Kontakt München

DJI München
Deutsches Jugendinstitut e.V.
Nockherstr. 2
81541 München
Tel. +49 89 62306-0
Fax +49 89 62306-162

Kontakt Außenstelle Halle

Franckesche Stiftungen
Franckeplatz 1
Haus 12 - 13
06110 Halle (Saale)
Tel. +49 345 68178-0
Fax +49 345 68178-47

Projekt

Datenbank ProKiTa

Praxisforschung und Modellprojekte in den Bereichen Kindertagesstätten und Tagespflege

Laufzeit: 01.09.2002 - 31.12.2009

Querauswertung zum Thema Familienunterstützende Angebote


Gisela Dittrich / Corina Wustmann

Die Datenbank enthält zurzeit 12 Forschungsprojekte und wissenschaftlich begleitete Modellprojekte, die sich dem Thema „Familienunterstützende Angebote“ zuordnen lassen. In den vorliegenden Modellvorhaben und Untersuchungen wurden und werden Ansätze erprobt, die sich mit der Frage beschäftigen, wie sich die Stärkung und Unterstützung elterlicher Erziehungskompetenzen über Kindertageseinrichtungen realisieren und gestalten lassen.

In der Bundesrepublik bestehen beachtliche, ausdifferenzierte Hilfe- und Beratungssysteme sowie eine große Anzahl von Angeboten der Eltern- und Familienbildung. Das Problem liegt gegenwärtig darin, dass auf diesen „klassischen“ Wegen nur schwer bzw. gar nicht die Familien erreicht werden, die dieser Hilfen am meisten bedürfen, z. B. Teile der Migrantenfamilien, sozioökonomisch benachteiligte Familien, Alleinerziehende und andere so genannte Risikofamilien. So hat sich in der Praxis vielfach gezeigt, dass es große Zugangsbarrieren in der Nutzung von Jugendhilfeleistungen und Angeboten der Eltern- und Familienbildung gibt (z. B. aufgrund langer Anfahrtswege, fremder Umgebung oder aufgrund von Schwellenängsten) und bislang mit diesen Angeboten vorwiegend diejenigen Familien erreicht werden, die sich ohnehin um den Ausbau ihrer Erziehungskompetenz bemühen. Gefordert wird deshalb die Entwicklung „neuer“ Ansätze und Wege, mit denen zukünftig mehr bzw. solche Familien angesprochen werden können, die sich diesen Angebotsformen bislang verschließen.

Im Zuge dessen geraten Kindertageseinrichtungen immer mehr ins Blickfeld: Sie verfügen im Gegensatz zu den anderen sozialen Institutionen über einen Zugang zu fast allen Familien mit Kindern – und das frühzeitig und intensiv. Kindertageseinrichtungen können damit als eine entscheidende Anlaufstelle für viele Familien fungieren und auf diese Weise einen niedrigschwelligen Ausgangspunkt für familienunterstützende Angebote darstellen.

Grundlegende Forschungsfragen innerhalb des Themenfeldes sind dabei u. a.:
- Welche Haltungen haben ErzieherInnen gegenüber Eltern- und Familienbildung?
- Wie können die familialen Erziehungsleistungen durch Angebote der Kindertageseinrichtungen ergänzt werden?
- Welche familienbezogenen (zielgruppenbezogenen) Angebote können bzw. sollten gemacht werden?
- Wie gelingt der Aufbau von Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Eltern und ErzieherInnen zum Wohle des Kindes?
- Wie können Hilfeangebote so vermittelt werden, dass Eltern sie annehmen?
- Welche Rahmenbedingungen müssen für gelingende Kooperationen mit anderen Einrichtungen gegeben sein?

In den Projekten zeigt sich, dass das Thema Erziehungspartnerschaft und Familienbildung für ErzieherInnen einen herausfordernden, zum Teil sogar überfordernden Charakter hat. Erwachsenenbildungsarbeit und Erwachsenenberatung wird als zusätzliche Anforderung und Mehrarbeit im sowieso schon knappen Zeitbudget erlebt. Darüber hinaus kommt es zu einer Verunsicherung hinsichtlich einer neuen Rolle in der Erwachsenenbildungsarbeit. Die Förderung von Erziehungspartnerschaft zwischen ErzieherInnen und Eltern bringt eine Veränderung des beruflichen Selbstverständnisses und Handelns von ErzieherInnen mit sich. In diesem Zusammenhang erweist sich insbesondere die Klärung des Nutzens bzw. Gewinns für die eigene Arbeit bei ErzieherInnen und LeiterInnen als zentrale Fragestellung, damit sich entsprechende Angebotsformen und Kooperationsbeziehungen tragfähig etablieren können und das Thema „Eltern- und Familienbildung“ langfristig in Kindertageseinrichtungen verankert wird. Gefordert werden deshalb auch mehr Qualifizierungsangebote für die pädagogischen Fachkräfte sowie die Schaffung zusätzlicher personaler Ressourcen.

