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DJI Bulletin

Heft 77 4/2006: Berichte

Berichte

 DJI BULLETIN Nr. 77 

4/2006


 

DJI-Kinderpanel: Die Frage nach den Ressourcen von Kindern

Was ist prägender:
Schicht oder Persönlichkeit?

Eine Kinderforschung aus dem Blickwinkel der Kinder stellt die Frage in den Mittelpunkt, über welche Ressourcen ein Kind verfügt. Ressourcen im Sinne von Mitteln, Gelegenheiten sowie Möglichkeiten beziehen sich dann beispielsweise auf die Gleichaltrigen-Gruppen, Freundschaften oder auf die aktive Freizeitgestaltung als einem informellen Ort des Lernens.
Ressourcen können einen Zuwachs an Kompetenzen bewirken und sind damit für den zukünftigen Erfolg der Kinder von Bedeutung. Die entsprechenden Ressourcen stehen aber nicht allen Kindern gleich zur Verfügung.
Was prägt nun die individuelle Ressourcenausstattung, was trägt zum persönlichen Erfolg im Bildungsbereich bei: die Zugehörigkeit zur Schicht oder die Persönlichkeit des jeweiligen Kindes?
Das Kinderpanel des DJI hat zu diesen Fragen Typen von Ressourcen entwickelt.


Zur Konstruktion der Typen
Um die individuelle Ausstattung von Ressourcen bei den Kindern zu erfassen, wurden kulturelle und soziale Muster der Alltagsgestaltung ausgemacht. Die kulturellen Muster beziehen sich dabei auf Folgendes:

  • Durchschnittlicher Schulerfolg: Durchschnitt der Noten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sport (ab der Sekundarstufe);
  • Freizeitaktivitäten: Kinder, die in ihrer Freizeit oft Ausflüge machen sowie oft ein Kino, Theater oder Museum besuchen, werden als aktiv angesehen. Diese Aktivitäten beeinflussen andere Bereiche ihres Alltagslebens positiv, beispielsweise die Partizipation in der Schule.
Bei den sozialen Beziehungen eines Individuums spielen Quantität und Qualität eine Rolle:
  • Die Quantität wurde im Kinderpanel durch die Frage nach der Anzahl der guten Freunde erfasst.
  • Die Qualität wird durch Merkmale der sozialen Kompetenz wie positives Konfliktverhalten in Streitsituationen unter Freunden oder Kontaktaufnahme (»fällt es dir leicht, neue Freundschaften einzugehen?«) beschrieben.
Merkmale der Typen von Ressourcen
Anhand der oben beschriebenen Merkmale lassen sich folgende vier Typen ermitteln:

Typ 1 verfügt über eine unterdurchschnittliche Ressourcenausstattung (eher isoliert)
Kinder vom Typ 1 sind in ihrer Freizeitgestaltung eher passiv, zeigen schlechte Schulleistungen, haben wenige oder keine guten Freunde, ferner fällt es ihnen schwer, neue Kontakte zu schließen.
Typ 2 verfügt über eine durchschnittliche Ressourcenausstattung (eher unauffällig)
Diese Kinder haben eine mittelmäßige Schulleistung; in der Freizeitgestaltung sind sie durchschnittlich aktiv; sie haben zwei bis fünf gute Freunde.
Typ 3 verfügt über ein hohes Freizeitpotenzial (eher aktiv in der Freizeit)
Kinder vom Typ 3 sind in ihrer Freizeit und in ihrem Freundeskreis sehr aktiv. Ihre Schulleistungen sind durchschnittlich/mittelmäßig. Sie verfügen jedoch über ein hohes Sozialkapital, da sie einen großen Freundeskreis haben und ausgesprochen sozial kompetent sind.
Typ 4 verfügt über ein hohes Bildungspotenzial (eher aktiv in der Schule)
Kinder vom Typ 4 sind in ihrer Freizeitgestaltung nicht ganz so aktiv. Sie haben überdurchschnittlich gute Schulleistungen, aber die Sozialintegration ist nicht so hoch wie beim Typ 3, was sich auch in der kleineren Anzahl an Freundinnen und Freunden niederschlägt.

Welche Faktoren sind prägend für den Erfolg der Kinder?
Viele Studien belegen, dass die Herkunft der Kinder einen bedeutsamen Einfluss auf den Erfolg der Kinder im Bildungssystem sowie in anderen Bereichen hat. Auch bei einem Blickwechsel auf die individuellen Ressourcen der Kinder lässt sich dieser Befund nachweisen. Darüber hinaus zeigt sich jedoch, dass Persönlichkeitsmerkmale wie beispielsweise die soziale und kognitive Aufgeschlossenheit, insbesondere aber die Selbstwirksamkeit eine wichtige Rolle spielen. Unter Selbstwirksamkeit wird dabei die allgemeine Überzeugung verstanden, dass man Handlungen selbst bestimmen und angestrebte Ziele auch bei Schwierigkeiten erreichen kann. Dieses Gefühl beeinflusst die Wahrnehmung, die Motivation sowie die Leistung auf vielerlei Weise.
Geht man davon aus, dass Freizeit, informelles Lernen sowie der Erwerb sozialer Kompetenzen mit dem Älterwerden der Kinder an Bedeutung gewinnen, dann verlieren entsprechend den Analysen des Kinderpanels die Schichteffekte gegenüber den Persönlichkeitsmerkmalen an Bedeutung.

Fazit
Eltern aus allen Schichten ist es wichtig, mit dem Kind aktiv etwas zu unternehmen.
Kindern der oberen Schichten wird dies vonseiten der Eltern jedoch öfters angeboten. Gleichzeitig sind diese Kinder erfolgreicher in der Schule. In ihren Familien spielt Bildung üblicherweise eine besondere Rolle.
Die Befunde aus dem Kinderpanel belegen aber, dass der Persönlichkeit der älter werdenden Kinder zunehmend mehr Bedeutung zukommt.

Sandra Ebner



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