keinen Treffer, so wurde in knapp der Hälfte aller Fälle auf allen drei Suchmaschinen ein vollständig neuer Suchtext eingegeben, ohne dass versucht wurde, die mögliche Ursache des ausbleibenden Ergebnisses durch Modifikation des ursprünglichen Suchwortes zu beseitigen. Etwa ein Fünftel bis zu einem knappen Drittel der Kinder kürzte die Folgesuchanfragen und wählte damit eine Vorgehensweise, die der Logik von Suchmaschinen entspricht und die Wahrscheinlichkeit erhöht, einen Treffer zu erhalten. Eine etwa gleich große Gruppe versuchte sich vor allem in Rechtschreibkorrekturen, ohne die Länge der Eingabe zu verändern. 

Nicht ungewöhnlich ist es, dass Kinder mit ihren Suchanfragen keine Treffer erzielen. Je nach Suchmaschine bleiben zwischen 7 Prozent und 30 Prozent der Suchanfragen unbeantwortet. Dies kann an der falschen Rechtschreibung oder an der Verwendung der Alltagssprache liegen, manchmal aber auch daran, dass eine Suchmaschine auf ein tabuisiertes Suchwort keine Antwort geben „will“. Basiert eine Suchmaschine auf dem Prinzip der Volltextsuche, dann sind einerseits Misserfolge seltener als bei einer Schlagwortsuche, andererseits aber ist mit einer sinkenden Zielgenauigkeit der Suchergebnisse auf die Suchanfragen zu rechnen.

6. Kinder wählen vorwiegend die oberen Trefferpositionen aus; ein Drittel klickt Ergebnisse gar nicht an

Ein weiteres Problem für Kinder stellt die Sondierung der Trefferlisten und die Dechiffrierung der Ergebnisse dar (Druin, Foss, Hatley u.a. 2009). Bekannt ist, dass sich nach dem Erscheinen der Ergebnisliste die große Mehrheit der Kinder nur auf der ersten Trefferseite bewegt und dort vorzugsweise auf einen Treffer der oberen Ränge klickt (Bilal 2011, Torres & Weber 2011). Dies wird auch in der vorliegenden Studie bestätigt. Es zeigt sich das bekannte Phänomen, dass Treffer, die im Ranking weiter hinten liegen, nahezu gar nicht wahrgenommen werden. Dies ist möglicherweise auch darauf zurückzuführen, dass zufriedenstellende Ergebnisse bereits auf der ersten Seite bzw. den vorherigen Seiten gefunden wurden und somit eine weitere Treffersichtung unnötig erscheinen ließen. 

Einer weiteren Abklärung allerdings bedarf das überraschende Ergebnis, dass weit mehr als ein Drittel der Kinder keinen einzigen Treffer auf der Trefferliste anklickte und somit in keine der Ergebnisseiten hineinschaute. 

Abbildung 3: Anzahl der angeklickten Treffer pro Suchanfrage während der Schul- und Ferienzeit (mindestens 10 Treffer; in Prozent)

 

Quelle: DJI-Projekt Informationsverhalten (2012): Logfile-Analysen

Wie Abbildung 3 zeigt, blieben auf der „Blinden Kuh“ 37 Prozent der Suchanfragen während der Schulzeit und sogar 44 Prozent zur Ferienzeit ohne Trefferklick, d.h. es wurde keine Ergebnisseite aufgerufen. Entweder entnehmen die Nutzer/innen die gesuchten Antworten direkt der Trefferbeschreibung oder die Trefferliste entspricht nicht ihren Erwartungen. Außerdem kommt es vor, dass Kinder nicht wissen, dass sich auf der Trefferliste weiterführende Links befinden, die angeklickt werden können bzw. müssen. Für sie stellt die Trefferliste bereits den Endpunkt der Suche dar.

7. Suchanfragen werden weitgehend mit einigen wenigen großen Websites für Kinder abgedeckt

Die Ergebnisseiten, die von den Kindern angeklickt wurden, spiegeln die unterschiedlichen Rechercheschwerpunkte in der Schul- und der Ferienzeit wider.

