von Dr. Mona Granato, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn
Die Integration von ZuwanderInnen gehört zu den wichtigsten aktuellen Gestaltungsaufgaben in Deutschland. Bildung und Arbeit sind entscheidende Voraussetzungen für das Gelingen gesellschaftlicher Integration. Aber gerade die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund haben in unserem Bildungssystem besonders schlechte Karten. Dies bestätigt der aktuelle Bildungsbericht „Bildung in Deutschland“. Aus tatsächlicher und subjektiv empfundener Diskriminierung sowie Selbstausgrenzung der Migrantenjugendlichen kann ein fataler Teufelskreis entstehen.
Gerade in der heutigen Wissensgesellschaft ist der Zugang zu Bildung der wichtigste Schlüssel zur Integration – besonders für Kinder und Jugendliche aus Zuwandererfamilien. Sind die Zugänge blockiert oder erschwert, entstehen unweigerlich Probleme mit Langzeitwirkung. Wie die PISA- und die OECD-Studie gezeigt haben, haben es Zuwandererkinder im deutschen Bildungssystem besonders schwer. Sie verlassen die Schule in deutlich höherer Zahl ohne Abschluss als ihre deutschen MitschülerInnen. Der Anteil derjenigen ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist dreimal so hoch wie bei deutschen Jugendlichen und an Universitäten sind sie deutlich unterrepräsentiert.
Eine Längsschnittuntersuchung des DJI, das sogenannte Kinderpanel, kommt zu dem interessanten Ergebnis, dass die Ungleichheiten im Bildungssystem jedoch in sehr hohem Maße auf die Unterschiede in der sozialen Herkunft der Kinder zurück zu führen sind, und nur zum Teil auf ihre ethnische Zugehörigkeit. Diese enge Verknüpfung gilt es noch stärker zu berücksichtigen. (s. Auf einen Blick)
Dr. Jan Srobanek vom DJI in Halle untersucht einen weiteren Zusammenhang, der für die Integrationsdebatte relevant ist. Wenn Jugendliche mit Migrationshintergrund zum großen Teil die Erfahrung machen, dass sie in der Schule schlechter abschneiden als ihre deutschen MitschülerInnen, zum Teil für gleiche Leistungen schlechter benotet werden und bessere Abschlüsse brauchen, um einen Lehrstelle zu bekommen, dann fühlen sie sich ausgegrenzt und als „Menschen zweiter Klasse“. Darauf reagieren viele mit einem Rückzug auf die ethnische Herkunftsgruppe, was wiederum die Entwicklung von sogenannten „Parallelgesellschaften“ befördert und perpetuiert. Im „Interview“ berichtet Dr. Skrobanek von den Ursachen und möglichen Konsequenzen einer solchen Re-Ethnisierung.
Wie wichtig eine Verbesserung der beruflichen Ausbildung von jungen Menschen mit Migrationshintergrund ist, unterstreicht auch der ausführliche Bericht von Dr. Mona Granato vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn über die Ungleichheiten beim Zugang zu einer beruflichen Ausbildung (Blick von außen I)
Ein weiterer Blick von außen ergänzt, dass einem vorhandenen Potenzial der Azubis mit Migrationshintergrund auf dem Arbeits- und Personalmarkt bislang noch zu wenig Beachtung geschenkt wird: den interkulturellen Kompetenzen. Sie werden in einer globalisierten Gesellschaft für alle Berufstätigen zunehmend wichtiger. Junge Menschen aus Zuwandererfamilien bringen sie quasi als „natürliche“ Ausstattung mit und setzen sie im Berufsalltag ein.
Eine hochkarätig besetzte Tagung des DJI wird am 27. Juli in München das Thema „Herausforderung Integration“ mit Experten aus Wissenschaft und Praxis behandeln.
Hinweise auf relevante DJI Publikationen sowie eine ausführlich kommentierte Linkliste aller DJI Projekte zum Themenfeld Integration, Migration und Interkulturelle Kompetenzen ergänzen das Online-Thema.
DJI Online / Stand: 1. Juli 2006
Interview
mit Dr. Jan Skrobanek, DJI Halle
„Integration, Fremd- oder Selbstausgrenzung“
Interview mit Dr. Jan Skrobanek, DJI
In Deutschland leben 7,3 Millionen AusländerInnen.Heute wird zunehmend von Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen. Nur eine schöne Umschreibung oder ein Unterschied?
In der Tat ein erheblicher Unterschied, vor allem hinsichtlich der Zahlen! Mit dem "Ausländerkonzept" so möchte ich es einmal nennen sind der Charakter, die Dimensionen und der Umfang von Migrationsaspekten in unserer Gesellschaft bisher schlichtweg unterschätzt worden. Es ist dringend notwendig, hier umzudenken. Denn der tatsächliche Anteil von Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung beträgt nach dem Mikrozensus 2005 18,6 Prozent. Ausländer, d. h. Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, sind davon nur knapp die Hälfte. Noch interessanter verhält es sich gerade im Hinblick auf die Forschung am DJI bei der Gruppe der unter 25-Jährigen. Hier haben wir einen Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund von mehr als einem Viertel.
Das heißt: mehr als jedes vierte Kind und jeder vierte Jugendliche in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Wie sehen Sie die Chancen dieser großen Gruppe beim Zugang zu Bildung?
Inzwischen auch infolge von PISA und IGLU ist allgemein bekannt und akzeptiert, dass vor allem in Deutschland ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulleistung besteht. Insbesondere existiert ein ausgeprägter Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund, niedrigem sozialen Status und oftmals geringen Sprachkompetenzen hinsichtlich der Zielsprache Deutsch .
Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund erreichen im deutschen Schulsystem besonders nachteilige Bildungsergebnisse. Dies beginnt im Grundschulbereich, spiegelt sich in den Schullaufbahnempfehlungen und zeigt sich schließlich an den typischen Übergangsmustern in die verschiedenen Bildungszweige der Sekundarstufe. So finden sich dann auch vermehrt Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Hauptschulen wieder. Auch in den nachfolgenden Bildungsetappen ergeben sich ausgeprägte Disparitäten bzw. Verwerfungen zwischen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. Differenziert man schließlich zwischen den einzelnen Migrantengruppen, so schneiden türkische und italienische Kinder und Jugendliche vergleichsweise am schlechtesten ab.
Wie ist die Situation Deutschlands im internationalen Vergleich zu bewerten?
Anderen Ländern wie zum Beispiel Australien, Kanada oder Neuseeland gelingt es vergleichsweise deutlich besser als der Bundesrepublik, Kompetenzunterschiede durch systematische Einwanderungs-, Integrations- und Bildungspolitik schon für die zweite Generation auszugleichen.
Tatsache ist allerdings, dass die Ergebnisse für die BRD in abgeschwächter Form ebenso für eine Reihe anderer Staaten zutreffen: Ethnische Minderheiten haben der Tendenz nach schlechtere Positionen in den betreffenden Bildungssystemen und Arbeitsmärkten und damit erschwerte Zugänge zu weiterhin verbundenen Bereichen der jeweiligen Gesellschaft.
Wie wichtig ist Bildung für die Integration?
Der Zugang zu Bildung ist, und dies unterstreicht zudem der Begriff der Bildungsgesellschaft , eine der wichtigsten Bedingungen für eine Integration in das betreffende Zielland. Ist dieser erschwert bzw. blockiert, wie die zitierten und weitere Studien belegen, dann ist auch die Integration der Kinder und Jugendlichen in die Zielgesellschaft gefährdet. Machen wir uns nichts vor: wer nicht über die adäquate im Zielland nachgefragte Kapitalienausstattung verfügt, läuft Gefahr ausgeschlossen zu werden. Und mit dieser Situation sieht sich ein Teil dieser Kinder und Jugendlichen in ihrer alltäglichen Lebenspraxis konfrontiert.
Die Debatte um das so genannte Humankapital unterstreicht hier, worum es im Kern geht. Allerdings wird damit auch ein anderer wichtiger Aspekt kaschiert. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund verfügen wie ihre deutschen Altersgenossen über herkunftslandspezifische Kapitalien, zum Beispiel die Sprache der Eigengruppe, die allerdings in der Mehrheitsgesellschaft bzw. Gruppe kaum anerkannt sind. D.h. sie können zwar auf Kapitalien zurückgreifen, die sie in die Lage versetzen, erfolgreich in ihrer Herkunftsgruppe zu agieren. Allerdings sind diese Kompetenzen außerhalb der Herkunftsgruppe nicht bzw. kaum anerkannt. Deshalb sind sie auch schwerlich in allgemein nachgefragte Kapitalien wie Bildungsabschlüsse o. ä. konvertierbar. Vereinfacht gesagt: Sie verfügen meist nicht ausreichend über die im Zielland nachgefragten Kapitalien.
Ich kann und möchte hier keine Wertung abgeben, welche Kapitalien oder Kompetenzen im Austausch zwischen den betreffenden Gruppen anerkannt werden sollten und welche nicht. Das ist eine der dringendsten und schwierigsten Fragen, mit der sich Einwanderungsgesellschaften konfrontiert sehen.
Die mangelnde soziale Gerechtigkeit des deutschen Bildungssystems hat auch der UNO-Sonderberichterstatter Munoz bei seinem letzten Besuch kritisiert. Auf der anderen Seite beklagen Politiker die Entwicklung von sogenannten Parallelgesellschaften ...
... letzteres verwundert schon, denn die Zusammenhänge zwischen der Erfahrung einer schlechteren Platzierung im Vergleich zu anderen Kindern und Jugendlichen ohne Migrationshintergrund in Schule, Ausbildung und Beruf, einem niedrigen sozialen Status, der Erfahrung kultureller Differenz bzw. auch kultureller Nichtanerkennung und den Nebenuniversen liegen doch auf der Hand. Dies ist ein nur schwer zu durchbrechender Teufelskreis. Gerade der erschwerte Zugang zu den in der Zielgesellschaft weithin anerkannten Kapitalien (Bildungstitel, Ausbildungsabschlüsse um nur zwei zu nennen) die der Soziologe Robert K. Merton mit designs of group living" umschrieben hat und die damit verbundene Rückverwiesenheit auf die Kapitalien der Herkunftsgruppe könnte die Entstehung derartiger Parallelgesellschaften befördern. Allerdings gibt es zu dieser speziellen Vermutung derzeit noch relativ wenig belastbare Daten.
Werden die Kinder und Jugendlichen möglicherweise aufgrund ihrer ethnischen Herkunft bzw. Merkmale diskriminiert?
An genau diesem Punkt scheiden sich derzeit die Geister in den Sozialwissenschaften! Es kann, glaube ich, nicht bezweifelt werden, dass zum Beispiel im Schulischen, im Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt eine Diskriminierung aufgrund der Wertigkeit von Bildungskapital bzw. -titeln stattfindet. Viel entscheidender ist aber die Frage, ob es auch Diskriminierung aufgrund ethnischer (askriptiver) Merkmale gibt. Hat ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund und gleichen Bildungstiteln wie ein deutscher Jugendlicher auch die gleichen Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen oder nicht? Wenn ja, wäre die Bevorzugung des einen oder anderen eine allgemeine Form von Diskriminierung. Wenn nicht, könnte das auf eine ethnische Diskriminierung hinweisen.
Für den letzteren Fall mehren sich die Hinweise in verschiedenen Untersuchungen. So gibt es zum Beispiel im Sekundarbereich der allgemein bildenden Schulen eine deutliche Ungleichverteilung von Schülern mit und ohne Migrationshintergrund auf die unterschiedlichen Schularten. Insbesondere Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen am häufigsten eine Hauptschule. Der hier erreichbare Bildungstitel ist im Vergleich zu den Bildungstiteln der anderen Sekundarschulbereiche der mit dem geringsten Marktwert. Weiterhin zeigt sich, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund im Durchschnitt deutlich bessere schulische Vorleistungen erbringen müssen als die Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund, um Bildungsempfehlungen beispielsweise für ein Gymnasium zu erhalten. Die selektiven Mechanismen in den Schullaufbahnen wirken dahin, dass schließlich Jugendliche mit Migrationshintergrund durchschnittliche schlechtere Startchancen egal an welcher Selektionsschwelle haben.
Auch wir können mit unseren Daten belegen, dass selbst unter Kontrolle von Sprache, Deutschkenntnissen/Noten, Bildungshintergrund der Eltern, Mitgliedschaft in ethnisch homogenen Netzwerken, Bildungstitel, Geschlecht und Schulform die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe insbesondere bei den Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund einen direkten Einfluss auf die Platzierung im Ausbildungs- und Arbeitsmarkt hat.
Wie reagieren die Kinder und Jugendlichen auf diese Situation?
Wer will es den betroffenen Jugendlichen verübeln, wenn sie aufgrund dieser Auffälligkeiten und Unterschiede eine Beziehung zwischen ihren Platzierungen im System, ihrem sozialen Status und ihrem Migrationshintergrund herstellen? Können wir uns wirklich darüber wundern, wenn sie einen Zusammenhang zwischen ihren Erfolgen bzw. Misserfolgen in Schule, Ausbildung und Beruf und ihrem ethnischen Hintergrund vermuten? Viele Jugendliche sprechen davon, aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt zu sein, keine Arbeit oder keinen Kredit zu bekommen, nicht als vollwertige Mitglieder der deutschen Gesellschaft akzeptiert zu werden, und das alles deshalb, weil sie kulturell oder sozial etwas anders sind als die anderen oder eine andere Hautfarbe haben.
Ich sagte schon, selbst in den Sozialwissenschaften gibt es hier seit Jahren hitzige und nicht immer ideologiefreie Debatten, ob nun tatsächlich ethnische Diskriminierung vorliegt oder nicht.
