Auf einen Blick

Die medialen Schlaglichter richten sich bei Fragen der Kindeswohlgefährdung in erster Linie auf spektakuläre Fälle von körperlicher Mangelversorgung, Kindesmisshandlung oder sexueller Gewalt.

Vernachlässigung: Langfristige Auswirkungen auf die Betroffenen und die Gesellschaft
Stark unterschätzt wird hingegen, welche auch langfristigen Folgen die kontinuierliche physische, emotionale und erzieherische Vernachlässigung von Kindern haben kann. Diese Formen von Vernachlässigung sind nicht lebensbedrohlich, können Kinder jedoch langfristig erheblich schädigen. Und nicht nur die Kinder sind oft ein Leben lang die Leidtragenden.

Auch für die Gesellschaft insgesamt entstehen aufgrund des Unvermögens, der Vernachlässigung entschieden entgegen zu wirken, substanzielle Folgekosten. Finanziert werden müssen etwa notwendige Fördermaßnahmen wegen drohender oder vorliegender Entwicklungsverzögerungen, Schulschwierigkeiten und Integrationsproblemen am Arbeitsmarkt oder Behandlungen psychischer Störungen, die sich nach Vernachlässigung langfristig gehäuft entwickeln.

Verbreitung von Vernachlässigung: Gesellschaftlich bedeutsam oder Randphänomen?
Bislang können wir nicht verlässlich sagen, wie viele Kinder in Deutschland vernachlässigt werden. Die Bundesrepublik Deutschland kann keine fundierten Erhebungen vorweisen, die jedoch in anderen Ländern als unverzichtbarer Bestandteil der Sozialberichterstattung angesehen werden. In der bundesweiten Jugendhilfestatistik werden Gefährdungslagen von Kindern, die der Jugendhilfe bekannt werden, bislang nicht differenziert erfasst, obwohl die Weltgesundheitsorganisation ein entsprechendes Monitoring mehrfach vorgeschlagen hat. Dies gilt nicht nur für Kindesvernachlässigung. Es liegen darüber hinaus keine aussagekräftigen Dunkelfeldstudien vor, also Studien, die die Differenz ermitteln könnten zwischen Vernachlässigungsfällen, die der Jugendhilfe bekannt werden (Hellfeld), und den tatsächlichen Fällen (inklusive nicht-registrierter Fälle). Da selbst Momentaufnahmen fehlen, gibt es auch keine soliden Studien zur Frage, ob Vernachlässigung im Hinblick auf Anzahl, Dynamik und Schweregrad in Deutschland zu- bzw. abnimmt.

Die gegenwärtige „Blindflugsituation“ des deutschen Kinderschutzsystems erschwert es, dessen Leistungen anzuerkennen, aber auch Schwachstellen wahrzunehmen. Informationen über das Ausmaß von Vernachlässigung wären aber dringend nötig, um folgende Fragen beantworten zu können:

  • Wie viele Kinder erleben Vernachlässigung?
  • Wie zuverlässig werden betroffene Kinder durch die Jugendhilfe erkannt?
  • Wie gut gelingt es dann, durch Hilfen bzw. Eingriffe zu verhindern, dass betroffene Kinder weiter vernachlässigt werden?
  • Wie verändert sich die Anzahl der von Vernachlässigung betroffenen Kinder über die Jahre hinweg im Zusammenhang mit sozialpolitischen Maßnahmen (z. B. einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik oder durch den Ausbau früher Hilfen)?

International lag die Häufigkeit aktenkundig gewordener Fälle von Kindesvernachlässigung (im Jahr 2005) zwischen 1,2 und 7,6 Fällen pro 1.000 Kinder in verschiedenen westlichen Industriestaaten (England, Australien, Kanada und USA). Auf Deutschland übertragen würde dies zwischen 17.500 bis 110.000 vernachlässigten Kindern in Deutschland entsprechen – die Dunkelfeldziffer nicht eingerechnet.