Tabelle 4: Top-10-Internetseiten während der Schulzeit (Blinde Kuh, fragFINN, Helles Köpfchen, gesamt; eingekürzt auf Hauptdomänen)

Basis: N = 512.788 Seitenaufrufe. Die betreffende Seite wurde pro Session nur einmal gezählt.
Quelle: DJI-Projekt Informationsverhalten (2012): Logfile-Analysen

In der Schulzeit nimmt auf der Liste der am häufigsten angeklickten Ergebnisseiten (vgl. Tabelle 4) die Domain der „Medienwerkstatt“ den ersten Rangplatz ein, die mit ihren populären „Wissenskarten“ eine ganze Bandbreite sachkundlicher Themen abdeckt. Das „Kindernetz“ des Süddeutschen Rundfunks zeichnet sich insbesondere durch sein „Infonetz“ und das „Grüne Buch“ (Oli’s wilde Welt: Tierlexikon) aus. Naturkunde, Wissenschaft, und Technik bietet „Was ist Was“. Mit Ausnahme von „Toggo“ lässt sich auf jeder der genannten Domains Schul- und Lernrelevantes, aber auch Unterhaltendes finden.

Während der Ferienzeit (vgl. Tabelle 5) steigen die explizit schulbezogenen Websites für Kinder um mehrere Rangplätze ab, und die Websites mit eher spielerischen Inhalten erwartungsgemäß um mehrere Rangplätze auf. 

Tabelle 5: Top-10-Internetseiten während der Ferienzeit (Blinde Kuh, fragFINN, Helles Köpfchen, gesamt; eingekürzt auf Hauptdomänen)

Basis: N = 76.505 Seitenaufrufe. Die betreffende Seite wurde pro Session nur einmal gezählt.
Quelle: DJI-Projekt Informationsverhalten (2012): Logfile-Analysen

Bemerkenswert ist, dass sowohl in der Schul- als auch in der Ferienzeit gut ein Drittel der angeklickten Ergebnisseiten zu nur zehn Hauptdomains gehören (vgl. Kumulierte Prozente in Tabellen 4 und 5). 

Die Betreiber von Kindersuchmaschinen wollen nach eigenem Bekunden ihren Nutzergruppen die Vielfalt des World Wide Web erschließen. Die Logfiledaten zeigen aber, dass sich die Hälfte der angeklickten Ergebnisseiten sowohl bei der „Blinden Kuh“ als auch bei „fragFINN“ aus nur 25 Domains speist, beim „Hellen Köpfchen“ sind es nahezu 100 Prozent. Das „pädagogische Ranking“, das die „guten“, „umfangreichen“ Kinderseiten nach oben spült, gerät offensichtlich in Widerspruch zum Anliegen, den Kindern das Spektrum der Kinderseitenlandschaft sowie deren vorhandenes Informationspotenzial zu erschließen. Internetseiten, die sich auf ein einzelnes Thema spezialisieren, haben kaum eine Chance, gefunden zu werden. So wird die Aufforderung, mehrere Informationsquellen zu nutzen und Informationen zu vergleichen, durch die „Website-Konzentration“ von den Suchmaschinen selbst konterkariert.


Fazit

Pädagogisches Anliegen ist es, dass insbesondere Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren aus Gründen des Kindermedienschutzes geschützte Surfräume nutzen. Ein Blick in die repräsentativen Daten zur Suchmaschinennutzung der Kinder zeigt, dass Kindersuchmaschinen schwerlich mit den Suchmaschinen für Erwachsene, insbesondere mit „Google“, konkurrieren können. Hinzu kommen erhebliche Informationsdefizite aufseiten der Eltern, die ihren Kindern in Sachen altersgerechter Suche kaum Hilfestellung geben können. Das Interesse an „Blinde Kuh“, „fragFINN“ und „Helles Köpfchen“ nimmt mit zunehmendem Alter der Kinder sehr schnell ab.

Kindersuchmaschinen sind vorwiegend schulische Rechercheinstrumente. Dies legt den Verdacht nahe, dass die Schüler/innen einerseits in manchen Schulen nur Kindersuchmaschinen nutzen dürfen und andererseits den Auftrag erhalten, auf den Kindersuchmaschinen nach bestimmten Inhalten zu recherchieren. Der Rückgang der Suchanfragen in der Ferienzeit gegenüber der Schulzeit um nahezu 90 Prozent würde ansonsten nahelegen, Kinder hätten kein selbstgesteuertes Interesse an Internetrecherchen. Es ist davon auszugehen, dass sie ihr Informationsbedürfnis auf anderen Suchmaschinen befriedigen.

