Pflegekinderhilfe – Foster Care Service
Frühe Hilfen: ein Königsweg
zum besseren Schutz von Kindern?
Jedes neu geborene Kind ist ein aufregender Anfang. Fast alle Eltern möchten gut für ihr Kind sorgen. In seltenen Fällen aber gelingt es Eltern nicht, Zuneigung für ihr Kind zu empfinden; sie scheitern an einem Zuviel an Alltagsproblemen oder einem Zuwenig an Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes. Neugeborene und Kleinkinder fordern heraus. Offene Fragen und Unsicherheit der Eltern sind dabei normal. Kaum gibt es Mütter und Väter, die mit sich selbst völlig zufrieden sind. Schwerwiegende Einschränkungen in der Fürsorge gegenüber
einem Kind sind jedoch selten, aber nicht so selten, dass wir sie als Gesellschaft und Fachleute ignorieren könnten. Bei drohender Vernachlässigung oder Misshandlung steht für die betroffenen Kinder sowie für die beteiligten Eltern zuviel auf dem Spiel.
Können vorbeugende Hilfen
Gefahren abwenden?
Die Medien berichten in letzter Zeit gehäuft über schwerwiegende, manchmal tödlich verlaufene Fälle von Vernachlässigung bzw. Misshandlung. Viele Menschen wurden aufgerüttelt, und die bedrohten Kinder kommen verstärkt in den Blick von Öffentlichkeit und Politik.
Als vorbeugende Maßnahmen stehen frühe Hilfen derzeit ganz weit oben auf der Agenda für einen verbesserten Kinderschutz in Deutschland:
Internationale Forschungen zeigen, dass bei einem erheblichen Anteil der später bekannt werdenden Fälle von Vernachlässigung bzw. Misshandlung bereits um die Zeit der Geburt herum mehrere Risiken und Belastungen vorlagen. Dabei darf keinesfalls der Umkehrschluss gezogen werden, dass alle jungen Eltern mit mehreren Risiken und Belastungen zwangsläufig ihr Kind vernachlässigen oder misshandeln. Das Wissen um die Bedeutung früher Risiken und Belastungen kann aber aktiv genutzt werden, um betroffenen Familien freiwillig Hilfen anzubieten.
Frühe Hilfen verringern tatsächlich und nachhaltig die Häufigkeit von Kindeswohlgefährdung und können eine positive Entwicklung von Kind und Familie fördern, wie es mehrere weltweite Studien belegen. Demnach könnten eingesetzte öffentliche Mittel nutzbringend angelegt sein.
Qualität und Intensität der Hilfe
zählen
Frühe Hilfen zeigen nur dann Wirkung, wenn bestimmte Bedingungen gegeben sind: Hilfen müssen konzeptuell gut begründet, in der Gemeinde vernetzt und ausreichend beraten sein sowie intensive und viele Kontakte enthalten. Diese Anforderungen erhöhen natürlich Kosten und Aufwand, andernfalls sind jedoch alle Mühen umsonst. Die relativ hohe Wirkschwelle (d. h. eine für positive Veränderungen nötige, relativ hohe Investition von Geld und Zeit) ist ein gutes Argument für eine Strategie, die begrenzten Ressourcen für die Prävention auf diejenigen Familien zu konzentrieren, die Hilfen am dringendsten benötigen.
Nachhaltige Erfolge im Bereich früher Hilfen sind nicht einfach zu erreichen. Die gute Absicht und der tatsächliche Erfolg fallen leicht auseinander.
Was tut Deutschland?
In der Bundesrepublik wurde das Thema frühe Hilfen relativ spät entdeckt. Dadurch kann Deutschland von im Ausland bereits gemachten Erfahrungen profitieren. Dennoch ist zu prüfen, welche Wege im Bereich früher Hilfen hier zugleich gangbar und wirksam sind, denn erfolgreiche Konzepte in einem anderen Land funktionieren nicht zwangsläufig auch in der eigenen Gesellschaft.
Das Interesse an einer Weiterentwicklung früher Hilfen in Deutschland ist bei Politik sowie Jugend- und Gesundheitshilfe aktuell vorhanden:
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) investiert in den nächsten Jahren 10 Mio. Euro in den Aufbau früher Hilfen.
Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen und Kommunen wie Düsseldorf haben bereits zuvor wegweisende Initiativen gestartet.
Fachkräfte aus der Jugend- und Gesundheitshilfe haben an vielen Orten erkannt, dass es gerade in den ersten Lebensjahren, in denen Kinder noch keinen Kindergarten besuchen, auf ihre Zusammenarbeit ankommt, wenn gefährdete Familien erreicht werden sollen.
Die eindrucksvolle Vielfalt der bereits bestehenden Initiativen wird in einer vom BMFSFJ in Auftrag gegebenen und vom DJI fertiggestellten Kurzevaluation früher Hilfen dokumentiert. Allerdings liegen noch keine belastbaren Befunde zur Wirksamkeit dieser Initiativen vor, die oft unter hohem persönlichem Einsatz der beteiligten Fach- und Leitungskräfte gestartet wurden. Einige methodisch tragfähige Evaluationen laufen jedoch bereits oder befinden sich in Planung; auch hier beteiligt sich das DJI.
Frühe Hilfen sind bei weitem noch nicht flächendeckend verfügbar. Zudem genügt es nicht, ausschließlich auf Prävention zu setzen. Deshalb müssen auch die fachlichen Ressourcen der Jugendämter und freien Träger gestärkt werden, damit wirksame Hilfe geleistet werden kann, wenn es denn zu einer Kindeswohlgefährdung gekommen ist.
Heinz Kindler
Literatur
Helming, Elisabeth / Sandmeir, Gunda / Sann, Alexandra / Walter, Michael (2007): Kurzevaluation von Programmen zu Frühen Hilfen für Eltern und Kinder und sozialen Frühwarnsystemen in den Bundesländern. Abschlussbericht. München
Kontakt: kindler@dji.de