Hinsichtlich der Akzeptanz und einer erfolgreichen Integration des niedrigschwelligen Angebotes in Kindertageseinrichtungen, wie sie die zugehende Beratung darstellt, hat sich vor allem das Engagement bzw. die aktive Mitarbeit der ErzieherInnen als Hauptfaktor herauskristallisiert. Ihre Mittlerrolle zwischen Eltern und professionellen BeraterInnen ist für das Gelingen von zentraler Bedeutung. So hat sich z. B. gezeigt, dass die Kontaktanbahnung durch bekannte und vertraute Personen eine förderliche Wirkung auf die Inanspruchnahme des Angebotes hat. Das Angebot erweist sich aber nicht nur für die Eltern, sondern auch für die ErzieherInnen als sehr entlastend. Für sie besteht ebenfalls die Möglichkeit, bedarfsgerechte Hilfe in akuten Erziehungsproblemen zu erhalten sowie Rückhalt und Sicherheit in der eigenen Wahrnehmung und Einschätzung der Entwicklungs- bzw. Familiensituation des Kindes zu gewinnen. Die ErzieherInnen sehen sich aufgrund der Unterstützung durch BeraterInnen besser in der Lage, Eltern kompetent zu unterstützen und zu begleiten. Diese Tatsache kann als ein Beleg dafür betrachtet werden, wie wichtig auch Unterstützungsleistungen für die ErzieherInnen selbst sind. Dies betrifft nicht nur Fort- und Weiterbildungsangebote. Entscheidend sind vielmehr auch Fallbesprechungen und Supervisionen, die als feste Leistungsangebote in Kindertageseinrichtungen verankert sein sollten. Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass die niederschwelligen, „neuen“ Zugänge kein Ersatz für die „klassischen“ Angebotsformen und Settings sind, sondern eine notwendige Ergänzung darstellen. Notwendig deshalb, weil sich über diesen Weg drei grundlegende Aspekte realisieren lassen: eine Zielgruppenerweiterung, eine Angebotserweiterung und eine stärkere Vernetzung bestehender Hilfen und Angebote.

Der Vergleich der Projekte in der Datenbank lässt drei Themenbereiche erkennen, die in den Projektanlagen allerdings nicht immer trennscharf vorhanden sind. Die Einteilung wurde nach den drei Kernthemen dieses Feldes vorgenommen. Diese sind 1. die Förderung von elterlicher Erziehungskompetenz, 2. die Entwicklung von Vernetzungsstrukturen von Kindertagesstätten mit anderen Jugendhilfeeinrichtungen und psychosozialen Diensten und 3. die Förderung der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften. Während die Projekte des ersten Themas sich vor allem der Schaffung von Hilfeleistungen und Unterstützungen des elterlichen Erziehungsverhaltens in der Institution Kindertagesstätten annehmen, gehen die Projekte des zweiten Themas darüber hinaus und fordern und entwickeln Kooperationsnetze, durch die die Hilfestellungen für Eltern nachhaltig unterstützt werden sollen. In den Projekten des dritten Themas werden Eltern weniger als Hilfesuchende begriffen, denn als Partner eines gemeinsamen Erziehungsprozesses, den es zwischen Kindertagesstätte und Familie zu entwickeln gilt.

Förderung elterlicher Erziehungskompetenz – Einbettung niedrigschwelliger Angebote in die Kindertagestätte

Die vier zu diesem Thema vorliegenden Projekte verfolgen die Absicht, frühzeitig ein niederschwelliges Beratungsangebot in den Kindertagesstätten für solche Familien zu schaffen, die erst bei größerem Problemdruck eine Beratungsstelle aufsuchen würden. Ein solches präventives Ziel soll durch eine eng gestaltete Kooperation mit Familienberatungsstellen, Lebensberatungsstellen oder durch für diesen Zweck geschulte MentorInnen erreicht werden.

