Arten
der Gewalt(vgl.
Barthelmes, Jürgen: Fernsehen und Computern in der Familie. Für einen kreativen Umgang mit Medien. München
1999) Sprachliche Gewalt Gewalt ist in aller Munde, nicht nur als Wort, als Thema, sondern in Form von
Wörtern und Aussagen, die andere kränken, beleidigen, niedermachen, demütigen, entwerten, anschwärzen,
mund-tot-machen. Sprachliche Gewalt zeigt sich in abfälligen Äußerungen über den Anderen. Sprachliche Gewalt wird durch die Körpersprache verstärkt: Die Blicke unserer Augen und die Mienen (=
Minen) unserer Gesichter können andere ebenfalls missachten. Sprachliche Aussagen in Form von Anordnungen und Verordnungen können andere entwürdigen. "Worte
vergehen, der Schmerz bleibt" (www.mehr-respekt-vor-Kindern.de). Sprachliche Gewalt hat den Charakter von Kriegserklärungen bzw. von "Rosenkriegen". Sprachliche
Gewalt ist Ausdruck eines zwischenmenschlichen Krieges. Dabei werden oft Fakten entstellt sowie Zusammenhänge
verfälscht. Hinter sprachlicher Gewalt steckt das Motiv, den Willen des Anderen zu brechen sowie die eigenen Interessen durchzusetzen.
In Paarbeziehungen zeigt sich sprachliche Gewalt vor allem darin, den anderen zu manipulieren oder den anderen
zu etwas zu zwingen (Partner können den anderen auch sprachlich zur Liebe zwingen). | Körperliche Gewalt Das chinesisch-japanische Schriftzeichen für Kraft und Gewalt zeigt eine
Hand, die etwas niederdrückt. Doch nicht nur unsere Hände tun anderen Gewalt an, mit unseren Füßen
können wir andere zum Stolpern bringen, demütigen, nachtreten, stiefeln. Körperliche Gewalt verletzt die Unversehrtheit des anderen Körpers. Die Haut eines Menschen ist die Grenze einer Person nach außen. Die Haut eines anderen Menschen zu berühren,
setzt immer Achtsamkeit sowie ein Bewusstsein für die Würde des (anderen) Menschen voraus. Wenn ich der
Haut eines anderen Menschen eine Verletzung oder einen Schmerz zufüge, so entwürdige ich seine Person
und seine Unversehrtheit. Körperliche Gewalt entsteht insbesondere aus Gefühlen der Angst, Unsicherheit und Ohnmacht heraus, eine
Tatsache, der wir Erwachsene uns im Hinblick auf unseren Umgang mit Kindern und Jugendlichen stellen müssen. Körperliche Gewalt hat immer mit Macht, Abhängigkeit und Unterwerfung zu tun. Körperliche Gewalt wird gerade auch im Bereich der Erziehung oder innerhalb von Paarbeziehungen nach wie vor
als eher selbstverständlich angesehen. Körperliche Gewalt ist aber auch, wenn ich Dinge und Gegenstände, die dem anderen gehören, zerstöre.
Denn die Kleidung sowie die Wohnung eines Menschen sind als "Häute" zu verstehen (Bazon Brock),
die Kleidung als "zweite Haut" des Menschen, die Wohnung als "dritte Haut" des Menschen. Diese
Häute geben Schutz, Sicherheit, Geborgenheit. |
Kulturelle Gewalt Kulturelle Gewalt zeigt sich vor allem im Rassismus, Sexismus, Neo-Nazitum, Kolonialismus,
ferner in der Zerstörung der Umwelt sowie in dem zunehmenden Prozess unserer Gesellschaft als einer Zwei-Drittel-Gesellschaft. Kulturelle Gewalt heißt beispielsweise: die Reichen werden immer reicher, die Armen werden immer ärmer. Kulturelle Gewalt ist, wenn es in den Familien in erschreckendem Masse Armut und Tendenzen der Verarmung gibt. Kulturelle Gewalt ist, wenn nicht alle Kinder und Jugendliche Zugang zu entsprechender Bildung, Ausbildung sowie
zu den Medienwelten haben. Ungleichheit in unserer Gesellschaft wird einfach angenommen und nicht in Frage gestellt. Kulturelle Gewalt heisst: alles hat sich dem ökonomischen Diktat der Effizienzsteigerung und der Maximierung
des Profites unterzuordnen. Andere Wertvorstellungen, Gegenentwürfe und Alternativen sind nicht erwünscht
bzw. werden diskriminiert. Kulturelle Gewalt heisst aber auch "Schwarze Pädagogik": der eigene Wille, die eigene Lebendigkeit
werden gebrochen, (ab)getötet; Kinder werden manipuliert durch Lügen, Demütigungen, Liebesentzug;
die eigenen Wünsche und Vorstellungen der Kinder und Jugendlichen werden nicht berücksichtigt, bekommen
kein Gewicht. Kulturelle Gewalt zeigt sich aber auch in Slogans, wie "Kinder sind unsere Zukunft" oder "Kinder
müssen wieder strenger erzogen werden", "Kinder brauchen mehr Disziplin". Kulturelle Gewalt zeigt sich in abstraktem Leistungsdruck, indem beispielsweise die Kompetenzen und Erfahrungen
der Kinder und Jugendlichen, die sie außerhalb der Schule durch informelles Lernen machen, in der Schule
nicht anerkannt, gewürdigt bzw. zertifiziert werden. | Strukturelle Gewalt Strukturelle Gewalt bedeutet, dass die Menschen durch gesellschaftliche Strukturen
(wie Institutionen, Systeme, Verordnungen) in der Entfaltung ihres Menschseins behindert werden. Strukturelle Gewalt ist schwer zu erkennen, denn sie ist stabil im gesellschaftlichen Leben verankert und somit
sind die eigentlichen "Gewalt-Täter" unsichtbar. Da stellt sich die Frage "Wer ist eigentlich der Drahtzieher?": Die Institution, die Behörde, die Verordnung, die Anordnung. Die eigentlichen Täter sind verborgen, aber ständig wirksam. Strukturelle Gewalt lässt die Menschen überwachen, manipulieren, isolieren, dissoziieren, entwurzeln,
entfremden. Strukturelle Gewalt behandelt Menschen gewalttätig durch Strukturen und nicht durch andere Menschen. Die Menschen
können Strukturen aber nicht fühlen.
Folgen struktureller Gewalt sind beispielsweise Arbeitslosigkeit, Armut, Verwahrlosung, psychosoziale Belastungen
von Familien, ungünstige soziale Voraussetzungen, Anpassung, diffuse Ängste, Schamgefühle, Schulden
sowie Gefühle der Minderwertigkeit.
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