Im Grunde erhält die Herkunftsgruppe erst durch den erfahrenen Ausschluss ihrer Mitglieder vom Zugang zur Fremdgruppe, eben der deutschen Zielgesellschaft, ihre Attraktivität oder wird dadurch aufgewertet bzw. wieder subjektiv wertvoll. Nach den negativen Erfahrungen schlechte Noten, keine Lehrstelle, kein Job und der fehlenden Anerkennung wirkt der Rückzug in die ethnische Gruppe ja auch identitätsstabilisierend.
... aber eben nicht integrationsfördernd.
Das ist die Frage. Frankreich kann da zum Beispiel ein ganz anderes Lied singen. Dort demonstrierten und revoltierten unlängst Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Pariser Vorstädten, setzten Autos und Gebäude in Brand. Auslöser war der tödliche Unfall zweier Jugendlicher mit Migrationshintergrund, die vor der Polizei flüchteten. Dieses Ereignis brachte die Revolte der banlieusards in Gang: aus Unzufriedenheit wurde Aggression, aus Ohnmacht eine Revolte. Dynamisierend wirkten zusätzlich die menschenverachtenden Äußerungen des amtierenden Innenministers Sarkozy, der am liebsten dieses "Ungeziefer" durch die Straßenreinigung hätte wegspülen lassen. In Deutschland hingegen scheint es Mechanismen zu geben, die derart gewalttätige Reaktionen auf desintegrative Tendenzen bisher weniger zulassen.
Sie sagten, es ließen sich gewisse Rückzugstendenzen bzw. eine ethnische (Re-)Definition bei den Jugendlichen beobachten. Welche Konsequenzen haben diese Entwicklungen für den weiteren Prozess der Integration in Deutschland
Das ist eine ganz entscheidende Frage, die in der gesamten Integrationsdebatte bislang noch zu wenig Beachtung findet. Häufig wird den Jugendlichen ja einfach der Vorwurf gemacht, sie seien nicht bereit zu lernen und richteten sich aus mangelnder Integrationsbereitschaft in ihren Parallelgesellschaften ein. Ob diese Einschätzung wirklich zutreffend ist und welche Hintergründe dabei eine Rolle spielen, danach wird meist nicht gefragt.
Um die Ursachen für eine (Re-)Ethnisierung und die daraus folgenden Konsequenzen für die Integration genauer zu untersuchen, haben wir 2005 mit Unterstützung der Jacobs Foundation am DJI ein Projekt gestartet: Es untersucht aus längsschnittlicher Perspektive zum Einen die Rolle der beruflichen und sozialen Integration bzw. Desintegration bei der Ausbildung von Diskriminierungswahrnehmungen und (Re-)Ethnisierungsprozessen und zum Anderen die Wirkungen dieser Aspekte für die weitere berufliche und soziale Integration.
Aufgrund der vorliegenden Daten können wir bisher Aussagen zu den Ursachen für wahrgenommene Diskriminierung und (Re-)Ethnisierung machen. Eine zentrale Annahme hat sich dabei schon bestätigt: Je weniger erfolgreich die Jugendlichen mit Migrationshintergrund im Übergang von der Schule in den Beruf sind, desto eher neigen sie zu wahrgenommener Diskriminierung. Misserfolg wirkt weiterhin indirekt über die wahrgenommene Diskriminierung auf eine (Re-) Ethnisierung.
Mit den nächsten Erhebungswellen haben wir dann die Möglichkeit, auch Aussagen über die Wirkungen von Diskriminierungswahrnehmung und (Re-) Ethnisierung für den weiteren ausbildungsbezogenen und beruflichen Integrationsprozess zu prüfen und mögliche positive oder negative Konsequenzen abzuschätzen.
Wie viele Jugendliche mit Migrationshintergrund haben Sie dafür befragt?
Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir auf einen großen Pool bereits vorliegender quantitativer Daten zugreifen konnten. Als empirische Grundlage dienen die Daten des sogenannten Übergangspanels des Forschungsschwerpunkts "Übergänge in Arbeit" des Deutschen Jugendinstituts.
Das ist eine Langzeitstudie, die die Bildungsverläufe von Jugendlichen vor allem an der Schwelle von der Schule in die Ausbildung oder ins Berufsleben verfolgt. Zentrales Ziel der Untersuchung ist die Beschreibung und Erklärung der Integration bzw. Desintegration von Hauptschülerinnen und Hauptschülern in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Neben der umfassenden Ausbildungs- und Erwerbsbiographie werden soziale, personale und strukturelle Voraussetzungen in den Blick genommen, die eine Integration bzw. Desintegration beeinflussen.
Unsere Analysen stützen sich vor allem auf die Daten ab der fünften Erhebungswelle, da ab hier die interessierenden Variablen wahrgenommene Diskriminierung , ethnische Identität , Durchlässigkeit der Gruppengrenzen und (Re-) Ethnisierung modular erfragt wurden. Für die Studie wurden ausschließlich Jugendliche der beiden Großgruppen mit Migrationshintergrund junge Aussiedler und Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund ausgewählt. Insgesamt verfügen wir über differenzierte Angaben von 635 Jugendlichen, wobei die beiden Gruppen annähernd gleich groß sind.
Was ist das spezifisch Neue an Ihrem Forschungszugang?
Bisher wurde in Untersuchungen nur von tatsächlicher Diskriminierung gesprochen. Für die vorliegende Studie ist jedoch weniger von Bedeutung, ob und welche Form von Diskriminierung tatsächlich vorliegt, sondern ob die betreffenden Personen die Situation als Diskriminierungssituation subjektiv so wahrnehmen und als solche definieren. Insofern prüfen wir, in welchem Zusammenhang wahrgenommene Diskriminierung, Durchlässigkeit der Gruppengrenzen, ethnische Identität und (Re-)Ethnisierungstendenzen tatsächlich stehen.
Weiterhin untersuchen wir nach unserem Wissen geschieht dies zum ersten Mal die Wirkungen der Art des Übergangs und der Platzierung nach der Schule auf diese Variablen und die Rolle dieser Variablen für die weitere ausbildungsbezogene und berufliche Integration.
Hierzu gibt es ein klares theoretisches Modell mit entsprechenden Annahmen.
Wenige Ergebnisse dieser Untersuchung haben sie uns schon verraten. Allerdings würden uns die Zusammenhänge und Wirkungen noch genauer interessieren.
Da müssen Sie sich noch ein bisschen gedulden. Am 27. Juli werden wir auf der Regionaltagung des DJI in München die ersten Resultate unseres Forschungsprojekts präsentieren.
Wir sind gespannt! Herr Dr. Skrobanek, haben Sie vielen Dank für das Gespräch!
DJI Online / Stand: 1. Juli 2007
Auf einen Blick Kindheit und Migration
Bildung und Migration
Ausgewählte Ergebnisse der Migranten-Zusatzerhebung des DJI-Kinderpanels
Die soziale und ethnische Herkunft der Grundschulkinder sind eng miteinander verwoben
Bemisst man die soziale Herkunft eines Kindes am ökonomischen (Haushaltseinkommen) und akkumulierten kulturellen Kapital (Schul- und Ausbildungsniveau) seines Elternhauses, so gehören 31% der deutschen, 44% der russlanddeutschen, aber 87% der türkischen Kinder zur Gruppe mit der geringsten Kapitalausstattung. Wie im Bildungssystem zeigt sich auch bei bildungsrelevanten Freizeitaktivitäten, dass zu beobachtende ethnische Ungleichheiten in hohem Maße auf diese Unterschiede in der sozialen Herkunft der Kinder und nur zum Teil auf ihre ethnische Zugehörigkeit zurückzuführen sind.
Schule hat einen hohen Stellenwert in den Familien, doch Kinder werden nicht immer unterstützt
Kinder aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien haben schlechtere Noten, zusätzliche migrationsbedingte Unterschiede gibt es jedoch nicht. Auch in Bezug auf die Bildungsaspirationen der Eltern zeigen sich keine interethnischen Differenzen: Nahezu alle Eltern nehmen die Schule wichtig und achten auf die Noten der Kinder. Nach Einschätzung der Kinder messen türkischstämmige Eltern ihren Zeugnissen großen Wert bei, unterstützen ihre Kinder aber am wenigsten in schulischen Belangen. Entsprechend empfinden Kinder aus Migrantenfamilien die Schule häufiger als subjektive Belastung und Anstrengung und berichten vermehrt von Angst in der Schule.
Freizeitaktivitäten Chancen zum Kompetenzerwerb
Organisierte, vereinsnahe Aktivitäten, sowie außerschulische Unterrichtsstunden finden sich bei Kindern aus sozioökonomisch besser gestellten Familien deutlich häufiger. Für Kinder unterer sozialer Schichten ist Freizeit hingegen oft freie Zeit , die sie auf dem Spielplatz, im Einkaufszentrum oder Freizeitheim in eigener Regie verbringen. Diese sozialen Unterschiede kumulieren im interethnischen Vergleich: Vor allem türkische Kinder sind auch unter Berücksichtigung ihrer schlechteren sozioökonomischen Situation deutlich seltener im Verein als deutsche Unterschichtkinder . Damit verschließen sich diesen Kindern wichtige zusätzliche Gelegenheiten, bei regelmäßigen Treffen im Verein oder anderen Freizeitgruppen mit deutschsprachigen Gleichaltrigen Kontakte zu knüpfen und ihre Sprachkompetenzen zu schulen. Denn: Kinder, die einen Verein besuchen, sind häufiger in deutsche Gleichaltrigengruppen (Peers) integriert.
Insgesamt ist bei Kindern ohne Migrationshintergrund die Nähe zwischen schulischen Anforderungen und familialem, freizeitbezogenem Kompetenzerwerb größer als bei russisch- und türkischstämmigen Kindern. Bei Kontrolle der sozialen Herkunft fallen ethnische Differenzen jedoch geringer aus als oftmals erwartet.
Gleichaltrige sind wichtig für Integration
Ethnische Abgrenzung gibt es bei Grundschulkindern (noch) wenig: Durchschnittlich sind ein Drittel der Freunde der türkischen Kinder und knapp die Hälfte der Freunde russlanddeutscher Kinder deutsch. Allerdings haben ein Viertel der türkischen und ein Fünftel der russlanddeutschen Kinder keinen regelmäßigen Kontakt zu deutschen Kindern außerhalb der Schule.
Deutsch dominiert als Kommunikationsmittel unter Freunden. Selbst mit Kindern aus demselben Herkunftsland wird häufig deutsch gesprochen Peers sind somit wichtig für Integration und Sprachkompetenz. Eine bessere Integration in deutsche Peergruppen geht mit einer höheren Sprachkompetenz einher.
Türkische Kinder nutzen die Schule, um Freundschaften zu knüpfen: Zwei Drittel ihrer Freunde haben sie in der Schule kennen gelernt, bei den deutschen und russlanddeutschen Kindern sind es etwa die Hälfte. Ethnisch gemischte Schulen sind als Kontaktbörse besonders wichtig, da Migrantenkinder seltener in Vereinen sind.
Für türkische Kinder ist Deutsch die Sprache nach außen und unter Gleichaltrigen (z.B. Geschwistern), Türkisch wird dagegen in der Familie und vor allem mit der älteren Generation gesprochen. Bei Aussiedlerkindern gibt es diese Binnen-Differenzierung in der Familie nicht: Entweder sie reden deutsch auch in der Familie oder sie beherrschen es nicht und reden dann auch mit den Geschwistern russisch. Türkische Kinder wachsen somit in zwei Sprachwelten zugleich auf, während für Aussiedlerkinder eher ein entweder oder gilt.
Dies verweist darauf, dass die Mutter-Kind-Beziehung eine besondere Bedeutung für die Vermittlung von Sprache in russlanddeutschen Familien hat. Bei den russlanddeutschen Aussiedlerkindern hängen die deutschen Sprachkenntnisse in hohem Maße mit denen der Mütter zusammen. Die Deutschkenntnisse der russlanddeutschen Väter spielen im Gegensatz zu denen der türkischen Väter auch eine signifikante Rolle für die Deutschkenntnisse der Kinder. Eine Förderung der Sprachkenntnisse der Kinder aus Migrantenfamilien könnte unter anderem durch eine Förderung der Sprachkenntnisse der Eltern insbesondere der Mütter erreicht werden. Hinzuweisen ist auch auf einen deutlichen Zusammenhang zwischen der sozialen Lage hier durch eine armutsbetroffene Einkommenslage repräsentiert und der Kompetenz der Mütter in der deutschen Sprache: Armutsbetroffenheit zeigt sowohl bei türkischen als auch bei Aussiedlermüttern einen hohen Anteil mit sehr schlechter oder eher schlechter deutscher Sprachkompetenz (zwischen 75 % bis ca. 85 % der Mütter).
Kinder, die in der Familie oder über die Medien noch stark in der Herkunftssprache verwurzelt sind, sind nicht an einer sozialen Integration in deutsche Freundschaftsgruppen gehindert. Entscheidend ist vielmehr die deutsche Sprachkompetenz, die durchaus mit praktizierter Zweisprachigkeit einhergehen kann.
Bei den untersuchten Kindern hat die Zugehörigkeit zu einer Migrantenpopulation keinen direkten Einfluss auf ihre Verhaltensdispositionen. Die bedeutsamen Einflüsse gehen von der intergenerativen Transmission in der Mutter-Kind-Beziehung aus. Die durch geringe elterliche Bildung, Arbeitslosigkeits- und Armutsrisiken gegebenen Deprivationslagen der Kinder werden in den Migrantenfamilien durch die innerfamiliären Beziehungen weitgehend abgefedert. Der Akkulturationsprozess ist bei ihnen so weit fortgeschritten, dass keine spezifischen Unterschiede im Sozialcharakter zwischen den Migrantenpopulationen mehr zu finden sind.
Weder der soziale Status der Herkunftsfamilie (Bildungsniveau der Mutter) noch die materiellen Ressourcen (Armuts- und Beschäftigungslosigkeitsrisiko) haben einen Effekt auf die Auftretenswahrscheinlichkeit von Konflikten in der Familie, in der Schule oder gegenüber Freunden.
