von Prof. Dr. Rita Süssmuth Migration und Integration Jugendlicher in Deutschland
1. Der lange Weg zur Einwanderungs- und Integrationspolitik
- Versäumnisse und Fehlsteuerungen der Vergangenheit -
Sozialisations- und Lebensverläufe jugendlicher Migranten in der Bundesrepublik spiegeln Versäumnisse und Fehlsteuerungen der Migrations- und Integrationspolitik der Vergangenheit wieder.
Jahrzehntelang wurde offiziell abgelehnt, dass die Bundesrepublik ein Einwanderungsland ist. Es galt das Prinzip der Rotation, das besagte: Zuwanderer kommen für eine befristete Zeit und kehren dann wieder in ihre Heimatländer zurück. Dieses Prinzip hatte weitreichende Konsequenzen für die Bildung der Migrantenkinder. Im Vordergrund stand nicht die Integration, sondern die Rückkehr in das Heimatland und damit der Erhalt der Muttersprache, der Stellenwert deutscher Sprachkenntnisse war zweitrangig. Das galt ebenso für die Kenntnisse deutscher Lebensformen, des Gesellschafts- und Wirtschaftslebens, der politischen Ordnung und der Kultur. Kinder und Jugendliche muslimischen Glaubens wurden bereitwillig den privaten Koranschulen überlassen, ohne zu überprüfen, was in diesen Schulen unterrichtet wurde. Türkische Mädchen wurden vom Sportunterricht freigestellt, mussten nicht an Klassenfahrten oder am Sexualkundeunterricht teilnehmen. Muslimischer Religionsunterricht wurde nicht an deutschen Schulen angeboten.
Die Bildungspolitik war - wie gesagt - nicht auf Integration, sondern auf Rückkehr ausgerichtet. Es war bekannt und offenkundig, dass die auf Zeit angeworbenen Gastarbeiter nach dem Anwerbestopp (1973) in Deutschland dauerhaft verblieben, doch die notwendigen Konsequenzen wurden nicht gezogen. Gewiss, es bestand das Recht auf schulische Bildung, aber es fehlte an gezielter besonderer Förderung, an gezielter Sprachförderung, um aktiv und erfolgreich am Unterricht teilnehmen zu können. Angesichts dieser Versäumnisse ist beachtenswert, wie viele Migranten der zweiten und dritten Generation sich erfolgreich integriert haben. In der Migrationsforschung ist erwiesen, wie entscheidend Bildung, Ausbildung und Arbeit für die Integration von Migranten sind, aber dieses Wissen blieb über lange Zeiträume unbeachtet und unberücksichtigt. Tragen wir der Tatsache Rechnung, dass der Anteil junger Migrantinnen und Migranten aus bildungsfernen Familien mit geringem Bildungsniveau besonders hoch ist, dann sind die erreichten Bildungs- und Ausbildungserfolge der Mehrheit umso stärker zu gewichten und hervorzuheben.
Die stärkste Minderheit - das ist die türkische mit einem Anteil von 27 % - ist aus dem unterentwickelsten Teil der Türkei, aus Südostanatolien zu uns gekommen. Es kamen Migranten und Migrantinnen ohne Schul- und Berufsausbildung. Hatten die Männer zum Teil eine drei- oder maximal vierjährige Schulausbildung aufzuweisen, so kamen gerade viele Frauen ohne jegliche Schul- und Berufsausbildung.
Diese Migranten haben in Deutschland in ungelernten Berufen gearbeitet und als die Arbeitsplätze in der Industrie wegfielen, wurden sie arbeitslos und viele von ihnen wurden ohne Zukunftsperspektive Empfänger von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe. Sie waren aber auch nicht in der Lage ihre Kinder schulisch oder beruflich zu unterstützen, da ihnen die sprachlichen und fachlichen Kenntnisse fehlten. Die einseitige Rekrutierung Ungelernter mit geringer oder gar keiner schulischen Vorbildung hat Langzeitwirkungen, genauer gesagt, Langzeitfolgen für eine Integration von Migranten und Migrantinnen, die sich integrieren wollen. Die in den 60er und frühen 70er Jahren erfolgte Fehlsteuerung hat Langzeitfolgen, die auch nach der jetzt erfolgten Neuorientierung einer gezielten Integrationspolitik nicht kurzfristig beseitigt werden können. Wir beginnen jetzt mit der gezielten Sprachförderung vor Eintritt in die Grundschule. Wir wenden uns gezielt an die Mütter, bieten ihnen Sprachkurse an, seit wir wissen, dass ohne die Unterstützung durch die Familie die Integration immens erschwert wird. Wie lange haben wir gebraucht um einzusehen, welch´ hohen Stellenwert Ganztagsschulen für die Bildungsförderung für Kinder bildungsferner Familien haben. Im Unterricht erworbene Sprachkenntnisse, die im Alltag nicht intensiv praktiziert werden, entfalten keine Wirksamkeit. Dabei geht es nicht nur um Gelegenheiten, deutsch zu sprechen, sondern soziale Kontakte über gemeinsame Aktivitäten zu ermöglichen und zu pflegen.
Wir befinden uns endlich in einem Umbruch, stecken aber noch in einer Übergangsphase mit neuen Ansätzen und alten Schwächen.
Mehr als 75 % der jugendlichen Migrantinnen und Migranten bzw. der Jugendlichen mit Migrationshintergrund sind in Deutschland geboren, besuchen deutsche Schulen und verlassen nach 9 und 10jähriger Schulzeit mit einem 20prozentigen Anteil die Schule ohne einen Schulabschluss. Das gilt allerdings auch für 10 % deutscher Schülerinnen und Schüler. Die Pisa-Studie hat den Bildungspolitikern und der Öffentlichkeitsarbeit zwei alarmierende Tatbestände vor Augen geführt:
1. 20-25% der jungen Generation sind nur bedingt ausbildungsfähig
und
2. Kinder und Jugendliche aus Migrantenfamilien sind in Bezug auf ihre Bildungschancen besonders benachteiligt.
Das Schul- und Bildungswesen ist nicht oder nur sehr bedingt in der Lage, herkunftsbedingte Nachteile in der Wahrnehmung von Bildungschancen auszugleichen. Schulerfolg und Bildungschancen hängen in der Bundesrepublik entscheidend von der sozialen Herkunft ab, und das gilt in besonderer Weise für Migrantenkinder und Jugendliche.
2. Integration verstanden als Entdeckung und Förderung von Humanpotenzial
Die Teilhabe an Bildung ist ein Menschenrecht, die Förderung von Bildung und Teilhabe an Arbeit ist eine gesellschaftliche und staatliche Verpflichtung. Formal erfüllt die Bundesrepublik weitgehend diese Anforderung. Allerdings wird sie für Kinder und Jugendliche Illegaler nicht eingehalten. In der Praxis ist zwar der Zugang zum Bildungswesen, aber nicht die Teilnahme und Teilhabe an der Bildung sicher gestellt.
Viele sind im Unterricht lediglich anwesend, ohne dem Inhalt sprachlich und fachlich folgen zu können. Ein zu hoher Anteil der jugendlichen Migrantinnen und Migranten kann dem Unterricht auf Grund fehlender Sprachkenntnisse nicht folgen.
Der Zugang zur Bildung führt für viele nicht zu einem Zuwachs an Sprachkenntnissen, Kommunikationsfähigkeit, fachlichen Kenntnissen oder berufsrelevanten Kompetenzen. Aber in einem Land mit so schwach besetzter nachwachsender Generation ist es unvertretbar und nicht akzeptabel, dass bis zu 25 Prozent der nachwachsenden Generation nur bedingt ausbildungsfähig sind. Dabei entfällt ein beträchtlicher Anteil auf junge Migranten, vor allem männliche Jugendliche. Die Lernerfolge von Jungen und Mädchen unterscheiden sich erheblich. Junge Migrantinnen zeichnen sich durch die besseren Lern- und Schulerfolge aus. Entscheidend ist jedoch, dass wir bisher die Potenziale der jugendlichen Migrantinnen und Migranten unzureichend oder gar nicht gefördert, weder individuell noch gruppenbezogen ausgeschöpft und genutzt haben.
Es wurden weder die begabten Migrantenkinder mit guten Sprachkenntnissen gefördert, noch jene mit fehlenden Sprachkenntnissen, ganz zu schweigen von den Gruppen mit Eltern für die Bildung aufgrund ihres familiären Umfeldes ohne Schul- und Berufsausbildung ein Fremdwort geblieben ist.
Jugendliche Migranten, die in Deutschland die Haupt- oder Realschule erfolgreich absolviert und einen Ausbildungsplatz gefunden haben, nehmen ihre Integration, ihre Zugänge zu Deutschland und den Deutschen unvergleichlich positiver wahr als diejenigen, die überwiegend negative Erfahrungen gemacht haben.
Wie viele Fähigkeiten in Kindern zum Vorschein kommen, erfahren Pädagogen in Kindergärten und Schulen, wenn aus teilnahmslosen, sprachunkundigen sprachfähige Kinder oder Jugendliche werden, die sich mitteilen und verständigen können. Und selbst die nonverbale Kommunikation in Bereichen wie Sport, Kunst oder Musik eröffnet uns Zugang zu kindlichen und jugendlichen Talenten, die es wahrzunehmen und zu fördern gilt. Je früher Kinder Sprachen lernen desto leichter und schneller werden sie gelernt. Das wissen wir aus binationalen Ehen. Auch die Hirnforschung hat entscheidend dazu beigetragen, Mehrsprachigkeit nicht nur als möglich, sondern vor allem auch als entwicklungsfördernd einzustufen. Überwunden ist auch das gängige Vorurteil, junge Menschen seien nicht in der Lage mit Komplexität umzugehen, seien nicht in der Lage, sich in unterschiedlichen Sprachen und Kulturen zu bewegen.