Den Familien bzw. Eltern werden Trainings für eine Verbesserung ihres Erziehungsverhaltens, Einzelberatungsangebote und Elterninfoabende mit dem Ziel angeboten, die Eltern in die Lage zu versetzen, für ihre Kinder ein entwicklungsfreundlicheres Umfeld zu ermöglichen. Das Besondere für die Kindertagesstätten liegt bei diesen Angeboten in der Öffnung der Einrichtung für eine Kooperation mit Fachleuten aus den Beratungsstellen. Für die BeraterInnen stellt diese neue Form der zugehenden Beratung ebenfalls eine Herausforderung dar. Sie müssen die gewohnten Wege der Beratung in der eigenen Institution verlassen und sich auch auf zeitlich sehr begrenzte Beratungsgespräche in der Kindertagesstätte einlassen. Es hat sich herausgestellt, dass viele Eltern mit sehr konkreten Fragestellungen kommen, die keine langen Sitzungen beanspruchen. Den ErzieherInnen in den Kindertagesstätten wächst dabei die Rolle der vertrauten Person für die Eltern und damit des Verbindungsglieds zwischen BeraterInnen und Eltern zu. Gleichzeitig nehmen ErzieherInnen die Beratung durch die Erziehungsberatung ebenfalls in Anspruch.

Beim Konzept des Trainings elterlicher Erziehungskompetenz im Projekt Eltern-AGwerden MentorInnen geschult, die die Aufgabe der Elternschulung und Beratung übernehmen. Ebenso im Projekt Kinder stärken, in dem darüber hinaus geplant ist, die ErzieherInnen zu befähigen, eigenständig Angebote für die Eltern zu entwickeln und sie für das Thema der Erziehungskompetenz von Eltern zu sensibilisieren. Das Projekt Zugehende Beratung erkennt ebenfalls die wichtige Rolle der ErzieherInnen im Prozess der neuen Angebotsgestaltung an und betont ihre Vermittlungsposition zwischen den von außen kommenden Beratungsstellen und den Eltern. Gefordert wird ein aktiv gestalteter Kooperationsprozess zwischen den Handelnden. Im Projekt Zukunft Familie wurden die Wirksamkeit des Präventionsprogramms „Triple P “ in Braunschweiger Kindertagesstätten untersucht und deren Effekte in den Familien durch Befragungen deutlich gemacht. Die Studie weist nach, dass sich nach einem Elterntraining das ungünstige elterliche Erziehungsverhalten deutlich reduzierte und das günstige sich bedeutsam steigerte.


Entwicklungen von Vernetzungsstrukturen von Kindertageseinrichtungen mit anderen Jugendhilfeeinrichtungen und psychosozialen Diensten

Die Projekte zur Entwicklungen von Vernetzungsstrukturen unterscheiden sich zu den vorherigen Projekten, in denen es vor allem um die Förderung elterlicher Erziehungskompetenz geht, dahin gehend, dass in ihnen Angebote der Kooperation und der Vernetzung ganzer Regionen zwischen den unterschiedlichsten Angeboten der Familienhilfe hergestellt werden sollen. Dabei nimmt die Kindertagestätte eine herausragende Stellung ein, da sie der zentrale Ort ist, an dem die Unterstützung der Eltern nachhaltig entwickelt werden soll.

Ziel der Kooperationen und Vernetzungen ist es, die unterschiedlichen Beratungs- und Hilfeleistungen in den Kindertagesstätten zu bündeln und sie für Eltern der Kindertagesstätten niedrigschwellig erreichbar zu machen.

Alle vier Projekte entwickelten umfangreiche Fortbildungen für die ErzieherInnen, um diese auf ihre neue Aufgabe vorzubereiten. Kooperationen mit BeraterInnen aus Familien- oder Erziehungshilfe übersteigen die für ErzieherInnen gewohnte „normale Elternarbeit“ und verlangen veränderte Arbeitsformen in den Einrichtungen selbst. ErzieherInnen sollen, so das Ziel, die erste Anlaufstelle für die Nöte der Eltern werden und dabei in der Lage sein, den Eltern Beratungsangebote zu machen und Empfehlungen für weitere Beratungen zu geben. Darüber hinaus geht es darum, dass in den Kindertagesstätten verstärkt Erziehungsfragen zwischen ErzieherInnen und Eltern kommunizierbar werden. Fachleute aus den Beratungsstellen stehen den ErzieherInnen dabei zur Seite.

In den Ergebnissen der Projekte wird deutlich, dass die Entwicklung nachhaltig wirkender Kooperationen aktiv von den jeweils Beteiligten getragen werden müssen und von deren Engagement der Beteiligten für das Thema abhängig sind.