Auch wenn die häufigsten Suchwörter nur begrenzt darüber Auskunft geben, wonach Kinder auf den Kindersuchmaschinen suchen, so verweisen die Top-Suchwörter „Spiel“, „Hund“ und „Sex“ doch darauf, wie wichtig das Auffinden altersgerechter Inhalte über die Kindersuchmaschinen ist. Finden Kinder auf den Kindersuchmaschinen keine Antworten auf Suchanfragen, die Erwachsene nicht nur aus Gründen des Kindermedienschutzes, sondern auch vor dem Hintergrund ihres Kindheitsbildes tabuisieren, erhöht sich die Gefahr, dass Kinder auf Erwachsenensuchmaschinen wie „Google“ suchen und dort Risikoreiches finden.

Mit Blick auf die Sucheingaben der Kinder ist festzuhalten, dass sie überwiegend die Einwort-Suche pflegen und ihren Suchmaschinenaufenthalt meistens nach einer einzigen Suchanfrage beenden. Dies ist – so zeigen die internationalen Studien – ein kindertypisches Vorgehen, ist aber vom Rechercheverhalten der Erwachsenen nicht weit entfernt. Das gilt auch für die Regeln zur Verknüpfung von Suchwörtern – z.B. von Operatoren (nicht, oder, +) oder der Phrasensuche: Diese sind in den Sucheingaben nur sehr selten zufinden, was nicht erstaunen darf, da sich die Suchmaschinen nach und nach an die Suchtechniken der User anpassen.

Das größte Hindernis für erfolgreiches Suchen stellen die Rechtschreibprobleme der Kinder dar. Diese wirken sich unmittelbar darauf aus, ob überhaupt eine Trefferliste erzielt wird. Fehlende Lese- und Schreibkompetenzen der Kinder – und dies ist nicht neu – schränken den Umgang mit Suchbegriffen ein. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Logfiles zeigen, wie Sucheingaben gar nicht oder auch falsch korrigiert oder Einwort-Suchen selten verlängert und Mehrwort-Suchen selten verkürzt werden.

Die Suchmaschinenaufenthalte der Kinder sind relativ kurz. Dies liegt vor allem daran, dass sie in der Regel die erste Trefferseite und dort vorwiegend die oberen Trefferpositionen auswählen. Der weitere Umgang mit dem Gefundenen kann aus den Logfiles nicht erschlossen werden.

Aus den Logfiles ergeben sich jedoch einige Hinweise, wie die Usability der Kindersuchmaschinen verbessert werden kann. Einerseits ist an funktionierende Rechtschreibkorrekturprogramme, andererseits an Vorschläge für Suchbegriffe sowie an die Verbesserung des Index zu denken. Dazu könnten die kindertypischen Rechtschreibfehler und Suchbegriffe aus den Logfiles verwendet werden. Aus den Logfiles lässt sich zudem erschließen, wie eng die Informationskompetenz mit der Entwicklung und Förderung der Sprachkompetenz der Kinder verknüpft ist.

Literatur

Bilal, Dania/Ellis, Rebekah (2011): Evaluating Leading Web Search Engines on Childrens Queries. In: Lecture Notes in Computer Science 6761, Springer-Verlag, S. 549-558

Blinde Kuh: Wie funktioniert die Internetsuchmaschine Blinde Kuh, http://www.blinde-kuh.de/suchkurs/funktion.html. Suchmaschinen-Kurs, http://www.blinde-kuh.de/suchkurs/wosuchtsie.html

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.)(2010): Ein Netz für Kinder - Surfen ohne Risiko? Ein praktischer Leitfaden für Eltern und Pädagogen. 8. Aufl., Berlin

Druin, Allison/Foss, Elizabeth/Hatley, Leshell/Golub, Evan/Guha, Mona Leigh/Fails, Jerry/Hutchinson, Hilary (2009): How Children Search the Internet with Keyword Interfaces. In: IDC '09 Proceedings of the 8th International Conference on Interaction Design and Children, S. 89-96

Internet-ABC: Wissen, wie’s geht. Suchen und Finden im Netz. http://www.internet-abc.de/kinder/suchen-finden-suchmaschinen.php?SID=CKlzlXSfLU4IDerr8KjVIAV4PUN2I7el

Mandl, Thomas/Schulz, Julia Maria/Mahrholz, Nadine/Werner, Katrin (2011): Benutzerforschung anhand von Log-Dateien: Chancen, Grenzen und aktuelle Trends. In: Information – Wissenschaft und Praxis, 62. Jg., Nr. 1, S. 29-35.