Problematisch ist vielmehr, wenn sie auf eine Sprache, eine Kultur reduziert werden, wenn die Herkunftskultur zugunsten der Kultur des Aufnahmelandes ausgeblendet wird. Migranten brauchen Brücken, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Kulturen identifizieren zu können.
Ohne die Erfahrung, dass die mitgebrachte Herkunftskultur geachtet wird und sowohl Interesse als auch Wertschätzung erfährt, wird der Zugang zur neuen Kultur erschwert oder sogar blockiert. Was von den klassischen Entwicklungsländern zu lernen ist, betrifft die Einstellung zu Migranten: Ist sie offen und positiv, erfahren Migranten, dass sie willkommen sind und sich mit ihren Fähigkeiten einbringen können, fällt es ihnen leichter sich im neuen Land einzuleben, Fremdheit zu überwinden und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu entwickeln. Dabei kommt es entscheidend auf das Verhalten von Menschen an: in der Gemeinde, im Wohnviertel, in Kindergarten und Schule. Die Erstkontakte mit Menschen in den Ausländerämtern, im Einwohnermeldeamt, in Banken und Geschäften sind entscheidend für die Verhaltensweisen und sich entwickelnden Einstellungen zum Aufnahmeland. Es ist wichtig, nicht nur angekommen, sondern vor allem auch angenommen zu sein.
Migranten, die ihre Heimat verlassen mussten oder freiwillig verließen, wissen in aller Regel um den herausfordernden und schwierigen Neuanfang im Aufnahmeland. Sie wollen ihre Lebenssituation verbessern und sind zu großen Anstrengungen und Leistungen bereit. Umgekehrt brauchen sie die Akzeptanz und Unterstützung von Seiten der Aufnahmegesellschaft.
Migrantinnen und Migranten haben in Geschichte und Gegenwart wirtschaftlich, kulturell und sozial viel zu unserer Entwicklung beigetragen. Deutschland wäre kinderärmer ohne die Migrantenkinder. Sie haben den seit Mitte der 60er Jahre anhaltenden und gestiegenen Geburtenrückgang ausgeglichen und in seinen Auswirkungen reduziert. Und wir würden uns selbst schaden, wenn wir ihre Fähigkeiten brach liegen ließen. Wir brauchen sie. Klassische Einwanderungsländer wie Kanada, USA, Neuseeland oder Australien wissen das seit langem.
Deutschland ist dabei, sich mehr dafür zu interessieren, was Migranten aus verschiedenen Kulturen Bereicherndes und Neues mitbringen. Das betrifft die Eigenheiten ihres Zusammenlebens, die Art und Weise, Probleme zu lösen, die Natur zu erkunden, sie zu erhalten und zu nutzen, aus welchen Religionen sie kommen, welche Feste sie feiern…
Und Migranten wollen und sollen erfahren, wie wir leben, was uns wichtig ist, was sich in unserer Lebensweise verändert hat und welche Probleme wir gemeinsam zu lösen haben. Wir denken um, aber immer noch zu langsam, wenn es um eine stärkere Beteiligung der Migranten und Migrantinnen in Kindergarten, Schule und Ausbildung geht. Ihr Anteil am Bildungswesen ist noch viel zu klein, aber er wird in dem Maße wachsen, wie sich unsere Gesellschaft für Migranten öffnet und ihre mitgebrachten und auch in Deutschland erworbenen Qualifikationen nutzt. Gegenwärtig werden immer mehr Initiatoren aus der Zivilgesellschaft bekannt, die Eingang finden in die offizielle Bildungs- und Ausbildungsförderung.
Die Initiatoren kommen aus Stiftungen, Kommunen, aus der Wirtschaft und engagierten Bürgerkreisen. Dabei spielen die Migranten eine immer wichtigere Rolle. Je mehr Kinder im Kindergarten deutsch lernen und gleichzeitig die Muttersprache erhalten und gepflegt wird, desto positiver verläuft die schulische Entwicklung der Migrantenkinder. Stiftungen wie z.B. die Hertie-Stiftung oder die Körber-Stiftung kümmern sich um die Förderung begabter Kinder und Jugendlicher an weiterführenden Schulen. Auch die Wirtschaft kümmert sich verstärkt um die Ausbildung junger Deutscher und Migranten mit und ohne Hauptschulabschluss. Kommunen zeigen, dass gemeinsame Anstrengungen von Pädagogen, Jugendhilfen, Engagierten aus der Wirtschaft wie auch der Bürgerschaft die Lernleistungen und damit die Integrationschancen erhöhen. Integration ist keinesfalls aussichtslos, sondern durchaus möglich. Wir haben spät mit einer systematischen Förderung und Beteiligung begonnen, aber es bestehen berechtigte Hoffnungen, dass uns das Zusammenleben mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gelingt. Das verläuft nicht ohne Probleme und Konflikte. Aber sie lassen sich gemeinsam bearbeiten, reduzieren und zu einem beträchtlichen Teil auch lösen.
Globalisierung findet statt und mit ihr auch Migration. Beides gilt es zum Vorteil aller zu gestalten. Und dabei spielt Bildung die entscheidende Rolle für eine umfassende Beteiligung und Teilhabe.
Prof. Dr. Rita Süssmuth (Jg. 1937) war Bundestagspräsidentin (1988-1998), Vorsitzende der Unabhängigen Kommission "Zuwanderung" (2000/1), Vorsitzende des Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration (2002-2004) und Vizepräsidentin der OSZE (2000-2003). Sie ist Mitglied der Global Commission on International Migration und seit September 2005 Präsidentin der OTA Hochschule in Berlin-Charlottenburg.
Kontakt:
Büro für Migrationsbezogene Anfragen
rita.suessmuth@bamf.de
Links:
http://www.rita-suessmuth.de/
http://www.otahochschule.de
http://www.gcim.org
http://www.zuwanderungsrat.de
DJI-Online / Stand: 1. November 2005
Auf einen Blick Zahlen und Fakten zur beruflichen Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
These
Die berufliche Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist eine wichtige Aufgabe im Hinblick auf die weitere Entwicklung Deutschlands als Einwanderungsland.
Zahlen und Fakten
Die Zahl der Geburten in Deutschland ist rückläufig:
Die Erwerbsbevölkerung muss einen permanent steigenden Anteil an der sozialen Absicherung älterer Menschen leisten:
Das Potenzial an jüngeren Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, schrumpft.
Deutschland braucht dringend ausländische Arbeitskräfte mit beruflichen Spezialkenntnissen und einem hohen Allgemeinbildungsniveau für hoch qualifizierte Tätigkeiten.
Deutschland steht dabei in Konkurrenz zu anderen Nationen und muss sich bemühen, als Zuwanderungsgesellschaft attraktiv zu sein, d.h. Erfahrenheit und positiv gelebte Multikulturalität nachzuweisen.
Die Anteile von ausländischen Jugendlichen in der beruflichen Bildung haben sich von 1993 bis 2003 deutlich verringert.
Es werden 46% weniger junge Männer mit ausländischem Pass ausgebildet:
Die Ausbildungsquote unter den ausländischen Jugendlichen sinkt:
-
Die statistischen Ämter haben bis 2005 nur Jugendliche mit ausländischem Pass erfasst. In der Statistik sind Jugendliche mit Migrationshintergrund nicht gesondert erfasst, d.h. Jugendliche, bei denen beide Eltern oder ein Elternteil einen ausländischen Pass haben. Erkenntnisse aus detaillierteren Studien und Befragungen zeigen, dass sich die Zahlen dadurch stark verändern.
Beispiele aus DJI-Befragungen:
Migrantenjugendliche stehen vor größeren Hürden, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, als deutsche Jugendliche:
Trotz der bestehenden Hürden beim Zugang zu einer Lehrstelle vollzieht sich bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine beachtenswerte Aufwärtsmobilität bei den Abschlüssen:
Je älter die Kinder beim Zuzug sind, desto geringer die Bildungschancen:
Nach der Hauptschulzeit wollen nicht alle Jugendlichen eine Ausbildung machen, viele wollen auf eine weiterführende Schule gehen:
Das Interesse der Migrantenjugendlichen an einer weiter führenden Schulbildung kann als Ausdruck einer hohen Allgemeinbildungsaspiration gewertet werden. Damit deutet sich eine Aufwärtsmobilität an, die in den Debatten um das Bildungsniveau von Migrantenjugendlichen noch kaum Beachtung gefunden hat.
Es gibt eine deutliche berufliche Aufwärtsmobilität bei Zugewanderten und ihren Nachkommen vor allem hin zu den "White Collar" Berufen:
Ausblick / Fazit
In der Öffentlichkeit werden positive Entwicklungen bislang noch zu wenig als Integrationsleistungen der in Deutschland lebenden Bevölkerung mit Migrationshintergrund hervorgehoben und zu stark die noch bestehenden Abstände zur deutschen Vergleichsgruppe betont. Es müssen noch einige Anstrengungen unternommen werden, um diese Lücke zu schließen. Wichtig ist aber auch zu sehen, dass die Gruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine hohe Bildungs- und Aufstiegsmotivation mitbringt. Damit stellt sie ein Nachwuchspotenzial dar, das bei einer zielgerichteten Förderung dazu beitragen kann, den Bedarf an gut qualifizierten Arbeitskräften, die in Deutschland dringend benötigt werden, zu decken. (Iris Bednarz-Braun, DJI) (Quellen: Statistisches Bundesamt, Berufsbildungsbericht 2005, DJI-Übergangspanel, DJI-Xenos-Projekt, Sozioökonomisches Panel)
DJI-Online / Stand: 1. November 2005
Editorial von Thema-Redakteurin Susanne John

"Interkulturelle Kompetenz"
Frau Bednarz-Braun, was verstehen Sie unter interkultureller Kompetenz?
