„Visuelle
Modelle und Programmtheorie –
Instrumente der Programmplanung und Evaluation“
Logische Modelle, Wirkmodelle und Programmtheorie haben seit
den 1990er Jahren in der internationalen Evaluationsdebatte eine erstaunliche
Konjunktur erfahren. Programmtheorie und ihre Repräsentation über die
unterschiedlichsten Formen von „Programm-Modellen“ sind so weit verbreitet,
dass man leicht vergessen könnte, dass es auch einmal eine Welt ohne sie gab.
Als „better strategies for great results“
preist ein kürzlich erschienener Leitfaden (Knowlton/
Phillips 2009) logische Modelle als Werkzeuge der Evaluation an. Doch was
können sie wirklich leisten? Welche Erfahrungen wurden mit ihrem Einsatz im
deutschsprachigen Raum gemacht? Wann sind sie hilfreich und wann sollte man
besser auf sie verzichten? Was ist bei der Verwendung von Programmtheorie und
logischen Modellen zu beachten? Und welche unerwünschten „Nebenwirkungen“
können auftreten?
Mit diesen Fragen setzen sich die Referentinnen und Referenten im Rahmen der
Fachtagung „Visuelle Modelle und Programmtheorie“ im Dezember 2009 in Fulda
auseinander. Ihre Beiträge decken ein breites Spektrum an Einsatzformen von
Programmtheorie und logischen Modellen ab. Thomas Widmer eröffnet die Tagung mit seinem Beitrag über „anagogische Vexierbilder“ (also Bildern in einer
unmöglichen Perspektive, die noch dazu auf etwas „Höheres“ verweisen). Er gibt
einen Überblick über Formen und Funktionen von „Programmbildern“ und berichtet
anhand eigener Studien über Erfahrungen mit ihrem Einsatz. Jan Hense unterscheidet systematisch vier Funktionen
von Programm-Modellen – kommunikativ, edukativ,
designsteuernd, interpretationsleitend –
und illustriert diese zum einen anhand selbst durchgeführter
Evaluationen. Zum anderen wählt er die Programmtheorie, die den Standards für
Evaluation zugrunde liegt, als Beispiel und schlägt so die Brücke zu Fragen der
Professionalisierung von Evaluation.
Die Verwendung von Programm-Modellen in komplexen Programmen mit vielen
Akteuren nehmen Karin Haubrich und Susanne Giel in
den Blick. Karin Haubrich stellt ihren rekonstruktivenAnsatz der Programmtheorie-Evaluation am Beispiel von Modellprogrammen des
Bundes vor. Susanne Giel berichtet aus einer laufenden Evaluation des
Bundesprogrammes „Vielfalt tut gut“ und stellt Validierungsstrategien der
Evaluation dar, um übertragbare „Wirkstränge“ innovativer Projekte
rekonstruieren zu können. Sie verwendet dabei den Programmbaum von Univation, der von Melanie Niestroj in
seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von der Planung über die
Designentwicklung bis hin zur Auswertung in Evaluationen vorgestellt wird.
Zwei Werkstattberichte nehmen den Einsatz von logischen Modellen in der
Evaluation von Regelpraxis in den Blick. Annalena Yngborn und Berit Haußmann berichten über ihre systematische Erprobung
des logischen Modells als ein Instrument der Evaluation kriminalpräventiver Projekte
in zwei Fällen. Sie stellen Weiterentwicklungen des logischen Modells vor, die
besser geeignet erscheinen, ko-produktive Prozesse
abbilden zu können. Stefan Cinkl berichtet gemeinsam mit Thomas Marthaler über
erste Erfahrungen des Einsatzes logischer Modelle in der Evaluation
sozialpädagogischer Familiendiagnose und involviert die Tagungsteilnehmenden in
einen Mini-Workshop zum eigenen Evaluationsvorgehen.
Holger Ziegler schlägt abschließend den Bogen zur „realistischen
Evaluation“. Er referiert über die Anwendung der „realistic evaluation“ in der
„Evaluation sozialer Frühwarnsysteme in Nordrhein-Westfalen und
Schleswig-Holstein“. Nach kritischer Auseinandersetzung mit dem sukzessionistischen Wirkungsbegriff (quasi-)experimenteller
Designs, berichtet er über sein praktisches Beispiel zur Umsetzung eines
„realistischen“, generativen
Wirkungsverständnisses in dem Design zur Evaluation „Früher Hilfen“.
Die Fachtagung ermöglichte einen breiten Überblick zu Programmtheorie und
Programm-Modellen und bot den Rahmen für intensive Diskussionen. Für die
weitere Arbeit des Projekts eXe sollen die gewonnenen Einsichten genutzt
werden, um eine Handreichung für den Einsatz logischer Modelle, Wirkmodelle
oder Programm-Modelle in Evaluationen zu erarbeiten.