Es zeigt sich sogar, dass die Migrationssituation einen konfliktreduzierenden Effekt auf die Familienbeziehungen hat: Familien, die erst kürzlich zugewandert sind, berichten seltener über Eltern-Kind-Konflikte, als solche, bei denen der Wanderungszeitpunkt bereits weit zurück liegt bzw. als die nicht gewanderten deutschen Familien. Gruppenspezifische Unterschiede im Konfliktverhalten lassen sich nur insofern feststellen, als in türkischen Familien seltener Konflikte zwischen Eltern und Kindern auftreten als in den deutschen Referenzfamilien. Damit bestätigt sich der besondere protektive Charakter türkischer Migrantenfamilien. In ihrem schulischen und außerschulischen Konfliktverhalten unterscheiden sich die türkischen Kinder nicht von den Einheimischen. Bei den Aussiedlerkindern sind Familienkonflikte häufiger. Sie sind häufiger Täter, aber auch Opfer in Schulkonflikten. Bei Konflikten mit Freunden bevorzugen sie einen defensiv-vermittelnden Konfliktlösungsstil.
Quelle: Christian Alt (Hrsg.)(2006): Kinderleben - Integration durch Sprache? Bedingungen des Aufwachsens von türkischen, russlanddeutschen und deutschen Kindern. Band 4: DJI-Kinderpanel. München
Zum ersten Mal kann der tatsächliche Umfang und die Heterogenität der Bevölkerung mit Migrationshintergrund dargestellt werden. Die Basis dafür bildet der Mikrozensus (MZ) 2005, der über das Merkmal der Staatsangehörigkeit hinaus repräsentative Daten unter anderem zu Geburtsort in oder außerhalb Deutschlands, Zuzugsjahr und Einbürgerung bereitstellt. Damit ist eine Differenzierung der Zuwanderungskonstellationen nach der individuellen und familialen Migrationserfahrung (1. oder2. Generation) und dem rechtlichen Status der Staatsangehörigkeit möglich.
Jedes vierte Kind in Deutschland hat einen Migrationshintergrund
Nach der komplexen Definition des Migrationshintergrunds im Mikrozensus 2005 (MZ05) weist fast ein Fünftel der deutschen Bevölkerung (18,6%) individuelle oder familiale (mindestens ein Elternteil) Zuwanderungserfahrung auf. Die tatsächliche Population mit Migrationshintergrund ist somit fast doppelt so groß, wie nach der bisherigen Statistik anhand der Staatsangehörigkeit ausgewiesen. Noch höher ist der Anteil bei den Kindern und Jugendlichen im besonders bildungsrelevanten Alter (unter 25 Jahre). Hier liegt er bei 27,2% der gleichaltrigen Bevölkerung. Das heißt: Mehr als jedes vierte Kind und jeder vierte Jugendliche in Deutschland hat einen Migrationshintergrund.
Die Zahlen des MZ05 werfen ein neues Licht auf die Größe und Differenziertheit der Herausforderungen, denen sich die Erziehungs- und Bildungseinrichtungen bei ihrem Beitrag zur Integration der Migrantinnen und Migranten gegenübersehen. Insbesondere die Tatsache, dass mehr als zwei Drittel der Gesamtpopulation mit Migrationshintergrund und gut ein Drittel der unter 25-Jährigen der 1. Zuwanderergeneration angehören und somit Quereinsteiger ins deutsche Bildungssystem sind, macht deutlich: Sprachliche und kulturelle Förderung behält auf allen Stufen des Bildungssystems vom Kindergarten über die Schule und Berufsausbildung bis zur Weiterbildung einen zentralen Stellenwert.
Ungleiche Bildungsbeteilung und -verläufe
Die Schwierigkeiten des Bildungswesens, den Herausforderungen gerecht zu werden, kann ein Blick auf die Bildungsbeteiligung und -verläufe der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund verdeutlichen.
Bei der Inanspruchnahme von Kindertageseinrichtungen hat sich das Beteiligungsniveau für die Kinder ab dem vierten Lebensjahr mit und ohne Migrationshintergrund im letzten Jahrzehnt angenähert, auch wenn noch Unterschiede bei einzelnen Gruppen bestehen bleiben.
Beim Übergang in die Grundschule wachsen die Differenzen: Vorzeitige Einschulungen von ausländischen Kindern waren 2004 etwa halb so hoch, verspätete Einschulungen jedoch doppelt so hoch wie bei den Schülern insgesamt.
Im Sekundarbereich der allgemein bildenden Schulen zeigt sich eine deutliche Ungleichverteilung von Schülern mit und ohne Migrationshintergrund auf die unterschiedlichen Schularten. Eine genauere Analyse der Verläufe zeigt, dass Schüler mit Migrationshintergrund nicht nur mehr Schwierigkeiten haben, in höhere Schulen zu gelangen, sondern auch größere Probleme, sich dort zu halten.
Insbesondere15-Jährige mit türkischem Hintergrund und Aussiedler besuchen am häufigsten eine Hauptschule, während der Schwerpunkt bei Kindern ohne Migrationshintergrund und aus sonstigen Staaten auf dem Realschul- und Gymnasiumsbesuch liegt.
Die selektiven Mechanismen in den Schullaufbahnen wirken dahingehend, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund schließlich unter der Gesamtheit der Studienberechtigten stark unterrepräsentiert sind.
Besonders kritisch stellt sich der Weg der jungen Migrantinnen und Migranten ins Beschäftigungssystem dar, und zwar an beiden Schwellen: dem Übergang von der Schule in Ausbildung und aus der Ausbildung in die Erwerbsarbeit. Der Anteil der ausländischen Jugendlichen an der Gesamtheit der Auszubildenden im dualen System ist in den alten Ländern zwischen1994 und 2004 zurückgegangen und liegt damit deutlich unter ihrem Anteil an der gleichaltrigen Bevölkerung. Ihr Weg in eine qualifizierte Ausbildung weist stärkere Hürden auf als der ihrer Altersgenossen ohne Migrationshintergrund. Problematisch erscheint vor allem der Sachverhalt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund im Durchschnitt deutlich bessere schulische Vorleistungen erbringen müssen als die Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund, um einen Ausbildungsplatz zu erreichen.
Bei den 20- bis unter 26-Jährigen weisen die jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund im Vergleich zu denen ohne Migrationshintergrund neben niedrigeren Ausbildungsquoten auch geringere Erwerbstätigkeitsquoten auf, zugleich jedoch höhere Anteile von Erwerbslosen und Nichterwerbspersonen.
Allerdings sind hier die starken Differenzen innerhalb der gesamten Migrantengruppen nach Herkunftskonstellation zu betonen: Es sind vor allem die jungen Erwachsenen mit türkischem Hintergrund sowie aus den anderen ehemaligen Anwerbestaaten, die die stärksten Probleme im Übergang in die Erwerbstätigkeit haben.
Dass bei diesen Gruppen besonders starke Anteile von weiblichen Nichterwerbspersonen anzutreffen sind, verweist darauf, dass bei der Integration neben den Arbeitsmarkt- und Ausbildungsproblemen auch ein grundlegendes kulturelles Problem, das der Erwerbsbeteiligung von Frauen, zu bewältigen ist.
Herausforderung für Bildungssystem und -politik
Wie das Bildungssystem institutionell und pädagogisch mit Migration umgeht, lässt sich derzeit nur für allgemein bildende Schulen und Kindertageseinrichtungen dokumentieren. Nicht in den Schulen des Sekundarbereichs, wohl aber in Grundschulen gibt es Tendenzen zur Benachteiligung bei der Notenvergabe. Wahl- und Selektionsprozesse beim Übergang in die Schularten der Sekundarstufe I sowie bei Schulartwechseln führen im Verbund mit sozialräumlichen Unterschieden dazu, dass Schulen sehr unterschiedliche Anteile von Migranten aufweisen. Etwa ein Fünftel der Hauptschulen in Deutschland, vor allem in städtischen Ballungsgebieten, haben einen drei Viertel und mehr betragenden Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.
Diese Probleme der sozialen, kulturellen und auch bildungsbezogenen Segregation stellen nicht erst aufgrund aktueller Konflikte eine zentrale Herausforderung der Bildungspolitik dar. Allgemein bildende Schulen vornehmlich Grundschulen, Haupt- und Gesamtschulen wie auch Kindertageseinrichtungen reagieren auf den Bedarf mit vielfältigen Angeboten zur Förderung der Sprachkompetenz im Deutschen. Bilinguale Förderkonzepte, bei denen auch die Herkunftssprache unterstützt wird, werden kontrovers diskutiert und eher zurückgefahren; Angebote an Ganztagsschulen werden hingegen ausgebaut und von Migranten überproportional genutzt. Die meisten Länder haben flächendeckende Sprachstandserhebungen vor oder beim Schuleintritt eingeführt. An der Qualität der diagnostischen Instrumente und der Qualifikation des pädagogischen Personals für individuelle Diagnostik und Förderung muss jedoch gearbeitet werden.
Gemessen an den Kompetenzen, die bei internationalen Schulstudien erfasst werden, gelingt es einigen Staaten (Australien, Kanada, Neuseeland), durch systematische Einwanderungs-, Integrations- und Bildungspolitik Kompetenzunterschiede schon für die 2. Generation auszugleichen. Unter den europäischen Staaten mit Arbeitsmigration ist Deutschland dasjenige Land, dessen MigrantInnen sich hinsichtlich Bildungshintergrund und sozialem Status am meisten von der übrigen Bevölkerung unterscheiden.
Eine Besonderheit ist auch, dass die 1. Generation, mit relativ vielen AussiedlerInnen, bei Kompetenzmessungen in Sekundarschulen besser dasteht als die 2. Generation, in der Jugendliche mit türkischem Hintergrund stärker vertreten sind.
Einflussfaktoren, von denen die Schulleistung junger MigrantInnen abhängen, sind in Deutschland noch stärker als in anderen Staaten die Sprachpraxis im Elternhaus, das Einwanderungsalter und das Bildungsniveau der Eltern.
Insgesamt zeigt PISA den Handlungsbedarf eindringlich auf: Über 40% der Jugendlichen beider Zuwanderergenerationen, aber nur 14 % der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund gehören zur so genannten Risikogruppe mit geringer Lesekompetenz.
Umso bedauerlicher ist es, dass kaum verlässliche Daten vorliegen, die etwas darüber sagen, welche Art von Förderung bei welchen Personen welche Wirkung entfaltet. Nach mehreren Jahrzehnten Diskussion über Migration und Bildung in Deutschland lassen sich die Defizite unter Rückgriff auf neue Daten des Mikrozensus und internationale Schulleistungsstudien schärfer benennen als je zuvor. Die Probleme von Zugewanderten und ihren Kindern beim Durchgang durch das deutsche Bildungssystem und beim Übergang in das Beschäftigungssystem sind unübersehbar; sie verlangen nach stärkeren und systematischeren Anstrengungen. Umso gravierender ist der Mangel an Wissen über erfolgreiche institutionelle und pädagogische Strategien.
Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2006). Bildungsbericht. Kapitel H: Migration. 137-178
http://www.bildungsbericht.de/daten/gesamtbericht.pdf
DJI Online / Stand 1. Juli 2006
Menschen im Profil Dr. Jan Skrobanek, Soziologe, DJI Halle
Dr. Skrobanek, in türkischen Restaurants hängen während der Fußballweltmeisterschaft deutsche Fahnen. Ein Beispiel für gelungene Integration? Okay, wenn eine türkische Mannschaft bei der WM mit von der Partie wäre, sehe das wahrscheinlich anders aus. Allerdings müsste man diese Vermutung erst einmal empirisch prüfen, was ja vielleicht mit einer Qualifizierung der Türken für die kommende Europameisterschaft 2008 möglich werden könnte eine wirklich schöne Feldstudie! Nun mal ernsthaft: Deutsche Fahnen in türkischen Restaurants sind m. E. schon ein Hinweis darauf, dass sich ein Großteil der hier wohnenden Türken oder Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund mit alltagweltlichen Aspekten der deutschen Gesellschaft identifiziert und dafür auch mobilisierbar ist. Diesen Effekt jedoch schon als Beispiel für eine gelungene Integration zu interpretieren, da wäre ich etwas vorsichtig. |
Jan Skrobanek (Jahrgang 1969) stammt aus dem sächsischen Annaberg-Buchholz. Während der Schulzeit träumt er davon, Umweltschutz und Ökologie zu studieren. Allerdings sucht er vergeblich nach einem entsprechenden, nicht ganz so technischen Studienangebot. Da Umweltschutz bekanntlich nur durch entsprechende Einstellungen und das Verhalten von Menschen realisiert werden kann, beginnt er 1993 an der Universität Leipzig, Erziehungswissenschaft (Schwerpunkt Sozialpädagogik), Soziologie und Philosophie zu studieren. Seine Studienschwerpunkte liegen schon frühzeitig in den Bereichen Handlungstheorie, Einstellungsforschung, Intergruppenverhalten, soziale Ungleichheit und Methoden der empirischen Sozialforschung.
Um den Kontakt zum Feld nicht zu verlieren, was im Studium nicht immer einfach ist, engagiert sich Jan Skrobanek von Anfang an in außeruniversitären Forschungsprojekten, insbesondere zum Thema politische Mentalitäten in Ostdeutschland, Autoritarismus und Fremdenfeindlichkeit sowie Okkultismus/Satanismus in ländlichen Regionen. Hier kommt er auch das erste Mal mit ForscherInnen und Forschungen der Außenstelle des DJI damals noch in Leipzig in Kontakt.
Von 1996 bis 1997 studiert er an der Universität Glasgow Soziologie.
Wieder zurück in Deutschland schließt er 1998 sein Studium mit einer Magisterarbeit zum Thema "Lehrer im Wertepluralismus? Zur relativen Autonomie des Lehrers aus theoretischer und empirischer Sicht" ab.