Mit dem Projekt Kampagne Erziehung hat die Stadt Nürnberg für alle städtischen Einrichtungen ein Fortbildungsdesign für ErzieherInnen „Begegnung mit Eltern – Beratung bei Erziehungsfragen“ entwickelt. Abgeleitet aus dem KJHG (§ 16) sollen den Vätern und Müttern Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie durch die Kooperation von Kindertagesstätten, Abteilungen der Kinder- und Jugendarbeit, Familienbildungsstätten, Erziehungs- und andere Beratungsstellen wie dem Allgemeinen Sozialen Dienst angeboten werden und eine enge Vernetzung der Beratung und Unterstützung von Familien hergestellt werden. Im Projekt entwickelt wurden Angebote moderierter Gesprächskreise zum Thema „Erziehung“ für ErzieherInnen, BeraterInnen und Eltern. In den Kindertagesstätten wurde eine Dokumentation des pädagogischen Alltags in Form eines „Familienbuchs“ entwickelt.

Das Projekt ERIK – Erziehungshilfe, Rat und Information im Kindergarten wurde von der Arbeiterwohlfahrt Düsseldorf für ihre 14 Kindertagesstätten in Auftrag gegeben. Die Initiative ging von einer Erziehungsberatungsstelle aus, die feststellte, dass die Kinder im Kindergartenalter in ihren Fallstatistiken unterrepräsentiert sind. Ihre Erfahrungen zeigten aber, dass die von ihnen beratenen Schulkinder häufig bereits während der Kindergartenzeit Schwierigkeiten hatten.
Im Rahmen des Projekts wurden 14 Hilfebausteine entwickelt, sieben Hilfebausteine wenden sich an die Eltern und sieben an die MitarbeiterInnen in den Kindertagesstätten. Jede Kindertagesstätte konnte wählen und entscheiden, welche Bausteine sie bei ERIK anforderten. Ansprechpartnerinnen für die Eltern und ErzieherInnen waren im Projekt zwei Psychologinnen und eine Sozialarbeiterin.
Als Angebote für Eltern wurden Faltkarten entwickelt, in denen zur Erziehung 3-6jähriger Kinder Stellung genommen wird. Entwickelt wurden Angebote der Beratung, der Diagnostik bei Verhaltensschwierigkeiten, Informationselternabende, Elterngruppenangebote und ein Elterntelefon in Notfällen. Die Sprechstunden der Erziehungsberatung in der Kindertagesstätte wurden von den Eltern in Anspruch genommen und nach einem Jahr nahmen auch die ErzieherInnen die Möglichkeit der Beratung gerne wahr. Die Ergebnisse des Projekts machen deutlich, dass es bei Eltern wie bei ErzieherInnen einen hohen Bedarf an erziehungsberaterischen Hilfestellungen gibt.

Im Projekt MO.KI – Monheim für Kinder haben sich die Arbeiterwohlfahrt und die Stadt Monheim am Rhein zu einem Projektverbund zusammengeschlossen, um ein Konzept der Vermeidung von Kinderarmut durch die Kindertagestätten zu erstellen. Dabei soll die Kindertagesstätte zum Knotenpunkt innerhalb des kommunalen Jugendhilfesystems ausgebaut werden. Der Ansatz des Projekts ist es, die Ergebnisse der Armutsstudien des ISS-Frankfurt als Grundlage für die Präventionsarbeit zu nutzen und entlang der dort entwickelten Armutskriterien eine Evaluierung des Modellprojekts zu ermöglichen.
Ziel des Projekts ist es, die Hilfestrukturen in den von Armut betroffenen Vierteln durch den Ausbau der Betreuungs- und Hilfeangebote auszubauen und diese zu vernetzen. In diese Vernetzung sind die ErzieherInnen der jeweiligen Einrichtungen einbezogen. Angebote zur Entwicklung von Elternkompetenzen werden als Fortbildungsbausteine ausgearbeitet. Dieses Projekt erhielt 2004 den Deutschen Präventionspreis zur Gesundheitsförderung durch die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung, der Bertelsmannstiftung und dem Bundesministerium für Soziales, Berlin.

Das Land Brandenburg hat in seinem Projekt Primäre Prävention durch Familienbildung, -förderung und -beratung im Land Brandenburg die Vernetzung und Implementierung von sozial- und nahraumorientierten Konzepten der Familienbildung, -förderung und -beratung und zur Qualifizierung der Fachkräfte in den Kindertagestätten wie der in Tagespflege ausgearbeitet.

