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Thema 2008/09
Gemeinsam stärker – Kooperation im Bereich Frühe Hilfen

DJI-Projekt - Thema 2008/09<br>Gemeinsam stärker – Kooperation im Bereich Frühe Hilfen

Blick von außen I

Ilona Friedrich, Leiterin des Jugendamtes Werra-Meißner-Kreis

„Familien stärken! Frühe Hilfen für Familien – ein Beispiel guter Praxis“


Die ersten Jahre eines Kindes sind für die Entwicklung seiner Persönlichkeit sowie für ein erfolgreiches Schul- und späteres Berufsleben entscheidend. Die Jugendhilfe trägt traditionell dafür Verantwortung, auch im frühen Kindesalter Hilfen für die Kinder zur Verfügung zu stellen, die in ihrer Familie einen unzureichenden Rahmen für ihre Entwicklung haben oder besonderen Gefahren ausgesetzt sind.

Für Familien in belasteten Lebenssituationen setzen Unterstützungsangebote oder Interventionen häufig zu spät ein. Diese Erkenntnis hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend im Bereich der Jugendhilfe durchgesetzt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der spektakulären Fälle von Kindstötungen und Kindeswohlgefährdungen. Hierauf reagierte die Jugendhilfe im Werra-Meißner-Kreis mit der systematischen Überprüfung und Weiterentwicklung ihrer Verfahrensweisen und Maßnahmen zum Kinderschutz.

Eine Konsequenz ist die Entwicklung und Umsetzung der Strategie, Familien generell zu stärken als beste Form der Prävention und der Vermeidung von Kindeswohlgefährdung. Darüber hinaus geht es darum, Familien so früh wie möglich zu erreichen, um gegebenenfalls gezielte Hilfen zu geben. Die Übergänge von normaler Belastung zu nicht mehr bewältigbaren Situationen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Kinder sind oft fließend. Um sie erkennen und einschätzen zu können, sind frühe Kontakte zu den Familien von Bedeutung.

Wie kann es also gelingen, Eltern so früh wie möglich in ihren Erziehungs- und Familienaufgaben zu unterstützen? Wie schafft man es, Eltern, die mit der Versorgung und Erziehung ihrer Säuglinge und Kleinkinder überfordert sind, rechtzeitig zu erreichen und Hilfen anzubieten? Und wie müssen die Hilfen aussehen, damit sie auch von den Familien akzeptiert werden können?

Antworten hierzu kann nicht allein die Jugendhilfe geben; Familien zu stärken und ein differenziertes Beratungs-, Unterstützungs- und auch Frühwarnsystem aufzubauen, ist eine interdisziplinäre Herausforderung für Politik, Jugendhilfe und Gesundheitswesen.

Wie der Werra-Meißner-Kreis sich diesen Herausforderungen stellt, welche Erfolge sich abzeichnen, das soll im Folgenden beschrieben werden.

Etablierung einer Arbeitsgruppe „Frühe Hilfen für Familien“ im Lokalen Bündnis für Familie des Werra-Meißner-Kreises
Als erster Landkreis im Regierungsbezirk Kassel hat der Werra-Meißner-Kreis auf Initiative von Landrat Stefan Reuß im November 2006 unter dem Motto „Familie stark machen! Wir im Werra-Meißner-Kreis“ ein Lokales Bündnis für Familie gegründet und damit ein weiteres Signal für eine familienfreundliche Region gesetzt. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik, den Kirchen, den Wohlfahrtsverbänden, der Wirtschaft, der Verwaltung und weiteren gesellschaftlichen Gruppen haben erklärt, die Situation für Familien und die Potenziale für einen familienfreundlichen Werra-Meißner-Kreis in den Mittelpunkt des politischen und gesellschaftlichen Interesses rücken zu wollen.

Als ein Handlungsfeld im Rahmen der Bündnisarbeit wurde der Ausbau der Präventionsarbeit angesehen. Diese Diskussion traf sich mit den Vorstellungen der Jugendhilfe und es ergab sich die Möglichkeit, den Bereich „Frühe Hilfen“ in einer Arbeitsgruppe unter dem Dach des Lokalen Bündnisses zu etablieren, um auf breiter Basis interdisziplinär bedarfsgerechte neue Angebote für Familien zu entwickeln.

Den Verantwortlichen war klar, dass hier zusätzliche finanzielle Mittel notwendig sein würden, ohne deren Umfang bereits genau beziffern zu können. Dieser Grundkonsens ermöglichte es, dass im Rahmen des Lokalen Bündnisses einige neue Finanzierungsquellen erschlossen werden konnten. So konnten beispielsweise Spenden sowie Zuwendungen aus Stiftungen in nicht unerheblicher Höhe für den Bereich Frühe Hilfen eingeworben werden.