Danach arbeitet er von 1998 bis 2003 zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Soziologie der Universität Leipzig und anschließend in einem von der Deutschen Forschungsgesellschaft DFG geförderten Projekt zu Ursachen und Wirkungen regionaler Identität mit Schwerpunkt Intergruppenbeziehungen. Hier promoviert er zum Thema Regionale Identifikation, negative Stereotypisierung und Eigengruppenbevorzugung .
Nach Abschluss seiner Dissertation nimmt Jan Skrobanek 2003 seine Tätigkeit am Deutschen Jugendinstitut auf zunächst mit der wissenschaftlichen Begleitung des Freiwilligen sozialen Trainingsjahres . Insbesondere arbeitet er am DJI an Fragen der Evaluation von Modellprogrammen und ist in diesem Zusammenhang mit der Entwicklung quantitativer quasi-experimenteller Methoden zur Programmevaluation beschäftigt.
Nach einem einjährigen Intermezzo von 2004 bis 2005 an der Uni Leipzig, hier vertritt er eine Assistenz im Bereich Kultursoziologie, beginnt er (wieder am DJI) mit dem von der Jacobs Stiftung geförderten Projekt Determinanten beruflicher und sozialer Integration und ethnischer Selbstausgrenzung bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund .
Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen derzeit in den Bereichen Gruppensoziologie, soziologische Handlungstheorie, kulturvergleichende Identitätsforschung, Stereotypen-, Einstellungs- und Vorurteilsforschung, Diskriminierung und soziale Ungleichheit
DJI Online / Stand: 1. Juli 2006
Literatur DJI-Literatur zum Thema Migration, Integration, Interkulturelle Kompetenz
Alt, Christian (Hrsg.) (2006): Kinderleben Integration durch Sprache? Bedingungen des Aufwachsens von türkischen, russlanddeutschen und deutschen Kindern, Reihe: DJI-Kinderpanel / Band 4, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Bednarz-Braun, Iris; Bischoff, Ursula (2006): Interkulturalität unter Auszubildenden im Betrieb. Eine Handreichung für die betriebliche Praxis. Download vorhanden
Bednarz-Braun, Iris/ Bischoff, Ursula (2005): Azubis wollen interkulturelle Vielfalt. In: Zeitschrift des Bayerischen Jugendrings (Hrsg.), Jugend Nachrichten, Aktionsprogramm Integration 2002-2007, Ausgabe 1/2, 18
Bednarz-Braun, Iris / Bischoff, Ursula (2004): Azubis unterschiedlicher Herkunftskultur: wie kommen sie im betrieblichen Alltag miteinander aus? Erste Ergebnisse einer mündlichen und schriftlichen Befragung von Auszubildenden aus vier Großbetrieben. Reihe Wissenschaft für alle, Deutsches Jugendinstitut München/Halle, 20 Seiten. Download vorhanden
Bednarz-Braun, Iris (2004): Fremd- und Selbstbilder: Wie sich deutsche und zugewanderte Frauen sehen. In: Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Frauenbilder Reader. Düsseldorf, 177-181
Bednarz-Braun, Iris / Heß-Meining, Ulrike (2004): Migration, Ethnie und Geschlecht. Theorieansätze, Forschungsstand, Forschungsperspektiven. Wiesbaden: VS Verlag
Bednarz-Braun, Iris (2004): Ethnicity and gender: limits encountered by nationality- and ethnicity-based women"s studies. In: Hübner-Funk, Sibylle (ed.), Research in Progress. Selected Studies of the German Youth Institute. DJI International Series, Vol. 1, 62-72, Deutsches Jugendinstitut, München
Bednarz-Braun, Iris / Heß-Meining, Ulrike (2003): Migration, Ethnie und Geschlechterverhältnisse. Gender- und migrationssensible Forschung am DJI. In: DJI Bulletin 62, 2
Bednarz-Braun, Iris (Hrsg.) (2001): Mädchen und junge Frauen in der Migration. In: Bundeszentrale für politische Bildung / Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Interkulturalität in Bildung und Ausbildung. Dokumentation der Fachtagung 28. Juni bis 1. Juli 2001 in Bad Urach, 63-73
Bendit, Rene (1997): Wir wollen so unsere Zukunft sichern. Der Zusammenhang von beruflicher Ausbildung und Lebensbewältigung bei jungen Arbeitsmigranten in Deutschland, Aachen: Shaker Verlag
Berg, Ulrike / Jampert, Karin (2001): Mit den Augen der Kinder. Ergebnisse einer Kinderbefragung in Migrantenfamilien. Elternbroschüre. Deutsche Fassung. München: Deutsches Jugendinstitut
Berg, Ulrike / Jampert, Karin (2004): Mit den Augen der Kinder. Deutsch-russische Fassung. Elternbroschüre. München Deutsches Jugendinstitut
Berg, Ulrike / Jampert, Karin (2001): Mit den Augen der Kinder. Deutsch-Türkische Fassung
Elternbroschüre. München: Deutsches Jugendinstitut
Berg, Ulrike / Jampert, Karin (2001): Mit den Augen der Kinder. Deutsch-Italienische Fassung
Elternbroschüre. München: Deutsches Jugendinstitut
Berg, Ulrike / Jampert, Karin / Zehnbauer, Anne (2000): Wie Kinder multikulturellen Alltag erleben. Ergebnisse einer Kinderbefragung. München: Projektheft 4
Braun, Frank / Kupferschmid, Peter (2004): Soziale und berufliche Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch passgenaue Förderung. In: Migration und Soziale Arbeit, Heft 1, 19-29
Dannenbeck, Clemens (2002): Selbst- und Fremdzuschreibungen als Aspekte kultureller Identitätsarbeit. Ein Beitrag zur Dekonstruktion kultureller Identität. Opladen: Leske + Budrich
Dronkers, Jaap (2004): Migration und Arbeitsmarkt in den Niederlanden. Integration und Ausschluss von erster und zweiter Migrantengeneration. In: DISKURS Jg. 14, , Heft 2, 8-19
Erler, Wolfgang (2004): Migrantenfamilien als Motor der Integration in der Einwanderungsgesellschaft. Bausteine für einen ressourcenorientierten Ansatz. In: Krüger-Potratz, Marianne (Hrsg.): Beiträge der Akademie für Migration und Integration. Göttingen, 49-72
(2000) Familien ausländischer Herkunft in Deutschland. Band I: Empirische Beiträge zur Familienentwicklung und Akkulturation. Opladen: Leske + Budrich, Reihe: Materialien zum 6. Familienbericht
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Förster, Heike / Skrobanek, Jan (2005): Leben am Rande? Dimensionen der Benachteilung von marginalisierten Jugendlichen - eine explorative Studie. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft Jahrg.: 8, Heft 1
Gaupp, Nora / Hofmann-Lun, Irene / Lex, Tilly / Mittag, Hartmut / Reißig, Birgit (2004): Schule - und dann? Erste Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung von Hauptschülerinnen und Hauptschülern in Abschlussklassen. Forschungsschwerpunkt Übergänge in Arbeit. Deutsches Jugendinstitut, München/Halle
Haubrich, Karin (2000): Niedrigschwellige und aufsuchende Ansätze in der Migrationssarbeit zur beruflichen und gesellschaftlichen Integration. In: Jugend, Beruf, Gesellschaft, Jg. 51, Heft 1, 16-22
Haubrich, Karin / Vossler, Andreas (2001): Das Modellprogramm "Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozialarbeit im Sozialraum" - Erste Ergebnisse und Erfahrungen. In: BAG JAW (Hg.):Jugend-Beruf-Gesellschaft, Arbeitsdruck 39. Sozialanalyse, 22-33
Haubrich, Karin / Vossler, Andreas (2002): Auf dem Weg zur Migrationsfachstelle. Erfahrungen aus dem Bundesmodellprogramm "Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozialarbeit im Sozialraum". In: Zeitschrift für Migration und soziale Arbeit (iza), 50-53
Haubrich, Karin (2001): Vom Jugendgemeinschaftswerk zur Fachstelle für Integration. Vom Jugendgemeinschaftswerk zur Fachstelle für Integration (Vortrag). Deutsches Jugendinstitut
Jampert, Karin (2004): Die Bedeutung der Erstsprache für Zuwandererkinder. In: Recht der Jugend und des Bildungswesens (RdJB), Zeitschrift für Schule, Berufsbildung und Jugenderziehung, Heft 1
Jampert, Karin (2002): Schlüsselsituation Sprache. Spracherwerb im Kindergarten unter besonderer Berücksichtigung des Spracherwerbs bei mehrsprachigen Kindern. Opladen: Leske + Budrich 2002
Jampert, Karin (2001): Schlüsselsituation Sprache. Spracherwerb im Kindergarten unter besonderer Berücksichtigung mehrsprachiger Kinder. In: DISKURS, Jg. 11, Heft 3, 60-68
Gogolin, Ingrid (2005): Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund: Herausforderungen für Schule und außerschulische Bildungsinstanzen. In: Sachverständigenkommission Zwölfter Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.): Kompetenzerwerb von Kindern und Jugendlichen im Schulalter. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut, Reihe: Materialien zum Zwölften Kinder- und Jugendbericht / 3
Kleinert, Corinna (2000): Einstellungen gegenüber Migranten. In: Gille, Martina / Krüger, Winfried (Hrsg.): Unzufriedene Demokraten. Politische Orientierungen der 16- bis 29jährigen im vereinigten Deutschland. DJI Jugendsurvey, Opladen: Leske + Budrich 2002, 355-379
Liebel, Manfred (2003): Neue Nomaden. Jugendliche an den Grenzen Mittel- und Nordamerikas. In: DISKURS Jg. 13, Heft 3, 69-78
Neumann, Ursula (2005): Kindertagesangebote für unter sechsjährige Kinder mit Migrationshintergrund. In: Sachverständigenkommission Zwölfter Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.)
Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern unter sechs Jahren. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut. Reihe: Materialien zum Zwölften Kinder- und Jugendbericht / 1
Mögling, Tatjana (1999): Aussiedlerjugendliche: Migration und Hilfen zur beruflichen Integration. Werkstattbericht. München/Leipzig: Deutsches Jugendinstitut
Otyakmaz, Berrin Özlem u.a. (2002): Migration und Mädchenarbeit. In: Sachverständigenkommission 11. Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.): Mädchen- und Jungenarbeit - Eine uneingelöste fachliche Herausforderung. Der 6. Jugendbericht und zehn Jahre Paragraph 9.3 im Kinder- und Jugendhilfegesetz. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut. Reihe: Materialien zum 11. Kinder- und Jugendbericht / Band 3
Reißig, Birgit / Gaupp, Nora / Lex, Tilly (2004): Hoffnungen und Ängste - Jugendliche aus Zuwandererfamilien an der Schwelle zur Arbeitswelt. Längsschnittstudie zum Übergang Schule - Beruf. In: DJI Bulletin, Heft 69, 4-7
Renner, G.(2002): Kinder ausländischer Eltern in der Jugendhilfe. In: Sachverständigenkommission für den 11. Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.): Migration und die europäische Integration. Materialien zum 11. Kinder- und Jugendbericht. München
Sachverständigenkommission 11. Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.) (2002): Migration und die europäische Integration. Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut
Sachverständigenkommission 10. Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.) (1999): Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Kinder in Aussiedlerfamilien und Asylbewerberfamilien - alleinstehende Kinderflüchtlinge. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut
Schittenhelm, Karin / Granato, Mona (2003): "Geschlecht" und "Ethnizität" als Kategorien der Jugendforschung. Junge Migrantinnen heute und die Differenzierung einer Lebensphase. In: DISKURS Jg. 13, Heft 2, 59-66
Skrobanek, Jan (2006): Perceived Discrimination, Ethnic Identity and Ethnic Mobilisation. The Case of Young Turkish Migrants in Germany. (geplanter Veröffentlichungsort: Ethnic and Racial Studies)
Skrobanek, Jan (2006): Does failure in the transition from school to work lead to ethnic self-exclusion? (geplanter Veröffentlichungsort: Journal of Ethnic and Migration Studies)
Vossler, Andreas / Obermaier, Andrea M. (2003): Netze knüpfen - Integration fördern. Evaluationsstudie zum Bundesmodellprogramm "Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozialarbeit im Sozialraum". Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung. München
Vossler, Andreas / Obermaier, Andrea M. (2003): Leitfaden für die Weiterentwicklung der Jugendgemeinschaftswerke zu Jugendmigrationsdiensten. Auszug aus dem Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung des Bundesmodellprograms. München
DJI Online / Stand: 1. Juli 2006
Blick von Aussen I
von Dr. Mona Granato, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn
Granato, Mona (2006): Zunehmende Chancenungleichheit für junge Menschen mit Migrationshintergrund – auch in der beruflichen Bildung? In: Auernheimer, Georg (Hrsg.): Schieflagen im Bildungssystem. Die Benachteiligung der Migrantenkinder. Leske & Budrich. Opladen
Uhly, Alexandra; Granato, Mona (2006): Werden ausländische Jugendliche aus dem dualen System der Berufsausbildung verdrängt?. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis. Heft 3.
Ulrich, Joachim Gerd; Granato, Mona (2006): „Also, was soll ich noch machen, damit die mich nehmen?“ Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Ausbildungschancen. In: Friedrich-Ebert-Stiftung/ Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Bonn. (download Stand 28.06.06) Der „Blick von außen I“ ist eine erweiterte Fassung eines Beitrags, der unter gleichem Titel erschienen ist in: Libbi, Maurizio; Bergmann, Nina; Califano, Vincenzo (Hrsg.) (2006): Berufliche Integration und plurale Gesellschaft. Zur Bildungssituation von Menschen mit italienischem Migrationshintergrund in Deutschland. DGB Bildungswerk. Bereich Migration und Qualifizierung (Bezug unter: migration@dgbbildungswerk.de). Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn ist ein national und international anerkanntes Kompetenzzentrum zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Ziele seiner Forschungs-, Entwicklungs- und Beratungsarbeit sind, Zukunftsaufgaben der Berufsbildung zu identifizieren, Innovationen in der nationalen wie internationalen Berufsbildung zu fördern und neue praxisorientierte Lösungsvorschläge für die berufliche Aus- und Weiterbildung zu entwickeln.