Vernachlässigung hat sich in allen Ländern, in denen bislang die Häufigkeit verschiedener Formen von Kindeswohlgefährdung untersucht wurde, als mit Abstand häufigste Form erwiesen. Für Deutschland wurde dies in einer Studie an Fällen bestätigt, in denen das Familiengericht über einen Eingriff in die elterliche Sorge entscheiden musste. In fast zwei Dritteln (65%) der Fälle wurde von den Fachkräften eine vorliegende Kindesvernachlässigung bejaht. In jedem zweiten Fall (50%) wurde sie als die zentrale Gefährdungsursache angesehen. Mehr als ein Drittel (35%) der betroffenen Kinder war dabei weniger als drei Jahre alt.

Gesichert erscheint, dass ein deutlicher Anstieg der Todesfälle aufgrund von Vernachlässigung und Kindesmisshandlung in der Bundesrepublik nicht zu verzeichnen ist. Weiterhin besteht Einigkeit darüber, dass in der Mehrzahl aller Vernachlässigungsfälle keine Lebensgefahr für die Kinder besteht, sondern vor allem langfristige Beeinträchtigungen ihrer Gesundheit und Entwicklung drohen.

Formen von Vernachlässigung
Vernachlässigung tritt in verschiedenen Formen auf: Je nachdem, welche Grundbedürfnisse von Kindern nicht oder unzureichend befriedigt werden, spricht man von körperlicher, emotionaler, kognitiver und erzieherischer Vernachlässigung und von unzureichender Beaufsichtigung. Eine verbindliche Kategorisierung der verschiedenen Formen von Vernachlässigung hat sich in der wissenschaftlichen Forschung bislang nicht herausgebildet. In der Regel werden die Formen aber folgendermaßen unterschieden:

  • Körperliche Vernachlässigung liegt vor, wenn ein Kind z. B. unzureichend mit Nahrung, Flüssigkeit, sauberer Kleidung und medizinischer Fürsorge versorgt wird und/oder in mangelnden hygienischen Verhältnissen und unzureichendem Wohnraum leben muss.
  • Kognitive und erzieherische Vernachlässigung liegt z. B. vor, wenn Eltern sich kaum mit ihrem Kind beschäftigen (Mangel an Konversation, Spiel und anregenden Erfahrungen), wenn sie keinen erzieherischen Einfluss nehmen, wenn sie tolerieren, dass ihr Kind die Schule nicht regelmäßig besucht, wenn sie den Erziehungs- oder Förderbedarf ihres Kindes missachten.
  • Emotionale Vernachlässigung liegt z. B. vor bei einem Mangel an Bindung und Wärme in der Beziehung der Eltern zum Kind, bei fehlender Reaktion der Eltern auf emotionale Signale des Kindes.
  • Unzureichende Beaufsichtigung liegt z. B. vor, wenn das Kind über einen unangemessenen Zeitraum allein gelassen wird und auf sich gestellt ist oder wenn die Eltern auf eine längere unangekündigte Abwesenheit des Kindes nicht reagieren.

Es kommt vor, dass Kinder „nur“ in einzelnen Lebensbereichen vernachlässigt werden – etwa in ihren körperlichen Bedürfnissen –, während ihre Bedürfnisse in anderen Lebensbereichen weitgehend befriedigt werden. Die von der Forschung bestätigte Erfahrung von Fachkräften der Jugendämter zeigt jedoch, dass die meisten vernachlässigten Kinder gleichzeitig von mehreren Formen der Vernachlässigung betroffen sind.

Das Leben der Kinder: Folgen von Vernachlässigung
Sowohl bei der körperlichen als auch bei der geistigen und sozialen Entwicklung ließ sich nachweisen, dass bestehende Beeinträchtigungen meist wenigstens teilweise wieder ausgeglichen werden können, wenn zuvor vernachlässigte Kinder dauerhaft eine bessere Fürsorge und Anregung erfahren. Allerdings gibt es auch Hinweise darauf, dass lange anhaltende und ausgeprägte Formen der körperlichen und emotionalen Vernachlässigung bei einem Teil der betroffenen Kinder zu dauerhaften, kaum mehr reversiblen Schädigungen führen.