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.) (2011): KIM-Studie 2010. Kinder + Medien, Computer + Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. Stuttgart

Torres, Sergio Duarte/Weber, Ingmar (2011): What and How Children Search on the Web. In: CIKM '11 International Conference on Information and Knowledge Management. New York: ACM, S. 393-402

Links
Ausführliche Darstellung der Projektergebnisse Download PDF
DJI-Projekt: Informationsverhalten von Kindern im Internet

Informationen zu Erhebungsinstrumenten, Datenbasis und Analyseebenen der Logfiles in der DJI-Studie Informationsverhalten von Kindern im Internet

Den Logfileanalysen liegen zwei einwöchige Vollerhebungen auf den Spezialsuchmaschinen für Kinder „Blinde Kuh“, „fragFINN“ und „Helles Köpfchen“ zugrunde. Um schulische Suchanfragen von privaten Rechercheinteressen abgrenzen zu können, wurden bewusst zwei Erhebungszeiträume ausgewählt: Die erste Logfile-Aufzeichnung fand während der „Schulzeit“ vom 16. bis 22. Januar 2011 (00:00 bis 24:00 Uhr) statt. Die zweite Logfile-Aufzeichnung lag in der „Ferienzeit“, in der Woche vom 1. bis 8. August 2011 (9:00 bis 9:00 Uhr). Nach dem Ferienplan 2011 war in der Januarwoche in allen deutschen Bundesländern keine unterrichtsfreie Zeit, in der Augustwoche dagegen schulfrei. Alle Standardauswertungen werden mit den Daten der Vollerhebung vorgenommen. Für die manuelle Kategorisierung der Suchanfragen bzw. der von den Nutzern gewählten Suchbegriffe wurde für jede Erhebungsphase und für jede Suchmaschine getrennt eine 10-Prozent-Stichprobe gezogen.

Logfileanalysen können auf unterschiedlichen Ebenen durchgeführt werden: zum einen auf der Ebene aller Suchanfragen und zum anderen auf der Ebene der Sessions oder „Suchmaschinensitzungen“. Letztere umfassen Suchanfragen-Einheiten oder Suchanfragen-Abfolgen, die von einer (anonymisierten) IP-Adresse ausgehen. Nachstehende Tabelle gibt die absolute Anzahl der Suchanfragen und der Sessions insgesamt nach Suchmaschine während der Schul- und der Ferienzeit wieder.

Tabelle: Suchworteingaben und Sessions nach Suchmaschinen und Erhebungszeiträumen


1) Im Durchschnitt wurden im ersten Erhebungszeitraum pro Session 1,84 und im zweiten Erhebungszeitraum 1,73 Suchanfragen gestellt.

Da Logfiles zwar riesige Datenmengen, aber keine soziodemografischen Merkmale zu den Nutzer/innen liefern, stützen sich die Projektarbeiten auf weitere empirische Erhebungen. Zum einen wurden in Kooperation mit dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest im Rahmen der KIM-Studie 2010 repräsentative Daten zur Suchmaschinennutzung 6- bis 13-Jähriger erhoben. Zum anderen wurden auf den beteiligten Suchmaschinen zwei WWW-Befragungen – „Was tust du auf Suchmaschinen im Internet?“ und „Deine Meinung zu Kindersuchmaschinen im Internet!“ – durchgeführt. Beobachtungen von Kindern zum Umgang mit Suchmaschinen und mit den Suchergebnissen wurden durchgeführt, um die Logfile-Befunde aus Subjektperspektive zu ergänzen.


Kontakt
Dr. Christine Feil, DJI
Alexander Grobbin, DJI



DJI Online / Stand: 20. Dezember 2012

Letzte Änderung: 20.01.2016 16:19 Uhr