Weitere Informationen des BIBB zum Thema Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen Download
Kontakt
Dr. Mona Granato, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn
Mail: granato@bibb.de
Links DJI Schwerpunktthemen
DJI Projekte DJI Thema 11/05 Jugendliche in der Einwanderungsgesellschaft
DJI Thema 2/05 Sprachliche Bildung in der KITA
DJI Thema 10/04 Schule - und dann?
Determinanten der beruflichen und sozialen Integration und ethnischer Selbstausgrenzung bei jugendlichen Zuwanderern
Laufzeit: Juli 2005 - Juni 2007
In Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien wird vor der Entstehung so genannter "Parallelgesellschaften" gewarnt, insbesondere im Hinblick auf Immigranten. Diese "Parallelgesellschaften" sind unter anderem gekennzeichnet durch ein unzureichendes Bildungsniveau bei Kindern, den Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten bei Jugendlichen, eine hohe Arbeitslosigkeitsrate bei jungen Erwachsenen, eine hohe Kriminalitätsrate, häufigen Vandalismus und - nicht zuletzt - einem Trend zu ethnisch bedingter Selbstausgrenzung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Diese Langzeitstudie untersucht deswegen die Integration und die Selbstausgrenzung unter jungen Leuten aus Zuwanderungsfamilien während ihres Überganges vom Schul- zum Berufsleben.
Welche Beziehungen bestehen zwischen kulturellen Botschaften von Institutionen und Einzelpersonen, die am Übergang von der Schule zum Beruf beteiligt sind. Welche Schlüsse ziehen die jungen Einwanderer aus diesen Botschaften insbesondere im Hinblick auf ihre Schulbildung, beruflichen Entscheidungen und Berufsausbildung?
Die auf diese Art und Weise erworbenen Einblicke sollen Institutionen und ihren Mitarbeitern helfen, die Tragweite pädagogischer und verwaltungstechnischer Handlungen in Bezug auf Integration und Ausgrenzung besser zu verstehen.
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Interethnische Beziehungen zwischen jungen und älteren FacharbeiterInnen in Großbetrieben Interkulturalität und Generation
Laufzeit: Januar 2006 Dezember 2007
Ausgehend von unterschiedlich ausgeprägten interkulturellen Kompetenzen und (Vor-) Erfahrungen jüngerer und älterer FacharbeiterInnen, besteht das Projektziel darin, Handlungsspielräume und Barrieren ihrer interkulturellen Zusammenarbeit im Betrieb zu analysieren, um auf dieser Basis betriebliche Maßnahmen zur nachhaltigen Förderung der interethnischen Beziehungen zu entwickeln. Dazu ist geplant, den interkulturellen und intergenerationellen Integrationsprozess junger und älterer FacharbeiterInnen unter ganz normalen Produktionsbedingungen in drei industriellen Großbetrieben zu untersuchen, die eine generationenübergreifende und zugleich interethnisch strukturierte Belegschaft beschäftigen. Auf der Grundlage qualitativer Interviews mit jüngeren und älteren FacharbeiterInnen werden empirisch gestützte Betriebsanalysen durchgeführt und darauf beruhend in Kooperation mit betrieblichen AkteurInnen zielgerichtete Maßnahmen zur Förderung der interkulturellen Zusammenarbeit im Betrieb entwickelt. Der Umsetzungsprozess der Maßnahmen wird wissenschaftlich begleitet und die Projektergebnisse werden in einem der Praxis zugänglichen Handbuch dokumentiert.
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Auszubildende und junge ArbeitnehmerInnen werden aktiv!
Strategien und Maßnahmen von Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) zur Förderung der interkulturellen Beziehungen unter Auszubildenden in industriellen Großbetrieben
Laufzeit: Januar 2003 - Dezember 2005
Ziel des Projekts ist es, in einem ersten Schritt die interkulturellen Beziehungen unter männlichen und weiblichen Auszubildenden unterschiedlicher Herkunftskultur empirisch zu untersuchen und zu analysieren, um Einblicke in den potenziellen Handlungsbedarf und die gegebenenfalls bereits entwickelten Fördermaßnahmen sowie Problemlösungsstrategien der JAV zu erhalten. Dazu werden in vier industriellen Großbetrieben mündliche Befragungen von Auszubildenden, Mitgliedern der JAV, BetriebsrätInnen, AusbilderInnen und Ausbildungsleitungen durchgeführt und durch schriftliche Befragungen aller Auszubildenden in den ausgewählten Betrieben ergänzt.
In einem zweiten Schritt haben die Auszubildenden und deren JAV die Möglichkeit, auf der Basis der empirisch fundierten Betriebsanalysen zielgerichtete und adressatenspezifische Maßnahmen und Aktivitäten zu entwickeln, die der Förderung der interkulturellen Beziehungen unter Auszubildenden dienen und ein Arbeiten und Leben in kultureller Vielfalt unterstützen. Dazu werden nicht nur entsprechende Workshops durchgeführt, sondern darüber hinaus wird der Umsetzungsprozess der betrieblichen Maßnahmen im dritten Schritt wissenschaftlich begleitet.
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EGRIS
Evaluation of employment policies for young adults in Europe regarding non-intended effects of social exclusion
Laufzeit: März 1998 - Februar 2001
Allgemeines Ziel des thematischen Netzwerkes ist es, einen Beitrag zur Verbesserung vorhandenen Wissens zu Mechanismen der sozialen Ausgrenzung von jungen Frauen und Männern in der Europäischen Union zu leisten. Dabei sollen im Kontext dieses Netzwerkes genauer die Auswirkungen von Maßnahmen und Beschäftigungspolitiken in bestimmten europäischen Regionen Europas analysiert werden. Ausgangshypothese ist, dass die überall in Europa zu konstatierenden hohen Arbeitslosenraten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen u.a. auch durch desintegrierende Effekte solcher Maßnahmen und Politiken verursacht werden.
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Inklusionsstrategien für junge Aussiedler im Übergang Schule Beruf
Laufzeit: 01.11.2005 - 30.06.2008
Ein Teil der nicht in Deutschland geborenen Aussiedlerjugendlichen ist im Übergang Schule Beruf von einer dauerhaften Ausgrenzung von Erwerbsarbeit und gesellschaftlicher Teilhabe bedroht. Diese Jugendlichen haben eine überdurchschnittlich hohe Wertschätzung für Berufsausbildung und Erwerbsarbeit. Gleichzeitig ist für sie das Risiko besonders groß, dass der Einstieg in Ausbildung und Erwerbsarbeit misslingt. Zielsetzung des Projekts ist die Untersuchung bestehender Integrationsangebote für junge Aussiedlerinnen und Aussiedler und deren Nutzen für die berufliche und soziale Integration an der Nahtstelle zwischen Schule und Beruf.
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Migration und Geschlechterverhältnisse
Laufzeit: September 2000 - Februar 2003
Wie werden Geschlechterverhältnisse unter Migrationsbedingungen sozial konstruiert? Welche Teilhabechancen haben weibliche und männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft? Welche Formen interethnischer Beziehungen bilden sich heraus?
Ziel des Projektes war es, innerhalb der Abteilung Geschlechterforschung und Frauenpolitik einen neuen Forschungsstrang zu entwickeln und aufzubauen, der die soziale Situation und die Genese unterschiedlicher Lebenslagen und -perspektiven von jugendlichen MigrantInnen in der Bundesrepublik unter geschlechterspezifischen Gesichtspunkten ins Zentrum des Forschungsinteresses rückt.
Zur Fundierung des neuen Forschungsstrangs und der Entwicklung empirisch zu bearbeitender Fragestellungen und künftiger Forschungsprojekte wird der Forschungsstand in der Bundesrepublik Deutschland und in den angelsächsischen Ländern (USA und Großbritannien) in Form einer Sekundäranalyse ausgewertet. Dabei geht es einerseits um die Rezeption und Reflexion theoretischer Konzepte zur sozialen Konstruktion von Geschlecht und Ethnie. Andererseits wird der empirische Kenntnisstand zu zentralen Lebensbereichen wie Familie, Schule, Berufsausbildung und Freizeit aufbereitet, um bestehende Forschungsdesiderate aufzuzeigen.
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Der soziale Nahraum in seiner Integrationsfunktion für Familien ausländischer Herkunft - ein innovativer Ansatz der Familienbildung
Laufzeit: Juli 2001 - Dezember 2002
Familien mit Migrationshintergrund werden von den Angeboten der Familienbildung bisher kaum erreicht. In diesem Projekt wurden auf empirischer Basis Handlungsbausteine zur Förderung von Familien mit Migrationshintergrund bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung entwickelt. Zu den Bausteinen gehörte auch die Erprobung neuer Träger- und Partnerschaftsformen sowie die Entwicklung zielgruppengerechter und aktivierender Instrumente. Als wesentlicher Bestandteil eines ressourcenorientierten Ansatzes wurde die "Kompetenzbilanz für MigrantInnen - eine Checkliste zum Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten" entwickelt.
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Integrationsprozesse bei Aussiedlerfamilien aus Staaten der ehemaligen UdSSR
Laufzeit: Dezember 1998 - Januar 2000
Das Projekt erforschte die Integrations-Verläufe von Aussiedler-Familien, die 1998/99 aus Russland und Kasachstan einreisten. Diese Population der Aussiedler/innen hat sich in den 1990er Jahren grundlegend verändert. Zusammen mit erheblich gewandelten Integrationsbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland führt(e) dies zu erschwerten Bedingungen und damit einem erhöhten Risiko für die Integration von AussiedlerInnen, die ganz überwiegend im Familienzusammenhang einwander(te)n.
Das Erkennen von Entwicklungen bei der Integration verschiedener Gruppen, besonders Eltern/Kinder, Männer/Frauen, Jungen/Mädchen soll die Grundlagen für die Praxis von Beratung und Begleitung erweitern, um spezifische Integrationshilfen für Aussiedlerfamilien und deren Mitglieder weiter zu entwickeln.
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Multikulturelles Kinderleben in unterschiedlichen regionalen Bezügen
Laufzeit: Januar 1997 - Dezember 2000
Leitfragen des Forschungsprojekts waren: Wie handeln Kinder ohne deutschen Pass in einem sozialen Milieu, das durch Multikulturalität geprägt ist? Wie gestalten sie ihre Freundschaftsnetze, und wie nutzen sie die kinderkulturelle Infrastruktur ihres Wohnumfeldes?
Mit der Methode der Kinderbefragung wurde die Beantwortung dieser Fragen an die Kinder selbst weitergegeben. Es ging sowohl darum, wie Kinder die kulturelle Vielfalt ihrer Umgebung wahrnehmen, als auch um die individuellen Umgangsformen, die sich am Handeln der Kinder erkennen lassen.
Ausgangspunkt war die Perspektive der Kinder bei Aspekten, die für ihr alltägliches Handeln wichtig sind, wie ihre Freundschaftskontakte, ihre Aktivitäten im Umfeld und in der Familie. Was bedeuten Kultur und unterschiedliche Herkunft für die Kinder praktisch, ob und wo bemerken sie Unterschiede, welche Kulturvermischungen oder auch kulturelle Abgrenzungen nehmen sie vor und welche Bedingungen machen sich in ihrem regionalen Lebensumfeld und in ihrem Aktivitätsspielraum bemerkbar.
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Jugendliche aus Migrantenfamilien an der Schwelle zur politischen Partizipation
Griechische, italienische und türkische Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland
Laufzeit: Mai 1996 - Dezember 1999
Drei Migranten-Populationen in Deutschland stellen rund 42% der Wohnbevölkerung mit ausländischer Staatszugehörigkeit: Italiener, Griechen und Türken. Ende 1998 lebten rund eine halbe Million junger Erwachsener im Alter von 18 bis 25 Jahren in Deutschland: rund 83.000 Italiener, 53.000 Griechen und 360.000 Türken. Es ist ein historisch neues Phänomen in Deutschland, dass sich eine junge Generation dieser zahlenmäßigen Größenordnung mit (bisher) ausländischer Staatszugehörigkeit mit einem für sie mehrheitlich zutreffenden "Lebensmittelpunkt in Deutschland" an der altersspezifischen Schwelle befindet, ihren Schritt in eine vom Elternhaushalt abgelöste Lebensform zu vollziehen, in berufliche Qualifizierung und Beschäftigung und in die weitere soziokulturelle und politische Zugehörigkeit zur Gesellschaft in Deutschland.
Der sogenannte "Ausländersurvey" befasst sich mit folgenden Fragen: Wie nehmen die Jugendlichen aus Migrantenfamilien ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft in Deutschland wahr? Inwieweit unterscheiden sich ihre politischen Einstellungen, ihr Interesse an politischer Mitsprache und Mitgestaltung, ihr Vertrauen in zentrale gesellschaftliche Institutionen in Deutschland von denen der deutschen Jugendlichen/jungen Erwachsenen dieser Alterskategorie? Welchen Einfluss haben das migrationsspezifische Handlungsfeld, die Bildungssituation, die Sprachkompetenzen, der Wunsch nach eigenethnischen infrastrukturellen Einrichtungen, die Erfahrungen von Benachteiligung, die Kontakte zu Deutschen auf die politischen Einstellungen und Engagements?