Als sehr produktiv erweist sich auch der regelmäßige Austausch und die Abstimmung der AG Frühe Hilfen mit den anderen vier Arbeitsgruppen unter dem Dach des Lokalen Bündnisses für Familie. So kann gerade die Arbeitsgruppe „Familienbildung in Kindertagesstätten“ etwa in sinnvoller Weise an die Arbeit der AG „Frühe Hilfen für Familien“ anknüpfen.

Im Vorfeld der Konstituierung der Arbeitsgruppe „Frühe Hilfen für Familien“ bestand vor allem seitens der freien Träger der Jugendhilfe großes Interesse an einer Mitarbeit. Hier gab es eine nahtlose Anknüpfung an die bisherige gute Tradition der Kooperation und erfolgreichen Weiterentwicklung von Angeboten.

Zu einer ersten Sitzung wurden neben diesen Vertreterinnen und Vertretern aus dem Gesundheitswesen (Gesundheitsamt, Hebammen, Kinderärzte, Gynäkologen, Entbindungsstationen der Krankenhäuser) eingeladen und für eine Mitarbeit motiviert. Bisher konnten aus dem Gesundheitswesen vor allem die Hebammen, der Fachdienst Gesundheitswesen des Werra-Meißner-Kreises und die kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz Witzenhausen für eine kontinuierliche Mitarbeit gewonnen werden.

Unter Moderation und Koordination des Fachdienstes Jugend und Familie des Werra-Meißner-Kreises hat die Arbeitsgruppe ihre Arbeit im März 2007 aufgenommen und folgende Ziele für die Arbeit formuliert:

  • Vernetzung der Jugendhilfe mit dem Gesundheitswesen und Entwicklung von Strukturen für eine verlässliche und systematische Zusammenarbeit;
  • Gewinnung weiterer Vertreterinnen und Vertreter aus dem Gesundheitswesen für die Arbeit der Arbeitsgruppe;
  • Schaffung einer gemeinsamen Wissensbasis und Förderung eines interdisziplinären Fallverstehens;
  • Ermittlung von Bedarfen und Verbesserung der Infrastruktur für Familien durch die Entwicklung neuer Angebote;
  • Entwicklung einer Gesamtkonzeption „Frühe Hilfen im Werra-Meißner-Kreis“;
  • Konzipierung und Durchführung von Informationsveranstaltungen und Fortbildungsangeboten;
  • Kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit (Presseartikel, Faltblätter, Broschüre mit allen Angeboten im Werra-Meißner-Kreis für Multiplikatoren).

Die Arbeitsgruppe trifft sich regelmäßig. Von März 2007 bis Juni 2008 fanden acht Sitzungen statt. Bisher haben sich drei Unterarbeitsgruppen gebildet, in denen die Vorhaben „Gesamtkonzeption“, „Familienhebammen“ und „Willkommenspaket“ konzipiert wurden und aktuell weiterentwickelt werden.

Die gemeinsame Arbeit wird getragen von dem Interesse, den eigenen professionellen Blick zu erweitern und für Familien im Werra-Meißner-Kreis frühe und auf einander abgestimmte, bedarfsgerechte Angebote zu entwickeln. Zur guten Kooperation trägt das Arbeiten auf gleicher Augenhöhe, die gegenseitige Wertschätzung und das Interesse an der Arbeit der jeweils anderen Profession bei. Die Protokollführung wird wechselseitig vorgenommen; die Treffen finden an den Orten der beteiligten Institutionen statt.

Die Arbeit in der Arbeitsgruppe hat deutlich gemacht, dass es breit angelegter Unterstützungs- und Beratungsangebote für Eltern bedarf, die nicht stigmatisierend wirken. Darüber hinaus besteht die Notwendigkeit zu verbindlicher Kooperation zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe sowie spezifischen Hilfsangeboten für belastete Familien und gefährdete Kinder. Folgende drei Handlungsfelder werden aktuell verfolgt:

Handlungsfeld 1:

Verbesserung der familiären Rahmenbedingungen - Unterstützung für alle Familien
Die Phase der Schwangerschaft und Geburt, in der Mütter und auch Väter offen für Beratungsangebote sind, wird genutzt, um frühzeitig und in einer ansprechenden Form über Betreuungsangebote sowie Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten im Werra-Meißner-Kreis zu informieren.