Körperliche Entwicklung beeinträchtigt: Dass Kinder in Deutschland durch Vernachlässigung zu Tode kommen, ist die Ausnahme, aber es kommt vor. Pro Jahr wird bei etwa drei bis fünf zumeist sehr jungen Kindern Vernachlässigung als Todesursache festgestellt – das geht aus rechtsmedizinischen Befunden hervor. In einer durchschnittlichen kinderärztlichen Praxis in Deutschland werden im Mittel pro Jahr fünf Kinder mit gesicherter Vernachlässigungsdiagnose und acht weitere Verdachtsfälle gesehen (wenn z.B. durch Vernachlässigung eine ärztliche Behandlung erforderlich wurde). Wissenschaftler haben wiederholt festgestellt, dass viele vernachlässigte Kinder im körperlichen Wachstum zurückgeblieben sind. Wie viele Kinder in Deutschland zeitweise unter Nahrungsmangel leiden, ist nicht bekannt. Vom Bundesverband der Tafeln in Deutschland wird berichtet, dass mehr als 150.000 Kinder regelmäßig Lebensmittelspenden erhalten, aber nicht alle bedürftigen Kinder erreicht werden können. Wie oft in Vernachlässigungsfällen in Deutschland Mangel- oder Fehlernährung eine Rolle spielt, ist bislang nicht untersucht.

Verzögerungen des körperlichen Wachstums, insbesondere des Kopfwachstums, können in der Folge die geistige und soziale Entwicklung beeinträchtigen: Mangelbedingte Verzögerungen im körperlichen Wachstum haben sich in Längsschnittuntersuchungen als schwache, aber beständige Vorhersagefaktoren für die weitere geistige und soziale Entwicklung erwiesen. Zugleich erscheint es möglich, dass Zeiten der Mangel- und Fehlernährung in der Kindheit dauerhafte Veränderungen im Stoffwechsel bedingen, die bei einer später üppigeren Ernährung Stoffwechselerkrankungen und Fettsucht begünstigen.

Erst seit Kurzem beschäftigt sich die Forschung mit der Frage, inwieweit Vernachlässigung nachweisbare neurophysiologische oder neuroendokrinologische Veränderungen bedingt, d.h., die Funktionsweise des Nerven- und Hormonsystems verändert. Belegbar erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt, dass schwere Formen der Vernachlässigung zu einem verlangsamten Gehirnwachstum in den ersten Lebensjahren und zu einem herabgesetzten Stoffwechsel in einigen Gehirnarealen führen.

Geistige und soziale Entwicklung: Studien zeigen, dass die kognitive Entwicklung von Kindern sowohl durch körperliche Vernachlässigung, insbesondere durch Mangelernährung, aber auch durch emotionale Vernachlässigung beeinträchtigt wird. Zudem kann sich eine erzieherische Vernachlässigung auf die schulischen Leistungen negativ auswirken, da sie Störungen im Sozialverhalten von Kindern begünstigt. Erzieherische Vernachlässigung besteht etwa dann, wenn verbindliche Regeln in der Familie fehlen, die dem Kind Grenzen setzen und ihm gleichzeitig soziale Orientierung bieten könnten.

Kognitive Beeinträchtigung zeigt sich bei Kindern, die stärker oder über längere Zeit vernachlässigt wurden. Schwerwiegende, frühe Erfahrungen von Vernachlässigung machen sich durch kognitive Entwicklungsrückstände in der Regel bereits in den ersten Lebensjahren und während der Kindergartenzeit bemerkbar.

Vernachlässigung scheint auch die Lernbereitschaft, das Interesse und Selbstvertrauen von Kindern nachhaltig zu untergraben und auf diese Weise das schulische Engagement zu behindern. In Beobachtungsstudien fielen vernachlässigte Kinder bereits während ihrer ersten Lebensjahre in Aufgabensituationen durch geringe Ausdauer auf, durch wenig Enthusiasmus, eher geringe Kreativität und durch eine geringe Fähigkeit, die Hilfestellung von Erwachsenen angemessen zu nutzen. Aufgrund dieser Defizite werden ihre Wissenslücken immer größer, was die Kinder zusätzlich demotiviert. Viele vernachlässigte Kinder bringen solche Lücken bereits zu Schulbeginn mit – in einer anregungsarmen und teilweise chaotischen familiären Umwelt konnten sie sich nur bedingt Wissen aneignen. Im Lauf ihrer Schulzeit gelingt es den meisten vernachlässigten Kindern kaum, ihre Lerndefizite auszugleichen: Zu Hause erhalten sie keine Unterstützung. Mitunter tragen häufige familiäre Veränderungen dazu bei, dass sie sich nicht auf das Lernen konzentrieren können – etwa wiederholte Umzüge, Trennungen und neue Partnerschaften der Eltern.