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Sprachliche Förderung in der Kita
Laufzeit: Februar 2005 - Januar 2006
Das Projekt erarbeitet ein Grundlagenkonzept für Kindertageseinrichtungen im Elementarbereich, das die Vernetzung einer systematischen sprachlichen Unterstützung von Kindern mit klassischen und innovativen Angeboten aus dem vorschulischen Bildungsspektrum zum Gegenstand hat. Dieser Ansatz zielt darauf, sprachliche Fähigkeiten in ihrer entwicklungsdynamischen und differenzierten Funktion für das kindliche Handeln und Denken sichtbar zu machen, deren Qualität von einem anregungsreichen Umfeld abhängt, in dem sich kindliche Neugierde, Lust an Bewegung und am Erforschen der Umgebung entfalten können. Ausgangspunkt des Vorhabens ist es, Kinder als aussagekräftige und lernbereite Persönlichkeiten im Gesamt ihrer Entwicklung zu begreifen.
Im Projekt soll ein Sprachförderkonzept entwickelt werden, das sich auf alle Kinder einer Einrichtung bezieht und die gesamte dreijährige Besuchszeit der Einrichtung umfasst. Auf dieser Grundlage aufbauend werden auch mehrsprachige Lebenssituationen sowie entwicklungs- und geschlechtsspezifische Aspekte berücksichtigt.
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Schlüsselkompetenz Sprache
Bundesweite Recherche zu Maßnahmen und Aktivitäten im Bereich der sprachlichen Bildung und Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder
Laufzeit: August 2003 - Juli 2004
Angestoßen durch die Ergebnisse der PISA-Studie hat der gesellschaftliche Diskurs um sprachliche Bildung und Sprachförderung einen hohen Stellenwert erlangt. Institutionen wie Schule und Kindertagesstätte sind in die Verantwortung genommen: Sprachliche Bildung soll möglichst früh beginnen und betrifft alle Kinder. Dem Anspruch folgend wurden bundesweit zahlreiche Maßnahmen, Konzepte und Projekte im Bereich der sprachlichen Bildung und Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder entwickelt. Sich in diesem "Angebotsdschungel" zurecht zu finden und den Überblick zu bewahren, ist für pädagogische Fachkräfte und Träger nicht leicht.
Ziel des Projektes war es, einen Überblick zu erstellen, der die vorhandenen Maßnahmen, Konzepte und laufenden Projekte zur sprachlichen Bildung und Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder systematisch nach ihren jeweiligen Inhalten, Zielen, Methoden und Umsetzungsmöglichkeiten beschreibt. Der Fokus richtet sich dabei auch auf Möglichkeiten einer regionalen Vernetzung sowie einer Kooperation unterschiedlicher Ansätze. Mit diesem Leitfaden soll insbesondere pädagogischen Fachkräften eine Orientierungshilfe an die Hand gegeben werden, die sie dabei unterstützt, ein Förderkonzept auszuwählen oder sich zu kombinieren, das den Voraussetzungen ihrer Einrichtung und den Bedürfnissen ihrer Kinder entgegenkommt und angemessen ist.
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Jugendhilfeleistungen zwischen Sozial-, Ausländer- und Jugendhilfegesetzgebung
Laufzeit: August 2004 - Dezember 2007
Anhaltend hohe Arbeitslosenzahlen und gravierende Probleme im Bereich Arbeit und Ausbildung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, fortdauernde Finanzknappheit der öffentlichen Haushalte mit Auswirkungen auf fast alle sozialpolitischen Bereiche haben Auswirkungen auf die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Sie legen den Schluss nahe, dass gerade auch das Zusammenwirken der verschiedenen Gesetzgebungen zu Effekten bei der Inanspruchnahme von Jugendhilfeleistungen führt, die auf einer mangelnden Passgenauigkeit bzw. Inkompatibilitäten zwischen den Gesetzen beruhen. Diese führen wiederum zu bedeutenden "Kollisionen" zwischen den Gesetzen oder den Gesetzessystemen.
In diesem weit angelegten Projektrahmen hat die Explorationsstudie zum Ziel, die Zuwanderungsgesetzgebung mit dem SGB VIII - Kinder- und Jugendhilfe - und insbesondere mit denjenigen Bestimmungen des SGB VIII, die sich auf Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund beziehen, in Beziehung zu setzen.
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Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozialarbeit im Sozialraum
Laufzeit: April 2000 - März 2003
Das Projekt beinhaltete die Programmevaluation von elf Modellprojekten. Ziel der Projekte war es, die Einrichtungen der Jugendsozialarbeit als zentrale Ansprechpartner für alle jungen Menschen mit Migrationshintergrund weiter zu entwickeln und durch Vernetzung und Einflussnahme auf kommunale Planungsprozesse eine Verbesserung der regionalen Angebotsstruktur für junge MigrantInnen zu erreichen. Hierzu wird eine Öffnung der Einrichtungen und Dienste im Sozialraum für junge MigrantInnen sowie die Etablierung bzw. Weiterentwicklung interkultureller Netzwerkstrukturen durch die beteiligten Modellprojekte angestrebt.
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Kinderpanel. Wie wachsen Kinder auf?
Laufzeit: Januar 2001 - Juni 2006
Kinder leben heute bedingt durch den ökonomischen, familienstrukturellen und gesellschaftlichen Wandel in einer neuen Situation. Ihr Möglichkeitsraum hat sich in mancherlei Hinsicht erweitert (z.B. durch die Kommunikationsmedien), in anderer Hinsicht verengt (z.B. durch die Geschwisterzahl). Viele Kinder sind früh gefordert, selbstständig zu handeln und eigene soziale Bezüge aufzubauen.
Wie es ihnen gelingt, ihren Lebensraum und soziale Beziehungen zu gestalten, ist abhängig von der Entwicklung ihrer Persönlichkeit im Kontext ihrer jeweiligen Lebenslagen. Dabei greifen sie auf personale, ökonomische und soziale Ressourcen zurück, die aber räumlich ungleich verteilt sind. Die Studie verfolgt einen doppelten Zweck: zum einen versucht sie, im Sinne einer Sozialberichterstattung die Lebenslagen von Kindern differenziert zu beschreiben. Zum anderen wird versucht, Einflüsse unterschiedlicher Lebenslagen auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder nachzuzeichnen.
Als Ergänzung zum Kinderpanel wurde eine Zusatzbefragung von insgesamt 500 Kindern und ihren Eltern durchgeführt, die entweder aus der ehemaligen Sowjetunion stammen oder in denen das Kind die türkische Staatsbürgerschaft als 1. oder 2. Staatsbürgerschaft besitzt. Auch hier können die eingesetzten Fragebögen abgerufen werden.
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Jugendsurvey 3. Welle
Laufzeit: Januar 2001 - September 2006
Die 3. Welle des Jugendsurveys, die von August 2003 bis Januar 2004 im Feld war, setzt die Beobachtung der Lebensverhältnisse Jugendlicher und junger Erwachsener fort. Sie greift - insbesondere durch die Einbeziehung der 12- bis 15-Jährigen und nicht-deutscher Jugendlicher und junger Erwachsener - die Themenbereiche Herkunftsfamilie und Schule sowie den Migrationshintergrund als neue Befragungsthemen auf.
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Geschäftsführung Sechster Familienbericht der Bundesregierung
Über die besondere Situation der Familien ausländischer Herkunft in Deutschland
Laufzeit Januar 1996 - Dezember 1999
Der Sechste Familienbericht ist ein Spezialbericht über die besondere Situation der Familien ausländischer Herkunft in Deutschland. Es handelt sich dabei um den ersten in der Geschichte der vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Berichte, der sich explizit der Wohnbevölkerung ausländischer Herkunft in Deutschland zuwendet.
Die Geschäftsführung war für die organisatorische und verwaltungsmäßige Durchführung und der Herstellung des Familienberichts verantwortlich. Hierzu gehörten u.a. die Vor- und Nachbereitung von Kommissionssitzungen, die Betreuung der ExpertisennehmerInnen sowie die organisatorische Durchführung von Expertenhearings und Zuarbeiten zu einzelnen Kommissionsmitgliedern. Neben der Aufbereitung bestimmter Themenbereiche, wie z.B. die demografische Entwicklung und räumliche Verteilung der Bevölkerung ausländischer Herkunft, das als eigenverantwortliches Teilkapitel in den Familienbericht aufgenommen wurde, führte sie Recherchen im In- und Ausland zum Alltagsleben und Good-Practise-Beispielen in Kommunen durch. Darüber wurde eine Expertise mit dem Titel "Zur Situation von Familien ausländischer Herkunft im Spiegel der Praxis" verfasst und in Band 2 der Materialien zum Familienbericht veröffentlicht und für den Familienbericht das Kapitel V.4 "Selbsthilfepotenziale von Familien ausländischer Herkunft und ihre Netzwerke" eigenverantwortlich geschrieben.
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Nationaler Bildungsbericht
Laufzeit: Oktober 2004 - April 2006
Wie tragen die Bildungseinrichtungen dazu bei, dass Kinder ein selbstbestimmtes Leben in einer freien und solidarischen Gesellschaft führen und ihre Lebensräume erweitern können? Helfen sie, Chancengleichheit in den Bildungsverläufen herzustellen und systematische Benachteiligungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedlicher sozialer Herkunft zu vermeiden? Welchen Beitrag leisten Bildungssysteme für die nationale Wohlfahrt, für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Ländern und Regionen? Und wie fördern sie den sozialen und politischen Zusammenhalt in einer Gesellschaft? Die Bildungsberichterstattung will solche drängenden Fragen auf der Basis nachprüfbarer Indikatoren besser diskutierbar machen. Zugleich soll sie als Handlungsgrundlage für bildungspolitische Entscheidungen dienen.
Im Blick ist das Bildungssystem als Ganzes. Der Bericht richtet sich am Leitgedanken der Bildung im Lebenslauf aus und erfasst deshalb sämtliche Bildungsbereiche - die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung, das Schulwesen, die berufliche Bildung, Weiterbildung und Hochschule - und schließt darüber hinaus auch die non-formalen und informellen Lernwelten mit ein.
Dabei geht es nicht darum, das Bildungssystem in all seinen Facetten zu erfassen. Die Bildungsberichterstattung will vielmehr wichtige Daten und Entwicklungen im Bildungswesen der Bundesrepublik Deutschland darstellen und den Blick in erster Linie auf solche Themen richten, die für eine Dauerbeobachtung des Bildungswesens relevant sind. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei das Thema Migration.
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Übergangspanel
DJI Forschungsschwerpunkt Übergänge in Arbeit
Laufzeit: Juli 2003 - Dezember 2006
Im Übergangspanel wird ein theoretisches und methodisches Konzept zur Erfassung und Analyse von Bildungs-, Ausbildungs- und Erwerbsverläufen von Jugendlichen mit Benachteiligungen entwickelt. Das Projekt verfolgt das Ziel, aus drei quantitativen Panels zu den Übergangsverläufen von der Schule in Ausbildung und Erwerbsarbeit von benachteiligten Jugendlichen in Drittmittelprojekten des Forschungsschwerpunkts einen Fundus von Daten zu generieren, die die Analyse von Zusammenhängen von sozialer Herkunft, Lebenslagen, Schulkarrieren und Prozessen der beruflichen und sozialen Integration, aber auch der sozialen Ausgrenzung ermöglichen. Grundlage der Analyse bilden Paneldaten aus Drittmittelprojekten: "Freiwilliges Soziales Trainingsjahr FSTJ", "Kompetenzagenturen" und "Netzwerk Prävention von Schulmüdigkeit und Schulverweigerung".
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SINTEGRA Datenbank
Gute Beispiele der sozialen Integration marginalisierter Jugendlicher
Laufzeit: 01.01.2005 - 31.12.2007
Für Fach- und Leitungskräfte in lokalen Projekten und Initiativen der Kinder- und Jugendhilfe, in Politik und Arbeitsverwaltung wird eine über die DJI-Website zugängliche Datenbank aufgebaut, in der systematisch aufbereitete "gute Beispiele" der sozialen Integration marginalisierter Jugendlicher präsentiert werden. Dieser Projektepool kann als Informationsquelle, Arbeitsmittel und Impuls für innovative lokale Praxisprojekte genutzt werden, die an der Entwicklung und Umsetzung neuer Methoden und Strategien zur Inklusion von sozial ausgegrenzten Jugendlichen arbeiten.
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Entimon - gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus
Laufzeit: Januar 2002 - Dezember 2006
In Reaktion auf rechtsextreme Übergriffe auf Menschen in West- und Ostdeutschland sowie aufgrund von Anschlägen auf Synagogen und Schändungen jüdischer Friedhöfe hat die Bundesregierung im Jahr 2001 das zunächst einjährige Aktionsprogramm "Maßnahmen gegen Gewalt und Rechtsextremismus" (MaReG) aufgelegt, das im Jahr 2002 unter dem Namen "Entimon" fortgesetzt wurde. Der Programmname "Entimon" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Würde" oder "Respekt". Der Schwerpunkt des Programms liegt auf der Förderung von Projekten, die im Rahmen der politischen Bildung innovative und modellhafte Praxisansätze entwickeln und umsetzen.
Zu dem Aktionsprogramm gehört als integraler Bestandteil die wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung des Programms. Das BMFSFJ hat das Deutsche Jugendinstitut e.V. mit dieser Aufgabe betraut. Die Begleitung des Programms findet in direkter inhaltlicher Abstimmung mit dem fachlichen Programmbeirat von "Entimon" statt.
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DJI Online / Stand: 1. Juli 2006
Veranstaltung 27. Juli 2006
DJI Regionaltagung in München
Anmeldeformular (PDF)
Herausforderung Integration
Bessere Bildungs- und Berufschancen für Jugendliche aus Zuwandererfamilien
Spätestens seit dem Hilferuf der Berliner Rütli-Schule ist die Debatte um die Integration und Ausbildung von Jugendlichen aus Zuwandererfamilien in Öffentlichkeit und Politik neu entfacht. Bildung und Arbeit sind Voraussetzungen für gesellschaftliche Integration schlechthin dies gilt in besonderem Maße für MigrantInnen. Die PISA- und die OECD-Studie haben gezeigt, dass Zuwandererkinder besonders schlechte Karten in unserem Bildungssystem haben. Sie verlassen die Schule in deutlich höherer Zahl ohne Abschluss als ihre deutschen MitschülerInnen. Der Anteil derjenigen ohne abgeschlossene Berufsausbildung ist dreimal so hoch wie bei deutschen Jugendlichen und an Universitäten sind sie deutlich unterrepräsentiert. Angesichts von Globalisierung und demografischer Entwicklung gehören die Steuerung der Zuwanderung und die Integration von ZuwanderInnen in Deutschland zu den wichtigsten Gestaltungsaufgaben der Gegenwart und der Zukunft. Integration ist dabei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei deren Bewältigung alle Beteiligten gefragt sind.