Es wurde ein „Willkommenspaket“ konzipiert, mit dem alle Neugeborenen ganz besonders herzlich willkommen geheißen werden. Seit Oktober 2007 wird es über die Kommunen, in der Regel durch persönliche Besuche der Bürgermeister, Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher oder von Bediensteten der Verwaltung, versehen mit weiteren Geschenken und Vergünstigungen der Kommunen, den Familien mit Neugeborenen überbracht. Das Willkommenspaket beinhaltet neben einer Broschüre mit einer Vielzahl von Informationen zur Entwicklung des Kindes im ersten Lebensjahr einen Gutschein für einen Elternkurs bei der Evangelischen Familienbildungsstätte. Darüber hinaus enthält es ein neu entwickeltes Faltblatt mit Adressen, Telefonnummern und Internetseiten rund um das Thema Familie sowie Informationsblätter mit spezifischen Angeboten für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern, der Kinder-Tagespflege, der Erziehungsberatungsstelle und der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz. Ein Magnetpin mit Notrufnummern und Raum für wichtige persönliche Telefonnummern sowie ein Rauchmelder sind weitere Bestandteile des Paketes mit ganz praktischem Nutzen.

Ein erstes erfreuliches Ergebnis ist, dass viele Gutscheine für ein Kursangebot der Evangelischen Familienbildungsstätte bereits eingelöst wurden.

Zu den notwendigen Rahmenbedingungen familiärer Erziehung gehört eine differenzierte Infrastruktur, die bedarfsgerechte Kinderbetreuungsangebote sowie Beratungs- und Bildungseinrichtungen für die Familie umfasst.

Die Infrastruktur für Familien hat sich bisher in den Städten und Gemeinden unterschiedlich entwickelt. Die Versorgungsquote für die Betreuung der unter Dreijährigen in Kindertagesstätten und Kindertagespflege beträgt im Werra-Meißner-Kreis gegenwärtig beispielsweise durchschnittlich über 18 Prozent und liegt damit über dem hessischen Durchschnitt, der sich um 10 Prozent bewegt. Im Interesse der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und insbesondere unter dem Aspekt der Förderung von Kindern aus belasteten Familien muss dieser Weg konsequent fortgesetzt werden.

Neben den Kindertagesstätten gibt es im Werra-Meißner-Kreis seit vielen Jahren Familienzentren in Bad Sooden-Allendorf und Neu-Eichenberg. Eschwege hat vergleichbare Einrichtungen: den Sozialen Stadtteilladen im Stadtteil Heuberg und die Evangelische Familienbildungsstätte. Diese hat sich mittlerweile konzeptionell zu einem Mehrgenerationenhaus entwickelt.

Die Angebote der genannten Einrichtungen umfassen Programme für Eltern zur Förderung der Erziehungskompetenz und zur Alltagsbewältigung sowie Spielkreise und Integrationsmaßnahmen. Sie werden von den Kommunen und dem Landkreis finanziell unterstützt, weil sie auf Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie ehrenamtliche Arbeit setzen und vor allem sozialräumlich maßgeschneiderte Konzepte für Familien bieten.

Mit diesen Einrichtungen haben sich „Orte für Familien“ entwickelt, in denen ein niedrigschwelliges und in der Regel wohnumfeldbezogenes Unterstützungsangebot für Familien bereitgestellt wird. Noch haben sie aber eher punktuellen Charakter, weitere Initiativen dieser Art in den Kommunen wären wünschenswert und zu unterstützen.

Neu entstanden im Kontext der Frühen Hilfen ist das Projekt „Wellcome“, dessen Träger die Evangelische Familienbildungsstätte ist. Eltern mit Neugeborenen können vom Projektträger ehrenamtliche Helferinnen anfordern, die sie im Alltag unterstützen und damit zu einer Entlastung in der familiären Übergangssituation beitragen können.

Im Bereich der Beratungsangebote stehen werdenden Eltern und Eltern mit Neugeborenen im Werra-Meißner-Kreis zwei Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen, eine Erziehungsberatungsstelle, zwei Ambulanzen der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie das Beratungsangebot des Fachdienstes Jugend und Familie zur Verfügung. Neu entwickelt wurden spezialisierte Beratungs- und Behandlungsangebote für Eltern mit Schreibabys sowie Babys und Kleinkinder mit Schlaf- und Fütterstörungen in der Erziehungsberatungsstelle Eschwege und der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz Witzenhausen.