Unter interkultureller Kompetenz verstehe ich die Befähigung von Personen, im normalen Alltagsleben und Beruf verständnisvoll mit Personen aus anderen Kulturkreisen umzugehen, zu kommunizieren, Kontakte herzustellen und auch Bindungen einzugehen. Zur interkulturellen Kompetenz gehört, dass man sich wechselseitig wertschätzt und vorurteilsfrei, aufgeschlossen und offen ist. Ganz wichtig ist die gegenseitige Anerkennung und der Respekt, den man seinem Gegenüber zollt. Man muss bereit sein, voneinander zu lernen und Gemeinsamkeiten zu erkennen. Dies setzt auch voraus, sich auf ungewohnte Verhaltensweisen im Umgang miteinander einzulassen und sein eigenes Verhalten darauf hin zu überprüfen, ob es der Verständigung dient oder ihr im Wege steht.
Welche Gruppe betrifft das? Die Einheimischen oder die MigrantInnen?
Interkulturelle Kompetenz ist eine Schlüsselqualifikation, die in einer Einwanderungsgesellschaft wie der Bundesrepublik Deutschland alle betrifft und von allen zu erwerben ist - gleichgültig ob es sich um Zugewanderte, traditionell Deutsche oder Deutsche mit Migrationshintergrund handelt. Früher dachte man, Integration ist eine Anforderung, die ausschließlich von Zugewanderten zu leisten ist. Heute weiß man, dass auch die Einheimischen, sprich die Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft, am Integrationsprozess beteiligt sind und sich interkulturelle Kompetenz aneignen müssen.
Wie multi-kulturell ist Deutschland derzeit?
Von den rund 82 Millionen Einwohnern Deutschlands haben zum jetzigen Zeitpunkt über 7 Mill. Personen einen ausländischen Pass. Es ist aber davon auszugehen, dass es einen deutlich höheren Anteil an Personen mit Migrationshintergrund gibt.
Was heißt Migrationshintergrund?
Migrationshintergrund heißt, dass man in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, aber mindestens ein Elternteil hat, der aus einem anderen Land stammt oder dass man selbst nach Deutschland zugewandert ist.
… und wie viele Leute mit Migrationshintergrund leben in Deutschland?
Diese Frage lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum zuverlässig beantworten. Die amtliche Statistik hat bis vor Kurzem lediglich Daten zu AusländerInnen erhoben, also zu Personen mit einem ausländischen Pass. Das bedeutet, dass z.B. die rund 4 Millionen AussiedlerInnen, die seit 1960 nach Deutschland zuwanderten, in der Statistik als Deutsche gezählt werden. Dies trifft auch auf Kinder und Jugendliche aus ausländischen Familien zu, die hier in Deutschland geboren und aufgewachsen sind und den deutschen Pass haben. Damit bleiben allein schon 90.000 Jugendliche im Alter von 20 bis 29 Jahren, die im Zeitraum von 1999 bis 2000 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben, in den Statistiken unberücksichtigt. Und der Einbürgerungstrend hält an. Seit Anfang 2005 wird jedoch erstmals der Migrationshintergrund in der amtlichen Statistik berücksichtigt. Dabei kommt man z.B. für NRW zu mehr als einer Verdoppelung des Bevölkerungsanteils an Personen mit Migrationshintergrund, nämlich von knapp 9% auf knapp 20%.
Und wie sieht die zukünftige Entwicklung aus?
Wir werden auch in Zukunft auf weitere Zuwanderung angewiesen sein. Allein schon wegen der demographischen Entwicklung. Bereits jetzt sind nur noch knapp 21% der Einwohner in Deutschland jünger als 20 Jahre. Nach vorliegenden Prognosen setzt sich dieser Trend fort. Das bedeutet, dass nur noch wenige junge Leute dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen werden. Sie müssen zugleich eine erheblich höhere Zahl älterer Menschen sozial absichern. Momentan wird zwar die Bevölkerungsbilanz in Deutschland noch positiv durch die Geburtenzahlen in ausländischen Familien beeinflusst. Aber wie in deutschen Familien sind auch in ausländischen Familien die Geburtenraten rückläufig. Deswegen ist davon auszugehen, dass der künftige Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften durch eine kontrollierte Zuwanderung gedeckt wird. Hier steht Deutschland allerdings in Konkurrenz mit anderen Nationen, die im Zuge der Globalisierung ebenfalls hoch qualifiziertes Personal aus dem Ausland nachfragen.
Sie haben das Stichwort Globalisierung gegeben. Was müsste denn getan werden…
Um als Zuwanderungsgesellschaft auch künftig attraktiv zu sein, ist es nötig, dass ausländische Arbeitskräfte nicht nur wegen ihrer beruflichen Qualifikation geschätzt werden. Sie müssen auch ein soziales Klima vorfinden, das ihnen ein unbehelligtes Leben ermöglicht - ohne Ressentiments, Vorurteile und Anfeindungen wegen ihrer kulturellen Herkunft oder Hautfarbe. Das heißt: Deutschland muss sich als ein Land präsentieren, dass Erfahrenheit mit einer positiv gelebten Multikulturalität nachweisen kann. Dazu gehört interkulturelle Kompetenz in allen Lebensbereichen und dazu gehört auch, dass bereits hier lebende wie auch künftig nachwachsende Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund gute Förder-, Bildungs- und Erwerbschancen haben.
Aber wie "interkulturell kompetent" sind wir heute in Deutschland?
Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten, denn wir wissen eigentlich nur wenig über den Verbreitungsgrad und die Qualität von interkultureller Kompetenz innerhalb der Bevölkerung und in wichtigen Institutionen wie Unternehmen und Verwaltungen. Aber es gibt inzwischen Betriebe, die über die Strategie des Managing Diversity versuchen, die interkulturelle Kompetenz ihrer Führungskräfte und Belegschaften zu fördern. Und innerhalb der öffentlichen Verwaltung - insbesondere in den Kommunen - werden seit den 1990er Jahren zunehmend Konzepte zur kulturellen Öffnung entwickelt und umgesetzt. Damit verbunden ist eine gezielte Vermittlung interkultureller Kompetenz des Personals. Diese Bemühungen können als ein Hinweis darauf gewertet werden, dass die Ressource "Interkulturelle Kompetenz" noch keineswegs zum selbstverständlichen Allgemeingut in Deutschland gehört, sondern der Stärkung und Förderung bedarf.
Viele behaupten ja, "multi-kulti" sei gescheitert ...
Ob dies wirklich so ist, würde ich bezweifeln. Der Slogan "Multi-Kulti" ist ja im Zuge der Debatten über Parallelgesellschaften in Misskredit geraten. Dabei wird unterstellt, dass sowohl die in Deutschland lebenden Zuwanderergruppen als auch die einheimischen Deutschen mehr oder weniger unter sich bleiben, ohne nennenswert miteinander zu kommunizieren und untereinander Kontakt zu haben. Dort, wo es ethnische Communities gibt, könnte dies durchaus der Fall sein. Aber hier lebende Zuwandererfamilien wohnen ja nicht ausschließlich in ethnischen Ghettos, sondern auch in interethnisch gemischten Wohnvierteln oder in solchen mit überwiegend deutschen Nachbarn. Bezogen auf letzteres zeigen Einzelstudien, dass sich interkulturelle Kontakte im sozialen Nahraum herstellen und entwickeln, so dass es zu einem gelungenen Zusammenleben kommt.
Sie haben in den letzten drei Jahren untersucht, wie gut sich Jugendliche unterschiedlicher kultureller Herkunft verstehen. Wie viele junge Menschen haben Sie dazu befragt?
Meine Kollegin Ursula Bischoff und ich haben im Sommer 2004 in vier Großbetrieben rund 900 Jugendliche unterschiedlicher Herkunftskultur schriftlich danach befragt, wie sie im Rahmen ihrer Ausbildung miteinander klar kommen. Zuvor führten wir mit 47 Auszubildenden persönliche Interviews durch. Die Untersuchung wurde bei Ford Aus- und Weiterbildung in Köln, bei der Deutschen Bahn in Dortmund, der Deutschen Werft in Kiel und bei Bosch in Stuttgart-Feuerbach durchgeführt.
In der öffentlichen Debatte werden die Beziehungen unter Jugendlichen eher als prekär beschrieben. Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit, das sind die Begriffe, die das Meinungsbild bestimmen ... was sagen Ihre Ergebnisse?
Die Ergebnisse unseres Xenos-Projekts sind überwiegend positiv. 90% der von uns Befragten werden in interkulturell zusammengesetzten Gruppen ausgebildet. Diese Jugendlichen empfinden die interkulturelle Zusammensetzung und Zusammenarbeit als angenehm. Überrascht hat uns, dass die große Mehrheit von ihnen (83%) viel lieber in interkultureller Gruppenzusammensetzung ausgebildet werden möchte als lediglich unter sich zu bleiben. Aus der Sicht der Azubis ist eine Ausbildung interessanter und vielfältiger, wenn Jugendliche aus verschiedenen Herkunftskulturen zusammen lernen.
Gibt es dabei Unterschiede zwischen deutschen und zugewanderten Jugendlichen oder zwischen Mädchen und Jungen?