Durch die Kooperationen werden die Familienbildung in ländlichen Regionen, die Tagespflege, die Förderung der Ehrenamtlichkeit und die Selbsthilfe zu einem integrierten Bestandteil der Angebote, neben denen der institutionellen Kinderbetreuung, gemacht. In den Ergebnissen wird deutlich, dass Informationen über mögliche Kooperationspartner wie Kontakte zu kontinuierlichen AnsprechpartnerInnen ein Rückgrad für die Vernetzungen darstellen. Um die im Projekt entwickelten Familienbildungsleistungen nachhaltig aufrecht zu erhalten, bedarf es, so die Projekterkenntnisse, zusätzlicher Leistungen durch die Träger/Kommunen und durch das Land.


Förderung der „Erziehungs- und Bildungspartnerschaft“ von Eltern und pädagogischen Fachkräften

In den zu diesem Thema vorliegenden vier Projekten werden Eltern der Kindertagesstätte mehr als bisher in Erziehungspartnerschaften eingebunden, um sie in die Lage zu versetzen, den Entwicklungs- und Bildungsverlauf ihrer Kinder aktiv zu unterstützen. Es werden sowohl die ErzieherInnen zu diesem Thema weitergebildet als auch Elternbildungsangebote entwickelt. Elternbildung in die Kindertagesstätte zu integrieren bietet den Vorteil, die beiden frühen Erziehungsinstanzen Eltern und Kindertagesstätte so aneinander zu binden, dass Erziehung zu einem „Ganzen“ werden kann und damit die Bildung und Erziehung der Kinder optimal unterstützt wird.

Zwei der Projekte beziehen sich in ihrem theoretischen Hintergrund auf pädagogische Ansätze, in denen die Bildung der Kinder zentrale Beachtung erfährt. Dies ist zum einen der Bildungsansatz Fröbels im Projekt Partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Familie und Kindertageseinrichtungen auf der Basis des pädagogischen Ansatzes nach Fröbel und zum anderen das Konzept der „Early Excellence Centre“, dem Pen Green Centre in Corby, England. Der Ansatz wurde in der Kindertagesstätte des Petalozzi-Fröbel-Hauses in Berlin übernommen und durch das Projekt Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße umgesetzt. Hier wird sich auf das englische Vorbild bezogen, in dem die Familien im Mittelpunkt der Bemühungen um eine angemessene Bildung der Kinder stehen und in die Förderung unmittelbar einbezogen werden. Das Berliner „Early Excellence Centre“ will nicht kopieren, sondern den Bedürfnissen ihrer Familien angepasst einen eigenen Weg der Zusammenarbeit entwickeln.

Zur Ergänzung soll hier noch auf drei Projekte hingewiesen werden, die in der Datenbank unter dem Thema Bildung zu finden sind. Das erste Projekt Bildungs- und Lerngeschichten legt ein starkes Gewicht auf die Erziehungspartnerschaft mit Eltern wie auch dem Projektverbund „Bildung in der Kindertageseinrichtung“. Das Projekt Werkstatt kindliche Entwicklung plant den Aufbau eines Familienzentrums und beinhaltet ebenfalls den Einbezug der Eltern bei gemeinsamen Beobachtungen der Kinder und die Entwicklung von Portfolios als Dokumentationen kindlicher Interessen und Fähigkeiten, an denen Kind und Eltern mitarbeiten.

Das Projekt Stärkung der Erziehungskraft der Familie durch und über den Kindergarten stellt ein Verbundprojekt der Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg dar. In ihm soll durch die Vernetzung von Hilfeangeboten wie durch die Befähigung der ErzieherInnen zur Elternbildung eine enge Zusammenarbeit mit dem Ziel entstehen, die Erziehungskompetenz von Familien zu unterstützen. Durch Lernen im praktischen Tun soll die Selbstbildung von Eltern angeregt und Erziehungspartnerschaft ermöglicht werden. In den Ergebnissen des Projekts wird deutlich, dass die Haltung der ErzieherInnen gegenüber den Eltern ausschlaggebend für den Erfolg des Vorhabens ist.