Programm
13.00 Uhr
Begrüßung
Dr. Johannes Grotzky, Hörfunkdirektor Bayerischer Rundfunk
Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor und Vorstand DJI
13.30 Uhr
Problemkids oder Potenzial:
Wie erfahren Jugendliche aus Zuwandererfamilien ihren Einstieg in Ausbildung und Arbeit?
Dr. Nora Gaupp, Psychologin, DJI München,
Dr. Jan Skrobanek, Soziologe, DJI Halle
13.50 Uhr
Gesprächsforum
Den Einstieg schaffen:
Was tun, damit die soziale und berufliche Integration gelingt?
Gespräch zwischen
drei jugendlichen HauptschülerInnen mit Migrationshintergrund
Dr. Nora Gaupp, Psychologin, DJI München
Dr. Jan Skrobanek, Soziologe, DJI Halle
Moderation: Sybille Giel, Bayerischer Rundfunk
14.15 Uhr
Miteinander arbeiten voneinander lernen:
Wie Azubis unterschiedlicher Herkunftskultur im betrieblichen Alltag miteinander auskommen.
Ergebnisse einer Befragung
PD Dr. Iris Bednarz-Braun, Soziologin und Dipl.-Volkswirtin, DJI München
14.30 Uhr
Interkulturelle Zusammenarbeit: Erfahrungsberichte aus der Praxis
Magdalene Kellner, Pädagogische Koordinatorin Ford Berufsausbildung Köln
Benjamin Gruschka, Jugendvertreter Ford-Werke Köln
Meltem Adams, Mitarbeiterin und ehemalige Auszubildende Ford-Werke Köln
Moderation: Sybille Giel, Bayerischer Rundfunk
15.00 Uhr
Fragen & Antworten
Abschließende Diskussionsrunde mit jugendlichen HauptschülerInnen, PD Dr. Iris Bednarz-Braun, DJI München, Magdalene Kellner, Meltem Adams und Benjamin Gruschka, Ford-Werke Köln
Moderation: Sybille Giel, Bayerischer Rundfunk
15.15 Uhr
Kaffeepause
Poster-Präsentation von Projekten
16.00 Uhr
Erfolgreiche Integration ist kein Zufall:
Bildung und Sprache, Beschäftigung und Dialog als kommunale Handlungsfelder
Claudia Walther, Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
16.30 Uhr
Podiumsdiskussion*
Gleiche Rechte gleiche Pflichten:
Wie kann Bildung für alle zugänglich gemacht werden?
Prof. Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor und Vorstand DJI, München
Prof. Dr. Ingrid Gogolin, Erziehungswissenschaftlerin, Universität Hamburg
Prof. Dr. Hartmut Esser, Soziologe und Migrationsforscher, Universität Mannheim
Nurgül Altuntas, Lehrerin, Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule Wiesbaden
Moderation: Jutta Prediger, Bayerischer Rundfunk
* Das Notizbuch auf Bayern2Radio sendet die Podiumsdiskussion
am Freitag, 28. Juli 2006, in der Zeit von 10.03 Uhr bis 12.00 Uhr.
Ende
DJI Online / Stand: 1. Juli 2006
Blick von Aussen II von Anke Settelmeyer, Karola Hörsch und Ralf Dorau
Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn
„Interkulturelle Kompetenzen von Fachkräften mit Migrationshintergrund“
Blick von Aussen II
von Anke Settelmeyer, Karola Hörsch und Ralf Dorau
Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn
Über die Schwierigkeiten von Personen mit Migrationshintergrund auf dem Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarkt ist dank entsprechender Untersuchungen viel bekannt. Sie prägen weithin das Bild von diesen Personen. Ihren Potenzialen wurde dagegen bislang wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Es werden zwar immer wieder ihre Mehrsprachigkeit und andere interkulturelle Kompetenzen hervorgehoben, aber die Hinweise hierzu sind meist so allgemein, dass keine differenzierten Aussagen möglich sind. Im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundesinstituts für Berufsbildung wandten wir uns ausdrücklich den interkulturellen Kompetenzen von Fachkräften mit Migrationshintergrund zu. Im Folgenden werden wir darstellen, welche dieser Kompetenzen unserer Analyse zufolge Fachkräfte im Berufsalltag einsetzen. Dem stellen wir gegenüber, welche dieser Kompetenzen sie selbst bzw. ihre Vorgesetzten wahrnehmen, wenn sie ausdrücklich darauf angesprochen werden.
Interkulturelle Kompetenzen werden im Rahmen dieses Forschungsprojekts als Zusatzqualifikationen verstanden, die vorhandenes Fachwissen ergänzen. Wir konzentrierten uns bei der Analyse der Interviews auf den Einsatz von Sprachkenntnissen, kulturspezifischem Wissen sowie auf Fähigkeiten und Kenntnisse, die sich aus interkulturellen Erfahrungen und der Reflexion entsprechender Themen, wie z.B. Integration, Bedeutung von Sprache und kulturelle Differenz, ergeben. Wir gehen zudem davon aus, dass Kultur in (Sprach-)Handlungen zum Ausdruck kommt. Daher führten wir in dieser qualitativen Studie leitfadengestützte Interviews mit Fachkräften mit Migrationshintergrund, die eine duale Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben und bereits über einige Jahre Berufserfahrung verfügen. Ergänzend wurden zum Teil auch deren Vorgesetzte befragt, um unterschiedliche Sichtweisen auf interkulturelle Kompetenzen herausstellen zu können. Wir wählten Berufe aus, bei denen in hohem Maße Kontakte zwischen Kunden/innen und Fachkräften stattfinden können und nationale bzw. internationale Einsatzmöglichkeiten dieser Kompetenzen potenziell vorhanden sind. Diese Berufe, die Personen mit Migrationshintergrund häufig erlernen, sind: Arzthelfer/in, Einzelhandels-, Speditions- und Groß- und Außenhandelskaufmann/frau. Insgesamt führten wir 38 Interviews mit Fachkräften und 17 mit Vorgesetzten.
Interkulturelle Kompetenzen im Berufsalltag
Im Rahmen der Interviews schilderten Fachkr&auseml;fte mit Migrationshintergrund und Vorgesetzte u.a. die Tätigkeiten, die tagtäglich an den jeweiligen Arbeitsplätzen anfallen und die Anforderungen, die damit verbunden sind. Dabei spielte auch der Umgang mit Patienten/innen bzw. Kunden/innen unterschiedlicher Herkunft eine Rolle. Diesen Schilderungen entnahmen wir, dass die befragten Fachkräfte über ihre fachspezifischen Fähigkeiten und Kenntnisse hinaus verschiedene Sprachen und kulturspezifisches Wissen einsetzen, in unterschiedlicher Hinsicht vermittelnd wirken und mit Diskriminierungen umgehen müssen.
- Einsatz der Sprachkompetenz und kulturspezifischen Wissens
Fachkräfte mit Migrationshintergrund nutzen ihre Erstsprache. Die befragten Arzthelferinnen übersetzen in erster Linie Arzt-Patient-Gespräche, was je nach Fachgebiet des Arztes und Schwere der Erkrankung des Patienten aufgrund des erforderlichen Fachvokabulars und der psychosozialen Belastungen mit hohen Anforderungen verbunden sein kann. Das Übersetzen erfordert Zeit und verlängert die Behandlung, was zu einem erheblichen Zeitdruck auf die Arzthelferin führen kann, die dabei überdies in erheblichem Maße Verantwortung für das Gelingen der Arzt-Patient-Kommunikation übernimmt. Die Arzthelferinnen setzen ihre Herkunftssprache darüber hinaus bei organisatorischen Tätigkeiten und zur Beruhigung und Betreuung der Patienten/innen ein. Vereinzelt erstellen sie darin schriftlich Krankenberichte und Gesundheitsatteste.
Einzelhandelskaufleute führen Verkaufsgespräche mit Kunden/innen gleicher Herkunft in der gemeinsamen Sprache und scheinen z.T. bevorzugt auch von Kunden anderer nichtdeutscher Herkunft angesprochen zu werden, wenn diese aufgrund von Verständigungsschwierigkeiten zögern, sich an eine/n deutsche/n Verkäufer/in zu wenden. Zum Teil ergänzen sie das Warensortiment entsprechend des Geschmacks dieser Kunden/innen. In größeren Häusern werden sie zu Verkaufsgesprächen auch in anderen Abteilungen hinzugerufen.
Speditions- und Außenhandelskaufleute führen Gespräche unterschiedlichster Art mit Kunden/innen, vom Small talk bis zum Geschäftsabschluss. Einige setzen ihre Erstsprache den ganzen Tag über ein. Schriftlich verfassen sie z.B. Verträge, Informationen an Kunden und füllen Zollformulare aus.
Alle Fachkräfte erweitern ihre erstsprachigen Kenntnisse entsprechend der beruflichen Anforderungen überwiegend selbst. Nur wenige haben an speziellen, nicht mehr existierenden Projekten teilgenommen, bei denen diese Kompetenzen ausbildungsbegleitend gefördert wurden. Arzthelferinnen berichten, wie schwierig es ist, Fachtermini in ihrer Erstsprache in Erfahrung zu bringen. Außenhandels- und Speditionskaufleuten scheint dies weniger Probleme zu bereiten. Allerdings müssen sie sich ggf. das für die Sachbearbeitung in der Erstsprache erforderliche Sprachniveau aneignen, das sich vom alltagssprachlichen Gebrauch in Elternhaus und Freundeskreis unterscheidet. In allen Untersuchungsberufen setzen die Fachkräfte neben Deutsch und der Erstsprache Englisch und weitere Fremdsprachen, z.B. Französisch und Arabisch, ein.
Kulturspezifisches Wissen spielt vor allem im Umgang mit Patienten/innen bzw. Kunden/innen gleicher Herkunft eine Rolle. Die befragten Fachkräfte wissen, wie sie diese Personen entsprechend geltender Konventionen ansprechen und einen guten Kontakt aufbauen und pflegen. Dadurch gelingt es ihnen offensichtlich leichter als deutschen Kollegen/innen, sie an die Praxis bzw. das Geschäft zu binden. Bei persönlichen Kontakten rundet die Körpersprache das angemessene Verhalten ab.
Die Sprach- und kulturellen Kenntnisse fließen auch ein in vermittelnde Tätigkeiten: Die Fachkräfte mit Migrationshintergrund vermitteln zwischen Firma und Kunden/innen, indem sie auf der einen Seite Wünsche bzw. Kritik der Kunden/innen entsprechender Herkunft im Unternehmen erklären, auf der anderen Seite Kunden/innen ausländischer Herkunft etwa bürokratische Abläufe in Deutschland nahe bringen. Dadurch räumen sie Unklarheiten und Missverständnisse aus. Zudem schlichten sie bei Konflikten zwischen Firma und Kunden/innen, erläutern auf Nachfragen von Kollegen/innen Spezifika ihres Herkunftslands und setzen sich ein für Verstehen und Verständnis von Kunden/innen gleicher Herkunft.
- Umgang mit Diskriminierungen
Einige Speditionskaufleute, insbesondere jedoch Arzthelferinnen und Einzelhandelskaufleute berichten von Diskriminierungen durch deutsche Kunden/innen am Arbeitsplatz. Ein Patient z.B. will nicht, dass Frau Z. ihm Blut abnimmt; eine Kundin kauft bereits ausgesuchte Kleidung nicht, weil sie auf Nachfrage feststellt, dass die Einzelhandelskauffrau türkischer Herkunft ist.
Die Befragten reagieren in unterschiedlicher Weise auf solche Vorkommnisse. Dabei spielt ihr äußeres Erscheinungsbild eine große Rolle. Soweit sie nicht am Äußeren als Ausländer/in erkannt werden, versuchen die Fachkräfte z.T. ihre ausländische Herkunft unsichtbar zu machen, indem sie ihr Namensschild ablegen oder großen Wert auf akzentfreies Sprechen legen. Ist dies nicht möglich, können sie Diskriminierungen nicht präventiv begegnen. Sie widersprechen oder nehmen die Diskriminierung hin. Einige versuchen, diese Angriffe mittels Leistung haltlos zu machen und den Kunden/innen zu zeigen, dass sie fachlich versierte und engagierte Mitarbeiter/innen sind.
Ein Teil der Fachkräfte benötigt demnach die Fähigkeit, mit Diskriminierungen umzugehen. Auch dies muss als Teil interkultureller Kompetenz der Fachkräfte angesehen werden.
Bedenklich ist, dass keine/r der Betroffenen erwähnt, in solch belastenden Situationen Unterstützung von Seiten der Vorgesetzten oder der Geschäftsleitung erhalten zu haben.
Die genannten Einsatzmöglichkeiten interkultureller Kompetenzen sind keine feststehende Größe, sondern können sich aufgrund persönlicher oder unternehmerischer Entscheidungen ändern: Durch gezielte Suche haben manche der Befragten einen Arbeitsplatz gefunden, an dem sie diese zusätzlichen Kompetenzen häufig benötigen. Auch durch Veränderungen im Unternehmen können Einsatzmöglichkeiten geschaffen werden bzw. verloren gehen.