Ja, es gibt graduelle Unterschiede, und zwar auf einem hohen Akzeptanzniveau. Die Migrantenjugendlichen stehen einer multikulturellen Ausbildung noch deutlich offener gegenüber (90%) als die deutschen Azubis, die dies mehrheitlich ebenfalls wünschen, aber "nur" zu 77%. Hier zeigen sich auch Geschlechterunterschiede, denn die größte Zustimmung zu einer interkulturell zusammengesetzten Azubi-Gruppe äußern die Mädchen mit 96% (Jungen 81%).
Wir haben die Jugendlichen auch gefragt, wie sie sich in ihrer Arbeitsgruppe untereinander verstehen: 85% verstehen sich (sehr) gut mit ihren Mit-Azubis anderer Herkunftskultur, die Migrantenjugendlichen noch mehr (90%) als die deutschen Jugendlichen (81%). Nur 2% verstehen sich nicht gut.
Zusammengefasst könnte man sagen: Die gemeinsame Ausbildung sowie das alltägliche Zusammensein und Zusammenarbeiten wirken sich positiv auf das gute Verständnis aus. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse ist "Multi-Kulti" eher eine Erfolgs-Story als ein gescheitertes Modell. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass es sich um Jugendliche handelt, die es geschafft haben, eine Lehrstelle zu erhalten. Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Jugendlichen - egal welcher Herkunftskultur - gleiche Interessen entwickeln. Sie wollen alle ihre Ausbildung erfolgreich abschließen.
Beziehen sich Ihre Ergebnisse nur auf die Zeit im Betrieb oder verbringen die Jugendlichen auch ihre freie Zeit miteinander?
Die meisten Azubis verbringen auch ihre freie Zeit miteinander (83%). Am liebsten feiern sie zusammen Partys, gehen in die Disco oder eine Kneipe, oder sie besuchen sich zu Hause. Je nach Freizeitgestaltung werden 45 bis 60 Prozent dieser Aktivitäten gemeinsam mit Auszubildenden einer anderen Herkunftskultur unternommen, also in interkultureller Zusammensetzung. Aber auch unabhängig vom Ausbildungsbetrieb haben fast drei Viertel der Befragten interkulturelle Freundschaften.
Ist das nicht auch eine Generationenfrage?
Davon bin ich überzeugt. Bei unserer Untersuchung handelt es sich um eine Generation von deutschen Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, von denen die meisten sagen, dass sie bereits seit ihrer Kindheit interkulturell aufgewachsen sind. Sie können auf gemeinsame Erfahrungen im Kindergarten und der Schule zurückgreifen und z.T. bestehen aus dieser Zeit noch enge Freundschaften bis heute fort.
Das hört sich jetzt alles sehr positiv an. Gibt es denn gar keine Konfliktpunkte oder Reibereien?
Selbstverständlich gibt es auch Unstimmigkeiten und Reibereien. Nicht jeder versteht sich mit jedem gleich gut. Etwa je ein Drittel der Befragten hatte auch schon einmal eine unangenehme Auseinandersetzung mit einem Mit-Azubi der gleichen oder einer anderen Herkunftskultur. Aber am häufigsten fühlen sich die Jugendlichen - unabhängig von ihrer Herkunftskultur - durch undisziplinierte Mit-Azubis gestört.
Welche Rolle spielt die Sprache im Hinblick auf Integration und Ausgrenzung?
Der Gebrauch der eigenen Herkunftssprache ist ein kritischer Punkt. Die Hälfte der Befragten empfindet es als störend und unangenehm, wenn man die Sprache der anderen nicht versteht. Entweder man fühlt sich dadurch ausgeschlossen oder es kommt Ärger auf, weil man nicht weiß, ob über andere gelästert wird. Dies geht nicht nur deutschen Azubis so, sondern auch türkischen Jugendlichen, wenn sie kein Russisch verstehen, oder umgekehrt. Ansonsten können die Auszubildenden mit Migrationshintergrund in der Regel gut deutsch sprechen. Das ist auch nicht verwunderlich, denn ohne hinreichende deutsche Sprachkenntnisse würden sie den Eingangstest bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz gar nicht bestehen.
Zahlt sich die interkulturelle Kompetenz der MitarbeiterInnen für einen Betrieb aus? Warum sollen sie in entsprechende Maßnahmen investieren oder sich überhaupt dafür interessieren?
Wie ich eingangs schon sagte, müssen Betriebe mit interkulturellen Belegschaften auch in Zukunft kompetent umgehen können. Dazu gehört z.B. ein sensibler Umgang mit religiösen Feiertagen oder mit den Fastenzeiten, denn dies trägt zu einem respektvollen Umgang und zur Zufriedenheit der Beschäftigten bei.
Die Ergebnisse unseres Xenos-Projekts zeigen, dass Interkulturalität für Jugendliche zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist und sie sich in interkulturell zusammengesetzten Arbeitsgruppen sehr viel wohler fühlen als in ausschließlich eigenkulturellen Gruppen. Eine daran orientierte Rekrutierungsstrategie bei der Einstellung von Auszubildenden fördert ein Arbeitsklima, das sich positiv auf die Lernmotivation und den Lernerfolg aller Azubis auswirkt. Dies zu erkennen ist ein Teil von interkultureller Kompetenz der Betriebe und trägt mit dazu bei, qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar zu haben.
Wichtig ist es auch, darauf zu achten, dass es innerhalb einer Arbeitgruppe nicht zu einer dominanten ethnischen Grüppchenbildung kommt, denn daraus können Probleme entstehen, die aus betrieblicher Sicht Kosten verursachen. Dies zu verhindern, setzt ebenfalls interkulturelle Kompetenz auf Seiten der Betriebe voraus. Deswegen denke ich, dass sich interkulturelle Kompetenz für Ausbildungsleitungen, Ausbilder und Personalmanager auszahlt. Nicht zuletzt deshalb beginnen vorausschauende Betriebe damit, sich mit dem Konzept des Managing Diversity zu befassen und dieses in die betriebliche Praxis einzuführen.
Frau Bednarz-Braun, wir danken Ihnen für das Gespräch!
(Die Fragen stellte DJI-Online Redakteurin Susanne John)
DJI Online / Stand: 1. November 2005
Menschen im Profil
PD Dr. Iris Bednarz-Braun, DJI
Frau Bednarz-Braun, Interkulturalität gehört zu ihren aktuellen Forschungsschwerpunkten. Wie multikulturell sieht ihr eigener Alltag aus?
Mit dem Thema Multikulturalität sind mein Mann und ich groß geworden. Wir haben viele Kontakte ins Ausland und unser Haus ist ein sehr offenes Haus - für all unsere Gäste aus den USA, Europa, Japan bis Neuseeland. Auch mein Hobby bringt mich mit Menschen verschiedenster Nationen zusammen, wenn ich mit meinem Kontrabass oder E-Piano an Jazzmusik-Workshops teilnehme. Außerdem haben unsere drei Söhne Freunde aus den verschiedensten Herkunftsländern. Schade finde ich es allerdings, wie stark sich die Selektion in den Schulen, vor allem die geringe Zahl an Schülern mit Migrationshintergrund am Gymnasium, auf die Zusammensetzung ihres Freundeskreises auswirkt ...
Obwohl Iris Bednarz-Braun seit über 30 Jahren im Süden Deutschlands lebt, bleibt geübten Ohren nicht verborgen, dass hier ein Ruhrgebietsgewächs in München Wurzeln geschlagen hat. Sie stammt aus einer echten Bergmannsfamilie. Geboren am 9. Januar 1950 wächst Iris Bednarz-Braun zunächst in Gelsenkirchen, später in Oberhausen auf. Nach der Volksschule besucht sie erst zwei Jahre lang die Realschule, weil sich die Familie nicht recht traut, Iris als "Arbeiterkind" auf die höhere Schule zu schicken. Die Lehrer sind es, die bald erkennen, dass Iris unbedingt das Gymnasium besuchen sollte und drängen zum Wechsel. In ihren letzten Jahren am Gymnasium gibt es nur zwei weitere "Arbeiterkinder", die von einigen Mitschülerinnen schon mal herablassend als "Plebs" bezeichnet werden. Einprägsame Szenen. 1969 macht Iris Bednarz-Braun Abitur. Sie ist heute überzeugt, dass das damalige bildungspolitische Klima die Verbesserung der Bildungschancen für alle vorantrieb und Fördermittel wie Schüler-Bafög Kindern wie ihr eine bessere Ausbildung ermöglichten.
Ihren Blick für gesellschaftliche Zusammenhänge geöffnet und geschärft hat einer ihrer Lehrer: Gerd Horstmann unterrichtet am Bertha-von-Suttner Mädchen-Gymnasium in Oberhausen Geschichte im Rahmen der Sozialkunde und bringt seinen Schülerinnen auf anschauliche Weise philosophische, historische und politische Fragestellungen nahe. Ein besonderes Aha-Erlebnis ist für die junge Schülerin die Diskussion des Interessenbegriffs. Welche Beweggründe stecken hinter dem politischen und gesellschaftlichen Handeln von Einzelnen oder Gruppen? Bis heute ist dies neben der Bekämpfung sozialer Ungleichheiten und der Analyse institutioneller Machtstrukturen ein zentrales Anliegen von Iris Bednarz-Braun.
Eine erste Konsequenz dieser frühen schulischen Bekanntschaft mit den Gesellschaftswissenschaften ist die Aufnahme ihres Studiums in Köln 1969. Der Volkswirtschaftsstudiengang mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung umfasst auch Fächer wie Jura, Finanz- und Politikwissenschaft. Eine Erweiterung des Blickfelds über den soziologischen Tellerrand hinaus, von der Iris Bednarz-Braun bei ihren Forschungsarbeiten heute noch profitiert. Ihre Schwerpunkte während des Studiums sind Organisations- und Betriebssoziologie.