Diese, aber auch andere Beratungsangebote werden bisher nur von einem geringen Teil der Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern genutzt, insbesondere nicht von Hochrisikofamilien. Aus Sicht der Beraterinnen und Berater ist der Bekanntheitsgrad bei den Eltern noch nicht groß genug. Es sei also eine wichtige Aufgabe, sie besser bekannt zu machen und Brücken zu Familien zu bauen. Eine Schlüsselfunktion kommt dabei dem Gesundheitswesen zu, denn nahezu alle Eltern mit Neugeborenen haben Kontakt mit Hebammen, Gynäkologinnen und Gynäkologen und Kinderärztinnen und -ärzten. Von Bedeutung ist es daher, das Gesundheitswesen über die bestehenden Angebote zu informieren. Eine erste Informationsveranstaltung im August 2008 sowie eine neu erstellte Broschüre mit dem Gesamtangebot der Frühen Hilfen für die Familien im Werra-Meißner-Kreis richten sich an die Ärzteschaft.

Handlungsfeld 2:

Vernetzung und verbindliche Kooperation von Jugendhilfe und Gesundheitswesen
In der Arbeitsgruppe „Frühe Hilfen für Familien“ findet interdisziplinäres Lernen statt. Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Gesundheitswesen und Jugendhilfe haben ihren Dialog mit dem Kennenlernen der jeweiligen institutionellen Aufträge und Arbeitsweisen begonnen. Das Aufeinanderzugehen und das Wissen um die Kompetenzen und Grenzen der jeweiligen Profession sind Grundbedingung für die Kooperation. Die kontinuierliche und zuverlässige Beteiligung in der Arbeitsgruppe lässt vermuten, dass die Beteiligten für sich und ihre Arbeit einen hohen Nutzen in der Zusammenarbeit sehen. Hierzu trägt sicher auch bei, dass die Arbeit von den jeweiligen Leitungsebenen in den Institutionen sehr unterstützt wird.

Als wichtige zukünftige Arbeitsschritte der Arbeitsgruppe mit Blick auf die Vernetzung von Jugendhilfe und Gesundheitswesen sind anzusehen:

  • gemeinsame Fallarbeit und damit Förderung eines interdisziplinären Fallverstehens
  • verbindliche Regelung der Zuständigkeiten
  • Vereinbarung einer systematischen Zusammenarbeit
  • Ermittlung der Bedarfslage der Familien
  • Angebotsabstimmung

Zur Koordination und Weiterentwicklung des Bereichs „Frühe Hilfen“ wird der Werra-Meißner-Kreis zusätzlich eine halbe Stelle im Fachdienst Jugend und Familie ab Oktober 2008 einrichten.

Handlungsfeld 3:

Schaffung neuer Zugänge zu Familien und neuer Arbeitsansätze bei komplexen psychosozialen Belastungssituationen
Säuglinge und Kleinkinder bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit. Sie sind vollständig auf die elterliche Fürsorge angewiesen, sehr verletzlich und besonders häufig von Vernachlässigung und Misshandlung betroffen. Aber auch die ganz natürlichen hormonellen Veränderungen von Schwangerschaft und Geburt führen bei ca. 15 Prozent der Frauen zu einer postpartalen Depression („Baby Blues“), so dass sie Unterstützung bei der Versorgung ihrer Säuglinge und Kleinkinder benötigen. Das Augenmerk ist deshalb auf frühe Zeichen von Unsicherheit und Überforderung in Familien mit Säuglingen und Kleinkindern zu richten. Auch die Erfahrung, dass ein erhöhtes Risiko von Kindeswohlgefährdung in Familien mit gesundheitlichen Problemen (Alkohol- und Drogenabhängigkeit, psychische Erkrankung), mit psycho-sozialen Problemen (frühe Elternschaft, alleinerziehend, Arbeitslosigkeit) oder Gewalt in der Partnerschaft besteht, ist zu berücksichtigen.

Von der Jugendhilfe wurden viele gefährdete Kinder bisher erst dann erreicht, wenn diese Kindertagesstätten besucht und sich bei ihnen Auffälligkeiten im motorischen, sprachlichen und kognitiven Bereich oder Probleme im Verhalten oder der Beziehungsgestaltung gezeigt haben. In solchen Fällen kann die Ursache in anhaltenden familiären Belastungssituationen liegen. Es wäre besser, die Familien früher zu erreichen, um ihnen eine notwendige Unterstützung zu geben.

Ein solcher früherer Zugang zu den Familien ist im Gesundheitswesen möglich, vor allem bei Hebammen, Geburtskliniken und gynäkologischen- und kinderärztlichen Praxen. Dort können Problemlagen früher wahrgenommen werden und Hilfen könnten einsetzen, bevor es zu einer Kindeswohlgefährdung kommt.