Die Studie hat gezeigt, dass interkulturelle Kompetenzen in allen untersuchten Berufen und in unterschiedlicher Art und Weise zum Einsatz kommen können. Deutlich wurde auch, dass vor allem Arzthelferinnen Übersetzungshilfen für Fachtermini in ihrer Erstsprache benötigen. Hier sollte geprüft werden, inwiefern dies im Rahmen des Fachunterrichts möglich ist und auf welche Materialien zurückgegriffen werden kann. Zudem wären allgemeine Hinweise zum Übersetzen für sie von Nutzen. Für Personen, die in ihrem Berufsalltag diskriminierenden Situationen ausgesetzt sind, wären Gespräche hierüber und Strategien zu deren Bewältigung hilfreich.
Wahrnehmung interkultureller Kompetenzen durch Fachkräfte und ihre Vorgesetzte
Die Auswertung der Interviews gab auch Aufschluss darüber, ob und wenn ja, in welcher Weise Fachkräfte und Vorgesetzte den Einsatz interkultureller Kompetenzen im Berufsalltag wahrnehmen. Da dies eine wichtige Voraussetzung für den gezielten Einsatz dieser Kompetenzen ist, wird hier ausführlich darauf eingegangen.
Wahrnehmung durch die Fachkräfte
Gegen Ende der Interviews fragten wir die Fachkräfte, ob sie meinen, aufgrund ihres Migrationshintergrunds über besondere Kompetenzen zu verfügen. Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus; sie können in drei Gruppen zusammengefasst werden:
1) Fachkräfte, die spontan mit ja antworten
Einige der Befragten antworten ohne zu zögern mit ja . Fast alle nennen Kenntnisse ihrer Erstsprache, die sich von den Fremdsprachenkenntnissen der Kollegen/innen abheben, und andere kulturelle Erfahrungen, z.B. bezüglich der ärztlichen Versorgung und des Schulsystems in einem anderen Land sowie des Umgangs mit Geld. Sie weisen auch auf ihre Bikulturalität hin: ... ich hab Eigenschaften von einer Türkin und auch Eigenschaften von einer Deutschen.
Sie haben zudem den Eindruck, dass sie besonders gut mit Kunden/innen gleicher oder anderer Herkunft kommunizieren und, mit Patienten sehr gut reden und sehr gut zuhören können.
Aufgrund ähnlicher Erlebnisse anderer Migranten/innen bringen sie Verständnis für deren Situation auf, z.B. wenn sie selbst obwohl sie sehr gut Deutsch sprechen immer wieder in gebrochenem Deutsch ( Idiotendeutsch , wie es eine Arzthelferin nennt) angesprochen werden.
2) Fachkräfte, die zögerlich reagieren
Andere Fachkräfte verneinen die Frage zunächst, relativieren ihre spontane Ablehnung jedoch nach kurzem Nachdenken. Auch sie nennen in erster Linie die Erstsprache. Einige führen zusätzlich die Freundlichkeit an, mit der sie anders als ihre deutschen Kolleginnen auch griesgrämige Kunden/innen bedienen und dabei eigene Befindlichkeiten zurückstellen. Einige weisen auf unterschiedliche kulturelle Erfahrungen und Verhaltensweisen hin, die sie in ihrer Familie und dem deutschen Umfeld machen, z.B. hinsichtlich der Unterstützung von Familienangehörigen.
Die Befragten dieser Gruppe sehen aktuell wenig Einsatzmöglichkeiten für interkulturelle Kompetenzen, suchen jedoch auch keinen Arbeitsplatz, an dem sie diese häufiger einsetzen können. Die Art des Antwortens spontanes Verneinen, das dann relativiert wird lässt vermuten, dass diese Fachkräfte sich erstmals mit dieser Frage auseinandersetzen. Dies zeigt, wie wichtig es ist, Personen mit Migrationshintergrund Gelegenheiten zu geben, über diese Kompetenzen und ihren beruflichen Nutzen nachzudenken. Dies könnte bereits während der Schulzeit sinnvoll sein, damit sie diese Kompetenzen schon bei ihrer Berufswahl berücksichtigen können.
3) Fachkräfte, die mit nein antworten
Die Befragten dieser Gruppe beantworten die o.g. Frage mit nein und nennen dem entsprechend auch keine Kompetenzen, die sich auf ihren Migrationshintergrund gründen. Sie äußern vielmehr Unverständnis für die Frage an sich, geben an, das noch nie gedacht oder darüber nicht nachgedacht zu haben und sich auch nicht so zu fühlen. Ihre Sprachkenntnisse und ihr kulturelles Wissen relativieren sie, indem sie z.B. auf die Fremdsprachenkenntnisse anderer Kollegen/innen und auf Auslandsreisen der deutschen Bevölkerung verweisen. Ein Befragter verbindet mit seinem Migrationshintergrund eher Nach- als Vorteile.
Der Vergleich des Einsatzes interkultureller Kompetenzen im Berufsalltag und deren Wahrnehmung durch die Fachkräfte macht deutlich, dass eine ganze Reihe von ihnen interkulturelle Kompetenzen im Berufsalltag einsetzen und diese auch als spezielle Kompetenzen wahrnehmen. Während der Einsatz der Erstsprache im Umgang mit entsprechenden Kunden/innen und Patienten/ínnen allen gegenwärtig ist, thematisieren sie das Vermitteln seltener. Die Fähigkeit, mit Diskriminierungen umzugehen, nennt keine/r von ihnen. Zusätzlich zu den oben dargestellten Fähigkeiten betonen sie die Freundlichkeit im Umgang mit Kunden/innen. Andere erzählen bei ihren Schilderungen wie nebenbei vom Einsatz interkultureller Kompetenzen, sind sich dessen jedoch nicht bewusst. Sie müssten Gelegenheit erhalten, über die Rolle ihres Migrationshintergrunds und damit ggf. einhergehender Kompetenzen nachzudenken. Das Antwortverhalten der zweiten Gruppe zeigt, dass schon allein eine entsprechende Frage zu einem Bewusstwerdungsprozess beitragen kann.
Wahrnehmung der interkulturellen Kompetenzen der Fachkräfte durch ihre Vorgesetzten
Auch die Vorgesetzten beantworten die Fragen nach besonderen Kompetenzen ihrer Fachkräfte aufgrund des Migrationshintergrunds in sehr unterschiedlicher Weise. Die meisten nehmen solche Kompetenzen wahr. Eine Ausnahme stellen zwei Befragte dar, die den Einsatz interkultureller Kompetenzen ihrer Fachkräfte nicht bemerken. Sie verfügen selbst über die mutter- bzw. fremdsprachige Kompetenz der jeweiligen Fachkraft und haben den Eindruck, dass die Fachkräfte diese daher nicht benötigen. Dass deren Sprachkenntnisse auch eingesetzt werden, wenn sie selbst nicht anwesend sind, kommt ihnen nicht in den Sinn. Dies ist umso erstaunlicher, als es sich um Personen handelt, die über eigene Migrationserfahrungen verfügen und die sich über die große Bedeutung interkultureller Kompetenzen für die Verständigung, die Konfliktlösung und den besseren Verkauf im Interview differenziert äußern.
Die Befragten, die den Einsatz interkultureller Kompetenzen ihrer Fachkräfte im Berufsalltag wahrnehmen, führen alle die jeweiligen Erst- oder Fremdsprachenkenntnisse an. Einige sehen ausschließlich diese: Für einen Arzt ist die Arzthelferin türkischer Herkunft eine Übersetzungshilfe . Ein anderer betont, dass die Übersetzungen seiner Arzthelferin seine Kommunikation mit Patienten/innen entsprechender Herkunft vereinfache und er dadurch Sicherheit im Umgang mit ihnen gewinne. Allerdings erwähnen beide Ärzte das Übersetzen nicht, als sie zu Anfang des Interviews gefragt wurden, welche Aufgaben die betreffende Arzthelferin habe. Offensichtlich nehmen sie dies nicht als eine zur Beruflichkeit ihrer Mitarbeiterinnen gehörende Tätigkeit wahr, obwohl einer der Ärzte die Arzthelferin ausdrücklich aufgrund ihrer türkischen Sprachkenntnisse eingestellt hat. Eine Vorgesetzte im Einzelhandel berichtet, dass die Erstsprache der Fachkraft bei Verkaufs- und Beratungsgesprächen eingesetzt wird, wenn auf Deutsch nix mehr geht. Für diese Befragten steht im Vordergrund, Verständigung zu ermöglichen; der besonderen Qualität muttersprachlicher Kommunikation sind sie sich nicht bewusst. Diese Vorgesetzten bemerken zwar die zusätzlichen Sprachkenntnisse ihrer Mitarbeiter/innen, bringen diesen im Interview jedoch keine Wertschätzung entgegen.
Andere Befragte nennen neben der Sprache auch das kulturelle Wissen ihrer Fachkräfte, was ihnen hilft, unbekannte Verhaltensweisen oder Situationen zu verstehen: Und ich sage mal, ich als Deutscher, fass mir dann an den Kopf und sage: Wie kann denn das so sein? und er sagt: Na, das ist da aber so. ... Er kennt beide Seiten sehr gut.
Sie nehmen außerdem wahr, dass die Fachkräfte einen besseren Zugang zu Kunden/innen gleicher Herkunft haben als Kollegen/innen z.B. deutscher Herkunft, was dazu führt, dass eigentlich sofort ein relativ freundlicher Umgangston [herrscht, A.S.]. Ansonsten kommen die Kunden immer ziemlich vorsichtig .... Zwei Ärztinnen führen aus, dass die muttersprachliche Kommunikation über die Verständigung hinaus auch zum Verstehen beitrage und dadurch eine Vertrauensbasis entstünde. Patienten/innen entspannten sich z.B. vor unangenehmen Untersuchungen und sprächen über sie belastende Themen, was sie sonst nicht täten. Einige der Vorgesetzten aus Außenhandel und Spedition, deren Fachkräfte überwiegend mit Kunden/innen im Ausland arbeiten und bei denen diese Kundenkontakte z.T. von großer Bedeutung für das Unternehmen sind, betonen die besondere Qualität der Erstsprache. Ich bin ... Deutscher. Ich denke den Satz in Deutsch und spreche ihn dann in Italienisch aus. Und beim Muttersprachler ist das anders. Der denkt natürlich auch Spanisch, wenn er Spanisch spricht. Und das ist natürlich ein Riesenvorteil. ... er wird wahrgenommen als Spanier. .... Und das ist ein halber Schritt weiter drin. Dies mache sich auch im Umgang mit Kunden bemerkbar: Der legt ne besondere Art an den Tag, mit den Jungens da zu sprechen. Diese Vorgesetzten heben auch die Vermittlungskompetenz (s.o.) ihrer Mitarbeiter/innen mit Migrationshintergrund hervor. Interkulturelle Kompetenzen werden von diesen Vorgesetzten als Potenzial mit großer Reichweite gesehen. Oft verfügen sie selbst über Migrationserfahrungen und reflektieren über Kommunikation und kulturelle Unterschiede. Wie dargestellt reduziert sich die Wahrnehmung bei anderen auf die Sicherung von Verständigung mit nichtdeutschen Kunden/innen bzw. Patienten/innen.
Fachkräfte mit Migrationshintergrund setzen interkulturelle Kompetenzen in verschiedenen Berufen auf vielfältige Art und Weise ein. Die Betriebe haben von diesem Potenzial z.T. erheblichen Nutzen. Allerdings sind sich nicht alle dieses Potenzials bewusst. Die Wahrnehmung hierfür ist daher bei Personen mit Migrationshintergrund selbst sowie bei ihren Vorgesetzten weiter zu fördern, damit diese zusätzlichen Kenntnisse und Fähigkeiten angemessen wertgeschätzt und deren Entwicklung unterstützt wird.
Literatur
Bolten, Jürgen (2001): Interkulturelle Kompetenz. Erfurt: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen
Auernheimer Georg (Hrsg.) (2002): Interkulturelle Kompetenz und pädagogische Professionalität, Opladen
Grosch, Harald; Leenen, Wolf Rainer (1998): Bausteine zur Grundlegung interkulturellen Lernens. In: Interkulturelles Lernen. Arbeitshilfen für die politische Bildung / Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.); Bonn, 29-42
Benneker, Gerburg; Dorau, Ralf; Hörsch, Karola; Settelmeyer, Anke (2005): Interkulturelle Kompetenzen von Arzthelferinnen mit Migrationshintergrund, in: BWP 2, 48f.
Ralf Dorau, Soziologe, 2001 bis 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter am DJI (Projekt: Familien in prekären Situationen), seit 2003 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im BIBB in der Abteilung 2 Sozialwissenschaftliche Grundlagen der Berufsbildung tätig. |
Karola Hörsch, seit 1999 als Mitarbeiterin im BIBB in der Abteilung 2 Sozialwissenschaftliche Grundlagen der Berufsbildung tätig. |
Anke Settelmeyer, Dipl. Pädagogin, ist seit 2000 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im BIBB in der Abteilung 2 Sozialwissenschaftliche Grundlagen der Berufsbildung tätig. |
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn ist ein national und international anerkanntes Kompetenzzentrum zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Ziele seiner Forschungs-, Entwicklungs- und Beratungsarbeit sind, Zukunftsaufgaben der Berufsbildung zu identifizieren, Innovationen in der nationalen wie internationalen Berufsbildung zu fördern und neue praxisorientierte Lösungsvorschläge für die berufliche Aus- und Weiterbildung zu entwickeln.
Weitere Informationen zum Forschungsprojekt unter Interkulturelle Kompetenzen junger Fachkräfte mit Migrationshintergrund
Weitere Informationen des BIBB zum Thema Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen Download
(Der Blick von außen II basiert auf einem Text für die Zeitschrift berufsbildung. Zeitschrift für Praxis und Theorie in Betrieb und Schule, März 2006, Heft 97/98, 60. Jg., S. 14-17)
Kontakt
Anke Settelmeyer, Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn
Mail: settelmeyer@bibb.de
DJI Online / Stand: 1. Juli 2006