1974 geht die diplomierte Volkswirtin aus privaten Gründen nach München. Ihre Promotionspläne, für die sie schon Vorrecherchen gemacht hat, verschwinden erst einmal in der Schublade. Die junge Wissenschaftlerin möchte forschen und muss Geld verdienen. Sie bewirbt sich beim Deutschen Jugendinstitut - und wird angenommen. Ihr erstes Projekt ist dokumentarischer Natur: eine topographische Bestandsaufnahme von Institutionen, die Informationen zum Thema Bildung sammeln. Kurz darauf aber schon das erste wirklich spannende Projekt im Auftrag des Bildungsministeriums: eine Forschungsarbeit über die Einstellungen von Arbeiterjugendlichen zu Bildung und Ausbildung.
Ende der 1970er Jahre bildet sich ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit von Iris Bednarz-Braun heraus. Als eng verbunden mit der Frage sozialer Ungleichheiten erweist sich das Thema Geschlechterverhältnisse. Im Zuge der Frauenbewegung werden damals u.a. verschiedene Förderprogramme für die verbesserte Ausbildung von Mädchen in Männerberufen aufgelegt. Auffällig ist aber, dass nur wenige weibliche Lehrlinge in den gewerblich-technischen Berufen Facharbeiterinnen werden. Ganz anders als ihre männlichen Kollegen. Ein Phänomen, dass Iris Bednarz-Braun auch in ihrer Promotion eingehend untersucht. Die "Arbeiterinnen in der Elektroindustrie" sind seit ihrem Erscheinen 1983 bis heute ein Klassiker der Frauen- und Geschlechterforschung. Doktormutter ist Prof. Helga Krüger von der Universität Bremen, die als Kommissionsmitglied beim 6. Kinder- und Jugendbericht mit dem Fokus Mädchen und Frauen Iris Bednarz-Braun in intensiven Diskussionen kennen gelernt hat.
Zwischen der Promotion und der Habilitation im Jahre 2001 liegen 18 Jahre, in denen sich Iris Bednarz-Braun und ihr Mann, der Soziologe Frank Braun, mit dem sie seit 1980 verheiratet ist, bemühen, Berufs- und Familienleben partnerschaftlich unter einen Hut zu bekommen. Ihre drei Söhne kommen 1984, 1986 und 1988 zur Welt. Viele Projekte, die Iris Bednarz-Braun mit ihrer Kollegin Kirsten Bruhns in jenen Jahren bearbeitet, befassen sich mit Genderaspekten, vor allem mit der Umsetzung von Frauenförderpolitik und Gleichberechtigungsgesetzen im öffentlichen Dienst. Einige der Ergebnisse fließen ein in ihre Habilitation zur Gleichstellungspolitik, die Iris Bednarz-Braun in Verbindung mit industriesoziologischen Fragestellungen setzt. Die Arbeit wird von Prof. Ursula Müller von der Universität Bielefeld betreut, wo Iris Bednarz-Braun seit 2001 einen Lehrauftrag als Privatdozentin hat.
In den letzten Jahren ist eine weitere benachteiligte Gruppe ins Blickfeld von Iris Bednarz-Braun gerückt: Jugendliche mit Migrationshintergrund. Das Thema Migration hält sie für eine wichtige Querschnittsaufgabe des Deutschen Jugendinstituts, die ihrer Überzeugung nach über die Beschäftigung in einzelnen Projekten hinaus in einer institutionalisierten Forschungsgruppe bearbeitet werden sollte.
DJI Online / Stand: 1. November 2005
PD Dr. Iris Bednarz-Braun, DJI
Literatur
DJI-Literatur zum Thema Migration, Integration, Interkulturelle Kompetenz
Bednarz-Braun, Iris/ Bischoff, Ursula (2005): Azubis wollen interkulturelle Vielfalt. In: Zeitschrift des Bayerischen Jugendrings (Hrsg.), Jugend Nachrichten, Aktionsprogramm Integration 2002-2007, Ausgabe 1/2, 18
Bednarz-Braun, Iris / Bischoff, Ursula (2004): Azubis unterschiedlicher Herkunftskultur: wie kommen sie im betrieblichen Alltag miteinander aus? Erste Ergebnisse einer mündlichen und schriftlichen Befragung von Auszubildenden aus vier Großbetrieben. Reihe Wissenschaft für alle, Deutsches Jugendinstitut München/Halle, 20 Seiten (download unter: 224_XenosAzubi.pdf
Bednarz-Braun, Iris (2004): Fremd- und Selbstbilder: Wie sich deutsche und zugewanderte Frauen sehen. In: Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Frauenbilder Reader. Düsseldorf, 177-181
Bednarz-Braun, Iris / Heß-Meining, Ulrike (2004): Migration, Ethnie und Geschlecht. Theorieansätze, Forschungsstand, Forschungsperspektiven. Wiesbaden
Bednarz-Braun, Iris (2004): Ethnicity and gender: limits encountered by nationality- and ethnicity-based women's studies. In: Hübner-Funk, Sibylle (ed.), Research in Progress. Selected Studies of the German Youth Institute. DJI International Series, Vol. 1, 62-72, Deutsches Jugendinstitut, München
Bednarz-Braun, Iris / Heß-Meining, Ulrike (2003): Migration, Ethnie und Geschlechterverhältnisse. Gender- und migrationssensible Forschung am DJI. In: DJI Bulletin 62, 2
Bednarz-Braun, Iris (Hrsg.) (2001): Mädchen und junge Frauen in der Migration. In: Bundeszentrale für politische Bildung / Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Interkulturalität in Bildung und Ausbildung. Dokumentation der Fachtagung 28. Juni bis 1. Juli 2001 in Bad Urach, 63-73
Bendit, Rene (1997): Wir wollen so unsere Zukunft sichern. Der Zusammenhang von beruflicher Ausbildung und Lebensbewältigung bei jungen Arbeitsmigranten in Deutschland, Aachen: Shaker Verlag
Berg, Ulrike / Jampert, Karin (2001): Mit den Augen der Kinder. Ergebnisse einer Kinderbefragung in Migrantenfamilien. Elternbroschüre. Deutsche Fassung. München: Deutsches Jugendinstitut
Berg, Ulrike / Jampert, Karin (2004): Mit den Augen der Kinder. Deutsch-russische Fassung. Elternbroschüre. München Deutsches Jugendinstitut
Berg, Ulrike / Jampert, Karin (2001): Mit den Augen der Kinder. Deutsch-Türkische Fassung
Elternbroschüre. München: Deutsches Jugendinstitut
Berg, Ulrike / Jampert, Karin (2001): Mit den Augen der Kinder. Deutsch-Italienische Fassung
Elternbroschüre. München: Deutsches Jugendinstitut
Berg, Ulrike / Jampert, Karin / Zehnbauer, Anne (2000): Wie Kinder multikulturellen Alltag erleben. Ergebnisse einer Kinderbefragung. München: Projektheft 4
Braun, Frank / Kupferschmid, Peter (2004): Soziale und berufliche Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch passgenaue Förderung. In: Migration und Soziale Arbeit, Heft 1, 19-29
Dannenbeck, Clemens (2002): Selbst- und Fremdzuschreibungen als Aspekte kultureller Identitätsarbeit. Ein Beitrag zur Dekonstruktion kultureller Identität. Opladen: Leske + Budrich
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Förster, Heike / Skrobanek, Jan (2005): Leben am Rande? Dimensionen der Benachteilung von marginalisierten Jugendlichen - eine explorative Studie. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft Jahrg.: 8, Heft 1
Gaupp, Nora / Hofmann-Lun, Irene / Lex, Tilly / Mittag, Hartmut / Reißig, Birgit (2004): Schule - und dann? Erste Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung von Hauptschülerinnen und Hauptschülern in Abschlussklassen. Forschungsschwerpunkt Übergänge in Arbeit. Deutsches Jugendinstitut, München/Halle
Haubrich, Karin (2000): Niedrigschwellige und aufsuchende Ansätze in der Migrationssarbeit zur beruflichen und gesellschaftlichen Integration. In: Jugend, Beruf, Gesellschaft, Jg. 51, Heft 1, 16-22
Haubrich, Karin / Vossler, Andreas (2001): Das Modellprogramm "Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozialarbeit im Sozialraum" - Erste Ergebnisse und Erfahrungen. In: BAG JAW (Hg.):Jugend-Beruf-Gesellschaft, Arbeitsdruck 39. Sozialanalyse, 22-33
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Haubrich, Karin (2001): Vom Jugendgemeinschaftswerk zur Fachstelle für Integration. Vom Jugendgemeinschaftswerk zur Fachstelle für Integration (Vortrag). Deutsches Jugendinstitut
Jampert, Karin (2004): Die Bedeutung der Erstsprache für Zuwandererkinder. In: Recht der Jugend und des Bildungswesens (RdJB), Zeitschrift für Schule, Berufsbildung und Jugenderziehung, Heft 1
Jampert, Karin (2002): Schlüsselsituation Sprache. Spracherwerb im Kindergarten unter besonderer Berücksichtigung des Spracherwerbs bei mehrsprachigen Kindern. Opladen: Leske + Budrich 2002
Jampert, Karin (2001): Schlüsselsituation Sprache. Spracherwerb im Kindergarten unter besonderer Berücksichtigung mehrsprachiger Kinder. In: DISKURS, Jg. 11, Heft 3, 60-68
Gogolin, Ingrid (2005): Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund: Herausforderungen für Schule und außerschulische Bildungsinstanzen. In: Sachverständigenkommission Zwölfter Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.): Kompetenzerwerb von Kindern und Jugendlichen im Schulalter. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut, Reihe: Materialien zum Zwölften Kinder- und Jugendbericht / 3
Kleinert, Corinna (2000): Einstellungen gegenüber Migranten. In: Gille, Martina / Krüger, Winfried (Hrsg.): Unzufriedene Demokraten. Politische Orientierungen der 16- bis 29jährigen im vereinigten Deutschland. DJI Jugendsurvey, Opladen: Leske + Budrich 2002, 355-379
Liebel, Manfred (2003): Neue Nomaden. Jugendliche an den Grenzen Mittel- und Nordamerikas. In: DISKURS Jg. 13, Heft 3, 69-78
Neumann, Ursula (2005): Kindertagesangebote für unter sechsjährige Kinder mit Migrationshintergrund. In: Sachverständigenkommission Zwölfter Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.)
Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern unter sechs Jahren. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut. Reihe: Materialien zum Zwölften Kinder- und Jugendbericht / 1
Mögling, Tatjana (1999): Aussiedlerjugendliche: Migration und Hilfen zur beruflichen Integration. Werkstattbericht. München/Leipzig: Deutsches Jugendinstitut
Otyakmaz, Berrin Özlem u.a. (2002): Migration und Mädchenarbeit. In: Sachverständigenkommission 11. Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.): Mädchen- und Jungenarbeit - Eine uneingelöste fachliche Herausforderung. Der 6. Jugendbericht und zehn Jahre Paragraph 9.3 im Kinder- und Jugendhilfegesetz. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut. Reihe: Materialien zum 11. Kinder- und Jugendbericht / Band 3
Reißig, Birgit / Gaupp, Nora / Lex, Tilly (2004): Hoffnungen und Ängste - Jugendliche aus Zuwandererfamilien an der Schwelle zur Arbeitswelt. Längsschnittstudie zum Übergang Schule - Beruf. In: DJI Bulletin, Heft 69, 4-7
Renner, G.(2002): Kinder ausländischer Eltern in der Jugendhilfe. In: Sachverständigenkommission für den 11. Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.): Migration und die europäische Integration. Materialien zum 11. Kinder- und Jugendbericht. München
Sachverständigenkommission 11. Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.) (2002): Migration und die europäische Integration. Herausforderungen für die Kinder- und Jugendhilfe. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut
Sachverständigenkommission Zehnter Kinder- und Jugendbericht (Hrsg.) (1999): Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund. Kinder in Aussiedlerfamilien und Asylbewerberfamilien - alleinstehende Kinderflüchtlinge. München: Verlag Deutsches Jugendinstitut
Schittenhelm, Karin / Granato, Mona (2003): "Geschlecht" und "Ethnizität" als Kategorien der Jugendforschung. Junge Migrantinnen heute und die Differenzierung einer Lebensphase. In: DISKURS Jg. 13, Heft 2, 59-66
Vossler, Andreas / Obermaier, Andrea M. (2003): Netze knüpfen - Integration fördern. Evaluationsstudie zum Bundesmodellprogramm "Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozialarbeit im Sozialraum". Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung. München
Vossler, Andreas / Obermaier, Andrea M. (2003): Leitfaden für die Weiterentwicklung der Jugendgemeinschaftswerke zu Jugendmigrationsdiensten. Auszug aus dem Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung des Bundesmodellprograms. München
DJI Online / Stand: 1. November 2005
Prof. Dr. Rita Süssmuth
Links
DJI-Projekte mit Informationen über Jugendliche mit Migrationshintergrund
Determinanten der beruflichen und sozialen Integration oder ethnischer Selbstausgrenzung bei jugendlichen Zuwanderern
Auszubildende und junge ArbeitnehmerInnen werden aktiv!
EGRIS Evaluation of employment policies for young adults in Europe
Migration und Geschlechterverhältnisse
Der soziale Nahraum in seiner Integrationsfunktion für Familien ausländischer Herkunft - ein innovativer Ansatz der Familienbildung
Integrationsprozesse bei Aussiedlerfamilien aus Staaten der ehemaligen UdSSR
Multikulturelles Kinderleben in unterschiedlichen regionalen Bezügen
Jugendliche aus Migrantenfamilien an der Schwelle zur politischen Partizipation
Schlüsselkompetenz Sprache
Sprachliche Förderung in der Kita
Jugendhilfeleistungen zwischen Sozial-, Ausländer- und Jugendhilfegesetzgebung
Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozialarbeit im Sozialraum
Kinderpanel. Wie wachsen Kinder auf?
Jugendsurvey 3. Welle
Sechster Familienbericht der Bundesregierung (Schwerpunkt Migration)
Nationaler Bildungsbericht (Schwerpunkt Migration)
Übergangspanel Schule-Beruf
SINTEGRA Datenbank - Integration marginalisierter Jugendlicher
ENTIMON Gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus
Determinanten der beruflichen und sozialen Integration oder ethnischer Selbstausgrenzung bei jugendlichen Zuwanderern
Laufzeit: Juli 2005 - Juni 2007
In Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien wird vor der Entstehung so genannter "Parallelgesellschaften" gewarnt, insbesondere im Hinblick auf Immigranten. Diese "Parallelgesellschaften" sind unter anderem gekennzeichnet durch ein unzureichendes Bildungsniveau bei Kindern, den Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten bei Jugendlichen, eine hohe Arbeitslosigkeitsrate bei jungen Erwachsenen, eine hohe Kriminalitätsrate, häufigen Vandalismus und - nicht zuletzt - einem Trend zu ethnisch bedingter Selbstausgrenzung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Diese Langzeitstudie untersucht deswegen die Integration und die Selbstausgrenzung unter jungen Leuten aus Zuwanderungsfamilien während ihres Überganges vom Schul- zum Berufsleben.
Welche Beziehungen bestehen zwischen kulturellen Botschaften von Institutionen und Einzelpersonen, die am Übergang von der Schule zum Beruf beteiligt sind. Welche Schlüsse ziehen die jungen Einwanderer aus diesen Botschaften insbesondere im Hinblick auf ihre Schulbildung, beruflichen Entscheidungen und Berufsausbildung?
Die auf diese Art und Weise erworbenen Einblicke sollen Institutionen und ihren Mitarbeitern helfen, die Tragweite pädagogischer und verwaltungstechnischer Handlungen in Bezug auf Integration und Ausgrenzung besser zu verstehen.
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Auszubildende und junge ArbeitnehmerInnen werden aktiv!
Strategien und Maßnahmen von Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) zur Förderung der interkulturellen Beziehungen unter Auszubildenden in industriellen Großbetrieben
Laufzeit: Januar 2003 - Dezember 2005
Ziel des Projekts ist es, in einem ersten Schritt die interkulturellen Beziehungen unter männlichen und weiblichen Auszubildenden unterschiedlicher Herkunftskultur empirisch zu untersuchen und zu analysieren, um Einblicke in den potenziellen Handlungsbedarf und die gegebenenfalls bereits entwickelten Fördermaßnahmen sowie Problemlösungsstrategien der JAV zu erhalten. Dazu werden in vier industriellen Großbetrieben mündliche Befragungen von Auszubildenden, Mitgliedern der JAV, BetriebsrätInnen, AusbilderInnen und Ausbildungsleitungen durchgeführt und durch schriftliche Befragungen aller Auszubildenden in den ausgewählten Betrieben ergänzt.
In einem zweiten Schritt haben die Auszubildenden und deren JAV die Möglichkeit, auf der Basis der empirisch fundierten Betriebsanalysen zielgerichtete und adressatenspezifische Maßnahmen und Aktivitäten zu entwickeln, die der Förderung der interkulturellen Beziehungen unter Auszubildenden dienen und ein Arbeiten und Leben in kultureller Vielfalt unterstützen. Dazu werden nicht nur entsprechende Workshops durchgeführt, sondern darüber hinaus wird der Umsetzungsprozess der betrieblichen Maßnahmen im dritten Schritt wissenschaftlich begleitet.
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EGRIS
Evaluation of employment policies for young adults in Europe regarding non-intended effects of social exclusion
Laufzeit: März 1998 - Februar 2001
Allgemeines Ziel des thematischen Netzwerkes ist es, einen Beitrag zur Verbesserung vorhandenen Wissens zu Mechanismen der sozialen Ausgrenzung von jungen Frauen und Männern in der Europäischen Union zu leisten. Dabei sollen im Kontext dieses Netzwerkes genauer die Auswirkungen von Maßnahmen und Beschäftigungspolitiken in bestimmten europäischen Regionen Europas analysiert werden. Ausgangshypothese ist, dass die überall in Europa zu konstatierenden hohen Arbeitslosenraten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen u.a. auch durch desintegrierende Effekte solcher Maßnahmen und Politiken verursacht werden.
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Migration und Geschlechterverhältnisse
Laufzeit: September 2000 - Februar 2003
Wie werden Geschlechterverhältnisse unter Migrationsbedingungen sozial konstruiert? Welche Teilhabechancen haben weibliche und männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft? Welche Formen interethnischer Beziehungen bilden sich heraus?
Ziel des Projektes war es, innerhalb der Abteilung Geschlechterforschung und Frauenpolitik einen neuen Forschungsstrang zu entwickeln und aufzubauen, der die soziale Situation und die Genese unterschiedlicher Lebenslagen und -perspektiven von jugendlichen MigrantInnen in der Bundesrepublik unter geschlechterspezifischen Gesichtspunkten ins Zentrum des Forschungsinteresses rückt.