Das vierte Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, durch Kooperation zwischen Kindertagesstätte und Trägern von Familienbildungsstätten solche Familien zu erreichen, die bisher der Familienbildung fern blieben.
Am Projekt Familienbildung in Kooperation mit Kindertageseinrichtungen wurden acht Modellstandorte zwischen Leipzig und Chemnitz beteiligt. Durch eine präventive Ausrichtung des Projektansatzes sollen Handlungsalternativen für Eltern im Sinne einer positiven Gestaltung des Familienalltags entwickelt werden. Innerhalb des Projekts liegt der Fokus auf der besonderen Wahrnehmung der Lebensphasen „Eintritt in die Kindertagesstätte“ und „Übergang in die Schule“. In ersten Zwischenergebnissen wurden die unterschiedlichen Erfordernisse in der Herangehensweise bei eher unterschichts- oder eher mittelschichtsorientierten Eltern deutlich. Während bei ersteren Beziehungsarbeit einen hohen Stellenwert einnimmt, orientieren sich mittelschichtsorientierte Eltern eher an pädagogischen Themen.

Die Projekte zum Thema „Familienunterstützende Angebote“ lassen erkennen, dass ErzieherInnen für eine Zusammenarbeit mit den Eltern der von ihnen betreuten Kindern zu wenig Rüstzeug durch Aus- und Fortbildung erhalten, die sie in die Lage versetzen würden, den Eltern in Erziehungsfragen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen oder mit den Eltern eine Erziehungspartnerschaft einzugehen. Das macht der hohe Fortbildungsbedarf, wie er in den Projekten beschrieben wird, deutlich. Erkennbar wird aber auch, dass für diese Aufgaben mehr Zeit eingeplant werden muss, als es die Tür- und Angelgespräche beim Bringen oder Abholen der Kinder möglich machen. Beratung von Eltern bei Erziehungsproblemen oder die Herstellung einer Erziehungspartnerschaft erfordern zum einen Kooperationen mit einschlägigen Fachleuten und zum anderen von den ErzieherInnen selbst die Fähigkeiten und Kenntnisse über erfolgreiche Konzepte der Erwachsenenbildung. Soll die Hilfestellung für junge Eltern in Erziehungsfragen oder das Angebot einer Erziehungspartnerschaft zum Regelangebot von Kindertagesstätten werden, das machen die Ergebnisse der Projekte deutlich, müssen Rahmenbedingungen verändert oder neu geschaffen werden und ErzieherInnen forgebildet werden.

Literaturvorschläge zum Thema

Bruhns, K.; Mack, W. (Hrsg.): Aufwachsen und Lernen in der Sozialen Stadt. Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebensräumen, Opladen: Leske & Budrich, 2001.

Frick, J.: Resilienz: Konsequenzen aus der Forschung für die Praxis. In: Kiga heute, H. 9, 2003, S. 7–13.

Hebenstreit-Müller, S.; Gerhold, B., Kühnel, B.: Pen Green in Berlin: Die Kita als Nachbarschafts- und Familien-Zentrums. In: klein & groß, (2001) 2, S. 18–21.

Hock, B.; Holz, G.; Simmedinger, Renate; Wüstendörfer, Werner: Gute Kindheit – Schlechte Kindheit? Armut und Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen in Deutschlands. Abschlussbericht zur Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt, ISS-Pontifex 4/2000.

Koch, G.: Elternarbeit und Familienbildung in Kindertagesstätten. In: KiTa aktuell, MO 6, 2002, S. 135–138.

Liegle, L.: Die bildungspolitische Bedeutung der Familie, Folgerungen aus der PISA-Studie. In: Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Familienorganisation e.V., Kinder in guten Händen – Zum Zusammenhang von Familien- und Bildungspolitik. Bonn, 2002, S. 7–11.

Wustmann, C.: Was Kinder stärkt – Ergebnisse der Resilienzforschung und ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis. In: Fthenakis, W. E. (Hrsg.): Elementarpädagogik nach PISA. Wie aus Kindertagesstätten Bildungseinrichtungen werden können. Freiburg: Herder, 2003, S. 106–135.

Liste aller Projekte zum Themengebiet Familienunterstützende Angebote

Kontakt

Datenbank ProKiTa
Deutsches Jugendinstitut
Nockherstr. 2
81541 München
E-Mail: Kalicki
Tel. +49 89 62306-204
Fax +49 89 62306-407

Gefördert / finanziert durch

Bundesministerium für Famile, Senioren, Frauen und Jugend

Weiterführende Informationen

Querauswertungen

Hier finden Sie themenbezogene Auswertungen der Projekte.


Themengebiete

Hier finden Sie die Themen, nach denen die Datenbank gegliedert ist.


Literatur

Hier finden Sie Literaturlisten zu den Themengebieten.


Letzte Änderung: 20.01.2016 16:19 Uhr
Bearbeitet von: Schweikl