Diese Erkenntnisse haben die Arbeitsgruppe „Frühe Hilfen für Familien“ bewogen, zusätzliche und spezialisierte neue Angebote für belastete Familien zu konzipieren. Ihre Umsetzung hängt davon ab, wie weit es gelingt, die Familie für die Hilfe zu motivieren und eine Vertrauensbasis aufzubauen. Eine Voraussetzung, Familien in belasteten Lebenssituationen erreichen zu können, ist eine aufsuchende Hilfe. Hier werden vor allem die Zugänge ab der Schwangerschaft und der Geburt genutzt.

Im Oktober 2008 startet das Projekt „Familienhebammen“. Aktuell bilden sich fünf Hebammen aus dem Werra-Meißner-Kreis zu Familienhebammen weiter. Diese können Frauen, Mütter und Kinder bis zum 1. Lebensjahr unterstützen und damit die Gesunderhaltung von Mutter und Kind fördern. Dabei liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der psychosozialen und medizinischen Beratung und Betreuung von Risikogruppen durch eine aufsuchende Arbeit. Sie unterstützen auch Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern, spezialisierte Beratungs- und Therapieangebote in Anspruch zu nehmen. Das Projekt wird koordiniert durch den Fachdienst Jugend und Familie.

Darüber hinaus gibt es aktuell im Bereich der ambulanten Erziehungshilfen konkrete Planungen von spezialisierten Angeboten für unterschiedliche Belastungssituationen in Familien.

Die Arbeiterwohlfahrt und der Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) werden zukünftig das in den USA entwickelte STEEP™-Programm in ihrer Arbeit einsetzen. Das Programm fördert die elterliche Kompetenz im Umgang und die Beziehungsgestaltung mit dem Kind durch Gruppenarbeit und Einzelkontakte. Die Effektivität des Programms ist empirisch nachgewiesen. Aktuell bilden sich sozialpädagogische Fachkräfte der Träger weiter.

Die Drogenhilfe Nordhessen e. V. wird im Rahmen eines auf die gesamte Region Nordhessen bezogenen Modellprojektes ambulante Hilfen und Vernetzung für Familien mit Suchtproblemen anbieten.

Die Jugendhilfe Hephata wird zukünftig ihre Angebote im Bereich der „Mutter-Kind-Betreuung“ auf den Werra-Meißner-Kreis ausdehnen und damit eine Versorgungslücke schließen.

Fazit
Es ist im Werra-Meißner-Kreis gelungen, den Dialog zwischen verschiedenen Institutionen aus dem Gesundheitswesen und der Jugendhilfe zum Thema „Frühe Hilfen“ zu beginnen.

Eine erste Bestandsaufnahme zum Hilfs- und Unterstützungsangebot wurde erarbeitet und zahlreiche neue Angebote für Familien konnten entwickelt und bereits umgesetzt werden. Weitere Vorhaben zur Verbesserung der Infrastruktur für Familien befinden sich in der Planung.

Der Werra-Meißner-Kreis wird diesen Weg konsequent weiter verfolgen mit der Zielsetzung, Familien in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken, die Stigmatisierung belasteter Familien zu vermeiden und offen zu bleiben für interdisziplinäre Kooperation und Innovation.

Eine Übersicht über die derzeitigen Angebote der an der AG „Frühe Hilfen für Familien“ beteiligten Institutionen

  • Ev. Familienbildungsstätte/Mehrgenerationenhaus (Elternkurse, „Teenie-Treff“, Projekt „Wellcome“, Tagespflege)
  • Arbeiterwohlfahrt Eschwege (sozialpädagogische Familienhilfe und Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität, Kursangebot „Elternsein auf Probe“)
  • Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (sozialpädagogische Familienhilfe und Familienaktivierung)
  • Aufwind – Verein für seelische Gesundheit (psychosoziale Familienhilfe und psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle)
  • Drogenhilfe Nordhessen (Familienhilfe für Familien mit Suchtproblemen und nordhessisches Modellprojekt)
  • Diakonisches Werk (Erziehungsberatungsstelle)
  • Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters Kassel, Ambulanz Witzenhausen
  • Hebammen
  • Fachdienst Gesundheitswesen des Werra-Meißner-Kreises
  • Fachdienst Jugend und Familie des Werra-Meißner-Kreises

finden Sie hier.

Ilona Friedrich (Jg. 1961) leitete nach dem Studium der Sozialpädagogik und Wirtschaftspädagogik neun Jahre lang das Frauenbüro des Werra-Meißner-Kreises, bevor sie 1998 die Leitung des Jugendamtes des Werra-Meißner-Kreises, jetzt Fachdienst Jugend und Familie, übernahm.

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Ilona Friedrich


DJI Online / Stand: 1. September 2008

bearbeitet von
letzte Änderung: 01.06.2010 14:46

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