Zur Fundierung des neuen Forschungsstrangs und der Entwicklung empirisch zu bearbeitender Fragestellungen und künftiger Forschungsprojekte wird der Forschungsstand in der Bundesrepublik Deutschland und in den angelsächsischen Ländern (USA und Großbritannien) in Form einer Sekundäranalyse ausgewertet. Dabei geht es einerseits um die Rezeption und Reflexion theoretischer Konzepte zur sozialen Konstruktion von Geschlecht und Ethnie. Andererseits wird der empirische Kenntnisstand zu zentralen Lebensbereichen wie Familie, Schule, Berufsausbildung und Freizeit aufbereitet, um bestehende Forschungsdesiderate aufzuzeigen.
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Der soziale Nahraum in seiner Integrationsfunktion für Familien ausländischer Herkunft - ein innovativer Ansatz der Familienbildung
Laufzeit: Juli 2001 - Dezember 2002
Familien mit Migrationshintergrund werden von den Angeboten der Familienbildung bisher kaum erreicht. In diesem Projekt wurden auf empirischer Basis Handlungsbausteine zur Förderung von Familien mit Migrationshintergrund bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung entwickelt. Zu den Bausteinen gehörte auch die Erprobung neuer Träger- und Partnerschaftsformen sowie die Entwicklung zielgruppengerechter und aktivierender Instrumente. Als wesentlicher Bestandteil eines ressourcenorientierten Ansatzes wurde die "Kompetenzbilanz für MigrantInnen - eine Checkliste zum Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten" entwickelt.
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Integrationsprozesse bei Aussiedlerfamilien aus Staaten der ehemaligen UdSSR
Laufzeit: Dezember 1998 - Januar 2000
Das Projekt erforschte die Integrations-Verläufe von Aussiedler-Familien, die 1998/99 aus Russland und Kasachstan einreisten. Diese Population der Aussiedler/innen hat sich in den 1990er Jahren grundlegend verändert. Zusammen mit erheblich gewandelten Integrationsbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland führt(e) dies zu erschwerten Bedingungen und damit einem erhöhten Risiko für die Integration von AussiedlerInnen, die ganz überwiegend im Familienzusammenhang einwander(te)n.
Das Erkennen von Entwicklungen bei der Integration verschiedener Gruppen, besonders Eltern/Kinder, Männer/Frauen, Jungen/Mädchen soll die Grundlagen für die Praxis von Beratung und Begleitung erweitern, um spezifische Integrationshilfen für Aussiedlerfamilien und deren Mitglieder weiter zu entwickeln.
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Multikulturelles Kinderleben in unterschiedlichen regionalen Bezügen
Laufzeit: Januar 1997 - Dezember 2000
Leitfragen des Forschungsprojekts waren: Wie handeln Kinder ohne deutschen Pass in einem sozialen Milieu, das durch Multikulturalität geprägt ist? Wie gestalten sie ihre Freundschaftsnetze, und wie nutzen sie die kinderkulturelle Infrastruktur ihres Wohnumfeldes?
Mit der Methode der Kinderbefragung wurde die Beantwortung dieser Fragen an die Kinder selbst weitergegeben. Es ging sowohl darum, wie Kinder die kulturelle Vielfalt ihrer Umgebung wahrnehmen, als auch um die individuellen Umgangsformen, die sich am Handeln der Kinder erkennen lassen.
Ausgangspunkt war die Perspektive der Kinder bei Aspekten, die für ihr alltägliches Handeln wichtig sind, wie ihre Freundschaftskontakte, ihre Aktivitäten im Umfeld und in der Familie. Was bedeuten Kultur und unterschiedliche Herkunft für die Kinder praktisch, ob und wo bemerken sie Unterschiede, welche Kulturvermischungen oder auch kulturelle Abgrenzungen nehmen sie vor und welche Bedingungen machen sich in ihrem regionalen Lebensumfeld und in ihrem Aktivitätsspielraum bemerkbar.
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Jugendliche aus Migrantenfamilien an der Schwelle zur politischen Partizipation
Griechische, italienische und türkische Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland
Laufzeit: Mai 1996 - Dezember 1999
Drei Migranten-Populationen in Deutschland stellen rund 42% der Wohnbevölkerung mit ausländischer Staatszugehörigkeit: Italiener, Griechen und Türken. Ende 1998 lebten rund eine halbe Million junger Erwachsener im Alter von 18 bis 25 Jahren in Deutschland: rund 83.000 Italiener, 53.000 Griechen und 360.000 Türken. Es ist ein historisch neues Phänomen in Deutschland, dass sich eine junge Generation dieser zahlenmäßigen Größenordnung mit (bisher) ausländischer Staatszugehörigkeit mit einem für sie mehrheitlich zutreffenden "Lebensmittelpunkt in Deutschland" an der altersspezifischen Schwelle befindet, ihren Schritt in eine vom Elternhaushalt abgelöste Lebensform zu vollziehen, in berufliche Qualifizierung und Beschäftigung und in die weitere soziokulturelle und politische Zugehörigkeit zur Gesellschaft in Deutschland.
Der sogenannte "Ausländersurvey" befasst sich mit folgenden Fragen: Wie nehmen die Jugendlichen aus Migrantenfamilien ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft in Deutschland wahr? Inwieweit unterscheiden sich ihre politischen Einstellungen, ihr Interesse an politischer Mitsprache und Mitgestaltung, ihr Vertrauen in zentrale gesellschaftliche Institutionen in Deutschland von denen der deutschen Jugendlichen/jungen Erwachsenen dieser Alterskategorie? Welchen Einfluss haben das migrationsspezifische Handlungsfeld, die Bildungssituation, die Sprachkompetenzen, der Wunsch nach eigenethnischen infrastrukturellen Einrichtungen, die Erfahrungen von Benachteiligung, die Kontakte zu Deutschen auf die politischen Einstellungen und Engagements?
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Sprachliche Förderung in der Kita
Laufzeit: Februar 2005 - Januar 2006
Das Projekt erarbeitet ein Grundlagenkonzept für Kindertageseinrichtungen im Elementarbereich, das die Vernetzung einer systematischen sprachlichen Unterstützung von Kindern mit klassischen und innovativen Angeboten aus dem vorschulischen Bildungsspektrum zum Gegenstand hat. Dieser Ansatz zielt darauf, sprachliche Fähigkeiten in ihrer entwicklungsdynamischen und differenzierten Funktion für das kindliche Handeln und Denken sichtbar zu machen, deren Qualität von einem anregungsreichen Umfeld abhängt, in dem sich kindliche Neugierde, Lust an Bewegung und am Erforschen der Umgebung entfalten können. Ausgangspunkt des Vorhabens ist es, Kinder als aussagekräftige und lernbereite Persönlichkeiten im Gesamt ihrer Entwicklung zu begreifen.
Im Projekt soll ein Sprachförderkonzept entwickelt werden, das sich auf alle Kinder einer Einrichtung bezieht und die gesamte dreijährige Besuchszeit der Einrichtung umfasst. Auf dieser Grundlage aufbauend werden auch mehrsprachige Lebenssituationen sowie entwicklungs- und geschlechtsspezifische Aspekte berücksichtigt.
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Schlüsselkompetenz Sprache
Bundesweite Recherche zu Maßnahmen und Aktivitäten im Bereich der sprachlichen Bildung und Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder
Laufzeit: August 2003 - Juli 2004
Angestoßen durch die Ergebnisse der PISA-Studie hat der gesellschaftliche Diskurs um sprachliche Bildung und Sprachförderung einen hohen Stellenwert erlangt. Institutionen wie Schule und Kindertagesstätte sind in die Verantwortung genommen: Sprachliche Bildung soll möglichst früh beginnen und betrifft alle Kinder. Dem Anspruch folgend wurden bundesweit zahlreiche Maßnahmen, Konzepte und Projekte im Bereich der sprachlichen Bildung und Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder entwickelt. Sich in diesem "Angebotsdschungel" zurecht zu finden und den Überblick zu bewahren, ist für pädagogische Fachkräfte und Träger nicht leicht.
Ziel des Projektes war es, einen Überblick zu erstellen, der die vorhandenen Maßnahmen, Konzepte und laufenden Projekte zur sprachlichen Bildung und Sprachförderung in Tageseinrichtungen für Kinder systematisch nach ihren jeweiligen Inhalten, Zielen, Methoden und Umsetzungsmöglichkeiten beschreibt. Der Fokus richtet sich dabei auch auf Möglichkeiten einer regionalen Vernetzung sowie einer Kooperation unterschiedlicher Ansätze. Mit diesem Leitfaden soll insbesondere pädagogischen Fachkräften eine Orientierungshilfe an die Hand gegeben werden, die sie dabei unterstützt, ein Förderkonzept auszuwählen oder sich zu kombinieren, das den Voraussetzungen ihrer Einrichtung und den Bedürfnissen ihrer Kinder entgegenkommt und angemessen ist.
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Jugendhilfeleistungen zwischen Sozial-, Ausländer- und Jugendhilfegesetzgebung
Laufzeit: August 2004 - Dezember 2007
Anhaltend hohe Arbeitslosenzahlen und gravierende Probleme im Bereich Arbeit und Ausbildung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, fortdauernde Finanzknappheit der öffentlichen Haushalte mit Auswirkungen auf fast alle sozialpolitischen Bereiche haben Auswirkungen auf die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Sie legen den Schluss nahe, dass gerade auch das Zusammenwirken der verschiedenen Gesetzgebungen zu Effekten bei der Inanspruchnahme von Jugendhilfeleistungen führt, die auf einer mangelnden Passgenauigkeit bzw. Inkompatibilitäten zwischen den Gesetzen beruhen. Diese führen wiederum zu bedeutenden "Kollisionen" zwischen den Gesetzen oder den Gesetzessystemen.