In einem Dutzend tragfähiger internationaler Studien zeigte sich, dass vernachlässigte Kinder sowohl in ihren Schulnoten als auch in standardisierten Tests ihrer kognitiven Fähigkeiten deutlich unterdurchschnittliche Leistungen erbrachten. In beispielhaft ausgewählten Studien waren die Effekte erheblich: Die vernachlässigten Kinder fielen in einer Studie mehrheitlich in den Bereich der Lernbehinderung, in einer anderen Studie wiesen sie im mittleren Leistungsstand in Kernfächern einen Abstand von mindestens einem Schuljahr zu ihren Mitschülern auf und besuchten mehr als doppelt so oft eine Sonderschule.

Soziale und emotionale Entwicklung: Beeinträchtigungen der sozioemotionalen Entwicklung wirken sich nicht nur nachteilig auf schulische Leistungen aus. Körperlich und/oder emotional vernachlässigte Kinder, die in ihrer Ursprungsfamilie nur eine hochgradig unsichere Bindung zur Mutter aufbauen konnten, hatten Studien zufolge im Kindergarten- und Schulalter Schwierigkeiten bei der Integration in Gleichaltrigengruppen und beim Schließen von Freundschaften sowie im Jugend- bzw. im jungen Erwachsenenalter beim Aufbau erster Partnerschaftsbeziehungen. Frühe Deprivationserfahrungen beeinflussen nachhaltig das Selbstvertrauen, das Vertrauen in andere Menschen und den Zugang zu eigenen Gefühlen.

Bindungsdesorganisation und Bindungsstörungen sind darüber hinaus Risikofaktoren für die spätere Ausbildung von psychischen Störungen. Kinder, die sehr schwere Formen von Vernachlässigung erfahren hatten, zeigten in einem Drittel der Fälle selbst noch Jahre nach der Unterbringung in einer Adoptivfamilie Anzeichen einer Bindungsstörung. Später im Jugendalter litten 54 Prozent von ihnen als Folge der körperlichen Vernachlässigung an zwei oder mehr psychiatrischen Störungen; bei emotionaler Vernachlässigung waren es sogar 73 Prozent.

Vernachlässigte Kinder sind deutlich stärker durch nach innen gerichtete Probleme (Internalisierung) belastet als Kinder, für die ausreichend gesorgt wurde. Zu diesen Problemen gehören z. B. Ängste, Depression und sozialer Rückzug. Aber auch bezüglich des Ausagierens der Probleme (Externalisierung), etwa durch Aggression oder Unruhe, waren vernachlässigte Kinder auffälliger als nicht vernachlässigte Kinder.

Frühe Hilfen: Kinder und ihre Familien so früh wie möglich unterstützen
Vernachlässigte Kinder sind darauf angewiesen, dass ihre Gefährdung frühzeitig erkannt und ihnen adäquat geholfen wird. Darüber hinaus richten Praxis und Politik seit einigen Jahren unter dem Stichwort „Frühe Hilfen“ ihren Blick zunehmend auf möglichst früh einsetzende, präventiv wirkende Hilfen für Familien, die ein deutlich erhöhtes Vernachlässigungs- bzw. Misshandlungsrisiko aufweisen. Am Deutschen Jugendinstitut (DJI) wurde vor zehn Jahren das Informationszentrum  Kindesmisshandlung/Kindesvernachlässigung (IzKK) eingerichtet. Zudem fungieren das DJI und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gemeinsam als Träger des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH). Beide Zentren werden gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

„Früh“ kann in zweierlei Hinsicht verstanden werden: hinsichtlich des Zeitpunktes, zu dem gehandelt wird (bevor sich ein Problem manifestiert), sowie hinsichtlich des Alters des Kindes (zu einem frühen Entwicklungszeitpunkt). Angesprochen werden Eltern mit kleinen Kindern, insbesondere mit Säuglingen und Kleinkindern, aber auch werdende Mütter und Väter in belastenden Lebenslagen. Die aus solchen Lebenslagen resultierende Gefahr einer späteren Vernachlässigung und anderer Formen der Kindeswohlgefährdung soll durch das Angebot von Unterstützung und Hilfe möglichst schon im Vorfeld abgewendet werden.