In diesem weit angelegten Projektrahmen hat die Explorationsstudie zum Ziel, die Zuwanderungsgesetzgebung mit dem SGB VIII - Kinder- und Jugendhilfe - und insbesondere mit denjenigen Bestimmungen des SGB VIII, die sich auf Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund beziehen, in Beziehung zu setzen.
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Interkulturelles Netzwerk der Jugendsozialarbeit im Sozialraum
Laufzeit: April 2000 - März 2003
Das Projekt beinhaltete die Programmevaluation von elf Modellprojekten. Ziel der Projekte war es, die Einrichtungen der Jugendsozialarbeit als zentrale Ansprechpartner für alle jungen Menschen mit Migrationshintergrund weiter zu entwickeln und durch Vernetzung und Einflussnahme auf kommunale Planungsprozesse eine Verbesserung der regionalen Angebotsstruktur für junge MigrantInnen zu erreichen. Hierzu wird eine Öffnung der Einrichtungen und Dienste im Sozialraum für junge MigrantInnen sowie die Etablierung bzw. Weiterentwicklung interkultureller Netzwerkstrukturen durch die beteiligten Modellprojekte angestrebt.
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Kinderpanel. Wie wachsen Kinder auf?
Laufzeit: Januar 2001 - Juni 2006
Kinder leben heute bedingt durch den ökonomischen, familienstrukturellen und gesellschaftlichen Wandel in einer neuen Situation. Ihr Möglichkeitsraum hat sich in mancherlei Hinsicht erweitert (z.B. durch die Kommunikationsmedien), in anderer Hinsicht verengt (z.B. durch die Geschwisterzahl). Viele Kinder sind früh gefordert, selbstständig zu handeln und eigene soziale Bezüge aufzubauen.
Wie es ihnen gelingt, ihren Lebensraum und soziale Beziehungen zu gestalten, ist abhängig von der Entwicklung ihrer Persönlichkeit im Kontext ihrer jeweiligen Lebenslagen. Dabei greifen sie auf personale, ökonomische und soziale Ressourcen zurück, die aber räumlich ungleich verteilt sind. Die Studie verfolgt einen doppelten Zweck: zum einen versucht sie, im Sinne einer Sozialberichterstattung die Lebenslagen von Kindern differenziert zu beschreiben. Zum anderen wird versucht, Einflüsse unterschiedlicher Lebenslagen auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder nachzuzeichnen.
Als Ergänzung zum Kinderpanel wurde eine Zusatzbefragung von insgesamt 500 Kindern und ihren Eltern durchgeführt, die entweder aus der ehemaligen Sowjetunion stammen oder in denen das Kind die türkische Staatsbürgerschaft als 1. oder 2. Staatsbürgerschaft besitzt. Auch hier können die eingesetzten Fragebögen abgerufen werden.
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Jugendsurvey 3. Welle
Laufzeit: Januar 2001 - September 2006
Die 3. Welle des Jugendsurveys, die von August 2003 bis Januar 2004 im Feld war, setzt die Beobachtung der Lebensverhältnisse Jugendlicher und junger Erwachsener fort. Sie greift - insbesondere durch die Einbeziehung der 12- bis 15-Jährigen und nicht-deutscher Jugendlicher und junger Erwachsener - die Themenbereiche Herkunftsfamilie und Schule sowie den Migrationshintergrund als neue Befragungsthemen auf.
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Geschäftsführung Sechster Familienbericht der Bundesregierung
Über die besondere Situation der Familien ausländischer Herkunft in Deutschland
Laufzeit Januar 1996 - Dezember 1999
Der Sechste Familienbericht ist ein Spezialbericht über die besondere Situation der Familien ausländischer Herkunft in Deutschland. Es handelt sich dabei um den ersten in der Geschichte der vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Berichte, der sich explizit der Wohnbevölkerung ausländischer Herkunft in Deutschland zuwendet.
Die Geschäftsführung war für die organisatorische und verwaltungsmäßige Durchführung und der Herstellung des Familienberichts verantwortlich. Hierzu gehörten u.a. die Vor- und Nachbereitung von Kommissionssitzungen, die Betreuung der ExpertisennehmerInnen sowie die organisatorische Durchführung von Expertenhearings und Zuarbeiten zu einzelnen Kommissionsmitgliedern. Neben der Aufbereitung bestimmter Themenbereiche, wie z.B. die demografische Entwicklung und räumliche Verteilung der Bevölkerung ausländischer Herkunft, das als eigenverantwortliches Teilkapitel in den Familienbericht aufgenommen wurde, führte sie Recherchen im In- und Ausland zum Alltagsleben und Good-Practise-Beispielen in Kommunen durch. Darüber wurde eine Expertise mit dem Titel "Zur Situation von Familien ausländischer Herkunft im Spiegel der Praxis" verfasst und in Band 2 der Materialien zum Familienbericht veröffentlicht und für den Familienbericht das Kapitel V.4 "Selbsthilfepotenziale von Familien ausländischer Herkunft und ihre Netzwerke" eigenverantwortlich geschrieben.
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Nationaler Bildungsbericht
Laufzeit: Oktober 2004 - April 2006
Wie tragen die Bildungseinrichtungen dazu bei, dass Kinder ein selbstbestimmtes Leben in einer freien und solidarischen Gesellschaft führen und ihre Lebensräume erweitern können? Helfen sie, Chancengleichheit in den Bildungsverläufen herzustellen und systematische Benachteiligungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterschiedlicher sozialer Herkunft zu vermeiden? Welchen Beitrag leisten Bildungssysteme für die nationale Wohlfahrt, für die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Ländern und Regionen? Und wie fördern sie den sozialen und politischen Zusammenhalt in einer Gesellschaft? Die Bildungsberichterstattung will solche drängenden Fragen auf der Basis nachprüfbarer Indikatoren besser diskutierbar machen. Zugleich soll sie als Handlungsgrundlage für bildungspolitische Entscheidungen dienen.
Im Blick ist das Bildungssystem als Ganzes. Der Bericht richtet sich am Leitgedanken der Bildung im Lebenslauf aus und erfasst deshalb sämtliche Bildungsbereiche - die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung, das Schulwesen, die berufliche Bildung, Weiterbildung und Hochschule - und schließt darüber hinaus auch die non-formalen und informellen Lernwelten mit ein.
Dabei geht es nicht darum, das Bildungssystem in all seinen Facetten zu erfassen. Die Bildungsberichterstattung will vielmehr wichtige Daten und Entwicklungen im Bildungswesen der Bundesrepublik Deutschland darstellen und den Blick in erster Linie auf solche Themen richten, die für eine Dauerbeobachtung des Bildungswesens relevant sind. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei das Thema Migration.
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Übergangspanel
DJI Forschungsschwerpunkt Übergänge in Arbeit
Laufzeit: Juli 2003 - Dezember 2006
Im Übergangspanel wird ein theoretisches und methodisches Konzept zur Erfassung und Analyse von Bildungs-, Ausbildungs- und Erwerbsverläufen von Jugendlichen mit Benachteiligungen entwickelt. Das Projekt verfolgt das Ziel, aus drei quantitativen Panels zu den Übergangsverläufen von der Schule in Ausbildung und Erwerbsarbeit von benachteiligten Jugendlichen in Drittmittelprojekten des Forschungsschwerpunkts einen Fundus von Daten zu generieren, die die Analyse von Zusammenhängen von sozialer Herkunft, Lebenslagen, Schulkarrieren und Prozessen der beruflichen und sozialen Integration, aber auch der sozialen Ausgrenzung ermöglichen. Grundlage der Analyse bilden Paneldaten aus Drittmittelprojekten: "Freiwilliges Soziales Trainingsjahr FSTJ", "Kompetenzagenturen" und "Netzwerk Prävention von Schulmüdigkeit und Schulverweigerung".
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SINTEGRA Datenbank
Gute Beispiele der sozialen Integration marginalisierter Jugendlicher
Laufzeit: 01.01.2005 - 31.12.2007
Für Fach- und Leitungskräfte in lokalen Projekten und Initiativen der Kinder- und Jugendhilfe, in Politik und Arbeitsverwaltung wird eine über die DJI-Website zugängliche Datenbank aufgebaut, in der systematisch aufbereitete "gute Beispiele" der sozialen Integration marginalisierter Jugendlicher präsentiert werden. Dieser Projektepool kann als Informationsquelle, Arbeitsmittel und Impuls für innovative lokale Praxisprojekte genutzt werden, die an der Entwicklung und Umsetzung neuer Methoden und Strategien zur Inklusion von sozial ausgegrenzten Jugendlichen arbeiten.
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Entimon - gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus
Laufzeit: Januar 2002 - Dezember 2006
In Reaktion auf rechtsextreme Übergriffe auf Menschen in West- und Ostdeutschland sowie aufgrund von Anschlägen auf Synagogen und Schändungen jüdischer Friedhöfe hat die Bundesregierung im Jahr 2001 das zunächst einjährige Aktionsprogramm "Maßnahmen gegen Gewalt und Rechtsextremismus" (MaReG) aufgelegt, das im Jahr 2002 unter dem Namen "Entimon" fortgesetzt wurde. Der Programmname "Entimon" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Würde" oder "Respekt". Der Schwerpunkt des Programms liegt auf der Förderung von Projekten, die im Rahmen der politischen Bildung innovative und modellhafte Praxisansätze entwickeln und umsetzen.
Zu dem Aktionsprogramm gehört als integraler Bestandteil die wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung des Programms. Das BMFSFJ hat das Deutsche Jugendinstitut e.V. mit dieser Aufgabe betraut. Die Begleitung des Programms findet in direkter inhaltlicher Abstimmung mit dem fachlichen Programmbeirat von "Entimon" statt.
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DJI Online / Stand: 1. November 2005