Wenn auch zeitlich frühe Prävention nicht als Allheilmittel verstanden werden darf, spricht doch viel für Angebote am Lebensbeginn. Untersuchungen zeigen, dass in Familien mit hoher Risikobelastung Kinder oft schon im Säuglings- und Kleinkindalter vernachlässigt bzw. misshandelt werden und dann besonders häufig von gravierenden Folgen betroffen sind. Säuglinge und Kleinkinder sind sehr verletzlich und in besonderer Weise auf die kontinuierliche Fürsorge ihrer Eltern oder anderer Pflegepersonen angewiesen. Versorgungsmängel können schon nach kurzer Zeit lebensbedrohlich sein, ein Säugling kann beispielsweise schon nach 48 Stunden ohne Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr verdursten.

Der frühe Zeitpunkt am Übergang zur Elternschaft eignet sich am ehesten für das Ansprechen der Eltern, weil sie in dieser Phase zumeist  offen und für Unterstützung empfänglich sind. Eine rechtzeitige Ansprache ist auch deswegen wichtig, weil vernachlässigende Eltern häufig nicht ausreichend über kindliche Bedürfnisse Bescheid wissen oder die schädlichen Folgen eines Übergehens dieser Bedürfnisse unterschätzen. Insbesondere Eltern, die als Kinder selbst vernachlässigt wurden, haben selten ein positiv-realistisches Bild von der Versorgung eines Kindes. So scheinen viele gar nicht zu bemerken, dass ihrem Kind etwas fehlt. Viele vernachlässigende Eltern benötigen daher eine anschauliche Erläuterung dessen, was ein Kind braucht, um sich gut zu entwickeln – dies ist häufig ein wichtiger, wenn auch selten ein ausreichender Teil der Hilfe.

In der Praxis besteht die große Herausforderung für die Fachkräfte nicht nur darin, stark belastete Familie frühzeitig zu erkennen, sondern vor allem einen vertrauensvollen, nachhaltigen Kontakt zu ihnen aufzubauen, d.h. Wege und Zugänge zu finden, ohne die Familien zu diskreditieren oder zu stigmatisieren.

Kompetente Fachkräfte unterstützen am besten auf der Basis von

 

  • eingehenden Kenntnissen und diagnostischen Fähigkeiten, auch bezüglich der speziellen Beziehungsdynamiken,
  • Empathie und Interesse für die Lebensrealität der Familie,
  • Fähigkeit zur (Selbst-)Reflexion,
  • Stabilität, Verlässlichkeit, Handlungssicherheit.

 

Den Aufbau einer Vertrauensbasis und einer tragfähigen Beziehung zu betroffenen Familien entwickelt sich am ehesten durch

 

  • eine aufsuchende, an der Lebenswelt orientierten Kontaktgestaltung,
  • eine wertschätzende und authentische Haltung,
  • Zuhören und Verstehen,
  • Widerspiegeln der Stärken, Ressourcenorientierung,
  • alltagspraktische Unterstützung,
  • beharrliches, jedoch respektvolles und unaufdringliches Zugehen,
  • ein professionelles Maß an Nähe und Distanz.

 


Weitere Informationen

Beate Galm/Katja Hees/Heinz Kindler (2010): Kindesvernachlässigung – verstehen, erkennen, helfen. München: Reinhardt Verlag (erscheint im Mai 2010)

Informationszentrum Kindesmisshandlung/Kindesvernachlässigung (IzKK)

Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH)

DJI Projekt Opstapje - Schritt für Schritt. Ein präventives Förderprogramm für Kleinkinder aus sozial benachteiligten Familien


DJI Online / Stand: 1. Mai 2010